Kate und Lee WGC Hader

WGC Mai

Wöchentlichegeschichtenchallenge Mai

Wöchentlichegeschichtenchallenge Mai und damit in Runde drei der Geschichte von Lee und Kate. Teil eins und zwei sind in Challenges zu finden.

Wegen dieser schlechten Schwingungen fahre ich alleine zu meiner Mutter. Er hat nicht mal widersprochen, nur wissen, ob ich wieder komme.
„Was ist den los?“, fragt meine Mam, als sie mir die Tür aufmacht und hinter mir eben nicht Lee im Wagen sitzt oder steht. Ich zucke mit den Schultern. Sie lässt mich hinein und die Traurigkeit verbirgt sie nicht mal vor mir. „Ihr habt so vertraut gewirkt“, meint sie auf einmal, als wir uns setzen.
„Siehst du mal, wie man sich täuschen kann“, sage ich darauf und zieh mir die Tasse zu mir.
„Wie läuft es sonst?“
„Arbeit ist okay.“ Ich seufze, das mit Lee und mir gerade so schwierig ist, bereitet mir dann doch Magenschmerzen. „Ich gehe heute mit Jen und Tina weg.“
„Muss das sein?“, grummelt sie.
Ich weiß, dass sie meine Freunde nicht passt, aber ich habe das Gefühl, dass ich das mal wieder brauche. „Jap.“
„Aber du und Lee.“
„Darf ich wegen ihm jetzt nicht mehr weggehen?“
„Doch aber …“
„Ich lebe seit knapp einen Monat mit Lee zusammen und bis auf einen Kuss, macht er keine Andeutungen.“ Meine Finger reiben die Lider. „Mam ich weiß, das du schon gedanklich die Hochzeit ausrichtest, aber das wird nichts. Wir sind zu verschieden.“
„Aber du magst ihn doch, sonst … du weißt schon.“
Seufzend lehne ich mich an. „Dazu gehören aber zwei.“
Sie legt ihre Hand auf meiner. „Hast du es ihm gesagt, dass es mehr ist bei dir?“
„Mam, bei aller liebe, aber ich mache mich nicht zum Affen. Er ist einfach nur gerade präsent, ansonsten würde ich …“
„Du redest Unsinn. Ich kenne dich, wenn dir nicht mehr an ihm liegen würde, wärst du schon längst wieder bei Sven.“
Na toll, warum bin ich noch mal hergefahren? Ah ja Muttertag. Wahnsinn und dafür darf ich mir jetzt ein Ohr abkauen lassen. Soll sie doch mit Lee darüber reden? An mir liegt es bestimmt nicht. „Er will mich anscheinend nicht mehr, wenn er je etwas wollte.“ Mein Blick geht zu Zwerg. „Egal, wann musst du los?“
„Frei, heute und morgen.“
„Dann kann ich ihn bei dir lassen?“
Sie seufzt. „Klar.“ Sie ist enttäuscht, aber darauf kann ich jetzt nicht achten. Im Grunde laufe ich dem Mann jetzt genug hinterher. Es ist jetzt ja nicht alles schlecht gewesen in meinem alten Leben.

