Lovestory Hader

MultiverseMontag Teil 2

Huhu ihr lieben,
ich habe mir lange Gedanken gemacht, wie ich den MultiverseMontag und die Storycubechallenge hier unterbringe. Sicher könnte ich die Schnipsel weglassen und dann alle zwei Wochen abwechselnd die Challenges bringen, oder einen Tag zusätzlich, aber dieses finde ich dann etwas viel.
Es ist noch nicht Ideal und ich überlege weiter, hier habt ihr erst mal die Geschichten. (Ein Paar 😉 )

Bild von Stuz0r auf Instagram

„Wer bist du?“, frage ich den mir gegenüber.
„Warum willst du das wissen?“ Eine Jungenstimme ist herauszuhören.
Ich setze mich am Rand des Lavastroms, der vor langer Zeit plötzlich auftauchte und einen Schnitt durch unser Land zieht, wie eine Schneise der Verwüstung. Gebäude, Straßen und selbst der Bach wurde einfach geteilt. Hier in der alten Papierfabrik ist die schmalste Stelle und doch weit mehr als drei Meter, wurde mir mal gesagt. „Versuchst du es zu überwinden?“, will ich wissen.
Er schüttelt seinen Kopf, dabei rutscht seine Mütze herunter. „Du?“
„Ich will den Drachen wecken“, lüge ich. Dieses Ammenmärchen wurde uns Kindern erzählt, wenn wir fragen darüber stellen. Das ein Drache wütend auf uns war und deswegen die guten von den Bösen getrennt hat. Wer wer ist, weiß ich natürlich nicht.
Er lacht. „So willst du dem Drachen entgegentreten?“
Ich blicke über meine dunklen Leggins zu meinem eng anliegenden schwarzen Hoodie. „Denkst du, das ist nicht passend?“
Auch er nimmt mir gegenüber Platz. „Weiß nicht.“
„Gut dann sind wir schon zwei.“
„Was machst du wirklich hier?“
Mein Blick geht zu dem rot-gelben heißen Schimmer hunderte von Meter unter mir. „Es ist beruhigend hier.“
Zustimmend nickt er. „Wie heißt du?“
„Felice“, sage ich leise.
„Glaubst du wirklich an den Drachen?“
Ich atme tief durch. „Ein Märchen aus einer alten Zeit, heißt es, das da nicht vielleicht, etwas Wahres dran sein kann?“
„Träumst du davon?“
„Wie heißt du?“, frage ich, um abzulenken. Zu sehr beschämt es mich, dass er die Wahrheit erraten hat.
„Das weißt du doch.“
„Woher, ich sehe dich das erste Mal.“
Er steht auf. „Dann bist du nicht die, auf die ich gewartet habe.“
„Warte“, rufe ich aus.
Er blickt zu mir. „Auf?“
Langsam erhebe ich mich. „Duayne“, flüstere ich. Seine Mundwinkel verziehen sich nach oben. Die Lava speit zur Decke und Himmel, wie eine Mauer, trennt es uns zwei. Ich rufe den Namen, so laut ich kann. Doch auf der anderen Seite bleibt es stumm. Einerseits will ich abdrehen und gehen, anderseits weiß ich tief in mir, dass ich darüber muss. Ich atme tief durch und frage mich, soll ich das wirklich tun?

Text 2

Das Bild ist von Panjoolart auf Instagram

Kreischend kündigen die Krähen den Gast an. Der schwarze Umhang lässt keinen Zweifel, die Zeit der Ernte ist gekommen. Schon immer hat mir diese Gestalt angst gemacht, vor allem, wenn sein bleiches Gesicht mit dem zugenähten Mund einem zu wendet. Der Todesbringer hat meine Schwester zu ihm gesagt, als ich klein gewesen bin.
Der Bürgermeister eilt ihm entgegen, überschwemmt ihm mit Worten, aber er geht weiter und achtet nicht darauf. „Welches Haus hat er sich ausgesucht, wen will er dieses Mal?“, frag nicht nur ich mich. Mitten auf dem Dorfplatz bleibt er stehen, öffnet seine Arme, sein Kopf zu dem Neu-Mond gerichtet und bleibt wie eine Statue dort stehen.
Kleine Kinder die neugierig aus dem Fenster blinzeln, oder gar die Tür öffnen, werde sofort wieder von dort weggeholt.
„Und?“, fragt meine Mutter. Meine Eltern sitzen zusammen auf dem Sofa, halten ihre Hände fest. Sie glauben, das hat ihnen bis jetzt Glück gebracht. Vielleicht sind wir auch zu normal.
„Du weißt, dass er dies lange macht.“
„Mir wäre lieber, wenn er einfach kommen, einen holen und dann wieder gehen würde“, murmelt meine kleine Schwester.
Ich stimme ihr stumm zu. „Willst du nicht ein Buch lesen?“, frage ich sie, um die Opferung aus ihrem Kopf zu bekommen.
„Liest du mir etwas vor?“
Schmunzelnd nicke ich. Sie rennt los. Eine Etage höher rumpelt es. „So ein Tollpatsch.“
„Wart ihr alle“, brummt mein Vater.
Eine Krähe landet auf unserer Veranda. Sie putzt ihr schwarz schimmerndes Gefieder. Weitere Krähen folgen, nicht nur auf unserer Holzgeländer. Ein mulmiges Gefühl macht sich breit.
Der Mann senkt die Arme. „Das ging schnell“, keuche ich.
„Jetzt schon?“, ruft meine Mutter aus.
„Ja“, sage ich leise. Normal dauert es ein paar Stunden, jetzt noch mal zehn Minuten. Ein Schrei kommt aus meinem Mund, als seine blasse Visage sich in unsere Richtung wendet.

