Ka Hader

Mittelschnipsel: Leben und Erleben

en und leben entstand durch zwei Schreibaufgaben zusammen gefasst: Ein Bild mit zwei Händen. Eine Ältere und eine Jüngere. Die Wörter Grün, freudig, Frauen auf einer Parkbank.
Dann schaut mal, was so mittig geschrieben steht.

Wir gehen langsam den Weg entlang, die kühle Luft lässt uns näher rutschen. Ihre Stimme passt sich immer der Geschichte an. Heute bekomme ich die Begebenheit erzählt, wo ihr Mann, ihr einen Antrag machte. Wir setzen uns auf eine Bank, die es zu Haufen in dem Park gibt. Ihr Blick geht über das abgestumpfte Grün des Grases, das Braun der Blätter auf dem Boden und die tristen Äste der Hecke, die als Grenze gedacht ist.

„Warum tun Sie sich das eigentlich an?“, fragt sie mich auf einmal. Verwirrt sehe ich sie an. Sie nimmt meine Hand. „Sehen Sie sich doch an, Sie sind jung und hübsch, warum vertrödeln Sie sich ihre Zeit, mit alten Geschichten von noch viel älteren Frauen und Herren?“

„Wer das alter nicht ehrt, der weiß nicht zu leben. Davon abgesehen, lausche ich ihnen ganz gerne.“ „Unterschiedliche Generationen, sichtbar durch Hand auf Hand. Hell, faltig und schlieren gegen straff, dunkel und fast makellos“, geht mir durch den Kopf, als ich unsere Hände betrachte. Ich wende mich wieder an sie. „Das Leben, ihr Leben ist es wert gehört zu werden.“

„Das vielleicht, aber ihr Leben ist noch vor ihnen und sie vertrödeln es mit mir.“

„Ich sehe es nicht als vertrödelt an. Ich verbringe gerne Zeit mit Ihnen, mit allen hier.“

„Wir sind kein Ersatz für eine eigene Familie.“

„Wollen Sie mich loswerden?“

„Nein.“ Sie seufzt. „Aber ich will, dass Sie Leben, etwas erleben und nicht in der Fantasie. Wirklich die Steine in den Griechischen Ausgrabung berühren, oder den Ausblick vom Eiffelturm genießen. Sie können Geschichten, Bilder und Emotionen sich erfühlen, aber nichts ist gegen die Realität.“ Sie tätschelt meine Hand. „Ich bekomme gleich besuch, bringen Sie mich zurück?“

Ich nicke, bin aber etwas verwirrt von ihrem Verhalten. Gemütlich schlendern wir zurück. „Sie haben mich nachdenklich gestimmt.“

„Ist den etwas Gutes herausgekommen?“

„Nein“, gebe ich zu, was sie zum Lachen anregt. „Und solang haben Sie mich noch an der Backe liebe Frau Hess.“

„Gut, ich habe noch einiges zu Erzählen, aber denken Sie immer daran, das Leben bleibt nicht stehen, nur weil Sie verweilen.“

„Ja, das habe ich verstanden.“ Ich bringe sie in ihr Zimmer, helfe ihr aus ihrer Jacke und reiche ihr ihre grüne Strickjacke. „Kann ich noch etwas für Sie tun?“

 

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