WGC August

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Diesen Monat beginnt mit einer weiteren Geschichte aus dem HountressSchool of Darkness. Der Text ist sehr viel länger geworden, als geplant, ich hoffe er gefällt euch trotzdem <3

Viel Spaß mit Ariel 🙂

Mein Leben ist bisher eine Flucht. Sobald ich zeige, wer ich bin, oder was, werde ich gejagt. Schon als … da fängt es schon an, bin ich ein Kitten oder ein Baby gewesen. Ich weiß es nicht wirklich. Nur das meine Mutter mich in einer Kiste aussetzte. Ich habe geweint und geschrien, bis jemand mich auf den Arm nahm. Doch dieser Geruch kannte ich nicht und ich fauchte. Meine Verwandlungen konnte ich da noch nicht kontrollieren. War es meine oder die Absicht der Katze in mir, die Krallen ihr über die Wange zu ziehen? Ich weiß es nicht, auch nicht, was dann genau passierte, ein Knall hallte von den Wänden wieder und ich wollte nur noch dort weg.
Erst Wochen danach ist mir klar geworden, dass meine Katzenform, den Menschen Angst einjagt. Doch da habe ich schon die Jäger auf dem Hals gehabt.
Jäger sind Menschen, die darauf trainiert sind, Wesen wie mich oder Schlimmeres zu vernichten. Ich habe nie etwas getan, bis auf diese Frau zu kratzen, und doch muss ich mich vor ihnen verstecken.
Das Gute an einem Wesen zu sein, was sich verwandeln kann, das ich so wachse wie das Tier in mir. Während Menschen mit einem Jahr gerade laufen können, bin ich schon Erwachsen. Dieses Leben ist aber nicht wirklich viel besser. In diese Welt einzufinden ist, ohne etwas zu haben oder zu sein, recht schwer. Betteln ist nicht das gewesen, was ich gewollt habe, aber mir nichts anderes übrig blieb.
Irgendwann hatte ich Glück und jemand bot mir an, bei ihm zu arbeiten. Ein Diner, Geld zum Überleben, zu viel zum Sterben und zum wenig zum Überleben, aber das ist mir egal gewesen, ich wollte lieber so leben, als das, was ich zu vorgemacht habe.

Und alles ist eigentlich gut gelaufen, bis ein Mann in dem Diner betritt. Schon als meine Nase, trotz Fett und Kaffee, seinen Geruch in die Nase bekomme. Jagt ein kalter Schauer über meinen Rücken. Getrocknetes und frisches Blut, Schwefel, Schweiß und Pulver identifizieren diesen Mann als Jäger. Ich zähle bis zehn, um meine Katze zu beruhigen, diese kratzt an der Oberfläche, sie will raus, ob kämpfen oder fliehen, weiß ich nicht.
„Einen Kaffee“, brummt er hinter mir. Ich kann nur nicken. Das Bohnenwasser in der Kanne schabt hin und her, meine Finger zucken wie wild, ich kann es nicht unterdrücken. Ich habe Angst.
„Lass mich es machen“, höre ich meine Kollegin Sara. Sie ist die Einzige, die weiß, was ich bin und auch, warum ich so reagiere. Die ältere Frau hat ihre Wickler immer zu lang in ihrem weißblonden Haar, das es aussieht wie eine Perücke. So wie die Clowns sie tragen. Sie zwinkert mir mit ihren dunkelbraunen Augen zu. Bedeutet, ich soll gehen.
„Danke“, flüstere ich.
Ich ziehe beim seitwärts Gehen meine Schürze aus und will über die Küche zum Hinterausgang und verschwinden.
„Ich würde gerade nicht daraus gehen!“, brummt er.
„Sie hat Feierabend“, sagt Sara.
Er lacht auf. „Ich würde es trotzdem nicht machen.“
„Und warum?“
„Weil da draußen gerade Vampire sich bereit machen.“
Langsam drehe ich mich um. „Vam … was?“ Klar weiß ich was das ist. Blutsaugende Wesen, die weder weiblich noch männlich sind. Ihre Opfer täuschen sie, in dem sie das wieder Spiegel, was der Mensch bevorzugt.