Ich richte mich her, wenn ich geschminkt bin, fühle ich mich eigentlich stärker und befreiter, aber gerade, na ja eher das Gegenteil. Ich will es abwischen und mich verkriechen. Der Blick auf meinem Handy sagt mir, das Lee mir nicht geschrieben hat. „Nicht heulen“, sage ich mir leise, aber um wenigstens mir ehrlich zu sein. Es tut weh, verdammt weh. Ich würde so gern wissen, was vorgefallen ist, dass er und ich weiter abdriften statt zueinander hin.
„Geht es dir gut?“, will meine Mam wissen. Sie ist ins Bad gekommen und mustert mich.
„Ja, alles bestens“, lüge ich uns an. Ich werfe mir meine Jeansjacke über und verlasse das Haus. Je weiter ich gehe, umso langsamer werde ich und dann setze ich mich lieber in ein Restaurant, als tanzen zu gehen. Ich hasse es, was er aus mir gemacht hat, das wird mir bei jedem Stück Pizza mehr klar.
Jemand setzt sich vor mich an meinem Tisch. „Ich hätte nicht gedacht, das du so schnell wieder hier bist.“
Mein Blick geht zu Sven. Der große breite Mann mit seinen kurzgeschorenen dunklen Haaren und den blauen Augen mustert mich. „Nur zu Besuch, oder darf ich meine Mutter nicht mehr besuchen?“
„Doch, mich wundert es nur, da du und dieser Typ ja so toll zusammen passt.“
Ich rolle mit den Augen. „Mamas Wunschvorstellung.“ Mir ist klar, dass meine Mutter ihnen das gleich unter die Nase reiben musste, dass ich hier weg bin und ich wette drauf auch, dass ich so gesehen mit ihm zusammen lebe.
„Also läuft da nichts?“, hinterfragt er dann.
Kurz überlege ich mir, zu lügen, aber dann bejahe ich es. Er lächelt mich an und ich weiß, dass selbst wenn Lee sich abgewendet hat, will ich Sven und das hier garantiert nicht. „Hör zu, das eine hat nichts mit dem anderen zu tun.“
„Was genau meinst du?“
„Ich habe es deiner Schwester schon gesagt, du bist besser bei Tine aufgehoben. Ich liebe dich nicht und ich …“
Ich erschrecke mich, weil er auf den Tisch haut. „Das ist Blödsinn und das weißt du!“
„Du hast keine Ahnung, was ich wirklich will.“
„Seit drei Jahren fickst du mit mir und ich soll nicht wissen, was du willst?“
Ich seufze. „Geht es auch etwas leiser?“
„Warum, schämst du dich auf einmal?“
„Ich habe nie bereut, mit dir im Bett gewesen zu sein, aber ich habe mich weiter entwickelt. Ich will nicht einfach mit jemandem zusammen sein, den ich nicht liebe.“
Seine Lippen presst er zu einer feinen Linie. Dann steht er ruckartig auf, geht ein paar Schritte und wendet sich dann wieder an mich. „Du wirst ankommen und weißt du was, es ist mir egal, soll dich der Teufel holen.“
Ich befürchte, nicht mal der will mich. „Leb wohl Sven.“ Mein Leben war nie perfekt und Lee ist es auch nicht, ich will es auch nicht haben, im Grunde weiß ich nicht mal, was ich wirklich will. Lee hat mich unterbewusst verändert, und auch wenn ich es hasse, es fühlt sich richtig an. Nachdem ich bezahlt habe, gehe ich nach Hause und lege mich ins Bett. Zwerg kommt sofort zu mir.
„Es wird Zeit, mein Leben nach mir zu richten und nicht nach einem Mann.“

Als meine Mutter aufwacht und in die Küche kommt, habe ich ihr Frühstück gemacht und hänge an meinem Laptop.
„Jetzt erst heim?“, frag sie und setzt sich auf ihren Platz.
„Nein, ich war auch nicht wirklich tanzen, ich habe bei Joey gegessen und bin dann wieder her.“ Ich blicke vom Bildschirm zu ihr. „Danke das du allen gleich erzählen musstest, das Lee und ich angeblich zusammen sind.“
„Ich habe nur gesagt, das du jetzt jemanden richtigen hast.“
Seufzend reiche ich ihr die Muttertagsüberraschung. „Lass es bitte sein“, sage ich und wende mich wieder an den Desktop.
„Eine Reise nach Paris?“
„Wolltest du doch hin.“
„Schon aber …“
„Nichts aber!“
„Was machst du eigentlich da?“
„Ich schaue nach einer Wohnung für Zwerg und mich.“
Sie hustet, der Kaffee schwappt fast aus der Tasse. „Und was ist mit Lee?“
„Nichts!“, wiederhole ich und bin genervt.
„Aber …“
„Mam, nein, lass es. Lee und ich kannst du vergessen. Es war ein Fehler bei ihm zu sein, darum werde ich da ausziehen.“
Sie atmet tief durch. „Weiß er es schon?“
„So wie es in letzter Zeit läuft, ist es ihm egal.“
„Danke“, sagt sie dann leise. Etwas mehr Begeisterung hätte ich mir schon gewünscht, vermutlich wäre sie glücklicher gewesen, wenn ich ihr gesagt hätte, ich heirate Lee.
Aber das schiebe ich beiseite, das perfekte Angebot habe ich entdeckt. Ich greife zum Telefon und mache mit den Besitzern einen Termin aus. „Mam ich brauche deinen Schlüssel.“ Ich weiß, dass sie etwas sagen will, nickt aber zum Flur.
„Fahr vorsichtig.“
„Werde ich, danke. Zwerg komm!“

