QuinssReise Hader

Quinns Reise 4

Es geht weiter mit Quinn und der Schiffsreise <3

„Hallo, ich bin Karoline, die beste Freundin von Quinn!“, gibt sie in einen süßlichen Ton von sich, der mich die Augen rollen lässt. Es war irgendwie klar, dass sie da mir hinterher eilt.
Er runzelt die Stirn, sieht wieder zu mir. „Wir sehen uns Quinn.“
„So groß ist das Schiff ja nicht.“ Dass leider lasse ich dann mal lieber weg, denn Kian scheint im Gegensatz zu Levi nett zu sein. Er winkt mir und geht von uns weg.
„Ist er nicht der Hammer?“, seufzt sie. Dann greift sie an meine Schultern. „Wie hast du das geschafft?“ Fest schüttelt sie mich. In Gedanken schwebt sie vermutlich schon auf ihrer Hochzeit mit ihnen und träumte von einem großen Haus. Dabei würde sie bei Levi vermutlich eher wegrennen, zumindest würde ich das tun und wäre die Schnellste.
„Kannst du das bitte sein lassen?“, fauche ich sie an.
„Seit wann und warum stellst du sie mir nicht vor?“ Übergeht sie meine Frage.
Ich drücke die Hände weg. „Benimm dich doch endlich mal!“
„Sie sind …“
„Es ist doch scheiß egal, wer sie sind, was sie haben und was sie machen. Es sind Menschen und keine Callboys, die du dir bestellen kannst. Hast du mal daran gedacht? Du siehst nur das Geld und langsam kotzt es mich an.“ Sie starrt mich mit großen Augen an. „Das musste mal gesagt werden.“
Neben uns klatscht ein stabiler Mann Beifall. „Was mischen Sie sich jetzt ein?“, zischen Karoline und ich wie aus einem Mund. Fast genauso schnell klatschen ihre Hände darauf.
Toll noch so einer. „Und wer bist du jetzt?“
„Spielt das eine Rolle?“
„Garantiert nicht.“
„Quinn komm bitte“, flüstert mir meine Freundin zu.
„Weißt du was?“ Ich lasse mich auf dem Stuhl neben den Fremden nieder. „Ich will jetzt eine Cola.“
„Eine Cola …“, gibt der stabile den Befehl.
„Ich kann mein Getränk selber zahlen und auch bestellen.“
„Das glaube ich dir aufs Wort. Aber meine Mutter hat mir Anstand beigebracht.“
Ich verdrehte meine Augen. Schnell rufe ich dem Barkeeper meine Zimmernummer zu. Was den fremden zum Lachen bringt. Warum macht sich jeder heute lustig über mich?

Das Glas nehme ich in Empfang. „Was?“, frage ich Karoline.
„Jetzt komm doch Quinn!“
Trotzig, wie ich manchmal bin, wende ich mich an einen der so, wie es aussah. „Ich bin Quinn und du?“
„Elias.“
„Also damit ich das auf die Reihe bekomme. Levi und dieser Kian sind Zwillinge. Jendrik der jüngere Bruder und wo stehst du?“
„Nirgends. Sie sind meine Cousins. Unsere Mütter sind Zwillinge, daher unsere Ähnlichkeit.“
„Ah.“ Also von Geld sieht bei ihm nichts. Sein Ohrring wirkte wie billiger Modeschmuck und das Monster Shirt hatte Löcher. Vielleicht war das auch so Modern, ich wusste es nicht.
„Ich gehe“, knurrte meine Freundin.
„Tu dir keinen Zwang an.“ Ich beachtet sie am besten gar nicht mehr. Ein Schnauben kommt noch von ihr und als ich das nächste Mal über die Schulter sehe, ist sie weg.
„Du musst jetzt nicht hierbleiben.“
Ich seufze. „Es tut mir leid, dass sie so ist und ihr so reagiert habe.“
„Kein Problem, ich weiß, dass mich die Mädels nicht beachten, weil ich so bin.“
„Es ist halt ein krasser Unterschied, noch mehr wie bei Jendrik und Levi.“ Nickend nippt er an seinem Getränk, in dem ein Lutscher schwimmt. „Was ist denn das?“
„Candymeer“, antwortet er.
„Kenn ich nicht.“
„Muss man auch nicht.“
Ein tätowierter Arm greift zwischen uns, die Bild erkenne ich sofort. „Jendrik.“
„Hi.“
„Wo hast du deinen Bruder gelassen?“
Er zog eine Augenbraue hoch, beugte sich zu meinem Ohr vor. „Mit dem Traktor überfahren und im Rosengarten vergraben.“
„Wow, aber Leiden hättest du ihn lassen schon können.“
Er lacht und bei ihm macht er mir gar nichts aus. „Das nächste Mal.“
„Ein Zombie also, darum stinkt er so.“
Sein Cousin räuspert sich laut hinter ihm. „Ich bin auch noch da.“
„Aber wir jetzt nicht mehr.“ Jendrik hält mir die Hand hin.
Einerseits will ich nein sagen, weil ich keine Lust auf dieses Gerede habe, anderseits ist er wirklich nett.

