QuinssReise Hader

Storycubchallengeaw

Diese Storycubchallengeaw ist von zwei Autorinnen des Autorenstammtisches.aw ins Leben gerufen worden. Marissa Barkes und Tanja Haas. Erst habe ich kurze Geschichten dafür erfunden, aber inzwischen habe ich mir die Aufgabe gemacht diese zu verbinden. Ich habe beschlossen, diese euch hier zu zeigen. Im Moment kann ich noch nicht sagen, wann und wie oft ich es euch präsentieren werde. Aber auf meinem Profil in Instagram und Facebook seid ihr immer auf dem Laufenden.

Auf der Bahnfahrt zur Anlegestelle des Schiffes sitze ich am Fenster und starre die Tropfen an die ihren Weg in Fahrtrichtung wegschlängeln. Aus der Tasche meiner besten Freundin schallt, wie immer, wenn wir unterwegs sind von Oli P mit „Flugzeuge in meinem Bauch“. Ob ich das gut finde, na ja ich habe es inzwischen einfach akzeptiert. Es ist wie bei dieser eine Serie, wenn sie im Auto sind, jedes Mal dieses Lied läuft und dieser deutsche Sänger ist das eben bei uns. Erst singen wir voller Elan mit, dann langweilt es, zum Ende wird es ignoriert.
„Ich freue mich so auf Eier und Speck, es soll die Spezialität auf diesem Schiff sein“, sagt sie auf einmal.
Ich belächle sie. Karoline kann, glaub ich, alles essen und wie würde kein Gramm zunehmen. Seit ich sie kenne, ist sie schlank. Ihr schwarzen langen Haare und dunkelbraunen Augen sind immer Perfekt gestylt. Ich beneide sie darum. Meine wilden roten Locken und die grünen Augen sind selten, aber nicht annähernd so interessant wie diese Frau neben mir. Irgendwie schon witzig, man sagt, Gegensätze ziehen sich an und das stimmt bei uns sicherlich.

Das Blaulicht tanzt wild auf den Tropfen an der Scheibe, die Sirenen übertönen beim Vorbeifahren selbst unsere Musik.
„Sag mal“, kam von Jasmin, die wir hier im Zug kennengelernt haben. Sie ist irgendwie vollkommen verrückt. Ihre Haare Pink und Blau und wild, wie eine Löwenmähne. Ihre Augen ein schönes eisblau. Auf ihrem Shirt prunkt der Kopf von Yoda und einem Spruch. Ihre Leggins hat nicht nur ein Loch.
„Mh?“, macht Karoline.
„Beschäftigt ihr euch immer so?“
„Wie den sonst?“, will ich wissen.
„Keine Ahnung Film schauen oder Kartenspielen?“
Ich winke ab. „Es ist die Ruhe vor dem Sturm, wenn wir auf dem Schiff erst mal sind, dann fegt sie die Blätter weg.“
„Stehst du eigentlich auf den Mist?“, fragt Karoline und jetzt auf das Shirt. Sie hasst es, über sich zu reden, vor allem wenn es darum geht, dass sie mal aus sich herauskommt. Nur wenn wir allein sind oder niemand sie kennt, zeigt sie, dass sie auch mal verrückt sein kann. Liegt vermutlich daran, dass ihre Eltern sie streng erzogen haben. Immer ein vorzeige Töchterchen zu sein.
„Nö“, gibt sie lachend von sich. „Hab ich so nen Typen abgezogen.“ Meine Stirn bekommt falten, bin ich froh, dass sich unsere Wege bald trennen. „Der hatte lauter so ein Scheiß. An seine Wand ist ein Riesenposter von diesen X-Men. Statuen von diesen anderen Helden und selbst Bettwäsche von diesem … oh Gott, wie hießt er noch gleich D … D … Ah ich habe es Deadpool.“
Karoline macht Würgegeräusche. „Männer sind solche Kleinkinder.“
Jetzt kann ich mich nicht mehr zurückhalten und pruste los. „Sagt diejenige, die Harry Potter sammelt.“
Sie öffnet kurz ihren Mund und verdreht dann die Augen, Jasmin lacht mit mir. Mein Blick geht auf die Uhr, noch drei Stunden fahrt. Warum muss das Schiff auch so weit im Norden von Anker gehen?