Als ich bei der Adresse angekommen, bin ich mehr als begeistert. Ein altes Bauernhaus und ringsherum nur Wiese. Ein Kiesweg führt einzig dort entlang. Vor dem Haus steht ein alter Wagen und der sieht zu seinem Besitzer noch jung aus.
„Althaut?“, fragt er krächzend.
„Ja“, antworte ich ihm und reiche ihm die Hand. „Der kleine Frechdachs ist Zwerg.“
„Dann kommen Sie mal.“ Mich wundert es, dass dieser alte Mann noch schwungvoll die drei Stufen zur Haustür erklimmen kann. „Schauen sie sich doch um.“
Das bräuchte ich eigentlich nicht. Ich kann es zahlen, es ist nicht weit von der Stadt und damit steht dem nichts im Weg. So meine Gedanken, doch der Innenraum sagt alles andere als, nehme es. Löcher, modriger Geruch und kaputte Fenster. Jetzt ist mir klar, warum das so günstig ist. „Wann wurde hier das letzte Mal renoviert?“
„Sie können daraus ja was machen, wenn sie einen Beleg darreichen können, kann ich es von der Netto-Miete abziehen.“
Ich seufze. „Ich überlege es mir“, antworte ich ihm dann und gehe zu dem Auto meiner Mutter. Der alte Mann fuhr tuckernd an mir vorbei. Ich lehne mich an die Motorhaube, Zwerg springt im Gras umher.
„Was machst du hier?“, höre ich Lee hinter mir.
„Eine Bleibe suchen und wie … nein ich weiß, Mam kam petzen.“
„Warum, erkläre es mir bitte Kate“, sagt er und lehnt sich neben mich.
„Es ist einfach besser so für uns.“
„Ich sehe da nichts Besseres dran.“ Er nimmt meine Hand. „Ich weiß, dass ich in letzter Zeit etwas abwesend bin, aber das hat eigentlich nichts mit dir zu tun.“
„Eigentlich?“
„Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich gehen lassen soll oder bitten zu bleiben.“
„Was?“ Ich verstehe rein gar nichts, was er gerade von sich gibt.
„Du hast einen beachtlichen Eindruck bei Hunter Buchanan gemacht.“
Ich reibe mein Genick. „Dass er es ist, wusste ich nicht. Hat er sich beschwert?“
„Nein, ganz im Gegenteil, er will dir eine Chance geben und dich mit nach New York nehmen.“
„Wie bitte?“ Mit weit aufgerissenen Lidern und Mund starre ich ihn an. Stimmt das ganze, was er gerade gesagt hat, würde ich das wollen? Weit weg von ihm? Ein kompletter Neustart? Ein Schritt, den ich mir wirklich gut durchdenken muss. Da kann ich nicht einfach sagen, ich habe die Nase voll, ich fahr zu meiner Mutter.
„Du solltest gehen“, meint er dann und lässt mich los. „Es ist das Beste, was dir passieren kannte, daher solltest du es annehmen.“
„Und das bestimmst du jetzt einfach?“
Er nickt und nimmt Abstand von mir. Diese Geste tut mir weh, aber zeigen werde ich es ihm nicht. „Dies hier“, er zeigt auf das Haus hinter ihm, „ist eine Ruine und wird dich nicht weiter bringen, aber dort hast du eine Wohnung und eine Förderung, die du hier nie bekommen wirst.“
„Okay, dann bringe ich das Auto zurück und … kannst du mir die Sachen ins Büro bringen.“
Er nickt nur. Ich schnalle Zwerg an und steige ein. Er blickt immer noch stur auf den Boden, als ich den Rückwärtsgang einlege und losfahre.
Meine Mutter hat geweint, aber bestätigt mir, dass es das Beste ist für mich.

