Maila und der Drache Teil 2

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Weiter geht es mit Maila und ihrer Reise <3

Er nickt mir zu, die Tür schließt sich und die Peitsche schnalzt wieder. Das Hufgeklapper drang wieder zu uns. Ich bette zu den Wassergeistern, dass wir bald aufstehen können. Immer dunkler wird es in der Kabine. Das einzige kleine Licht spendet der Stein an meiner Kette.
„Das nächste Dorf scheint sehr weit weg zu sein“, gebe ich seufzend von mir.
„Ich schätze, das irgendetwas nicht für Andrew in Ordnung war, das er die Dörfer umfahren hat.“
„Seine Vorsicht in allen Ehren, aber wenn ich mich nicht langsam bewegen kann, werde ich ungehalten.“
„Wollt ihr eure Beine vertreten?“
„Ja“, stöhne ich und klatsche in die Hände, so sehr freue ich mich, diesem Kasten zu entkommen. Geräuschvoll schlägt Loreley gegen die Decke. Wir werden langsamer und dann streckt Andrew wieder seinen Kopf hinein.
„Wir wollen ein Stück laufen“, klärt sie ihn auf.
„Dann werde ich vorreiten und schauen, wo etwas zum Schlafen ist.“ Er streckt mir die Hand hin. Mein Blick wandert zu seinem Gesicht. Schon jetzt ich kaum etwas von dem kleinen Jungen zu erkennen von heute Morgen. Die Magie hat ihn schön größer und älter werden lassen. Mir ist nur nicht klar, ob es gut ist oder nicht.
Ich lasse mir helfen und strecke mich. Nach Loreley bindet er ein Pferd ab, das hinter der Kutsche gezogen wurde. „Danke.“
Er nickt und macht zum Kutscher ein paar Schritte. „Passt auf Hoheit auf.“
Dieser bejahrt es stumm und Andrew galoppiert die Straße entlang. Neben der Kutsche laufen Loreley. Die Abendluft ist frisch, aber ich vermisse den leicht salzigen Meeresduft.
„Da er kommt wieder“, ruft sie auf einmal aus. Ich kann meine Augen zusammenkneifen, wie ich will, ich entdecke nichts. Sie kichert. „Hören“, sagt sie leise und tippt auf ihr Ohr.
„Ich kann nichts anders vernehmen wie das von den Pferden hier“, gebe ich erstaunt von mir. Verlegen lächelt sie mich an. Tatsächlich kommt in der Ferne ein dunkler Fleck auf uns zu.

Immer näher kommt das Pferd, aber es ist nicht Andrew. Lange Haare fliegen im Galopp. Schlitternd uns schnaubend kommt das Tier vor mir zum Halten. Gerade rechtzeitig versah der Schutzzauber uns mit einem Schild. „Wow“, gibt Loreley von sich und geht mit ihren Fingern zu dem Wasser. Wenn sie das schon beachtlich fand, was sagt sie dann bei den Magiern oder wenn ich zu Hause bin. Ich sehe zu der Frau, die auf dem Rücken des Pferdes sitzt.
„Du bist Maila“, sagt sie.
„Du hast sie mit Hoheit anzusprechen“, grummelt der Kutscher und springt neben ihr vom Bock. „Eigentlich hast du gar nicht sie anzusprechen.“
Sie interessiert sich nicht für ihn. „Neptuns Tochter zieht nicht weiter in diese Richtung.“
Ihre Warnung ruft nur eines hervor, die Angst um Andrew. „Ich werde nicht weggehen ohne meinen Begleiter.“
„Herrin, wenn …“
„Nein! Ohne Andrew werde ich nicht gehen.“ Loreley schluckt. „Du kennst dich aus, helfe mir und ich werde dich belohnen.“
„Ihr versteht nicht er …“
„Das würde Andrew nie tun“, gibt Loreley von sich.
„Er ist nicht mehr am Leben“, knurrt die Fremde.
Kopfschüttelnd und den Tränen nahe ruft Loreley immer wieder „Nein“ aus.
Die Fremde mustert mich. Ich bin hin- und hergerissen, von „das glaube ich nicht“ und „kann es wirklich sein“. Aber im Grunde ist es egal, Andrew gehört zu meiner Gruppe und das verteidige ich. Ich strecke die Arme in die Luft und schließe meine Arme aus. Die Magie in mir fängt an zu brodeln. „Wasser von oben, Zeit, sich zu erheben, Sturm ich dich beschwöre, folge meinem Befehl.“ Meine Haut wird gekühlt, Tropfen für Tropfen gleiten an mir zu Boden. Ich höre, wie der Kutscher nach Loreley ruft. Es knallen Blitze vom Himmel. Ich öffne meine Augen. Ich senke meine Arme, die Adern in mir leuchten Blau wie das Meer. „Zerstört“, schreie ich aus. Mit den Fingern forme ich eine Wasserblase. „Bring ihn mir.“ Magisch folgt sie seinem Weg.
„Ihr könnt nichts mehr für ihn tun“, brüllt die Fremde mir zu.
„Ohne ihn gehe ich nicht weg“, wiederhole ich und laufe los. Aus den Regentropfen bildet sich ein Seepferdchen, auf das ich aufsteige. „Ich werde dich retten“, flüstere ich und hoffe, das meine Magie ausreicht.

