Lovestory Hader

Anfangsschnipsel: Leben und Erleben

Ich war mir am Überlegen den Schnipselfreitag, den ich alle zwei Wochen mache, auszulassen. Da ich jede Woche auf Instagram etwas preisgebe. Und dann mit der in Challenge einmal im Monat (bis dahin) komplett veröffentliche (Rohschliff, wie hier)

Aber ich habe mich dagegen entschieden, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat, darum bekommt ihr heute den Anfangsschnippsel von Leben und Erleben.

Etwas was ich gern mache, ist es freiwillig mit alten Menschen Zeit zu verbringen, nicht nur, weil sie tolles und spannendes Leben hatten und viel darüber zu berichten wissen. Auch, weil ich diese Menschen mehr als jeden anderen am besten verstehe. Die meisten hier haben kaum Familie und die welche haben, werden selten bis gar nicht von ihnen besucht. Zugegen, dass ich hier fast jeden Tag auftauche, hat auch etwas mit dem schnuckligen Altenpfleger zu tun, der gerade Freude strahlend auf mich zu läuft.
„Tanja, das ist großartig, dass du heute hier bist.“
„Ah ja und sonst nicht?“
Er grinst mich neckisch an und ich kenne seine Antwort schon, bevor er sie ausspricht, denn eins ist mir relativ schnell klar geworden, der blonde Schönling weiß, wie er Frauen das Herz bricht. „Doch schon, aber heute besonders.“
„Sag einfach, was du willst Sebastian.“
„Kannst du mit Frau Hess einen Spaziergang machen, heute ist so ein Chaos und wir ersticken in der Arbeit.“
„Ist okay, dann geh ich mal mit ihr in den Park.“
„Perfekt.“ Ohne ein weiteres Wort entfernt er sich von mir.
„Ein Danke wäre auch mal sehr nett“, rufe ich ihm hinterher, er dreht sich um und wirft ein Handkuss mir zu, ich verdrehe die ich Augen. Mein Weg führt mich drei Stockwerke tiefer, zu den älteren Damen die noch sehr agil sind für ihr alter. Eilig klopfe ich an der Tür von Margot Hess. Die Tür geht aus und die ältere Dame in ihren grünen Strickjäckchen steht vor mir. Ihre grauen Haare hat sie wie immer zu einem Dutt gesteckt, etwas buckelig steht sie da und mustert mich mit ihren braunen Augen.
„Tanja.“
„Hallo Frau Hess, wie geht es ihnen heute?“
Sie streift ihren dunkelgrünen Rock glatt. „Wollen Sie das wirklich wissen?“
„Habe ich Sie den je angelogen?“
„Nein, aber alle haben es so eilig, niemand hat wirklich mehr Zeit.“
„Ich habe Zeit für Sie.“
„Ach wirklich?“
„Klar.“ Sie schnaubt, das macht sie immer gern, aber im Grunde freut sie sich, mich zu sehen. „Darum gehen wir jetzt etwas in den Park und Sie erzählen mir eine neue Geschichte von ihrem Erwin. Ich kann mich noch daran erinnern, dass er Ihnen Pralinen mitgebracht hat aus Wien.“
Ihre Mundwinkel zucken nach oben. „Wollen Sie sich das antun?“

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