Wöchentliche Geschichten Challenge März

Die wöchentliche Geschichten Challenge geht in die dritte Runde. Hier beginne ich aber für euch eine Geschichte, die ich für die Aufgaben geschrieben habe. Viel Spaß mit Kate und Teil 1

Wöchentliche Geschichten Challenge

Schon als ich die Tür aufmache, kommt mir der Qualm und Geruch von Zigaretten entgegen. Seufzend reibe ich meine Lider, eigentlich habe ich gehofft, dass meine Mutter bereits zur Arbeit ist, auf eine Du-musst-dein-Leben-besser-im-Griff-haben-Debatte habe ich keine Lust.
„Ashley Kate Althaut, es ist halb, sieben Uhr morgens, wo warst du?“, schreit sie mir von der Küche entgegen. Beweis Nummer zwei, meine Mutter ist Sauer und das nicht gerade wenig.
Ich verdrehe meine Augen und suche nach einer guten Ausrede, die sie mir abnimmt. „Lea hat ihre Prüfung bestanden, da mussten wir feiern.“ Was ja nicht ganz gelogen ist. Sie hat vor ein paar Wochen Bescheid bekommen, dass sie es geschafft hat. Ja, zugegeben, das haben wir da nicht gefeiert, denn dazu brauchen wir nun mal kein Grund oder Aufforderung.
„Ach ja“, sagt sie.
Die Schlüssel hänge ich hin und ziehe die Schuhe aus. Langsam gehe ich durch den Flur in die Küche. Statt mich zu ihr an den Küchentisch zu wenden, der schon eine Kanne Kaffee und zwei Tassen beherbergt, gehe ich an die Küchenzeile und schinde Zeit. „Kekse, hier müssen Kekse doch irgendwo sein“, geht mir durch den Kopf.
„Ashley.“
„Kat, bitte Mam du weißt, wie ich das hasse, nur weil du diesen Spleen hattest, muss ich darunter leiden.“
„Ich mein es doch nur gut, du bist zweiundzwanzig und wirfst dein Leben weg. Du hast ein sehr gutes Abi gemacht und jetzt …“ Sie seufzt. „Ich verstehe dich einfach nicht, willst du so enden wie ich?“
Wie ich diese Gespräche hasse. „Ich schaue nachher nach einem Studium oder Ausbildung zu frieden?“
„Als was?“
„MAM!“
„Na wie willst du schauen, wenn du keine Ahnung hast?“
Keine Ahnung warum ich auf diese Idee komme, aber ich sage zu ihr: „Innenausstatter, Innenarchitekt so etwas.“ Ich blicke über die Schulter zu ihr und sie sieht mich an, als wenn ich ihr die Welt zu Füßen gelegt hätte.
„Mach das, ich muss zur Arbeit.“ Ein Kuss auf meine Wange und fröhlich pfeifend verlässt sie das Haus. Manchmal zweifle ich ihr Erbgut zu sein.

Nachdem ich abgetrocknet bin, setze ich mich auf mein Bett und greife nach dem Festnetz. Schon nach dem zweiten Klingeln nimmt Tina ab. Ihre Atmung ist schnell und das liegt definitiv nicht an dem schnellen griff zum Handy. Bestätigt wird mir es durch ein bekanntes Stöhnen im Hintergrund. „Was?“, fragt sie.
„Ich habe einen Knutschfleck auf der Schulter, weißt du was?“
„Vielleicht mit dem du abgezogen bist?“
Okay, den Vorbehalt muss ich mir gefallen lassen, das ihre Worte aber so hämisch ausgesprochen sind, finde ich nicht gerade prickelnd. Zumindest treibt sie es gerade mit dem Kerl, der angeblich mit mir mehr haben will, da könnte ich eigentlich sauer sein. Bin ich aber nicht. Sven ist ein lieber und ja wir haben schon seit mehreren Monaten hin und wieder Sex, aber muss ich deswegen, mich verstellen und auf Beziehung machen? „Wer war es?“, frag ich sie daher genervt.
„Keine Ahnung, Jen hat ein Bild von ihm, oder euch.“
„Keine Ahnung? Wie gehen seit Jahren in den Schuppen und kennen so gut wie jeden da drin, wie kannst du ihn nicht kennen?“
„Tun wir nicht und jetzt störe nicht weiter!“ Das war Sven und eindeutig sauer. Bevor ich darauf etwas sagen kann, klingt schon der Ton, nachdem man aufgelegt hat.