Hufe im Matsch, der Blick über die Schulter die Fremde folgt mir. Ich weiß immer noch nicht, ob ich ihr trauen kann, aber gerade zählt nur Andrew für mich. „Schneller“, treibe ich das Seepferdchen an. In der Ferne sehe ich die Kugel. Wieder will ich, dass es an Tempo zu legt. Inzwischen sind mehrer Zentimeter vom Boden mit Wasser bedeckt. Ein Schrei hinter mir. Ich drossle das Seepferd und sehe nach hinten. Die Fremde ist vom Pferd gestürzt. So kann ich sie nicht stehen lassen. Zu Loreley will ich sie nicht lassen, auch wenn der Kutscher auf sie aufpasst. „Helft ihr“, befehle ich den Regentropfen. Einige Fliegen in ihre Richtung und bilden ein zweites Seepferd. „Weiter.“ Meines hört sofort und saust über die immer höher werdende Wasserschicht. Auch, wenn ich die Kugel aus den Augen verloren habe, spüre ich ihren Weg und lenke das Tier unter mir. Als wir die Stadt erreichen, hat die Fremde aufgeschlossen und folgt uns durch die Straßen, die gerade eher Flüsse sind. Wir kommen gerade um die Ecke, als ich sehe, wie die Kugel unter Wasser geht.
Panik kommt in mir auf, habe ich ihn vielleicht mit meiner Wut auf die Stadt selbst das Leben genommen?
Wir tauchen. Ich streiche über meine Beine. Von den Füßen gehen Schuppen immer weiter nach oben, bis meine türkise Flosse komplett ist, ab da schwimme ich selber weiter. Die Kugel quetscht sich durch eine Tür und ich hinter her. Kein Mensch ist zu sehen. Die Treppen nimmt sie jetzt in den Keller. Schnell schwimme ich hinter her. „Andrew“, schreie ich aus, als ich ihn an der Decke sehe.

Erleichtert keuche ich, als er zu mir blickt. Ich schwimme zu ihm und hauche ihn magische Luft in die Lungen. „Ich dachte, ich hätte dich verloren.“ Er sieht hinter mich und gestikuliert wild. Durch meine Drehung entgehe ich einer Harpune. Ein Mann mit Tauscherhelm ladet nach. Ich will ihn angreifen, aber Andrew zieht mich beiseite. Im Augenwinke sehe ich, wie er die Harpune wirft. Niedlich wie er denkt, dass er so viel Kraft hat, und das er mich beschützen muss. Mit dem Finger wirbel ich, der Sog wird stärker und dann lasse ich den Strudel auf den Mann los. Ich greife Andrew am Handgelenk und ziehe ihn an den Mann vorbei. Dieser wird um seine eigene Achse immer weiter gedreht.
„Keine Angst, er bekommt seine Strafe“, sagte ich, als Andrew hinter mir zappelt. Erst als ich zu ihm sehen, bemerke ich, dass der Mann ihm am Fuß hat. Meine Gedanken suchen einen Weg wie ich Andrew hier herausschaffen kann und den Mann bestrafen, alles was mir einfallt, könnte ich meinen kleinen Helfer verletzen.
Etwas saust an mir vorbei. „Nein Andrew“, schreie ich vor Angst, aber es flitzt auch über ihm hinweg. Das Wasser färbt sich rot und ich kann Andrew zu mir ziehen. Ich drücke ihn an mir. Mir ist gar nicht klar, wie sehr ich ihn schon ins Herz geschlossen habe. Aber ich weine, weil ich um ihn Angst hatte.
Jemand tippt auf meine Schulter, als ich aufsehe, bemerkte ich lange dunkle Haare. Die Fremde, sie zeigt nach oben. Ich nicke und zieh die beiden aus dem Keller und aus dem Haus.
Als wir die Wasseroberfläche durchbrechen hohlen beide tief Luft. „Danke“, krächzt Andrew.
„Es ist nicht vorbei“, meint die Fremde.

Fieberhaft suche ich nach einem Ausweg, wie ich Andrew zumindest in Sicherheit wissen kann. Ich bin der Fremden dankbar, dass sie ihn gerettet hat, aber sie ist mir egal.
Er greift nach meinem Arm. „Nein bitte.“
„Sie muss etwas dagegen tun“, keift die Fremde. Er blinzelt nicht, sondern starrt mir in die Augen.
Ich will die Bestrafung dieser Menschen, die ihm weggetan haben. Aber da ich gerade nichts machen kann, ohne ihn zu gefährden, gebe ich nach. Ich lasse ein Wasserseepferdchen erscheinen. „Bringe ihn zu den anderen, dort ist er sicher.“
„Ich bleib hier!“
„Nein du gehst, ich komme gleich nach.“
Sein Blick huscht kurz zur Fremden. „Pass auf dich auf.“
Ich nicke, das Seepferd saust mit ihm auf den Rücken über die Ebene.
„Sie werden euch jagen, wenn ihr sie nicht aufhaltet“, gibt sie von sich.
„Ich habe es ihm versprochen.“ Ich wende mich dem Wasser zu. Konzentriere mich auf die Pflanzen, die weit unter mir am Rand der Straße sich befindet. „Das heißt aber nicht, das ich es ihnen zu leicht mache.“ Eine Blume lasse ich um den Fuß der Frau sich schlingen, während ander Tür und Fenster verschließen. „Und dir traue ich nicht.“
„Ich habe euch das Leben gerettet!“
„Du wolltest Andrew opfern! Ich habe keine Ahnung, woher du von mir weißt, aber ich werde nicht zu lassen, dass du ihm oder den anderen beiden, Schaden zufügst.“ Ein zweites Wasserpferd taucht auf. „Halte dich von uns fern.“
„Ich bin die Tochter von Aru.“