Noch mehr lachend, nimmt er einen Schluck der schwarzen Brühe vor ihm. Sie ist genauso dunkel wie sein Haar, was locker sein Gesicht umschlingt. Mit seinen grünen Augen fixiert er mich. „Nennst du das wirklich Schauspielkunst?“
Ich schlucke. Sara stellt sich dazwischen. „Das ist ihr Kampf nicht unserer, sie sollten gehen.“
„Was bist du den?“, fragt er, aber mich und stellt die Tasse ab.
„Katze“, antworte ich leise. Ich sterbe sowieso, ob durch ihn, oder den Vampiren, da kann ich auch die Wahrheit sagen.
„Besitzt du auch einen Namen?“, fragt er seufzend.
„Geht sie nichts an“, mischt sich Sara wieder ein.
Seine Zunge bewegt sich an seiner Wangen Innenwand.
Ich lege meine Hände auf ihre Schultern. „Sara hat mich Ariel genannt.“
„Findelkind also.“ Ich nicke. „Okay Ariel.“ Er lehrt die Tasse und legt seine Pistole auf den Tresen. „Ich habe dich hier nicht gesehen.“ Mein Herz fängt an zu rasen. „Wenn du mir gegen die Vampire hilfst.“
„Ich bin nicht trainiert, da draußen werde ich schneller sterben als durch ihre Hand.“
„Das machen wir“, bestimmt Sara.
„Okay abgemacht“, sagt er sofort, bevor ich ihren Namen entsetzt ausrufen kann.
„Keine Angst, das schaffen wir schon.“ Sie zwinkert mir zu. Pfeifend geht sie in die Küche, kommt mit dem großen Sack Mehl wieder. „Los helfen sie mir“, schnauzt sie ihn an.
Wieder lacht er. „Die Idee gefällt mir.“
Ich habe immer noch nicht verstanden, was sie vorhat, er anscheinend schon. Er gibt mir die Tasse. „Noch einen.“ So nah erkenne ich, dass seine grünen Augen einen noch dunklere Pigmentierung hat. Beim weiter laufen auch, dass er hinkt. Jetzt weiß ich auch, warum er nach frischem Blut riecht, sie haben ihm gebissen.
„Okay“, sage ich und beobachte Sara, die noch einen Sack bringt.

Als er sich wieder an den Tresen setzt, ist diese zum größten Teil mit Mehl bedeckt, vier Ventilatoren sind aufgestellt. „Was wird das jetzt?“, will ich wissen.
Sara hat er in den Keller gesperrt. „Zivilisten müssen geschützt werden“, hat er gesagt, als er den Schlüssel mir zu geworfen hat. Jetzt zuckt er nur mit den Schultern. „Soweit habe ich nicht gedacht.“ Sein Geruch sagt mir, dass er schwindelt.
„Ich soll mich Opfern!“
„Nein, du sollst sie hereinlocken.“
„Ist das nicht das Gleiche.“
„Mädchen Opfern würde ich einfach dich herauswerfen und von ihnen zerfleischen lassen, aber du machst einfach nur die Tür auf, sagst sie können eintreten und dann dich verziehen. Also nein, es ist nicht das Gleiche.“
„Warum kommen sie nicht einfach rein, es ist öffentlich?“
„Nöp“, sagt er. „Weil darüber die Wohnungen sind, versteh ich eh nicht ganz.“ Er seufzt und ich habe das Gefühl, das er noch etwas sagen will, doch lieber schweigt.