Kopfschüttelnd ziehe ich mir etwas an, schlender in die Küche und schaue, ob noch etwas Kaffee da ist.
Nur noch eine halbe Tasse des Koffeinhaltigen Getränk, toll dann muss ich ja eine aufsetzen. Der Anrufbeantworter blinkt. Ich muss ihn nicht abhören. „Hey, ich bin es Mam, muss wieder länger arbeiten.“ Bla bla bla, wie immer halt.
Gerade als ich mein Handy herziehe, um Jen anzurufen, als es an der Tür klingelt.
Verwundert mache ich einem kleinen Blonden jungen die Tür auf. „Ja?“
„Sind sie Kate?“
„Warum willst du das wissen?“ Er reicht mir mein Tagebuch, entsetzt entreiße ich ihm es. „Woher hast du das?“
„Lee sagt, ich solle es dir geben?“
„Woher hat er es?“ Waren wir gestern hier? Warum hab ich es ihm gegeben? „Und wer ist Lee überhaupt?“
„Mein Onkel“, sagt der kleine nur noch über die Schulter hinweg. „Alles andere musst du mit ihm klären.“ Er läuft auf einen schwarzen Mercedes zu und steigt dann hinten ein. Dem Wagen kann ich samt Passagiere nur hinterher starren.
Ich rekapituliere den Abend. Wir sind zu dritt ins „Plan D“ gegangen. Jen, Tina und ich. Dort habe ich ein paar Drinks mir genehmigt und dann … ja was dann, ich muss einen Typen geangelt haben, der noch nie da gewesen ist. Mit dem ich anscheinend hier nach Hause gegangen bin, dann zum „Klee“ und ihn mein Tagebuch zum Lesen gegeben habe. Was bitte sehr hab ich getrunken, so bezecht konnte ich doch nicht gewesen sein.
Wieder schüttele ich meinen Kopf auf dem Weg zur Küche zurück. Ich muss dieser Sache auf dem Grund gehen! Der Typ kennt Sachen von mir, die niemand weiß und auch so bleiben soll.

Ich greife zu meinem Handy und rufe Jen an, die lässt sich Zeit und als ich schon denke, das wird nichts, höre ich sie verschlafen. „Hallo?“
„Hey, ich bin es, Tina meint, du hast ein Bild von meiner Eroberung, könntest du mir das schicken? Und weißt du zufälligerweise mehr über ihn?“
„Kat es ist nicht mal zehn, warum muss das jetzt sein?“
„Bitte?“
„Ich weiß nichts, du hast kaum jemand an ihn ran gelassen und ihr seid sehr schnell abgezogen.“
„Weißt du wohin?“, frage ich und mir ist klar, dass ich verzweifelt klinge.
„Nö, ist mir aber auch egal.“
Was kommen den da für Töne? „Wie bitte?“
„Schon richtig gehört.“
„Jen, was ist los?“
„Sven.“
„Du meinst deinen Bruder, der gerade bei Tina ist und sie vögelt?“
„Er hat dir gesagt, das er dich liebt und was machst du …“
Mein Lachen unterbricht sie. „Guter Witz, wir haben Sex und keine inklusiv rechte. Ich will keine Beziehung und er auch nicht, also was soll der Scheiß? Davon abgesehen, dass er es schon nicht ernst meinen kann, sein Ding steckt in Tine.“
„Ding? Bist du dir jetzt vornehm Schwanz oder so zu sagen?“
„Nein!“ Keine Ahnung, warum ich es so gesagt habe. „Ist auch egal, wie ich es nenne, es ist Fakten, daher schick mir das Bild bitte und …“
„Und?“
„Sag deinem Bruder, er braucht sich bei mir nicht mehr melden, er soll bei ihr bleiben, sie ist die richtige für ihn.“ Davon abgesehen, dass sie sich schon ewig kennen und zusammen passen, fühlt es sich richtig an und es erleichtert mich. Auch, wenn ich weiß, dass ich dadurch sehr viel weniger Sex haben werde.
„Was ist nur los mit dir?“
„Ich habe nichts.“
„Sicher, aber egal geh ins Bett, wir sehen uns heute Abend.“