Trommeln sind schon zu hören, als wir aussteigen. Die Feierlichkeiten zum Auftakt der Fahrt ist anscheinend schon im Gange. „Mein Herz rast“, flüstere ich meiner Freundin zu.
„Nicht nur deins“, antwortet sie. Wir schieben unsere Koffer den Pier entlang, müssen immer wieder Familien ausweichen, die sich verabschieden und mitten im Weg auf einmal stehen bleiben. Kinderwagen sind da noch die kleineren Hindernisse. Ehrfürchtig schaue ich dem Weißen Bug des Schiffes an. Schon seit Titanic faszinieren mich, die Schiffe, vor allem in dieser Größe.
„Komm Quinn“, vernehme ich Karoline, ich habe nicht mitbekommen, dass ich stehen geblieben bin und die weiter gerannt ist. Sie steht vor einer Holz-Metallplanke, die vom Ufer zum Schiff führt. „Das ist Quinn Stuart und ich bin Karoline McGroeg. Wir haben die Suite 402 gebucht.“
Der Mann vor ihr im Seemannsoutfit, was ich eher von Karneval her kenne, schaut auf einem Laptop nach und nickt und dann zu. „Willkommen auf der Sister Rosenberg, hier sind Sicherheitshinweise, die sie bitte durchlesen und zu beachten haben. Ein Plan des Schiffes und wo sich was befindet, wir bitten sie die Passagierbereiche Ebenen A und B nur zu betreten mit Einladungen besitzen. …“ Ich höre schon gar nicht mehr zu, mein Blick geht auf das Papier mit dem Dreieck mit dem Ausrufezeichen und schüttel gedanklich den Kopf.
„Ja verstanden“, sagt Karoline auf einmal, greift mir an den Arm und zieht mich aufs Deck. „Boar geht der mir auf den Geist.“ Sie steuert die Aufzüge an, die uns in unsere Ebene bringen sollen. Vor einem hängt ein rotes Band und ein Werkzeugkasten steht davor.
„Das fängt ja gut an“, sage ich leise, seufzend stimmt sie mir zu. Wir steigen in den ein, der gerade die Türen aufgemacht hat. „Dann auf in unser Abenteuer!“
„Oh ja“, grinst sie. Gerade noch kann ich einen jungen Mann sehen, der ihre Aufmerksamkeit garantiert für die restliche Fahrt hat. Irgendwie ist das auch klar gewesen.

Im Zimmer suchen wir unsere Badesachen heraus und begeben uns zu der Poolparty. Während ich einfach nur auf einen der Liegen mich mit einem Buch zurückziehe, ist sie im Getümmel.
Das nachgemachte Blatt der Kastanie ist mein Lesezeichen, ich ziehe es behutsam heraus, meine Schwester hat es mir gemacht, genau ein Tag vor dem Unfall hat sie es mir gegeben.
Nass setzt sich Karoline dann neben mich. „Was liest du den schon wieder?“
„Krimi, gerade sind sie auf Spurensuche, es hat sich schon herausgestellt, dass ein Messer und ein Kerzenhalter in Betracht gezogen werden kann.“
Sie runzelt mit der Stirn. „Das sind doch zwei unterschiedliche Muster, wie können sie das nicht wissen.“
„Laut Kira und ihrem Laptop, sind beide Spuren für den Mord Indizien.“
„Ahja.“ Sie schüttelt ihren Kopf. „Andere Frage, die wollen nachher eine Schnitzeljagd machen, zu gewinnen gibt es einen Picknickkorb.“
Ich sehe zu ihr. „Und was soll da drin sein, dass du deine Poolparty dafür unterbrichst?“
„Sekt glaub ich.“
„Ein Kerl“, seufze ich. Sie grinst mich breit an und zeigt zum Pool, wo eine Brünette im Dress wie eine Angestellte mit einem Klemmbrett einem blonden Schönling aufreizende Blicke zu werfen. „Na dann.“
„Du hast so viele Krimis gesehen und gelesen das machst du mit Links.“
„Absolut das gleiche“, gebe ich sarkastisch von mir.
„Siehst du!“
Ich habe keine Lust darauf, aber was tut man nicht alles für eine Freundin, die sich jemanden eingebildet hat. Dabei finde ich diesen Typen gar nicht so toll, dass man sich dafür so anstrengen muss. Zum Glück sind die Geschmäcker ja verschieden. Ich wende mich meinen Seiten zu.
„Oh mein Gott! Hast du die gesehen?“
„Wen?“, frage ich, ohne eines Blickes zu würdigen.
„Die Evens und Browns!“, sie quiekt so laut, das sich jeder zu uns umdreht.
„Wer?“
„Manchmal solltest du echt mal mehr Nachrichten lesen, als verstaubte Bücher.“ Sie rutscht näher zu mir. „Diese beiden Familien gehören zu den reichesten der Welt. Sie haben so gut wie überall ihre Finger drin. Hat man einen von ihnen am Schlafittchen, hat man ausgesorgt.“
„Du wieder.“ Ich schüttele meinen Kopf. Ohne hinzusehen, weiß ich genau, das Blondi jetzt abgeschrieben ist. Ein neues Ziel für sie hat sich aufgetan.