Auch, wenn ich das irgendwie immer noch nicht glauben kann, sage ich über meinen Chef zu. Der ist mächtig stolz und lobt mich. Ungewohnte Worte kommen aus seinem Mund. Natürlich, ich bin jetzt die so gesehen, die Aufträge ihm zuschustern soll. Was mir ehrlich Zahnschmerzen verursacht, aber darüber will ich jetzt nicht nachdenken. In gut vierundzwanzig Stunden sitze ich in einem Privatflieger nach New York und beginne ein neues Leben. Warum mir trotzdem zum Heulen zumute ist, kann ich nicht sagen. Ich verschanze mich in meinem Zimmer, leere die Reste aus meinen Flaschen. Singe lautstark die Texte mit, die aus dem Boxen meiner Anlage kommen. Tränen lassen es immer mehr zu einem jammern kommen und zum Schluss habe ich auch noch einen Schluckauf. Na bravo.

Die Limousine, die mich am frühen Vormittag abholt, hat kaum Platz für meine ganzen Sachen. „Kate“, begrüßt mich eine Frau mit roten Locken. „Ich bin Gretchen.“
„Schön sie kennenzulernen.“ Zwerg niest. „Das ist mein Hund, er heißt Zwerg.“
„Der ist aber niedlich, was ist das für eine Rasse?“
„Weiß ich nicht, ich habe ihn gefunden.“ Wir steigen ein, ich begrüße Mister Bachanan und erzähle ihr, wie das mit Zwerg kam.
Wir fahren zu einem Flughafen, dort direkt zu einem Flugzeug. Helfen lässt mich Gretchen nicht. „Dafür gibt es Personal“, sagt sie und lässt meine Kartons einräumen. Sie schiebt mich regelrecht zu einem der Sitze. „Hier“, meint sie dann und reicht mir eine Karte.
Mein Herz schlägt schneller, als wenn es aus der Brust springen will, die Schrift auf dem Umschlag erkenne ich sofort. „Lee“, keuche ich und kämpfe schon wieder mit meinen Tränen. Schnell reise ich es auf und sehe eine Karte. Das „Ohne-Dich“- Schaf kommt zum Vorschein. Da drin nur drei Zeilen. „Frühlingsgefühle, die ich habe, sind für dich. Hast du sie für mich?“
„Und?“, fragt sie mich.
„Er wollte, das ich gehe, wie kann er jetzt so kommen?“
Sie wischt die Träne von meiner Wange. „Würdest du das hier aufgeben für ihn?“
„Klar, aber er …“ Ich hole tief Luft. „Kann er sich mal entscheiden, immer dieses hin und her, heiß und kalt es nervt mich langsam.“
„Also ist es mehr für dich als eine Bettgeschichte?“
Seufzend lässt sich ihr Mann neben sie nieder. „Gretchen, ich will los.“
„Ja mein Schatz, aber das muss geklärt werden.“
„Ist es nicht egal, ich beginne ein neues Leben?“
„Nein ist es nicht für mich“, höre ich hinter mir. Ich richte mich auf und sehe Lee am Gang stehen.
„Was machst du hier?“
„Ich habe dir gestern gesagt, dass die deine beste Chance ist und dazu stehe, ich auch, aber ich bin nicht bereit dich gehen zu lassen.“
„Rede mal bitte Klartext Lee, du machst mich kirre.“
„Wenn du mich wirklich liebst, komme ich mit dir.“
Toll, ich heule schon wieder. „Du willst hier alles aufgeben, für mich?“
„Ja, ich habe dagegen angekämpft und versucht, immer etwas zu finden, um weiterzukämpfen, aber Tatsache ist, ich habe mich in dich verliebt.“ Er macht einen Schritt auf mich zu. „Sag bitte was?“
„Du bist so ein Idiot Lee“, schluchze ich und nehme ihn in den Arm. „Aber ich liebe dich auch.“
„Na endlich, wir können los“, grummel Mister Bachanan.
„Manchmal bist du so unromantisch mein Schatz“, seufzt seine Frau.
Ob das mit Lee und mir hält, habe ich keine Ahnung, unser Start ist holprig gewesen und ich garantiere dafür, dass es weiter so gehen wird.

Schnipsel von meinem nächsten WöchentlicheGeschichtenChallenge könnt ihr vorab auf Instagram lesen.

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