Ich lege auf, nehme mir die halbe Tasse mit Kaffee und stelle mich auf die Terrasse. Mein Blick wandert durch den Garten. Wir wohnen hier schon immer. Das Haus ist seit Generationen schon in dieser Familie. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, es zu behalten oder hier zu leben, doch gerade drängt sich diese Frage in meinen Kopf. Genauso, was der Kerl haben muss, dass ich es tue, den eindeutig muss er dafür verantwortlich sein.
Der letzte Schluck meines Getränks ist weg. Ich will hereingehen, sehe aber zu dem alten Vogelhaus. Meine Oma liebte Zwerge und das Ding hat mein Opa ihr geschenkt. Ein Häuschen, oder eher ein Korb mit Holzstangen als Dach und ein Zwerg, der gemütlich da drin liegt. Plastikblumen und Gras, die darum drapiert sind. Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind immer damit gespielt habe. Ich war ein Schneewittchen Fan und für mich war diese Figur entweder Schlafmütze oder Seppel. Nur was ich dabei sein wollte, weiß ich nicht mehr.
„Jen hat eindeutig recht, ich sollte ins Bett gehen.“ Zu viel geht mir durch den Kopf, was ich nicht nach hinten schieben kann.
In der Küche stelle ich die Tasse in die Spüle und lasse Wasser laufen. Eine neue aufzusetzen wird jetzt nichts bringen, da es auch in der Thermoskanne bis meine Mutter wieder kommt, kalt sein wird. Daher verstaue ich sie nach einer Reinigung ebenfalls.
Mein Handy blinkt und das gewünschte Bild ist in unserer Gruppe. Vor ein paar Minuten wollte ich noch wissen, wer Lee ist und warum ich Dinge anders betrachte, aber jetzt weiß ich nicht, ob ich es wirklich wissen soll.

