Maila Hader

Maila und der Drache

Bild von Dalighco

Der lange Schwanz des Wasserdrachen hatte sich um die Stadt gelegt. Eisern verteidigte er seine Beute, mit allem, was er zur Verfügung hatte. Eis und Kälte herrschte um ihn herum. So stark, das Selbst noch an der Oberfläche sich eine undurchdringbare Schicht befand.
Das Meervolk hatte viele Kämpfe gegen ihn geführt und den unweigerlichen Tod ins Auge geblickt. Mit jedem Mann, der dort sein Leben ließ, stärkte es den Drachen und damit seine Macht. Immer weiter drängte er das Volk hinaus auf die raue See. Bis nur noch Frau und Kinder übrig waren.
„Ich werde ihn töten“, rief mit quietschiger Stimme, die letzte Prinzessin, als sie merkte, dass ihr Bruder nicht wieder kam. Ihr Korallenschwert hielt sie in die Luft.
„Maila du musst groß werden und für dein Volk da sein“, versuchte sanft ihr Kindermädchen sie zu überzeugen, das dieser Weg nicht der richtige war. Doch Maila hatte ihren eigenen Kopf, schon bei ihren ersten Schwimmzügen, war sie kaum aufzuhalten, so oft musste sie vom Rand des Ungeheuers wegziehen. „Dein Vater und deine Mutter hätten dies nicht gewollt.“
„Wollten sie das meine Brüder gegen den Drachen kämpfen?“
„Nein, aber …“
„Da siehst du es, ich bin die Letzte der Königsfamilie, ich werde siegen!“
„Ihr seid ein Kind.“
„Noch“, gab die Prinzessin verschwörerisch von sich. Ihr war klar, dass dieser Weg für sie bestimmt war. Nur, weil sie zur Königsfamilie gehörte und ein Mädchen war, wurde sie von allem ferngehalten. Andere in ihrem Alter, vor allem die Jungen durften Trainieren, nur sie nicht und das fand sie mehr als ungerecht. Heimlich schwamm sie zu einer Höhle und versuchte sich selbst den Tanz mit dem Schwert beizubringen.
„Wenn ich groß bin, werde ich es dir zeigen!“, rief sie aus.

Tage, Nächte, Wochen, Monate bis hin zu Jahren lebte sie mit dem Geheimnis. Inzwischen hatte ihr Volk aufgeben und sich damit arrangiert. Maila aber konnte dies nicht hinnehmen, doch erst musste sie verbündete holen. Ein Abenteuer wartete auf sie, um die größte Schlacht ihres Lebens zu beschreiten.

Das Meer der Stille legte sie hinter sich, weit genug entfernt das keine Mythen und Legendes des Meervolkes herrschten. Aber dennoch nah genug, dass sie ihre Macht nicht verlor.
Das Wasser perlte von ihrem türkisen Schuppenkleid in den Sand. An den Strand zu kriechen war weitaus schwerer, als sie sich die vorgestellt hatte. Die Luft durch ihre Lungen zu pressen statt Meerwasser war ein schmerzlicher Prozess, der sich immer noch vollzog. Etwas stupste sie an. Eine samt Maul mit großen Löchern war ein paar Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt, es erinnerte sie etwas an Robben.
„Was haben wir den da?“, fragte eine Männerstimme, die ihr verriet, das dieser nichts Gutes im Sinn hatte. Diesen Ton hatte sie schon oft vernommen von Königen anderer Reiche, die dachten, sie wäre so leicht zu unterdrücken. Ja, ihr Volk war klein, doch noch immer gab es sie und ihre Macht. Niemals würde sie zulassen, dass ein Mann, egal ob menschlich, mythisch oder tierisch sie unterdrückt.
„Reite weiter“, sagte sie in ihren königlichen Ton, den sie solchen immer an den Kopf wart. Sie wanderte mit ihrer Hand über ihren Fischschwanz, der immer heller wurde und zu ihrer beigen Haut über Beine wurde.
Gerade als der Zauber ausgeübt war, schrie ein Junge: „Pass auf!“
Sie drehte sich weg und entging einem Schlag des Mannes mit einem Holzknüppel. Wieder schlug er zu, dieses Mal aber konnte Maila reagieren und ließ ihn durch die Luft schleudern. Sie stand auf, lähmte ihn mit einem Zauber. „Ich bin eine Königin und ihr wagt es mich anzugreifen?“
Sie wollte einen weiteren Zauber ausüben, als jemand ihren Arm fest hielt. „Seid nicht so wie er“, rief der Junge aus.
Sie sah das Kind von gerade Mal zehn an und kannte seine Weisheit in diesen Moment an. Sie ging ihm durch das hellbraune struppige Haar. „Betrafen, muss ich ihn aber.“
„Lasst ihn doch euch dienen.“
„Schlaues Kind“, sagte sie und verwandelte den alten Mann. Ein Walross kauerte zu ihren Füßen. Sie aber kniete sich zu dem Kind. „Würdest du mir helfen, ich brauche verbündete.“ Sie merkte seine Unsicherheit und doch nickte er.

