QuinssReise Hader

Quinns Reise 3

Ich habe bei ihm recht, wenn er ruhiger ist und mehr vertraut, wird sein Reden flüssiger. Wir unterhalten uns den ganzen Vormittag schon über alles Mögliche. Ich lache viel. Je weiter der Zeiger der Uhr wandert, desto mehr verliert er irgendwie seine Schüchternheit.
Der Pinguin, wie ich den Kellner nur noch nenne, bringt jeden von uns eine Pizza. „Chilischote, also“, meint Jendrik schmunzelnd.
„Magst eine?“
„Nein danke, vergiften will ich mich nicht.“
„Ach komm, sei ein Mann.“ Etwas was ich irgendwie voll niedlich bei ihm finde, wenn er abwägt, ob er etwas tun soll oder nicht. Er verzieht die Lippen und sein Kiefer verschiebt sich leicht, weil er mit der Zunge dann über seine Zähne geht. Das Gesicht dabei ist das knuffig. „Und?“
„Na dann gib schon her.“ Ich schneide ein Stück ab und reiche ihm die Gabel. Erst kaut er gemächlich, dann werden seine Augen groß und ihm kommen tränen. Die Cola trinkt er aus, hebt seine Hand für eine weitere Bestellung und wedelt sich dann Luft zu. Ich schiebe ihm mein Glas zu, was er sofort nimmt und auch leert. „Sag doch vergiften“, gibt er leicht rau von sich. Er atmet tief durch. „Nicht witzig.“
„Na du sahst aus wie dieser weinende Emoji.“
„Das werde ich mir notieren und mich rächen.“
„Jetzt habe ich aber Angst.“ Ein Riesenknall lässt mich zusammenzucken. Dem Pinguin sind seine Gläser heruntergefallen.
Jendrik lacht. „Hat da jemand sich erschreckt?“
„Ja und.“
„Entschuldigung“, kommt von dem Pinguin.
„Scherben sollen Glück bringen“, rufe ich ihm zu. Mein Blick geht zu Jendrik, der mich mustert. „Was?“
„Ich überlege mir eine Rache, das ist dir klar, oder?“
Ich grinse ihn schief an. „Noch ein Stück?“
Seufzend schüttelt er den Kopf und beißt in seine Pizza.
„Danke übrigens“, sage ich.
„Ich versteh nicht?“
„Es ist toll mit dir zu reden. Um ehrlich zu sein, dachte ich, auf dieser Reise werde ich nur lesen.“
„Gerne“, meint er und will noch etwas von sich geben, doch er stockt und stottert dann „Sch… Sch… Scheiße!“

Ich wende mich in die Richtung, in die er sieht. Dieser arrogante Typ kommt auf uns zu. Mir drängt sich die Frage auf, warum Jendrik so reagiert. Oder warum er mich ansieht, als wenn er auf eine Zitrone gebissen hätte.
„L… Levi s… Sie“, beginnt er zu stottern.
Dieser Levi bleibt vor mir stehen, presst seinen Finger schmerzhaft in mein Schulterblatt. Seine blauen Augen wirken wie Eis. „Verpiss dich, Schlampe.“
„Levi!“
„Erstens“, beginne ich, „bin ich keine Schlampe, du Honk. Zweitens: Weiß ich nicht, wo dein beschissenes Problem ist. Drittens“, ich schiebe die Hand weg, „tut das weh!“
Sein Blick wird noch finsterer.
„Levi“, kommt von einer Frau, keiner von uns bricht das Blickduell, wir beide sehen nicht ein nachzugeben. „Levi“, wiederholt sie strenger.
„Ja, Mama.“ Mist jetzt sehe ich doch kurz zu der Frau mit den grau melierten Haaren. Er hat es gewonnen und die Schadenfreude trägt er wie eine Medaille zur Schau.
„M… M…“
„Schon gut Jendrik, ich weiß.“
„Lassen sie ihn aussprechen, das hat er sich verdient“, gehe ich sie an.
Verwunderung und dann nickt sie lächelnd. „Ich kenne meinen Sohn, daher ist es inzwischen Gewohnheit, aber sie haben recht.“
„Ruhig atmen, nichts muss dich hier nervös machen“, sage ich zu Jendrik und greife nach seiner Hand, „Freunde und Familie, Okay?“
Er nickt, sein Brustkorb bläht sich auf und senkt sich dann wieder. „Wir haben“, beginnt er langsam, „geredet. Sie ist nicht wie die anderen.“
„Das …“
„Jendrik hat recht“, unterbricht die Frau Levi, „deswegen, werden wir gehen.“
„Mama, das …“
„Wir gehen!“, betont sie nun.
Kurz nickt er. „Ich behalte dich im Auge“, knurrt er mir zu und geht hinaus.
„So ein Arsch“, grummle ich.
Jendrik seufzt. „Ich sollte mitgehen.“
„Ich finde zwar, gerade deswegen solltest du bleiben, aber ich verstehe, warum du gehen willst.“
„Sehen wir uns?“
„Du weißt meine Kabinennummer“, sage ich und halte meine Hand wie ein Telefonhörer am Ohr.
Er lacht und drückt meine Hand. Erst jetzt bemerke ich, dass ich sie immer noch fest gehalten habe. Er geht zu seiner Mutter, die an der Tür wartet. Liebevoll sieht sie ihn an. Seufzend lasse ich mich auf den Sitzfallen. Am Fenster rast ein Mann mit einem Fallschirm vorbei