Ich schüttel meinen Kopf und lege mein Handy beiseite. Für mich ist diese Geschichte beendet! Da Sven ja beschäftigt ist und ich bei ihm nicht ankommen will, muss ich jetzt bei jemand anderes mein Glück versuchen. Schnell hole ich meine Jacke und Tasche, schlüpfe in meine Schuhe und gehe ein paar Stellen abklopfen. Darum stehe ich circa bei meinem dritten Versuch bei Math, der mich mit seinem falsch auf gesetztem Cape nur schmunzelnd aber kopfschüttelnd abspeist.
„Warum nicht?“, quengel ich.
„Du weißt warum.“
„Nein!“
Er lacht auf. „Setz dich dann können wir gleich reden.“
„Du bist langweilig.“
Er nickt zu einem Tisch im Eck. Seufzend setze ich mich hin und beobachte ihn, wie er die anderen Gäste noch schnell bedient. Seine dunkelbraunen Augen mustern mich, als sein schlanker Körper sich gegenüber platziert. Das Cape legt er auf die Tischplatte und er geht durch sein schulterlanges schwarzes Haar. „Weißt du eigentlich das mein bester Freund …“
Ich winke ab. „Ich kann es heute nicht mehr hören. Sven hat mit Tina geschlafen und das habe ich mit eigenen Ohren gehört.“
„Daran bist du selber schuld.“
„Ich will keine Beziehung schon gar nicht mit ihm.“ Ich atme durch und starre den Tisch an. „Wie ich Jen schon sagte, er und Tina passen besser zusammen.“
„Das glaube ich dir nicht, den letzte Woche hast du ganz anders gesprochen.“
„Moment mal ich sagte nichts davon, das ich eine Beziehung mit ihm möchte, nur, dass es quasi irgendwie eine offene Beziehung auszeichnen könnte, so oft wie wir miteinander ins Bett gehen.“
Seufzend lehnt er sich an und mustert mich. „Ich habe euch beide nie verstanden, ehrlich nicht. Ihr beide seid, wie Karnickel. Kaum trefft ihr aufeinander, seid ihr euch am Heißmachen, es dauert nicht lang, da sieht man euch nicht mehr. Jetzt hat der eine endlich geschnallt, was das wirklich ist, und nun kommst du so daher.“
„Das sage ich nicht erst seit heute.“
„Mit wie vielen Männern hast du noch geschlafen?“
Ich grinse und spüre die Lehne in meinem Rücken. „Definitiv mehr als mit ihm. So wie er auch mit anderen.“
„Jen ist Rache, schon seit einem guten halben Jahr bist du die Einzige.“
„Quatsch, die Blonde letzte Woche, ist mit ihm aufs Klo verschwunden.“
„Hat er davor abblitzen lassen, wollte ich eifersüchtig machen.“
„Und …“
„Kate du kannst kommen, mit welcher du willst, es lief immer so ab.“
Ich beuge mich vor. „Also soll ich jetzt mich ändern, weil er plötzlich meint, seine Gefühle sind wichtiger als das, was ich will.“
„Eine Chance …“
Ich runzel die Stirn, ich habe keine Ahnung, warum er sich unterbricht und auch noch neben mich Start, bis mich jemand auf die Wange küsst. Erschrocken rutsche ich weiter hinein. Vor mir steht ein Mann, den ich im bewussten Zustand noch nie gesehen habe. Eine blonde Elvis-Locke, gebräunt einen süßen schiefen Mund, der stärker hervorkommt, wenn er lächelt, hellblaue Augen und einem Oberkörper, der trainiert aussagt.
„Schön, dass du gekommen bist.“ Meine Stirn schlägt noch tiefere Falten, wenn das überhaupt möglich ist.
„Ich glaube nicht, das die Freundin meines besten Freundes auf dich gewartet hat“, gibt Math von sich.
„Ich bin nicht mit Sven zusammen und das will ich auch nicht, verdammt, dreh nicht immer alles so, wie du des gerade willst“, gehe ich ihn an.
„So oft wie wir im Bett sind, könnte man es eine offene Beziehung fast nennen“, wiederholt er meine Worte.
„Genau fast, ist es aber nicht.“
Weil er anscheinend bei mir auf Granit beißt, wendet er sich an den Typ. „Weißt du, mit wie vielen sie schon im Bett war?“
„An die Dreißig laut ihr und ihrem Tagebuch“, sagt er und blickt verlegend lächelnd zu mir. Dann muss das dieser Lee sein. „Und wenn du der Math bist, wie ich vermute, warst du nicht untätig.“
Math greift sich sein Cape. „Ich muss arbeiten!“ Er steht auf. „Die zweimal waren Ausrutscher.“
„Zweimal?“, will ich wissen.
„Fick dich Kate!“, faucht er mich an und geht wieder hinter seinen Tresen.
Mir gegenüber nimmt jetzt Lee Platz. „Du erkennst mich nicht, oder?“
„Nicht wirklich.“ Ich hole Luft.
„Schon in Ordnung du hast ja gesagt, dass Alkohol und du nicht so kompatibel sind.“ Er wendet sich zur Theke, wo wir scharf beobachtet werden. „Sollen wir woanders hingehen, denn ich glaube nicht, dass wir noch länger allein sein werden.“
„Warum habe ich dich, mein Tagebuch lesen lassen?“
Sofort habe ich seine aufmerksam wieder bei mir. „Als du mich zu euch Tisch geholt hast, haben deine beiden Freundinnen gleich mit Themen angefangen, die, sagen wir, nicht gerade dich in einem guten Licht dastehen lassen.“ Er erhebt sich wieder. Ein Kloß bildet sich in meinem Hals. „Na komm lass uns etwas gehen.“
„Bist du dir sicher?“
„Du hast mir dein Tagebuch gegeben, wir haben die ganze Nacht geredet und ich mache mir immer erst mein eigenes Bild.“ Er streckt seine Hand nach mir aus. „Jetzt komm schon.“
Langsam lasse ich meine Finger über seine raue Innenhand fahren und dann aufhelfen. Ich weiß nicht wirklich, was ich von ihm halten soll. Er ist so schön, dass es irgendwie komisch ist, dass er an mir Interesse hat. Wir anderen kennen uns in diesem Städtchen eben von klein auf, wir haben Bäumchen wechsel dich gespielt und ausprobiert. Alkohol und andere Substanzen lassen den Scham-Level sehr niedrig halten. So gesehen habe ich die meisten Penisse der Jungs in meinem Alter schon mit vierzehn gekannt, ein Jahr später auch mal in mir gehabt. Aber dementsprechend zerrüttet sind wir auch. Eifersucht ist noch nie ein Thema bei uns gewesen. Nicht als die Ersten wirklich sich gebunden haben und auch nicht, als einige neue zu uns zogen.