Eine Frau mit einem großen Sonnenhut geht an uns vorbei. Ihr Schatten ist daher sehr lang gezogen und beschert mir ein kurzes Beben. Ich klappe mein Buch zu und fahre über die glitzernde Pistole auf dem Cover. „Willst du jetzt Blondi oder einen dieser Schickimicki-Typen?“
Ihr Smiley-Grinsen sagt mir schon alles, da brauche ich ihr „Beides“ gar nicht mehr zu hören.
Seufzend kann ich nur meinen Kopf schütteln. „Du weißt, was ich von solchem Verhalten halte. Es ist nicht fair, keinem von beiden, oder den allen.“
„Quinn sie haben Geld wie Heu, wie kann ich mir das entgehen lassen, eine Chance zu bekommen?“
„Dann such dir einen davon aus und versuch dein Bestes.“
„Klar und wenn es nicht funktioniert, dann ich so eine Fahrt wie du. Langweilige Bücher lesen, beschallen lassen von der Musik und ab und zu das Besteck in die Hand nehmen, um etwas zu essen.“
„Ja doch das klingt nach einem Paradies“, gebe ich grinsend von mir.
„Haha ich stelle es mir eher wie ein Harem vor nur umgekehrt.“
„Einer reicht!“
Sie winkt ab. „Also hilfst du mir nicht Eindruck zu schinden?“
„Wenn du nur ihn willst doch, ansonsten definitiv nicht.“
Schmollend steht sie auf und stampft gekünstelt auf beim Weg gehen. Kindisch, kommt mir in den Kopf. Ich klappe das Buch wieder auf und lese weiter.
„Ist … Ist … dieser …“, stottert ein Mann neben mir. Ich blicke kurz auf, sehe das sein tätowierter Arm auf die Liege zeigt, während er versucht, weiter seinen Satz zu sagen.
„Ja, die Liege ist frei.“
„D … Da … Danke.“
„Gerne.“
„Das … das B …“
Ich seufze. Solche Menschen tun mir leid, aber gerade bin ich deswegen genervt. „Ich mag es, es ist etwas vorhersehbar und doch spannend.“ Seine blauen Augen funkeln beim Lachen. Verwirrt wende ich mich an ihn. Das gleiche Buch ist in seiner Hand, es bringt mich zum Schmunzeln. Mit ihm darüber reden will ich aber nicht, es würde mir zu lang dauern. Er geht verlegend durch seine dunkelbraunen kurzen Locken. Irgendwie tut mir das auch schon wieder leid, dass ich so negativ über das Gespräch denke. „Dann viel Spaß beim Lesen.“ Er nickt nur.