„Und wenn ich das gemacht habe, lässt du mich gehen.“
„Was? Da war ein Werkatze, sorry ich hatte zu viel mit den Vampiren zu tun.“
Dann muss ich es aussprechen, was ich vermute. „Du bist infiziert, lässt du mich deswegen gehen?“
Sein Blick gleitet seinem Bein hinunter. „Das reicht nicht.“
„Ich rieche es.“
Er seufzt. „Na dann, sollten wir schneller machen.“ Er stellt die Tasse auf das Metall der Spüle. „Dann los.“ Ich nicke und will los. Er hält mich fest. „Geh hier weg, meine Kollegen, die das hier bezahlen werden, sind nicht so wie ich.“
Ich bin überrascht von seiner Sanftheit in seiner Stimme. „Danke.“ Auch, wenn ich weiß, dass ich hierbleibe, ist diese Tat von ihm etwas, was ich nie vermutet hätte. Sicherlich hatte ich schon einige Begegnungen mit Jägern, in denen ich sehr viele Meilen zwischen ihnen und mir brachte, dass ich nicht trainiert bin, ist also nicht gelogen.
Ich schalte Links die Ventilatoren ein, er nimmt die Rechten. Das Mehl auf dem Tresen wird umhergewirbelt. Beim Blick über die Schulter sehe ich, wie er sich in der Küche auf der Durchreiche positioniert. Dann nickt er mir zu.
„Jetzt kommt es auf dich an Katze“, flüstere ich mir zu und ich spüre, wie sie kurz davor ist, die Verwandlung durchzuziehen. Der Türgriff ist kalt. Verwesungsgeruch schlägt mir ins Gesicht, sicher, dass ich das als Katze es stärker rieche, doch verstehe ich nicht, warum Menschen dieses nicht wahrnehmen. „Kommt rein“, rufe ich aus. Schon beim Umdrehen, habe ich Pfoten, die geschmeidig auf den Boden ankommen. Auf die Knie und das Fell sprießt, aus meinen Poren. Ein Schritt, mein Schwanz peitscht aus meinem Steißbein, ein weiterer und meine Reißzähne sind draußen.
„Ein Puma“, höre ich ihn sagen. Bin ich das ein Puma? Das Glockengeräusch der Tür. Ich springe auf den Tresen, auf die Durchreiche und kauer mich neben ihn, als er seinen Schuss abgibt.
Eine Druckwelle schiebt mich zum Herd, meine Ohren Schmerzen und ich höre nur einen grässlichen hohen Ton. Schlimmer, dass ich sein Blut deutlich unter verbranntem Holz, Mehl, Leder und Glas vernehme. Ich schüttel mich, meine Beine sind wackelig. Die Katze will gerade nicht zurück, aber ich muss ihn retten. Er liegt etwas weiter hinten am Backofen. Der Anblick, wie das ganze Blut auf seiner Stirn über seine Wange fließt, erweckt in mir ekel. Ich komme mit so viel nicht klar. Ich stupse ihn an. Er regt sich nicht, seine Atmung ist kaum noch zu hören und das für mich in Katzengestalt. Innerlich flippe ich aus, was soll ich tun, wie soll ich ihn dort wegschaffen, was wenn er stirbt?
„Ariel?“, höre ich Sara.
Ich maunze jammervoll.
Sie riecht nach Blut, als sie sich neben mich kniet. Ich schnuppere und schlecke über die Stelle. „Schon gut, irgendwie musste ich ja raus. Und ihn hier schaffen wir mal nach oben, aber dafür brauche ich dich, nicht die Katze.“ Meine große Pfote geht über mein Gesicht. „Verstehe, du kannst gerade nicht.“
Ein Geräusch lässt mich zusammenzucken und dann steht einer dieser Vampire vor uns. Sein Blick ist auf den Jäger gerichtet, seine schlangenähnliche Zunge schnellt hervor. Sara greift nach etwas im Inneren der Jacke des Jägers, der Blutsauger bemerkt es ebenfalls und greift sie an. Meine Katze reagiert schneller als das es mir wirklich bewusst ist. Sie springt auf ihn, Krallen und meine Zähne ramme ich in ihn. Altes Blut, schmecke ich in meinem Mund. Am liebsten würde ich es loslassen und ausspucken, aber hier geht es um Sara. Wieder ein Knall! Mein Opfer sackt zusammen.
„Kannst ja doch kämpfen“, höre ich den Jäger schwach.