Text 3

Das Bild von maxime_Delcambre auf Instergram

Schon immer hat mich das Bild im Wohnzimmer der Oma meiner Freundin interessiert. Jedes Mal, wenn ich nachgefragt habe, kassierte ich ein Seufzen und „darüber sprechen wir nicht.“ Jetzt, wo wir nach ihrem Tod ihre Wohnung leer räumen, ist meine Neugier absolut nicht mehr zurückzuhalten.
„Willst du mir das jetzt erzählen?“ Los geht es, ihre Augen rollen, sie seufzt und holt Luft. „Warte, bevor du deinen Standardspruch aufsagst, vielleicht ist es jetzt an der Zeit ihre Geschichte festzuhalten.“
Die greift nach dem Bild und streicht darüber. Ihr Blick ist schmerzlich und schüttelt dann den Kopf. Sie schluckt schwer. „Lass die Vergangenheit ruhen.“
Ich sehe mir das Bild an. Ich habe mir hunderte Geschichten dazu ausgedacht, die wahrscheinlichsten, dass dies ihre Eltern sind, oder Großeltern. Oder einer davon dieses Bild aufgenommen hat. Das Einzige, was ich herausgefunden habe, dass es sich um den Planeten Karula handelt, der vor gut 20 Lichtjahren zerstört wurde und das dieses Bild genau an diesem Tag aufgenommen wurde. Bei meiner Entdeckung, dachte ich mir, sie will es mir nicht sagen, weil sie denkt, wenn ich erfahre, dass sie nicht ganz menschlich ist, ich sie nicht lieben kann. Gefühlt tausendmal habe ich ihr dann gesagt, dass ich sie egal was ist, immer lieben werde. „Leila …“
„Warum musst du da drin herum Bohren?“
„Weil es Geschichte ist.“ Sie wendet sich ab und will gehen. „Deine Geschichte, oder?“
Sie hält in der Bewegung inne. „Da du es anscheinend weißt, kannst du mich damit in Ruhe lassen.“
Ich als ihr Freund bin gewillt, es wirklich sein zu lassen, aber der Journalist in mir ist stärker. „Ich weiß, nur dass es Karula ist. Den Rest habe ich mir zusammengereimt. Es gibt nicht viele Aufzeichnungen über diesen Planeten.“
Sie schüttelt den Kopf. „Ich brauche keine Berichte darüber.“
„Soll so etwas vergessen werden?“ Ich lasse meine Finger über ihren Hals gleiten. „Leila, ich liebe dich. Aber bedenke, was ist, wenn es hier passiert?“
Sie lacht auf. „Entschuldige, aber das schafft ihr Menschen schon von ganz allein.“
Zugegeben, ganz Unrecht hat sie nicht. Aber ich werde nicht aufgeben.

Text 4

Finja hatte es geschafft. Seit Jahren ist sie hinter diesem Drachen hinterher. Kein Mann zuvor hat es geschafft. Jahrhunderte säumte er seinen Weg mit den Gebeinen derer, die ihn gejagt haben.
Töricht und naiv wurde sie genannt, als sie loslief, um das Ungetüm zur Strecke zu bringen. Sie hatte es aber satt, dass er immer mehr Dörfer ausradierte und ihre halbe Familie schon sich bei den Göttern befanden. Ihre Schwestern hat sie bei der Nachbarin gelassen. Sie sollten nicht dabei zusehen, wie stirbt. Sicherlich ist Finja klar gewesen, dass sie keine Chance hat. Sie ist keine Kriegerin, nur ein Bücherwurm, die das Wissen angesammelt hat, wie man sich gegen so eine Bestie zu wehr setzt.
Nie in ihrem ganzen Leben hätte sie gedacht, das dies hier so funktionieren kann. Doch statt ihrer steht sie jetzt auf dessen Leiche. Sie ist hin- und hergerissen, von der Erschöpfung des Kampfes, der Trauer über ihre Tat und der Freude, dass dieses Land jetzt befreit ist.
Die Erde bebt. Das Wasser wirft kleine Wellen und Steine bröckeln die Steinwände hinab. Sie kann sich gerade noch auf den Beinen halten. So plötzlich wie alles angefangen hat, so abrupt endet es auch wieder.
„Was war das?“, fragt sie sich selber. Ein ungutes Gefühl macht sich in ihr breit. Sie rutscht von dem Bauch des Drachen und schleppt sich an Land. Die Kleidung hat sich mit Wasser gefüllt und erschwert das schnelle vorankommen.
Ihr Dorf liegt als Einziges drei Tagesmärsche die Straße entlang, die immer gerade am Fluss entlang geht. Der dunkle Rauch ist aber zu erkennen wie er die Wolken berührt.
Hat sie durch ihre Tat etwas Schrecklicheres freigelassen?
Was dieses Monster nicht der Gefürchtete?
Oder gibt es eine ganz andere Erklärung für das, was sie vor sich sieht?
Sie schluckt schwer. Ihre Gedanken kreisen in immer düstere Gebilde. Schritt für Schritt läuft sie weiter. Sie muss weiter! Sie will Gewissheit, ob ihre Schwester das überlebt haben. „Drei Tage“, flucht sie, „erst dann, bin ich da.“ Tränen brennen in ihren Augen.

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