QuinssReise Hader

Quinns Reise 5

Auch nach paar Minuten sieht sie aus, als wenn ich ihr ihren Lieblingslippenstift aus dem Fenster geworfen hätte. „Wie bitte?“
„Dein Fußballtyp würde dich auf Händen tragen, aber du lässt ihn wieder fallen, wegen Levi.“ Letzteres sage ich mit einem Würgereiz.
„Ja Jack ist heiß, aber …“
Ich verdrehe die Augen und höre nicht mehr zu. Ich weiß auch so was sie wieder von sich gibt. Levi ist heißer, wie eine Chilli und auch noch reich. Es ist wieder erstaunlich, wie unterschiedlich wir sind und dann doch die besten Freunde sind. Mein Blick geht auf mein Handy. Ich wollte es nicht anschalten. Doch jetzt brauche ich eine andere Stimme im Ohr, als meine Freundin, die jammert, weil ich ihr nicht helfe reich zu werden.
„Wo gehst du hin?“
„Telefonieren“, sage ich und schließe die Tür von der Terrasse. Eine Biene summt an mir vorbei. Ich frage mich kurz, wie das hier auf dem Meer passieren kann. Doch das Ping sagt mir, dass mein Handy hochgefahren ist. Ich wische über den Regenbogen. Drücke auf den Telefonhörer und versuche meine Schwester zu erreichen. Anrufbeantworter. Handy, Mailbox. NA TOLL. Ich schreibe ihr eine Nachricht. „Haben Samen Tage, das Schiff ist riesig. Karoline, na ja du kennst sie ja. Sagen dir die Evens und Browns etwas? Sie sind auch hier. Und sie ist schlimmer als ein Kater, wenn eine rollige Katze in der Nähe ist. Schreib mir, wenn du das liest und Zeit hast, muss Frust ablassen.“ Ich gehe den Text noch mal durch und schüttel den Kopf. „Warm nicht Samen du dummes Handy.“ Ausgebessert weggeschickt.
Die Tür geht auf. „Beruhig?“, fragt sie mich.
„Nein.“
„Nur als Tipp, das heißt, du solltest gehen.“
Ich wende mich zu ihr und muss mehrere blinzeln. Steht da wirklich Levi? „Lass das, meine Sorge sein“, brummt der Mann. Ja, eindeutig Levi. Er kommt auf den Balkon und setzt sich mir gegenüber. Warum kommt er her und schweigt dann?

„Okay“, unterbricht Levi die Still.
„Äh?“ Muss ich verstehen, was er gerade damit meint?
„Ich glaube dir nicht!“ Ich hole Luft, um ihm meine Meinung zu sagen. „Aber Jendrik mag dich, Mama hat mir das Schwert auf die Brust gesetzt, das ich mich entschuldigen soll.“
„Messer.“
„Was?“
„Messer auf die Brust gesetzt, wenn schon richtig.“
Er verdreht die Augen, aber das kurze Schmunzeln ist mir nicht entgangen. „Ist Jacke wie Socke.“ Wieder will ich ihn berichtigen, aber er hebt die Hand. „Es geht mir um meine Familie, er ist traurig, meine Mutter ist sauer und das alles nur, weil du davon machst. Wenn es nach mir gehen würde, würde ich dich am Südpol aussetzen und die Eisbären sollen dich fressen.“
Ich stöhne auf. „Warst du in der Schule, so langsam glaub ich nicht.“
„Wie bitte?“
„Wenn du am Südpol einen Eisbären findest, grüße ihn von mir.“ Er runzelt die Stirn. „Die Leben am Nordpol. Pinguine sind am Südpol zu Hause. Also kann ich da schön einen Schneemann bauen.“
„Ich verstehe, warum dich mein Bruder mag, du bist wie er.“ Er lehnt sich zurück. „Du hast meine Rede vollkommen zunichtegemacht.“
„Ich habe immer noch keine Entschuldigung gehört.“
„Für was auch?“
„Du hast mich beleidigt.“
„Und ich glaube dir immer noch nicht.“
„Vom Gesetz her ist jeder unschuldig, bis man Beweise hat.“
Sein Daumen zeigt nach innen. „Das Ding mit der Katze auf dem Shirt, ist deine Freundin und sie würde mich bespringen.“
„Bild dir nichts darauf ein, das will sie bei fast jeden.“
„Worauf ich aus bin …“
„Ist mir egal“, unterbreche ich ihn und stehe auf. „Ich bin nicht sie, sowenig wie Jendrik du bist.“
„Werden wir sehen.“ Er erhebt sich ebenfalls. Kurz vor mir stellt er sich auf. „Ich warne dich, merke ich, dass du doch so bist, kann dich nicht mal meine Mutter retten.“
Ich gähne. „Hast du was gesagt, ich höre nur rauschen.“
Seine Mundwinkel zucken nach oben. „Ich gehe surfen, stell dich doch zu den Groupies.“
Ich kann es nicht unterdrücken und strecke ihm meinen Mittelfinger entgegen. Keine Mimik verzieht er und geht. Ein weiterer Impuls. „Arschloch!“