An Land zu Laufen war, um einiges schwerer als durch das Meer zu schwimmen. Der kleine Junge, der sie begleitete, hieß Andrew und war ein Knappe. Er erzählte ihr stolz, dass er ein Ritter werden wollte und was er schon alles deswegen gelernt hatte. Sie fand dies alles nicht gut. Sicher mussten die Kinder damals den Kampf lernen, wegen des Drachens, aber nie wurden sie mit falschen Tatsachen genährt wie dieses Kind. Groß und heldenhaft wollte er sein, doch dies erreichten die wenigsten. Sie wurden in den Krieg geschickt und starben, so wie ihr Volk dies tat.
„Erzähl, warum seid ihr aus dem Meer gekommen?“, fragte er sie.
„Ich muss zu den Magiern und den Drachenrittern.“
„Warum?“
„Meine Stadt wurde angegriffen, wir sind machtlos dagegen, darum ersuche ich nach Hilfe.“
„Ihr könnt zaubern und seid machtlos?“
Seufzend nickte sie. „So ist das.“ Auch, wenn ihr die Tatsache missfiel, sie war gegen den Drachen schwach. „Aber dafür gibt es hier unter den Menschen, starke Verteidiger, die ich um Hilfe bitten will.“
„Ich bezweifle, das sie euch Gehör schenken. Ihr seid zwar eine Königin, aber eine Frau.“
Das hatte sich in ihre Welt schon vor Jahrtausenden geändert. Frauen und Männer waren gleich. Doch diese Ebene lebte immer noch wie damals. „Dafür habe ich dich doch dabei.“
„Ich bin ein Kind Hoheit.“
„Nein, du bist ein Krieger!“ Der kleine lachte. Er hatte noch keine Ahnung, was ihm bevorstand. Doch das würde er sehen, wenn dies so weit war, bis dahin mussten sie noch weit reisen.
„Seht da vorne, das Dorf Lagunt, es hat bestimmt etwas für euch zum Reiten.“ Sie lächelte ihn an. Er war schlau und tapfer.

Dieses Dorf Lagunt, war ein Fischerdorf. Boote reihten sich am Strand. Netze waren aufgespannt, um Löcher auszubessern. Körbe stapelten sich in der Nähe der Boote. Eine Handvoll Männer liefen vom Wasser zum Dorf und wieder Zurück. Andrew führte mich einen Weg entlang, er schien sich auszukennen, seine blick zielstrebig nach vorne gerichtet. Plötzlich wandte er sich an mich. „Wir sind gleich da, was braucht ihr alles?“
Dieser Junge überraschte mich wieder. Er dachte vor. „Ich bin eine Meerjungfrau, woher bitte soll ich das wissen?“
„Dann lasst mich reden.“ Sein Blick ging nach oben und bewegte seine Finger wie beim Zählen. „Wie viel Gold habt ihr dabei?“
„Ich habe Besseres als Gold.“
„Und das wäre?“ In meinem Beutel befanden sich genug Edelsteine und Perlen. Sein Mund öffnete sich und die Pupillen weiteten sich. „Ja damit kann man sehr viel bezahlen“, gab er erstaunt von sich, als ich ihm einen roten Edelstein reichte. Er sah zu mir. „Es tut mir leid, Hoheit.“
Ich belächelte es einfach nur. Wie andere darauf reagierten, war mir sehr wohlbekannt und da machten die Völker keinen großen Unterschied. „Du weißt, was wir benötigen?“
„Ja Hoheit, ich habe eine Aufstellung im Kopf.“
„Dann los und spreche für mich.“
Er hob die Mundwinkel, seine Augen strahlten und dann verbeugte er sich. Mir ist bekannt, dass man niemanden trauen sollte. Aber dieser kleine Krieger hat sich vertrauenswürdig erwiesen. Denn auch hier hätte er mich ausliefern können und reich werden. Doch er hatte ein gutes Herz und seine Seele sprach Treue, solang es gerecht war. Dies wollte ich nicht verspielen.
Sein brauner Schopf verschwand an einem Hauseck. Lange musste ich nicht warten, bis er wieder zu mir kam. „Die Pferde werden bereitgestellt, die Magd sorgt für Lebensmittel. Natürlich keinen Fisch.“
„Magd?“
„Ja Hoheit, ich habe für euch eine eingestellt, dass ihr jemand da habt, sollte ich gerade nicht da sein.“ Er senkt den Kopf. „War dies nicht in Ordnung?“