Schon als ich die Schlüsselkarte benutze, ist das starke Parfüm von Karolin zu vernehmen. Ich hebe mir die Nase zu. „Mann! Du benimmst dich wie eine Nutte.“
„So erhascht man nun mal Aufmerksamkeit. Die Reichen sind immer mit teuren Düften besprüht.“
„Kann sein, aber die Stinken nicht, als wenn sie aus dem Puff kommen.“ Ich kassiere einen bösen Blick, aber mir egal. Ich mag den Duft von EdHarris ja, aber zu viel wirken sogar Blumen ätzend. Wüst liegt ihre Kleidung im Wohnzimmer verteilt. Kopfschütteln sammle ich sie auf und bringe sie ins Schlafzimmer. Neben ihren Koffer hat sie ihre Süßigkeiten ausgebreitet. Ich frage mich immer, wie sie das alles in sich hineinstopfen kann und dabei nicht zu nimmt. Studentenfutter und Brezeln sind das Einzige, was ich zum Naschen für zwei Wochen mitgenommen hab.
„Bis später“, trällert sie und schon knallt die Kabinentür ins Schloss. Na gut, dann keine Schnitzeljagd, dann kann ich wieder zum Pool oder am Deck herumschlendern.
Mein Platz ist natürlich besetzt. Der stotternde Mann ist umringt von Frauen von alter meiner Mutter bis hin zu meiner zehnjährigen Cousine. Ich kann nur den Kopf schütteln. Meine Arme lege ich auf die Reling und versuche die Fische zu erkennen. Versuch gescheitert. Trotzdem glitzert das Wasser schön. Ich richte mich auf und will weiter gehen, dabei remple ich jemanden an. „Entschuldigung“, gebe ich sogleich von mir.
„Eure scheiß anmachen könnt ihr euch sparen“, faucht eine männliche Stimme mich an und geht einfach weit.
„Vollidiot!“
Zwei ältere Frauen lächeln mich an, beim Vorbeigehen, was dies zu bedeuten hat, habe ich keine Ahnung. Der Mann zumindest stampft zu dem auf der Liege. Entzückte quietsche Laute der Frauen. „Kein Mann der Welt, egal wie hübsch er sein soll, ist so ein verhalten wert“, grummel ich, „vor allem nicht so Arsch!“ Ich beschließe, wieder in die Kabine zu gehen und mich den Wassertropfen aus der Dusche widmen. Mein Buch und die gemütliche Liege auf dem Balkon, sind mein restlicher Ablauf, da ist man sicher vor dumm schreiende Frauen und noch viel dümmere Männer.

Immer mehr versinke ich in meinem Buch, bekomme nichts mehr mit und erschrecke mich sehr, als von oben ein Apfel auf die Seiten fällt.
„Na wieder anwesend?“, fragt Karoline.
„Es ist gerade so spannend. Seth wurde gerade schwer verletzt, die Telefonkabel sind durch geschnitten und können keinen Arzt alarmieren.“
„Sitz du eigentlich die ganze Zeit hier in der prallen Sonne?“
„Seit du mich verlassen hast. Warum?“
Hitzschlag und so, nicht, dass ich für dich noch Blaulicht machen muss.“
Ich winke ab. „Danke“, sage ich ihr und beiße in das Obst hinein. „Und wie weit bist du gekommen?“
Sie lässt sie seufzend auf den Sessel neben mir fallen. „Keiner beachtet mich. Nicht mal der Süße Pirat.“
„Pirat?“, frage ich mit einer gerunzelten Stirn.
„Na die Barkeeper in der Cocktailbucht, sind als Piraten verkleidet.“
Ich kann nur den Kopf schütteln. Sie ist gerade wirklich schlimm. „Können wir diese Fahrt nicht einfach genießen, ohne irgendwelchen Kerlen.“ Vor allem nicht mit Solchen, die man danach eh nie wieder sieht. Blondi, die Superreichen, sowie einer der Crew werden bestimmt nicht ihr folgen. Ein dummes Abenteuer wird sie sein und ich bin dann wieder diejenige, die sich das Heulen anhört.
Sie verdreht die Augen. „Können wir etwas machen?“
„Ohne Jungs?“
Wieder dieses rollen. „Wenn es sein muss.“
„Ja, muss es. Worauf hast du Lust?“
„Alkohol mit süßen Säften.“ Ich ahne schon, dass dies doch nicht ohne einen Typen angraben wird. „So nach Hawaii-Art?“ Sie klimpert mit den Lidern.
„Okay“, gebe ich mich geschlagen.
Schon springt sie auf, nimmt mir das Buch weg, was sie auf das Bett wirft und zieht mich hinaus in das Gänge-Labyrinth des Schiffes. Sie hat mich also wieder mal ausgetrickst, sonst würde sie nicht zielstrebig laufen. An einer doppelten Glastür stehen zwei Frauen mit Baströckchen und einem Tuch als BH. Beim Eintritt bekommen wir eine Blumenkette als Geschenk. Karoline schiebt mich zu einem Tisch. Sie setzt sich und strahlt. Mein Blick über die Schultern vier Typen, die ähnlicher nicht sein könnten.
„Toll, jetzt sind es schon Vierlinge!“
„Nein zweimal Zwillinge“, seufzt sie und richtet sich her.
Was diese Aussage besser macht, ist mir unklar.

