Lovestory Hader

Mittelschnipsel: Strahlen von Innen

Ich ging zur Kommode und stellte meinen Koffer ab, blickte zu dem Mann. „Also ich bin Michelle.“ Die Unmut verstand ich, sein Gesicht war, vernarbt und doch strahlte er etwas aus, was ich nur als besonders schön empfand. Seine grünblauen Augen blitzen kurz auf, seine Lippen zuckten kurz, dann nahm er seinen, herablassende Haltung wieder an. Doch ich lächelte weiter, nicht nur dass mich die Reaktion, etwas amüsierte, irgendetwas hatte der Mann an sich, das ich mich am liebsten auf ihn gestürzt hätte. „Ich brauche dringend einen Freund“, tat ich es gedanklich ab.

„Sie brauchen sich keine Mühe zu geben“, knurrte er. Tessa schüttelte den Kopf und ließ uns alleine.

Ich lächelte und legte meine Hand auf seine Schulter. „Glauben Sie mir, so viel brauch ich bei ihnen nicht, um sie hübscher zu machen. Aber der Vertrag will es anders.“

Er schnaubte. Ich fing an, meine Sachen aus zu räumen. „Wie können Sie so einfach mit mir umgehen.“

Schnell nahm ich mir einen Stuhl, der etwas weiter wegstand. „Ich will ihnen nicht zu nahe treten, ich finde, sie sind ein sehr schöner Mann. Äußerlichkeiten kann man ändern, aber das Innere und das, was sie haben, ist das, was bleibt. Ja Sie sind mürrisch, doch, erkenne ich Ihr strahlen.“

„Darum ist Tom von ihnen so angetan.“

Ich blinzelte. „Wer bitte ist Tom?“

„Mein Bruder. Der Grund, warum Sie heute hier sind.“

„Ich dachte, weil ich Sie schminken soll.“

„Ja das auch, aber weil er bestanden hat, dass Sie es sind.“

Mein Verstand arbeitete und ich kam auf keinen grünen Zweig, wer zum Teufel war Tom. Ich schüttelte den Kopf, es war ja auch egal, wer er war oder ist, ich war hier, um zu arbeiten, das tat ich jetzt auch.

„Und wollen Sie mir erzählen, wie das passiert ist?“

„Was sagen sie dazu, wenn wir uns duzen. Ich bin Sascha.“

„Geht in Ordnung, aber das heißt nicht, dass ich meine Frage vergessen habe.“

Ich bin einfach neugierig. Statt einen Schwamm zu nehmen, was ich normal tat, wischte ich die Grundierung mit den Händen auf. Ich merkte die Anspannung in ihn. Aber ich wollte ihm zeigen, dass ich keine Angst davor habe. Zugegeben ich wollte ihn auch spüren. „Du hast eine ganz weiche Haut“, flüstere ich.

„Das traut sich nicht mal meine Verlobte“, gesteht er mir leise.

Ich lächle ihn an. „Warum nicht?“

„Das musst du sie fragen, denn ich weiß es nicht.“ In seinem Blick wahr sehr viel schmerz zu sehen. Da fragte ich mich das erste Mal, warum sie ihn dann heiraten will.

„Kennt ihr euch schon lange?“

„Seit der Grundschule.“

Während ich weiter mache, erzählt er mir leise, wie der Unfall passiert ist. Die Gänsehaut überfällt meinen Körper, er hatte wirklich glück. Ein Lastwagen fuhr ihn frontal drauf. Die Windschutzscheibe verewigte sich in seinem Gesicht. Aber nicht nur das, der Fahrer hatte Ziegelsteine auf dem Beifahrersitz, die sich lösten und nur knapp seinen Hals und Kopf verfehlten. Mein Atem stockte und mir kamen die Tränen. Sanft wischte er mir die Tropfen von meiner Wange.

„Nicht weinen. Ich kann das nicht sehen.“ Er stand auf und umarmte mich und ich erwiderte es. Mein Kopf lag auf seiner wohldefinierten Brust und hörte sein Herzschlag, der etwas schnell ging. Ich hatte keine Ahnung, wie lang wir so da standen. Nur, das Ich mich wohl fühlte und geborgen. „Danke“, flüstert er mir zu.