„Doch das wahr in Ordnung. Ich bin nur erstaunt und sehr gespannt, was noch in deinem Kopf vor sich geht.“ Nicht jeder den ich kennengelernt habe, hat so eine Weitsicht. Andrew wird mir jedes Mal mehr sympathisch.
Er geleitet mich zu einem Gasthaus. „Es ist etwas schäbig, aber ihr müsst etwas essen.“ Wie auf seinen Befehl hin, fängt mein Magen an, Geräusche von sich zu geben. Wir lachen. „Euer Knurren heißt wohl, sie sind am Verhungern.“
„Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal etwas gegessen habe“, gestehe ich ein. Ist es gestern gewesen oder doch schon länger her. Die Ebenen bringen mein Zeitgefühl durcheinander.
Andrew öffnet mir die Tür. Ich betrete den Gastraum und fühle mich heimisch. Hier riecht es nach Meer. Auch, wenn ich weiß, dass es auch davon kommt, weil sie hier mein Volk gegessen wird. Er zieht einen Stuhl von einem Tisch. „Bitte Hoheit.“
„Danke dir.“
„Was wollt ihr trinken?“
„Wasser“, sage ich, was anderes kenne ich auch nicht groß.
Ein junges Mädchen stellt sich zu uns und verbeugt sich tief. „Hoheit, das ist die Magd. Ihr Name ist Loreley.“
Das blonde Haar verdeckt ihr Gesicht, sie sieht dünn aus, aber ich habe das Gefühl, das man Menschen nie unterschätzen sollte. „Ich habe, ihnen Obst und Gemüse besorgt.“ Ihr Blick ist angstvoll. „Ist das für sie richtig?“
Ich mustere ihre grünen und verstehe nicht, was in ihr gerade vor sich geht.
„Braucht ihr noch etwas?“, kommt ihr Andrew zu Hilfe. „Hier gibt es nicht nur Fisch.“
Jetzt verstehe ich es und fange an zu lachen. „Auch wir essen Fisch. Es ist ja nicht so, dass wir nur Algen oder Anemonen zu uns nehmen, wäre etwas langweilig. Oder landet auch euren Teller nur Obst und Gemüse.“
„Nein, wir essen die Tiere, aber …“
Ich lege meine Hände auf die Schulter von den beiden. „Tier bleibt Tier, auch wenn sie bei uns eine höhere Stellung haben als hier, bleibt es doch ein Tier. Aber wir töten nicht extra. Krank oder verstorben müssen sie sein.“
„Dann besorge ich ihnen Fisch“, sagt sie leise und ich bejahe es.