Ich habe keine Ahnung, wohin mich Lee führt und warum überhaupt, den er schweigt neben mir. Wir kommen an einem Haus an. Es ist ein altes und kleines Einfamilienhaus. Ich weiß, dass hier eine Frau darin gewohnt hat, die vor ein paar Monaten in einem Altersheim verstorben ist. Sie hatte nur eine Tochter und die ist schon mit achtzehn für immer verschwunden. „Bist du mit der Graham verwandt?“
Sein Blick geht zu mir. „Du weißt echt nichts mehr.“ Dann sperrt er die Tür auf. „Ich bin ihr Enkel.“
„Oh, dann mein Beileid.“
„Ich kannte sie nicht mal, im Grunde wollte ich nur hier her, es herrichten und verkaufen.“
„Ich verstehe.“
„Nein tust du absolut nicht.“ Wir gehen einen langen Flur, in eine kleine Küche. Es gibt eine alte Küchenzeile, auf der mehrere Gläser mit dreckigem Wasser platziert sind.
„Dann erkläre es mir“, bitte ich ihn, auch wenn meine Aufmerksamkeit eher auf den Inhalt der Gläser sich befindet.
„Das ist Wasser aus den verschiedenen Räumen: Küche, Bad, Waschküche, Keller und so.“ Er reicht mir eins und ich weiche zurück, so nah stinkt es erbärmlich.
„Ist da ein Tier darin gestorben.“
„Glaub mir Wasserleichen riechen schlimmer, es ist nur Erde und Rost. Nicht mal giftig, wurde mir gesagt.“
„Wirklich?“
„Schmeckt nach Teich Wasser.“ Er lacht und stellt es wieder weg. „Ich kam ziemlich spät hier an und hatte Durst, somit habe ich nicht gesehen, dass es so aussieht, der Geruch vernahm ich erst später, da hatte ich schon die Hälfte des Glases hinuntergeschluckt.“ Mich schüttelt es bei den Gedanken. „Am nächsten Morgen war ich dann beim Arzt, da wurde das Wasser untersucht. Also ja ich bin mir sicher.“
„Und warum sind wir hier?“
„Nach gestern wusste ich, dass mit dir allein zu sein eine fast unmögliche Aufgabe ist. Ständig taucht jemand von ihnen aus. Da habe ich mir gedacht, dies hier ist mein Haus und wir können ungestört sein.“
Ich runzel die Stirn. „Ungestört?“
„Ich habe dir gestern schon gesagt, ich bin nicht so ein Typ.“ Er geht zur Terrassentür und öffnet sie. „Ich habe ein Picknick vorbereitet, das wir uns besser kennenlernen.“
„Aber nicht mit so einem Wasser?“
„Keine Angst, der Teich ist schon vor langem vertrocknet.“
Er bietet mir seinen Arm an. So etwas kenne ich nicht. Und was soll das heißen, so ein Typ ist er nicht? Mein Blick geht über ihn. Kennenlernen, wann habe ich jemanden mal richtig kennengelernt?