„Komm Ariel, wir müssen ihn hochbringen.“
Ich atme tief durch und schüttele dann den Kopf, die Katze will die Oberhand behalten, nicht seinetwegen, es ist die Gefahr, die hier noch lauert, nicht jeden hat die Explosion erreicht. Das beste Beispiel ist das vor meinen Füßen, dessen Schulter ich jetzt loslasse.
„Ja dann geh und pass auf.“ Die Katze brummt etwas und wir schleichen uns davon. Ich weiß, manchmal sind wir uns nicht einig, aber gerade hat sie recht, als Mensch kann ich Sara nicht verteidigen.
Ganz ruhig lege ich mich hin. Die Katze spitzt ihre Ohren, konzentriert sich auf ihre Nase und tastet mit ihren Ballen den Boden ab. Jedes Mal, wenn ein Signal davon kommt, laufen wir los in die Richtung und jedes Mal habe ich Angst. Doch die Katze weiß, was sie tut. Krallen durch die Kehle, Kopf abgerissen, dass alles macht sie instinktiv, irgendwie macht es mir Angst, was für eine Killerin sie ist und doch macht es mich stolz, weil wir das können.
„Ariel“, ruft Sara und wir springen los. Bis zur Treppe hat sie es geschafft, aber er ist wieder ohne bewusst sein. Mein Körper wird länger, die Pfoten nehmen wieder die Form der Hände an, der Schwanz zieht sich zurück, genauso wie das Fell.
„Nimm du die Pistole ich, trage ihn“, befehle ich. Sie nickt und nimmt ihm sie ab. Ich lege seinen Arm über meine Schulter und kann ihn irgendwie leicht hochziehen. Immer wieder fallen Schüsse.
„Zu dir“, sagt sie.
„Nein, seine Kollegen werden kommen, wenn er bei mir liegt …“
„Vertrau mir.“
„Er sagte selber, ich solle abhauen!“
„Hab ich je was getan, was dir geschadet hat?“
Nein, sie hat mein Geheimnis bewahrt, hat ihren Mann überredet, dass ich dort arbeiten kann und die kleine Wohnung bekomme, aber das hier ist eine andere Situation. Next Level der Gefahr, nicht einer der mich umbringen will, nein sie werden kommen. Trotzdem lege ich ihm dann ein paar Minuten später auf mein Bett. „Und jetzt?“
„Hol Verband und die Salbe.“
Ich gehorche und laufe in ihre Wohnung, gleich neben dem Eingang ist die Tür zum Gäste-Bad, über dem Waschbecken hängt der Spiegel- und Medizinschrank, dort sind gut sortiert Tabletten, Verbände, Salben und Sprays zu finden. Ich suche die Wundsalbe und nehme eine Handvoll Binden mit. Als ich wieder in meine Wohnung komme, hat sie ihn ausgezogen. Ich reiche ihr die Sachen. „Brauchst du noch was?“
„Wasser.“
Schnell greife ich aus der Küchenzeile eine Schüssel und fülle sie, mit warmem Wasser. Einer der Vorteile, wenn man so gesehen nur Bad und Wohnzimmer hat, man ist schnell überall.
„Halt das.“ Sie gibt mir seinen Arm, dann wascht sie ihn ab. „Vorsichtig anheben.“ Ich greife unter seinem Rücken und hebe in Hoch, dein Gesicht landet unsanft zwischen meinen Brüsten. „Aua.“
„Ach komm, es gibt Schlimmeres.“
„Ja ein Messer an dieser Stelle“, gebe ich trocken von mir.
„Ein Mann ist da schon etwas sinnlicher, oder?“
Mein Blick geht zu ihr, sie grinst mich an, als ich verstehe, was sie meint, fängt mein Gesicht an zu glühen. In Menschen Jahren wäre ich gerade mal zehn, denke ich. Die Zeit ist für mich etwas verwirrend. „Das …“
Ihr lachen unterbricht mich. „Ariel du siehst das alles zu verbissen.“
„Nein.“
Sie seufzt und bekommt ihr trauriges Gesicht. „In deinem Alter war ich schon schwanger.“
„Menschlich gesehen, bin ich zehn“, protestiere ich.