Ich hebe meine Hand und rufe den Kellner zu mir, der die Palme erst mal umrunden und dann zu uns kommt. „Was kann ich euch bringen?“, fragt er freundlich.
„Kannst du irgendetwas empfehlen?“
„Willst du dich zu saufen?“, will Karo wissen.
Klar will ich das. Ihr gebalze nervt und so kann ich sehr schnell wieder in mein Zimmer. „Darum sind wir hier“, grummel ich.
„Brennt die Hütte?“, erkundigt sich der Kellner.
„Das ist schon ein ganzer Wald.“
Er lacht. „Ich empfehle Cocossamen, für Frauen süß und der Wodka ist nicht so zu schmecken.“
„Klingt super.“
Er nickt. „Und sie?“
Ich muss Karoline anstupsen, dass sie reagiert. Zu sehr ist sie damit beschäftigt den Hals nach den Typen zu recken. „Was?“
„Bestellen, bevor sie schließen?“
„Das Gleiche.“ Der Kellner nickt und verlässt den Tisch. „Sehen sie nicht toll aus.“
„Auch, wenn ich nur kurz rübergesehen habe, würde ich eher kotzen.“
„Du wieder.“ Sie lehnt sich zurück, streckt ihre Brüste heraus. Ich rolle mit den Augen, immer mehr bin ich genervt von ihrem Verhalten. Der Kellner bringt uns die Gläser. Gummibären und Ananas verzieren den Rand.
Ich nehme einen großen Schluck und keuche. „Von wegen, den Wodka schmeckt man nicht.“ Meine Speiseröhre ist gefühlt bald Asche.
Ein schlaksiger junger Mann mit einem Star Wars Shirt stellt sich zu Karoline. Oh, der arme tut mir leid. „Hallo“, bringt er heraus.
„Verschwinde R2 irgendetwas“, zischt sie.
„Das ist BB2, du du …“
„Nicht mal sprechen kann er“, seufzt sie und nimmt ebenfalls einen Schluck. Ich kichere, als er seine Hände in die Hüfte stemmt und davon stampft. „Kindergarten, oder?“
„Nur wir, bitte“, versuche ich erneut mein Glück.
„Aber die Jungs! Das ist eine Chance, lass mich nicht wie ein Fisch auf dem trockenen Zappeln“, fleht sie.
Warum kann ich ihr einfach nicht böse sein? „Ich trinke aus und geh, ganz einfach.“
„Spielverderberin.“
Ich strecke ihr die Zunge heraus. „Und mit diesem Alkohol, fühlen wir uns wie ägyptische Sonnengöttinnen.“
„Okay, ausnahmsweise“, sagt sie und zieht ein Gesicht, wie bei dieser Eischallenge.
„Auf uns“, rufe ich aus, hebe das Glas.