Ein Fisch gebraten ist nicht zu vergleichen, mit einem rohen, wie er bei mir zubereitet wird. Es ist so lecker, dass ich jetzt schon weiß, dass ich es vermissen werde, oder nach meinem Abenteuer wohl hier öfters herkommen werde.
Loreley ist fleißig und sehr bedacht. Etwas habe ich das Gefühl, das sie Angst hat. Mir ist nur nicht klar, ob es vor mir ist oder ob es ihr in ihrer Natur liegt.
„Hoheit, ihre Kutsche ist bereit.“
Lächelnd blicke ich zu Andrew. „Ihr habt noch nichts gegessen.“
Sein Mund öffnet sich und er reist es fast so auf, wie seine Lider. „Aber Hoheit!“
„Bei mir am Hof ist es schon immer so gewesen, dass die, die uns am nächsten stehen, ebenfalls am Tisch setzen dürfen.“
„Ich bringe dir einen Teller“, sagt Loreley.
„Damit meine ich auch dich.“
Sie reagiert genauso wie Andrew. „Das …“
„Los esst, ihr müsst auch bei Kräften sein.“ Sie sieht zu ihn und er zuckt mit den Schultern. Während er sich dann einfach setzt, ist sie zögerlich und mustert mein Gesicht. „Als ich noch klein war und wir aus dem Schloss fliehen mussten, wurden wir gleich. Jeder hat sein Haus und sein altes Leben verloren. Wir mussten zusammenhalten. Egal ob Bauernjunge, Prinz oder Adliger, wir sind gleich. Ich will es nicht anders und mir ist es egal, wie die Herrscher dieser oder anderer Ebenen sehen.“
Langsam setzt sie sich mir gegenüber, aber ihr Augenmerk ist immer noch auf mir, als wenn sie erwartet, dass ich ihr etwas antun würde. Auch, als sie sich etwas Gemüse nimmt, ist sie bedacht. „Danke“, kommt leise von ihr.
Ich nicke ihr zu, blicke zu Andrew und fange an zu lachen. Seine Backen sind voll und er schmatzt genüsslich. „Dir scheint es zu schmecken.“ Er kann nur stumm zustimmen und nimmt das nächste Stück Kartoffel. „Lasst es euch schmecken, aber denkt dran, zu viel gibt Bauchschmerzen.“
„Hoheit, was wird aus uns, wenn ihre Reise zu Ende ist?“, fragt sie mich.
„Es liegt an euch, wie ihr weiter gehen wollt.“ Ich nehme einen Schluck Wasser. „Aber dies sollten wir besprechen, bevor wir das Ziel erreichen.“

Andrew hält mir die Tür auf. Beide sind satt und sehen glücklich aus. Vier schwarz gefleckte Pferde stehen vor einer kleinen Kutsche. Eine Kiste ist zu sehen, die hinten angebracht ist. Auf dem Holz sind Muster von Fischen eingebrannt worden, noch leicht riecht es nach diesem Vorgang. An dem Einstieg steht ein Mann. Seine braunen Haare sind noch nass und seine Haut braun gebrannt. Einen Strohhut hält er vor sich, sein Blick ist starr auf den Boden gerichtet.
„Das ist Max, Hoheit.“
Ich seufze, nicht weil der Mann der vor mir nicht steht, eher weil ich weiß, dass er eine Familie hat. Seine Hose zeigt Spucke eines neugeborenen. Ich greife in meine Tasche. „Hohle jemand anderes. Wir können keiner Familie den Vater nehmen.“
„Das ist nicht meines, es ist das Kind meiner Schwester“, gibt dieser Max wimmernd von sich.
„Ich halte nicht von lügen …“
„Herrin es stimmt“, kommt von Loreley.
Mein Blick geht zu Andrew, dieser nickt. „Nun gut, dann habe ich dies wohl falsch interpretiert.“ Er musste selbst entscheiden, ob er blieb und seinen Weg mit uns gehen wollte, oder seine Schwester unterstützen. Ich ziehe die Hand wieder aus dem Beutel und lasse mir von Andrew helfen einzusteigen.„Brauchen sie noch etwas?“, fragt er mich.
Ich schüttele den Kopf und setze mich. Hier riecht es etwas noch nach frischem Holz und das Polster ist ebenfalls weich. „Er hat leider nichts Besseres, so schnell bekommen.“
Ich sehe zu Loreley, die sich mir gegenüber setzt. „Nein, sie ist toll. Solang ich nicht laufen muss oder gar auf einem Pferd sitzen ist das hier ein Paradies.“ Sie lächelt. Ein Ruck und die Kutsche bewegt sich. Nun sind wir also zu viert unterwegs. Ich kann nur hoffen, dass alles gut geht.