Ich nehme seine Geste an und lasse mich von ihm wegziehen. „Wo willst du mit mir hin?“, will ich wissen.
Er grinst mich einfach nur an. Wir gehen immer weiter nach unten. Stufe für Stufe. „Du stehst doch auf Krimi?“, fragt er mich und bleibt vor einem Zimmer stehen.
„Da wir dasselbe Buch lesen, ist deine Annahme korrekt.“
„Super.“ Er öffnet die Tür.
„Warum?“
„Ich will mich bedanken.“
„Das musst du nicht.“
Er atmet tief durch. „Aber ich will.“ Er greift nach meiner Hand. „Und jetzt komm.“
Der Raum ist mit künstlichen Rasen und einem Baum in der Mitte ausgestattet. Neben der Tür ein Pult mit einer jungen Frau. Sie reicht ihm einen Stapel Karten. Er seine blauen Augen huschen über das Papier.
„Sie haben eine halbe Stunde Zeit“, sagt sie, „viel Spaß.“ Sie zieht einen Wecker auf.
„Also wir haben drei Verdächtigte.“ Er reicht mir eine Karte. Darauf ist ein Zimmer zu sehen, wie wir hier auf dem Schiff bewohnen. Auf dem Bett liegt ein Mann, seine Augen verdreht. „Der eine ist sein Sohn.“
„Stopp, das ist erst mal nicht von belangen, wir brauchen die Tatwaffe und so bekommen wir den Täter.“
„Gut. Dann auf in das Baumhaus.“ Mit großen Schritten läuft er los.
Ich blicke zum Baumhaus hinauf und mein Magen zieht sich zusammen. In dem Blätterwerk erkenne ich künstlich gemachte Fledermäuse. Darauf zu klettern bin ich nicht wirklich scharf. Auch, wenn ich nicht mal zwei Meter hoch muss. Ich betrachte noch mal die Karte. „Schaut so aus, als wenn er vergiftet worden ist.“
„Ja, der Schaum ist ein Indiz“, meint er und kniet sich hin. „Hier sind Fliegenpilze.“
„Könnte gut sein, er hat noch aus dem Mund gesabbert.“
Er nickt und nimmt die ersten Sprossen der Leiter nach oben. „Kommst du?“
„Nicht freiwillig.“
Er streckt mir die Hand entgegen. „Vertrau mir.“
„Wenn du mich fallen lässt, gibt es ärger.“ Lachend nickt er. Ich ergreife das Holz Stück und lasse mir bei dem restlichen Zentimeter helfen. „Danke.“
„Gerne.“
„Also, was haben wir hier.“ Mein Blick geht in das kleine Zimmer, was wie ein kleines Apartment aussieht, selbst eine Küche und ein Bad sind vorhanden. Auf dem Boden liegt eine Hantel und auf der Küchenzeile liegen Reagenzgläser und Bücher.
Er nimmt eines der Gläser in die Hand und riecht daran. „Bäh“, gibt er von sich. „Das könnte auch Vergiftung hervorrufen.“ Ich blättere die Bücher durch und es stellt sich heraus, dass es Tagebücher sind. „Viel zu einfach, oder?“
„Ja, sie geben sich nicht viel mühe.“
„Würdest du so leben wollen?“, frage ich ihn.
„Es wäre etwas klein, aber, ja, irgendwo weit weg von meiner Familie und diesem ganzen Trubel.“ Ich höre das Bett quietschen. „Es tut mir leid, wegen Levi.“
„Du kannst nichts dafür, das dein Bruder einfach ein Depp ist.“
„Ist er eigentlich nicht, aber …“
„Nein Jendrik“, unterbreche ich ihn, „nimm ihn nicht in Schutz.“ Ich wende mich ihm zu. „Ich wusste nicht, wer du bist und ehrlich mir ist das immer noch vollkommen egal. Im Gegenteil, mir geht das, dass du das hier zahlst gegen den Strich. Ja, es gibt tausende von Mädchen, die so denken wie Karoline, aber ich bin es eben nicht und er hätte wenigstens normal reden können, statt mich gleich dumm anzugehen.“
Er nickt. „Okay, dann lass uns das hier mal locker über die Bühne bringen.“
„Genau. Also laut dem Buch hatte er vorher schmerzen im Bauch. Ich denke, es sind die Pilze gewesen, die dort drin zu einem Sud gekocht worden sind.“
„Und wer war es?“
„Laut Statistik heißt es Frauen greifen zu diesem Mittel.“
Aus der Hosentasche zieht er die Karten hervor. „Also seine Ex.“
„Bestimmt so ein Klischee, sie hat eine Affäre und wollte nicht leer ausgehen.“
Er lacht und erhebt sich dann. „Dann wollen wir mal die Lösung verkünden.“
„Jendrik.“
„Ja?“
„Danke.“
„Ich habe keine Ahnung, wofür du dich bedankst, aber ich bin mehr als froh dich getroffen zu haben.“
Ich nicke ihm lächelnd zu. Er klettert die Leiter hinunter. Ich mag ihn, doch ich weiß, dass ich mit diesem ganzen Rummel nichts zu tun haben will. Darum muss jetzt ein Schlussstrich ziehen.
„Kommst du?“, ruft er hoch.
„Ja.“ Ich setze meinen Fuß auf die erste Sprosse. Meine Übelkeit wird schlimmer. Er wartet auf mich und wir gehen zusammen zu der Frau zum Eingang.
„Oh schon?“
„Die Ehefrau und vergiftet“, sage ich.
„Wow“, gibt sie von sich und läutet eine Glocke. „Ich gratuliere euch, ihr habt es in Rekordzeit geschafft.“ Sie lächelt. „Den wenigsten fallen die Pilze auf.“ Ich bejahe es und trete auf den Flur.
„Warte Quinn“, höre ich Jendrik.
Ich drehe mich zu ihm. „Hör zu, du bist echt lieb und wir haben viel gemeinsam, so Interessen mäßig, aber ich bin nicht so …“
„Ich weiß.“
„Lass mich ausreden. Ich komme mit diesen Vorwürfen nicht klar und ich habe keine Lust auf Paparazzi, die irgendetwas hineininterpretieren. Ich mag dich, aber das hier, war das Letzte, was wir zusammen machen.“
Er geht sich durch seine dunklen Haare. „H … h … hab …“
„Nein Jendrik, du hast nichts verkehrt gemacht. Aber hier geht es einfach nicht weiter für uns. Diese Bekanntschaft zwischen uns ist zum Scheitern verurteilt.“ Er schüttelt den Kopf. „Doch und das weißt du, tief in deinem inneren.“ Ich drückte seine Hand. „Machs gut.“ Er verneint es immer noch, aber ich gehe.