Mein Kopf dröhnt, als ich aufwache. Wie eine Pharaonin fühle ich mich nicht, ich muss wohl doch mal nach Ägypten. Karoline kommt aus dem Bad geschlichen. Sehe ich auch so fertig aus wie sie? Ihr Schlafshirt mit dem fliegenden Elefanten ist das einzige, was nicht zerknittert und blas aussieht. Ihre Haare stehen wild ab und wirken wie ein Helm mit lauter Hörnern. Stöhnend lässt sie sich auf dem Bett fallen. „Ich sterbe“, brummt sie ins Kissen, das ich sie kaum verstehen. Aber ich kenne sie halt gut genug. Sollte ich es wagen, den Rollladen hochzuziehen, wird sie mich anfauchen und unter ihrer Decke verkriechen. Nach einem Sarg würde sie rufen und das ich sie doch bitte begraben soll. Spätestens, wenn aber ihre Erinnerung wach wird, von ihren Opfern, wird sie hellwach und sich aufbrezeln. Zumindest versuchen. Mit einer riesigen Sonnenbrille wird sie dann am Frühstückstisch setzen und schimpfen. Das eine oder andere Mal wird kommen, nie wieder Alkohol. Hält dann … mal überlegen hier auf dem Schiff, bis zum frühen Nachmittag. Oder, wenn sie an der Bar eines ihrer Opfer sieht.
Ich beschließe einfach sie schlafen zu lassen und mich frisch zu machen. Ob ich überhaupt bei dem ganzen Sand in meinen Augen wach werde weiß ich nicht. Ich habe das Gefühl, es reicht für drei gigantische Sandburgen. Vielleicht sollte ich auch noch etwas schlafen. Ich schüttel meinen Kopf und schleppe mich ins Bad und nehme als Erstes ein paar Kopfschmerztabletten.
„Was hast du da drin gemacht?“
„Geduscht und zähne gebürstet, warum?“ Ich ziehe mich um.
„Hörte sich an, als wenn du Billard spielst, ständig klong, klong, klong“, sagt sie gähnend und streckt sich. Als, wenn sie weniger Lärm macht. „Warum eigentlich?“
„Hunger“, lüge ich.
„Klar.“ Sie steht ruckartig auf. „Wie spät ist es eigentlich?“ Ihr Gehirn funktioniert wieder, nicht toll.
„Weiß nicht.“
„Egal, dann bleiben wir halt etwas länger dort.“
Ich lasse mich auf das Bett nieder und stöhne: „Womit hab ich das verdient?“
„Hab dich auch lieb“, trällert sie und schließt die Tür vom Bad.

Ich bin allein zum Frühstücken, trotz meines Verlaufes bin ich dann doch vor Karoline im Speise Saal. Der Koch schnauzt gerade einen Küchenjungen an, als ich mir Kaffee und die Zeitung nehme. „Bist du in einer Scheune groß geworden?“, harscht er ihn an. Kopf schüttelnd gehe ich an einen Tisch. Der Rand ist leer, alles ist geballt in der Mitte, wo ein längerer Tisch steht. Vermutlich sind da diese reichen Typen, auf die auch Karoline steht. Ich lege das Nachrichtenblatt hin, auf der Titelseite ein Herrenhaus und mehrere Personen. „Reicher Schnickschnack“, grummel ich. Nach Klatsch über die Sternschnuppen, wie ich sie nenne, blätter ich weiter zu wirklich interessanten Themen.
Ein Tablett kracht auf den Tisch. Ich blicke über das Papier. Karoline schnaubt wie ein Stier. „Was?“
„Da hinten sitzen die Evens und du? Willst du dich nicht gleich wieder ins Zimmer verkriechen?“
Ich seufze und verkrieche mich wieder hinter dem Blatt. Zu meinem Glück sind die vier kurz nach unserer Übereinkunft dann gegangen. Ich wurde lockerer und konnte den Abend genießen.
„Guten Morgen“, höre ich, „na seid ihr zwei fit?“
„Nein“, gibt säuerlich Karoline von sich.
Ich lege die Zeitung beiseite. Chris, der Barkeeper aus der Bar, hat sich gestern noch zu uns gesetzt. Heute trägt er ein Piratenkostüm. „Mach dir nichts draus, sie ist genervt.“
„Du aber mehr“, meint er und nimmt den Stuhl neben mir. Ich zucke mit den Schultern und nehme ihm die rote Feder vom Hut. „Hey, ein Pirat ohne Feder das geht nicht.“
„Bist du in dieser Bucht heute?“
„Ja ich rocke dort bis heute Nachmittag das Haus.“ Er zieht den Hut aus. Seine blonden Haare hat er heute nach hinten gegelt. „Kommst du vorbei?“
„Weiß nicht.“
„Ich komme nicht“, gibt Karoline von sich.
Er verdreht seine Augen, was mich zum Schmunzeln bringt. „Würde mich freuen“, sagt er dann beim Aufstehen.
„Mal sehen, was der Tag so bringt.“
Er nimmt mir die Feder ab und zwinkert er mir zu, als er sich abwendet und sie wieder an den Hut steckt.

Der nächste Teil von Quinn gibt es hier

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