„Ich muss mich bedanken, du hast so eine starke Persönlichkeit.“

„Findest du?“

„Ja ganz gewiss, ich glaube, nein ich weiß, dass ich das nicht könnte.“

„Wenn du so weiter machst, überlege ich mir das mit der Hochzeit.“ Jetzt musste ich lachen. „So gefällst du mir besser.“

Ich wischte mir über die Wangen. „Wir sollten weiter machen, dass du noch vor dem Altar kommst. So langsam glaube ich, du bekommst kalte Füße.“

Er schmunzelte und setzte sich wieder. „Tessa hat sich verändert.“

„Würde jeder Mensch, du hast dich bestimmt auch verändert. Es ist ein Schicksalsschlag, der bei niemanden so leicht vorbei geht.“

„Das sage ich ihm auch immer“, hörte ich von der Tür. Wir drehten uns um.

„Tom“, knurrte Sascha. Da fiel es mir wieder ein, wer er war, der schöne Nicht-Model-Mann. Wenn die zwei Brüder sind, kann ich verstehen, warum Sascha so mürrisch geworden ist, äußerlich bezogen.

„Schön dich wieder zusehen, Michelle.“

„Hallo Fremder, ich würde gerne hier weiter machen.“ Sascha drehte sich wieder um, aber das Schmunzeln konnte ich deutlich sehen.

„Ich merke schon, ich störe.“ Er hob die Hand und ging aus dem Zimmer.

„Du weißt wieder, wer mein Bruder ist“, gab er etwas traurig von sich.

Ich stupste ihn an. „Du musst dich nicht hinter ihm verstecken.“

„Ach nein?“

„Definitiv nicht. Du hast mehr Ausstrahlung als er. Ihn habe ich vergessen, aber an dich werde ich mich immer erinnern.“

„Das Monster, was du schminken musstest.“

Jetzt boxte ich ihn fester und er fing an zu lachen. „Sei nicht so zu dir selber.“

Er atmete tief durch. „Ich muss dir wirklich danken.“

„Warum?“

„Du bist die erste Fremde, die absolut normal mit mir umgeht.“

Ich beugte mich vor. „Weil ich dich sehe. Ein wahnsinnig attraktiver Mann, der einen megaguten Schutzengel hatte und ich bin sehr froh, dich kennengelernt zu haben.“ Wir sahen uns in die Augen, seine strahlten in einem grünblau, dass dumme sie faszinierten mich, er tat es, wie noch keiner vor her. „Aber er wird heute Heiraten“, rief ich mir ins Gedächtnis und nahm Abstand.

„Wie seit ihr zusammengekommen?“, fragte ich ihn schnell, zugegeben auch um mich zu erinnern, dass ich nicht die bin, die er heute vor den Altar das Ja-Wort gibt.

„Oh“, machte er. Dann erzählte er mir, wie sie in der Grundschule schon immer an ihm gehangen hat, dass in der Realschule, er sie irgendwie vermisst hat. Wie sie sich auf ihrer Abschlussfahrt wieder begegneten und dann einfach etwas ausmachten. Sie waren zusammen. Für mich klang das teilweise süß, doch auch negativ. Er berichtete, wie sie für ihn da war, nach dem Umfall, was sie alles für ihn getan hat und er sich deswegen einfach revanchieren wollte. Was mich anging, ließ es mein Herz erwärmen. Er tat es für sie, weil er sie liebte, dass mir wieder ein Stich gab. Ich verstand sie aber immer noch nicht. Für mich war er schön und sollte sie ihn nicht so lieben, wie er war.

Dann setzte ich die letzte Hand an. „Am liebsten würde ich es dir wieder wegwischen!“

„So gruselig?“

„Nein, weil ich finde, dass du das nicht brauchst. Tessa sollte das auch so sehen.“

„Tut sie aber nicht und für die Bilder, will sie das.“

Ich schüttelte seufzend den Kopf und sortierte meine Sachen ein. „Ich geh dann mal zu deiner Verlobten.“

„Darf ich dein Kunstwerk sehen?“

„Oh ja, natürlich. Ich habe vergessen, dass da kein Spiegel ist. Normal ist das nicht so.“ Ich holte meinen kleinen Taschenspiegel raus und reichte es ihm.

„Oh wow, das sieht …“ Er betrachtete sich von allen Seiten. „Als wenn ich nie den Unfall gehabt hätte.“ Ein Ebenbild seines Bruders, für mich aber war Sascha schöner. Er stand auf und umarmte mich.

„Sag jetzt nicht danke, es ist mein Job.“

„Geh aus meinem Kopf raus.“

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