Ich irre durch die Gänge. Etwas verletzt es mich das Jendrik nicht hinterher ist, andersrum bin ich erleichtert, dass er es anscheinend verstanden hat. Irgendwie schaffe ich es, in mein Zimmer zu gelangen. Karoline sitzt auf dem Bett und ihre Lippen hat sie zu einem dünnen Strich gepresst und von ihren Augen sind nur Schlitze zu sehen.
„Was?“, will ich wissen.
„Wie kannst du mir das verheimlichen?“
„Ich wusste nicht, wer Jendrik war, und glaub mir sei froh, dass du Levi nicht kennengelernt hast.“
„Seit Jahren ziehen wir durch die Welt. Wir haben in Irland Feenhäuser gebaut und Klee gepflückt, bis wir ein Vierblättriges gefunden haben. In Paris haben wir den Eiffelturm zusammen bestiegen, als wenn wir nur drei Beine hätten. Wir wollten nach Mexiko, um Día de Muertos dort zu erleben.“
Ich seufze. Ja, wir wollen zu einer Freundin und sehen, wie sie ihr Fest gestalteten. Und mit ihr zu einem Theater, wo Skelette zu Gitarrenmusik tanzten. „Das hat doch alles, nichts damit zu tun. Ich bin da hineingerutscht und will das gar nicht.“ Ich setze mich zu ihr. „Können wir nicht einmal das Thema Jungs lassen?“
„Du könntest mir helfen.“
„Da kann nicht mal mehr ich dir helfen. Ich will Jendrik nicht mehr sehen und dadurch das du Elias so verachtet hast, ist die einprozentige Chance auf Minus tausend gerutscht.“
„Er ist …“
„Nett, willst du sagen?“, knurre ich und mustere ihr Gesicht.
Sie lässt sich auf das Bett fallen. „Warum gibst du mir nur einen Korb?“
„Levi verteidigt seine Familie vor Frauen wie dir. Glaub mir, lieber ich als der Arsch.“
„Was heißt hier, Frauen wie ich?“
„Eine geldgeile Tussi.“
„Nein, das bin ich nicht.“
„Ach wirklich?“
„Ja, weil dann wäre ich an diesem Mops dran gegangen.“
„Entschuldige, dass ich das jetzt so krass sage. Aber du benimmst dich wie eine Schlampe. Reich und gut aussehend ist nicht alles, es muss das Gefühl stimmen.“
„Wie kann ich das den merken, wenn ich nicht an sie ran komme.“
Ich stehe auf. „Fang doch damit an, dir einen auszusuchen und nicht erst das ganze Schiff durch zu pimpern.“ Sie starrt mich an, aber das ist mir egal.

Der nächste Teil von Quinn gibt es hier

Wollt ihr es von Anfang lesen, dann startet hier

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