Die Menschen, die sich so gesehen bei uns verirren, sind auf der Durchreise. Was braucht man den da groß schon? Name und eine Übereinkunft, egal ob verbal oder nonverbal. Mich interessiert auch nicht, ob derjenige eine Wartende zu Hause sitzen hat. Der Spaß ist das, was uns in diesem Moment verbindet.
Aber das alles ist nicht Lee, er ist irgendwie anders. Bin ich deswegen so nachdenklich?
Ein Schritt von ihm in die frische Luft und ein schmunzelnder Blick zu mir. Ich finde es süß, wie sein Mund dadurch etwas schiefer wirkt. Er streckt mir seine Hand hin. „Traust du mir?“
„Na ja, dein Garten ist klein und du bist gerade am Modernisieren.“
Sein Lachen ist laut und ansteckend. „Na komm, wenn ich dir was antun hätte wollen, wäre gestern der beste Zeitpunkt gewesen.“
Leider muss ich es bejahen. Daher nehme ich seine Hand und folge seiner Aufforderung. Nach ein paar Schritten in dem vertrockneten Gras ist eine Decke ausgebreitet. „Ein Picknick im März hat man echt selten.“
„Es liegt kein Schnee und auch die Sonne lässt sich sehen, also warum nicht?“
„Stimmt wohl.“ Ich lasse mich da nieder, als er meine Hand loslässt. „Was hast du jetzt hier vor?“
„Um ehrlich zu sein, kann ich es dir nicht sagen. Ich habe eine Arbeit und eine Wohnung, aber irgendwie fühlt es sich falsch an, wenn ich den Gedanken habe es einfach nur zu renovieren und dann zu verkaufen.“
„Dann wirst du es behalten?“
„Ich weiß es nicht.“
Endlich nimmt er auch Platz und sieht mich an. „Ich weiß, das du dir gerade nicht die Gedanken um die Zukunft machst, aber ist das wirklich das, was du willst?“
„Was meinst du damit?“
Seine Hand streichelt über meine Wange. „Du bist klug und witzig, warum wirfst du dein Leben weg?“
In meinem Kopf kommen seine Worte sehr wohl an, doch ich bin nur darauf konzentriert, was er tut und wie sehr ich seine Lippen küssen will. „Weiß nicht“, sage ich leise.
Sein Blick geht auf meinen Mund, ruckartig steht er dann auf. „Kate du verstehst es nicht, dass hier geht nach einem anderen Prinzip oder du gehst!“
„Nach einem anderen Prinzip?“, hinterfrage ich.
„Für mich gehören Liebe, Beziehung und Akt zusammen.“
Jetzt erhebe ich mich. „Komm mal klar, das ist der Gedanke vom Mittelalter, wir leben im einundzwanzigsten Jahrhundert!“
„Das tut mir leid, das du so denkst, dann geh bitte.“
„Oh Gott!“ Ich gehe an ihm vorbei. „Für dich hört es sich vermutlich ekelhaft an, aber ich habe zumindest in der Hinsicht gelegt und weiß was ich will.“
„Klar, als wenn dich wirklich jemand glücklich gemacht hat.“
Mein Blick geht zu ihm. „Woher willst du das denn Wissen?“
„Ich habe dein Buch gelesen und ich sehe, wie du reagierst, wahres Glück will man festhalten. Aber du, versuchst das erst gar nicht.“
„Fick dich!“, fauche ich ihn an und renne durch das Haus und weg. Weinend liege ich auf meinem Bett, warum tut das gerade so weh?