In den nächsten Dörfern wird unser Proviant aufgefüllt und Stoffe lagern jetzt mir gegenüber. Meine Stirn liegt in Falten. Loreley summt vor sich hin, als sie Bahnen zusammenschiebt und andere wieder trennt voneinander.
„Was hast du damit vor?“
„Wenn sie sich zu Bett legen, werde ich ihnen etwas schneidern.“
„Etwas schneidern?“
„Kleidung, wir können doch nicht durch das Land ziehen und …“ Sie verstummt, ihre Wangen sind rot, als sie sich abwendet. „Andrew und ich dachten nur, es ist besser, nicht allein zu zeigen, wer sie sind. Manch einer könnte ihr auftreten auch als … als …“
„Glaube mir, kein Mann traut sich Hand an mich zulegen. Mir ist auch klar, dass ich etwas zum Anziehen brauche, aber nur nicht, warum du etwas schneiderst, als etwas zu kaufen. Ihr braucht genauso euren Schlaf wie ich auch.“
„Woher wissen sie das eigentlich alles?“
Ich lächelte. „Es gibt Menschen, die zu uns kommen, die bei uns leben, sie erzählen viel. Ich war auch schon oft in anderen Ebenen.“
„Menschen leben bei euch im Meer?“
„Sicher doch. Magie kann nicht nur mir Beine geben.“
„Oh, ja, entschuldigen sie.“ Ihr Blick geht wieder zu Boden.
„Du musst aufhören dich ständig zu entschuldigen und es peinlich zu sein. Ich bin eine Meerjungfrau, ich habe glaube, ich mehr mit euch Menschen zu tun gehabt, als du mit meiner Art.“
„Wo ist euer Reich?“
„Im Meer, es ist der zentrale Punkt der Ebenen. Vor dort geht es zu allen fünf Welten. Manchmal verirren sich andere Wesen hindurch und wir sind normal dafür da, dies zu schützen.“
„Wie meinen sie es normal?“
„Darum bin ich hier. Einer der Wasserdrachen, hat mein Schloss eingenommen und jetzt will ich es endlich zurückerobern lassen.“
„Da haben sie sich viel vorgenommen.“
Ich nicke. Meine Angst, dass die Legenden, doch wahr sind, sitzt tief in meiner Erinnerung, aber ich kenne sonst nichts oder niemanden, was willens ist, einen Drachen sich entgegenzustellen. Mein Volk ist gerade dabei sich zu erholen. Ich kann sie nicht schon wieder dem Monster aussetzen, aber auch nicht, dass es weiter dort lebt. „Ich werde es schaffen“, sage ich fest und meine Überzeugung stärkt mich.

Berge und Wälder ziehen an dem kleinen Fenster vorbei. Ich bereue es gerade, gesagt zu haben, dies sein ein Paradies, mir Tat mein Hintern weh und ich hatte das Gefühl, das ich weder Beine noch Flosse hätte. Loreley vor mir scheint das alles nichts auszumachen, sie summt immer noch vor sich her. Das Kombinieren der Stoffe hat sie aber aufgegeben. Eine Zeit lang hat sie mir erzählt, wie sie auf Andrew aufgepasst hat, dass sein Vater wohl im Meer ertrunken sei und seine Mutter vor ein paar Wochen das zeitliche gesegnet hat. Je mehr ich von ihr erfuhr, umso höher wuchs meine Achtung vor diesem Jungen.
Ich erfuhr auch, dass sie eigentlich einem Fischer versprochen gewesen ist, den sie aber noch nie leiden konnte. Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen. Bei uns heißt es schon immer, heirate, wen du liebst.
„Hoheit?“, fragt mich Loreley auf einmal.
„Ja?“
„Wie ist eigentlich eure Welt?“
„Freier.“ Sie runzelt ihre Stirn. „Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Ah ja, dass ihr zum Beispiel mit an meinem Tisch sitzt, ist bei uns vollkommen normal. Frauen sind gleich viel wert, müssen daher auch für das Volk kämpfen.“
„Ist nichts bei euch verboten?“
„Gewalt in den eigenen Reihen, da sind wir streng.“
„Was macht ihr, wenn es vorkommt.“
„Verbannung.“
„Aber wer sagt, dass sie nicht zurückkommen?“
„Magie.“
Plötzlich hält die Kutsche. Andrews Kopf kommt durch den Spalt, als sie die Tür öffnet. „Hoheit, es wird bald dunkel, solang sie nicht zaubern, würden wir das nächste Gasthaus anvisieren.“
„Gasthaus“, rufe ich aus.
Loreley zuckt zusammen, auch Andrew runzelt die Stirn.
„Entschuldigt, aber ich kann einfach nicht mehr sitzen!“
Er bricht in schallendes Gelächter aus. „In Ordnung Hoheit“, sagt er, als er sich beruhigt hat und schließt wieder die Tür. Kurz seufze ich.
„Ich kann auch vorne mit sitzen.“
„Oh bei den Wassergeistern, nein, dann sterbe ich ja nicht, weil meine Gliedmaßen abfaulen, sondern eher an Langeweile.“
„Dann ist es nicht meinetwegen?“
„Du hast mir den Tag versüßt.“ Sie lächelt erleichtert.

Hier geht weiter mit Maila.

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