Mein Blick geht zu Karoline, die nur schmachtend da steht, und ich verstehe es einfach nicht. Wenn es nach mir gehen würde, steckte jetzt etwas Spitzes in seinem Rücken. Da wir auf dem Meer sind, kommt mir ein Dreizack vor meinen geistigen Augen.
„Was?“, blaffe ich sie an, als sie sich zu mir wendet und verständnislos ansieht.
„Ich glaube nicht, dass er so schlimm ist, wie du gerade tust.“
„Oh nein er ist schlimmer. Er mag so harmlos wie ein Hase wirken, aber er würde ein Herz roh essen, wenn er damit seine Familie schützen könnte.“
„Deine Metaphern sind echt erschreckend und an den Haaren herbeigezogen.“ Ich schnaube. „Ja er hat etwas Verruchtes, wie ein Cowboy.“
„Also ich weiß nicht, was du daran so toll findest.“ Allein der Gedanke daran überall Pferdeäpfel, die von der Sonne angestrahlt werden und nur noch stinken, wird mir schlecht. Davon abgesehen, dass es mich schüttelt, bei dem wissen, das sie nur Kernseife hatten. Aber für sie mag diese romanisierte Zeit. Ein eher kleiner Mädchentraum, wegen der Pferden, denn ich kann mir das bei ihr gar nicht vorstellen. Sie braucht Aktion und nicht Einöde. Davon abgesehen, dass meine beste Freundin nicht mal wirklich eine Ahnung hat, wie es dort damals zuging.
„Er ist … Ach das hat keinen Sinn, mit dir darüber zu reden.“ Sie greift zum Türgriff. „Ich glaube, du bist immer noch das pickelige Mädchen, mit dem kaputten Rucksack, das lieber vor dem Bildschirm mit einem Kontroller in der Hand saß.“
„Und ich nehme dir das jetzt nicht übel, weil du alles sagen würdest, dass ich jetzt dahinter renne und dich zu ihnen bringe.“
Boom, die Tür knallt ins Schloss und ich bin allein in der Kabine. Sie wird wieder kommen und wir werden wie immer weiter machen. Noch nie hat sich ein Kerl oder ein Streit sich zwischen uns drängen können, da wird Levi und Konsorten keine Ausnahme werde. Hoffe ich zumindest.

Den ganzen Nachmittag verbringe ich damit, zu warten, dass meine beste Freundin sich wieder beruhigt und sie zurückkommt, aber nichts. Mein Magen knurrt und ich begebe mich dann auch mal in den Speisesaal. Kaffee und Kuchen werden gerade in die Küche wieder zurückgetan. Schnell nehme ich mir einen Apfel, bevor der Korb auch noch verschwindet. Hinter einer Säule entdecke ich den Barkeeper, immer noch oder wieder als Pirat verkleidet. Die rote Feder hängt immer noch schief. Auf dem Weg zu ihm muss ich einen Mann ausweichen, der sein Fahrrad schiebt. Ich setze mich zu ihm.
Sein Blick wandert zu mir und lächelt. „Wie geht es dir?“
„Gut denke ich.“
„Hab schon gehört, Karoline und du seid etwas zerstritten.“
„Ja, sie will, dass ich ihr die Tür zu ihrem Schloss aufmache.“
Er lacht. „Dann baue ihr doch eine Sandburg.“
Ich muss schmunzeln. „Wenn ihr das reichen würde, aber nein sie hat es sich in den Kopf gesetzt, ins Bett von diesen Reichen zu kommen.“
„Du scheinst ja nicht gerade auch nicht abgeneigt zu sein von einem davon?“
„Wie bitte?“
„Gerüchte.“
„Wow mal langsam, da begibst du dich aber auf Glatteis. Ich habe Jendrik nicht so kennengelernt und mir ist es egal. Im Gegenteil ich habe ihm gesagt, das dies nicht geht, und bin gegangen.“
„Also keine Hochspannung?“
„Garantiert nicht.“ Ich reibe meine Hände aneinander, als wenn da etwas wäre, was ich weghaben will. „Ich mag ihn wirklich, aber ich bin nicht so eine. Mit ihm kann ich reden, wie mit keinem anderen bis jetzt, wir haben die gleichen Interessen und so. Aber ich kann das nicht. Mich nervt es doch schon im Grunde, dass es jetzt welche denken.“
„Die meisten sind aber auch so. Ich kann den ältesten da echt verstehen, mich würde es auch nerven.“
„Denkst du das auch über mich?“
Sein Lachen ist laut. „Nein, du nicht, obwohl ich zugeben muss, kurz gezweifelt habe, als ich dich mit einem von ihnen gesehen habe.“
Das gibt mir zu denken, aber ich weiß nicht, was ich dagegen tun kann.

Der nächste Teil von Quinn gibt es hier

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