Es ist dunkel, als meine Mutter heimkommt. „Ashley?“, fragt sie, die Verwunderung kann sie nicht aus ihrer Stimme halten.
„Essen ist auf dem Herd“, sage ich nur.
„Warum bist du zu Hause?“
„Ich war weg, aber heute … ach keine Ahnung, lass es dir schmecken.“ Ich verlasse die Küche und gehe in mein Zimmer. Gelogen ist es nicht gewesen, ich bin weggegangen und habe sie gesehen. Meine Freunde, wie sie Knutschen, mit sich selber mit Fremden. Dann fiel mein Blick auf Lee, der an der Bar saß und sich mit einer Bekannten von mir unterhielt. Ich weiß nicht wie er auf sie reagiert hat, bei ihr ist es eindeutig ins Gesicht geschrieben gewesen. Dann bin ich gegangen, er hat etwas zerstört in mir, hassen kann ich ihn aber nicht, komischerweise.

„Du bist seit zwei Wochen nicht einmal weggegangen“, sagt meine Mutter, sie steht an meiner Tür und mustert mich.
„Keine Lust.“
„Was ist vorgefallen?“
„Nichts“, antworte ich schnell. „Heute nicht zur Arbeit?“
„Doch gleich, aber ich mache mir Sorgen um dich, du bist so … Mir kommt es vor, als wenn du keine Freude mehr empfinden kannst.“
„Ich glaube, ich sollte hier weg.“
Langsam kommt sie zu mir und setzt sich neben mich auf mein Bett. „Das trifft sich gut, ich will das Haus verkaufen!“
„Was? Bist du bescheuert geworden, es ist Uromas Haus.“
Sie lacht. „Das war ein Scherz, aber ich stimme dir zu, vielleicht tut dir etwas Abstand von hier gut.“ Sie nickt zum PC. „Du hast vor ein paar Wochen gesagt, das du etwas mit Architektur lernen willst.“
„Ich habe doch kein Peil, ob es das wirklich ist.“
„Ich weiß, das die Praktikumsstellen beim alten Maus, sehr begehrt sind, darum habe ich mich etwas weiter weg umgehört.“
„Ah ja?“, gebe ich von mir. Herr Maus ist der einzige Innenarchitekt in unserer Region, keine Ahnung warum, ob wir so weit weg von wirklich guten Aufträgen liegen, oder er einfach nur alteingesessen ist, aber bis auf ihm verirrt sich selten jemand hier her. Sicherlich engagieren die Menschen dann eben, welche die weiter weg sind, aber hier eine weitere Zweigstelle aufmachen tut keiner.
„Bei Stevenson und Kollegen ist ein Platz frei, wenn du dich gut anstellst, kannst du dort während des Studiums dort arbeiten und hast eine Anstellung in Aussicht.“
„Was?“ Frederik Steverson ist der bekannteste Innenarchitekt von Deutschland. Dieser soll einen Platz haben, für mich?
„Wenn du ja sagst, hast du sogar schon einen Schlafplatz.“
Am liebsten würde ich gleich ja schreien, doch ich nicke und sage: „Ich überlege es mir.“ Sie bejahrt es und verlässt mein Zimmer.

Wie es weiter geht mit Kate und Lee und ob sie es schaffen doch noch zusammen finden, werde ich euch in der Wöchentlichen Geschichten Challenge von April erzählen.
Bis dahin vertreibt euch die Zeit mit anderen Challenges und schreibt bzw folgt mir auf Instagram.

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