Sie zieht kurz ihre Mundwinkel nach oben und säubert seinen Rücken. „Anatomisch, bist du aber eine Frau Mitte zwanzig.“
Ich verziehe das Gesicht. Schon öfters hat sie junge Männer mit in dem Diner gebracht und ich musste mich mit ihnen unterhalten. Sie versteht dann nicht, dass diese Männer mir egal sind. Eben ein Katzending. Die Katze muss ihn mögen. Ob das bei Menschen überhaupt zutreffen kann, weiß ich nicht mal.
Nachdem er verbunden ist, genehmige ich mir eine Dusche, sein Blut und das der Vampire klebt an mir wie Kleister. Gefühlt zwanzig Flaschen Duschgel benötige ich, um endlich sauber zu sein. Der Geruch von Zitrone ist daher noch intensiver als sonst. Ich ziehe mir etwas an und blicke ich aus dem Fenster. Die Bäume lassen die Blutsauger, fast unsichtbar wirken, aber ich weiß, dass sie da draußen sind und lauern.
Sein Duft ändert sich, mehr Blut pumpt sich durch seine Adern, er wird also wach. „Wo bin ich?“
„Sara hat gesagt, ich soll dich herbringen.“
Er räuspert sich. „Und wo ist das?“
„Sie sind immer noch da draußen.“
„Du solltest gehen, hab ich gesagt.“
„Sicher, dann wärst du und Sara Tod.“ Ich drehe mich zu ihm, weil das Bettzeug raschelt. „Nicht aufstehen.“
„Ich muss hier raus.“
Mit einem Schritt bin ich an meinem Bett und drücke ihn wieder in das Kissen. „Liegenbleiben.“
„Du verstehst es nicht.“
„Ich bin nicht dumm, sie kommen und wenn sie mich sehen, werden sie mich sofort erledigen, oder mitnehmen in eines ihrer Labore stecken, oder dort umbringen. Aber du bist verletzt und es ist Sara wichtig, dass du überlebst, also werde ich darauf achten!“
Seine Augen bewegen sich wirr und gibt seinen Widerstand auf. Ich kann ihn loslassen und setze mich neben ihn. „Du erinnerst mich an meine beste Freundin.“
„Ach ja?“
„Sie tut auch so, als wenn ihr alles egal ist, aber tief in inneren achtet sie auf jeden.“ Sein Geruch verändert sich und mir passt es nicht, darum stehe ich auf. Er erzählt mir, wie sie sich kennengelernt haben, auch wenn er lächelt, ist seine Stimme voller Verbitterung. Sie ist auch eine Jägerin, darüber kommt er zu seinem besten Freund, wo er noch trauriger wirkt. Ich will nicht nachfragen und irgendwie ist es mir klar, dass er nicht mehr lebt. Erst als er von anderen spricht, ist seine Mimik im Einklang mit seiner Stimme.
Sara bringt ihm essen, sieht nach seinen Bandagen und lässt uns wieder allein.

„Sie mag dich sehr“, meint er ins Dunkel hinein.
„Sie ist die einzige Person, die ich habe.“
Lachend sagt er dann: „Selbst das hast du mit ihr gemeinsam. Sie hat sich immer gegen andere gewehrt, nie hat sie andere sich dran gelassen, bis … Na ja.“
„Sie eine Jägerin wurde.“
„Schon.“
„Warum bist du eigentlich allein unterwegs, ist es nicht Pflicht im Team zusammen zuarbeiten?“
„Oh, ähm, das ist etwas kompliziert. Nika hat sich dazu entschlossen Lehrerin zu werden, Naomi, zieht mit einem Engel durch die Gegend und da wäre nur noch Damian als Partner übrig, aber dem … Oh da lass ich mich lieber verwandeln, bevor ich mit dem etwas mache.“
„Ein Engel?“
„Verrückte Geschichte.“ Er atmet tief durch. „Kannst du mal helfen, ich will etwas sitzen.“
„Ich weiß nicht, ob das gut ist“, sage ich, aber mache den Schritt zu ihm.
