Lovestory Hader

Leben und Erleben

Leben und erleben habe ich euch schon mal etwas lesen lassen, jetzt kommt das Ende. Den mittleren Teil könnt ihr hier nachlesen.

„Könnten Sie mir eine Kanne voll mit Tee bringen, für mich und mein Gast.“

„Sehr gern. Wer kommt den eigentlich?“

„Der Detektiv hat einen Sohn von Erwin ausfindig gemacht und er kommt heute her. Ich habe doch keinen mehr.“

„Er wird Sie lieben“, flüstere ich etwas traurig. Sie hatte mir mal erzählt, dass sie sich getrennt hatten, aber nach ein paar Jahren wieder zueinandergefunden haben. In der Zeit entstand ein Kind, aber die Frau wollte keinen Kontakt mehr haben.

Nachdem ich ihr die Kanne gebracht habe, verabschiede ich mich.

Wartend im Stuhl so sehe ich sie immer noch vor mir, ihr Blick hoffnungsvoll auf die Uhr gerichtet. Aber er kam nicht und sie hat die Nacht nicht überlebt. Ein Herzinfarkt, hat das Leben aus der alten, agilen und lieben Frau gezogen. Weinend stehe ich an ihrem Grab und ich kann es immer noch nicht verstehen, das ihr es passiert ist. „Das Alter“, wird mir immer wieder gesagt.

Selbst als alle gegangen sind, die Friedhofsmitarbeiter den Sarg zudecken, stehe ich noch da.

„Sind Sie Tanja Korn?“ Ich blicke zu einem jungen Mann in meinem Alter und nicke. „Ich bin Jason. Jason Riemer.“ Ich bin verwirrt. Er lächelt etwas verhalten. „Der Sohn von Alexander Riemer.“

„Es tut mir leid, ich kann ihnen nicht folgen.“

„Mein Vater ist der Sohn von Erwin Hess.“

„Oh.“

„Er, na ja …“ Er blickt zum Grab, fährt sich durch die dunklen Locken. „Es ist die zweite Beerdigung in kurzer Zeit.“

„Es tut mir leid.“

Er wendet sich wieder an mich. „Muss es nicht, der Krebs hat gesiegt, auch wenn es recht schnell am Ende ging. Er muss wenigstens nicht mehr leiden. Auch wenn es ihm traurig gestimmt hat, sein Versprechen nicht gehalten zu haben.“ Er räuspert sich und wirkt nervös in seinem dunklen Anzug. „Mir wurde gesagt, Sie haben viel mit meiner Oma geredet.“

„Ja ich arbeite, wenn ich Zeit habe, ehrenamtlich im Altersheim.“

„Würden Sie mir etwas über sie erzählen?“ Ich muss lachen. „Was ist daran jetzt witzig?“

„Ihre Oma sagte vor ein paar Tagen zu mir, ich solle Leben, aber wenn ich ihren Rat gefolgt wäre, ich ihnen jetzt nichts von ihr erzählen könnte.“

Er lächelt. „Dann will ich alles wissen.“

Er hält mir den Arm hin, ich hacke mich ein und wir verlassen den Friedhof. Mit Geschichten zum Erzählen, die nur das Leben schreibt.

Erzählt mir wie es euch gefallen hat.

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