„Kann ich abräumen?“, fragt der Pinguin. Ich nicke nur. „Also, wenn sie meine Meinung interessiert“, beginnt er, als er die Teller nimmt, „Sie sind keines dieser geldgeilen Flittchen, die Herr Evens meinte.“
„Ich verstehe nicht?“, sagte ich.
„Na, die Familie Evens.“ Ich runzel meine Stirn. „Sehen sie, das meine ich. Die haben Geld in Übermaßen. Die könnten sich einen Brunnen kaufen, der Diamanten statt Wasser herumschleudert. Ihnen ist es total egal.“
Dann macht es klick, die Typen, wo Karoline so abfährt, und ich lege mich mit ihnen an. Sollte sie das Herausfinden, wird sie mich mit einem dieser Sonnenschirme erschlagen und über Bord werfen. „Na toll“, grummelte ich.
„Anscheinend ist die Katze aus dem Sack und sie wissen doch, wer sie sind.“
„Meine beste Freundin ist so eine, wie sie es gerade nannten.“
Er grinst mich an. „Sind das nicht fast alle hier auf dem Schiff?“ Leider muss ich das bejahen. „Sie wollen gar nicht wissen, wie viele mit uns flirten und mit uns schlafen wollen wegen eines Freigetränks.“
Ich stehe auf. „Gut, dass mir das so was von egal ist.“
Er lacht und winkt mir zum Abschied, als ich an ihm vorbeigehe. Etwas stört mich es aber schon, das Jendrik mit diesem Levi verwandt ist. Er scheint nett zu sein, im Gegensatz zu seinem Bruder. Wiederum kann ich auch verstehen, so wie viele Frauen auf sie reagieren, dass er mürrisch ist. Toll, jetzt, wo ich es weiß, kann ich nicht mal dem Kerl weiterhin sauer sein und ihn in Gedanken mit einem Headsetkabel erwürgen.
Am Pool sehe ich Karoline, mit einem am Knutschen. Ich kann nur meinen Kopf schütteln und gehe weiter Richtung Kabine. Dann werde ich doch weiter lesen.
„Quinn“, höre ich meine Freundin.
„Jetzt geht das nicht einmal“, seufze ich und wende mich an sie und ihre Pooleroberung.

„Jack, das ist Quinn“, stellt Karoline mich vor. Er winkt mir kurz, sein Gesicht sagt, was ist das denn für eine. Aber solche Typen meinten ja immer, sie sind die besten. Trolle, einfach nur dumm. „Er studiert Sport.“
„Ach ja“, gebe ich von mir. Ein offenes Buch war definitiv interessanter als dieser Kerl. Er grinst, wen will er mit seiner Theateraufführung beeindrucken?
„Meine Frauen sind gut“, sagt er.
„Er trainiert ein Frauenfußballteam in seiner Freizeit“, wirft sie schnell hinterher, sie weiß, was gerade in meinem Kopf herumgegangen ist. Frauen, Harem, Dreckskerl! Sie kommt zu mir. „Sei lieb, für mich.“
„Hast du irgendwo einen Hammer gesehen?“, frage ich gereizt.
„Nein, lass diese dummen Scherze.“ Wir kennen uns eindeutig zu lange. „Du liest echt eindeutig zu viel dieser dummen Krimi Bücher. Ich kauf dir mal eines mit einer schönen Liebesgeschichte.“ Ich verdrehe die Augen. „Komm schon“, bettelt sie.
Ich hole Luft, will gerade etwas sagen, da sehe ich Levi und ich wurde wieder wütend. „Vergiss es“, zischte ich und stiefelte auf den Arsch zu. „Hey, wir beide haben ein Hühnchen zu rupfen!“
Er zieht seine Augenbraue hoch. „Tun wir das?“
Ich mustere ihn, irgendetwas ist anders. „Bist du Levi?“
Er schüttelt lachend den Kopf. „Ich muss dir einen Korb geben, ich bin Kian.“
„Ups. Dann Entschuldigung.“
„Schon Okay.“ Ich wende mich ab. „Dann bist du?“
„Ähm. Ich habe vorhin mit Jendrik etwas gegessen und wir haben geredet und er meint, wie ein dummer aufgeblasener Holzkopf hereinzuplatzen und mich blöd anzumachen.“
„Ja, das ist Levi. Aber ich wollte deinen Namen erfahren.“
„Quinn“, sage ich, „also noch mal Entschuldigung.“ Ich eile davon. Herr Gott, wie peinlich. Warum muss ich mich immer so blamieren?
„Warte mal.“
„Ja?“, frage ich und blicke zu ihm. Will er mich jetzt auch niedermachen?
„Danke.“ Ich runzel die Stirn. „Mein kleiner Bruder hat es schwer und wenn ihr beide einen halben Tag verbracht habt, denke ich …“
„Jendrik ist ein toller Mann, mit ihm kann man sich gut unterhalten und egal, was der Arsch von Levi darüber denkt, freue ich mich auf das nächste Gespräch.“
Er lächelt, warum weiß ich nicht.

Der nächste Teil von Quinn hier

Wollt ihr es von Anfang lesen, dann startet hier

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