„Ich kann nicht mehr schlafen und die Decke anzustarren ist langweilig.“ Er hält mir seine Arme hin. „Also komm.“
Ich greife um ihn und hebe ich etwas höher. „Besser?“, frage ich leise.
„Hast du geschnurrt?“
„Nein!“ Hab ich das? Nein, anders gefragt hat sie das? Warum tut sie das? „Du hast gesagt, ich bin ein Puma, ist etwas Besonderes daran?“
Er lacht. „Als ich gerade die Schule bestanden habe, hat Neomi ein Baby gehört, es hochgehoben und daraus wurde ein Puma, ich habe es verfehlt und es konnte fliehen. Das ist etwas Besonderes, da Pumas nicht in die Stadt kommen, sie leben nur unter sich, in den Bergen.“
„Du“, keuchte ich und kämpfte an, das meine Katze nicht zum Vorschein kam.
Er nickt, hat er gewusst, dass ich es bin, aber warum erzählt er mir das? Seine Finger berühren meiner Halsbeuge. „Als ich das sah, war es mir klar.“ Ein Muttermal wie eine Pfote, ist dort zu sehen. „Neomi hat es gezeichnet und jeder, der dann auf dich traf, hat dies bestätigt.“
„Ich weiß, dass ich Tod bin, warum musst du ihr noch mehr Angst machen?“
„Ihr?“
„Meiner Katze.“
Er streichelt meinen Hals und nichts mehr ist von ihren bedrückenden Gefühlen zu spüren. „Ihr seid eins“, flüstert er. Ich schließe meine Lider. „Wenn dir das klar ist, verstehst du dich viel besser.“ Oh Gott, sie fängt an zu schnurren, was bin ich eine dumme Hauskatze, aber es tut so gut. „Danke für alles.“
„Das hat Sara getan“, sage ich, aber meine Stimme klingt eher fauchig und dann bemerke ich, das ich mich verwandle, ohne es zu wollen. Seine Finger gehen durch mein Fell.

Ein Klopfen weckt mich. Ich bin wieder ein Mensch und liege neben ihn. Ich habe keine Ahnung, was da in der Nacht vorgefallen ist. Verwirrt öffne ich Sara die Tür. Sie runzelt die Stirn, weil ich ohne Kleidung bin, die liegen zerrissen neben dem Bett. „Ich habe mich verwandelt“, gebe ich schnell von mir.
„Guten Morgen“, grüßt er sie.
„Ich bringe Frühstück.“ Das Tablett stellt sie auf den Stuhl neben meinem Bett. „Und will nach dem Verband sehen.“ Ihr Blick ist auf seine Brust gerichtet. „Ich befürchte, denn muss ich ganz schnell ändern.“ Dann bemerke ich auch, was sie meint, das Bettzeug, so wie er, sind voller Katzenhaare.
Mein Gesicht glüht. „Ich hole Neues.“ Schnell laufe ich in ihre Wohnung und lasse mir viel Zeit zum Zurücklaufen.
„Ich bin Sara und sie?“, höre ich sie, als ich die Wohnung wieder betrete.
„Cosmo“, antwortet er darauf. „Wie haben sie das mit ihr herausgefunden?“
Sie blickt über die Schulter zu mir. „Ich habe sie als Puma meinen Fisch fressen gesehen. Als ich auf sie los bin mit den Besen, hat sie sich verwandelt und um Gnade gefleht. Sie ist keine dieser Bestien, die sie Jagen, andere vielleicht, aber nicht Ariel.“
Er sieht auch zu mir. „Ariel könnte es, das habe ich gesehen.“ Es macht mich traurig, dass er so über mich denkt, und wende mein Gesicht ab.
„Können, heißt nicht, dass sie es tut“, verteidigt mich Sara.
„Es klang vielleicht etwas schroff. Ich wollte nur sagen, dass wenn sie es wollen würde, auch könnte.“ Er atmet tief durch und gibt einen zischenden Schmerzenslaut von sich.
„Das sollst du nicht“, sage ich und überwinde den Abstand.
„Schon Okay. Ich wollte sagen, dass du sie akzeptieren musst. Sieh sie nicht als etwas Fremdes, ihr seid eins.“
„Ja Okay, aber jetzt lass dich wieder verbinden.“
„Stur“, sagt er lachend.
Ich weiß, dass er mich wieder mit ihr verglichen hat. „Ich werde mal nachschauen, ob sie noch hier sind.“ Widerworte lasse ich nicht zu. Schon, als ich den Boden berühre, sind meine Hände schon zu Pfoten geworden und ich laufe los.

Sicherlich weiß ich, dass die Vampire wachen und sich in der Nähe aufhalten. Tagsüber können sie nicht raus, daher suche ich die Keller ab, in leer stehenden Häusern oder öffentliche Gebäuden. Der Geruch von ihnen ist so penetrant, dass ich nicht herausbekomme, wo sie wirklich sind.
Nach meinem Streifzug sehe ich, wie eine Frau den Jäger in ein Wagen setzt. Sie kommt mir bekannt vor, braune kurze Haare und sehr muskulös, ist das seine alte Partnerin, oder die, mit der er mich immer vergleicht? Ich halte mich gebückt, zu meinem Glück befinde ich mich im Park. In meinen Kopf streiten sich zwei Gedanken, zu ihm gehen, verabschieden und der eine, der sagt, ich solle in Sicherheit bleiben.
Ein Mann mit blonden langen Haaren nimmt sie in den Arm, sein Blick geht zu mir. Er ist eindringlich und jagt mir Angst ein, mehr noch sogar, als sie deswegen auch zu mir sieht. Dann lacht er und sie steigen ein. War das der Engel, wo er erzählt hat? Wenn ja, warum hat er mich nicht verraten. Erst als der Geruch weg ist, traue ich mich aus dem Versteck.
Sara steht an der Tür und wirkt erleichtert, dass ich auf sie zu komme. „Du hast Cosmo verpasst.“
Ich verwandele mich in einen Menschen zurück. „Es ist besser so gewesen, haben sie etwas gesagt?“
„Er hat mir erzählt, was gestern vorgefallen ist.“
Ich runzel meine Stirn. „Sara ich will wissen, ob ich in Gefahr bin.“
„Mh, sagen wir so, die Frau, die ihn abgeholt hat, hat ihm alles geglaubt, was er zum Verlauf gesagt hat. Bei dem Mann wiederum bin ich mir nicht sicher. Er scheint skeptisch zu sein. Cosmo hat mir aber versichert, oder besser gesagt, sein Jägerehrenwort gegeben, das er dich nicht verratet.“
„Sie hat geweint.“
„Ja, sie sind gute Freunde.“
„Dann ist es nicht die, …“
„Nein, eine nette Narbe hat sie auf der Wange.“
Ich senke meinen Blick. „Ich war Jung …“
„Schon in Ordnung. Was hast du jetzt vor?“
„Nichts.“ Damit gehe ich ins Haus.
„Ja wirklich stur.“ Sie seufzt. „In einem Monat kann ich das Diner wieder eröffnen, sie schicken Handwerker, es wäre also besser …“
„Ich bleibe in der Wohnung, ich weiß“, unterbreche sie und nehme auch den Weg dahin. Das Bett zu sehen, schmerzt, ich habe keine Ahnung warum. Ich ziehe mir ein Shirt über, nehme den Stuhl vom Bett und setze mich ans Fenster.
„Ariel.“ Sara kommt zu mir, sanft gleitet sie über mein Haar. Ich weiß, dass ich für sie wie ihre Tochter bin. Nach ihrer Fehlgeburt konnte sie keine Kinder mehr bekommen. Sie müsste zwar um einiges älter sein, als ich, aber da sie mir vieles beibringen musste, bin ich ein Ersatz dafür geworden. „Ich habe dich mit so vielen zusammen gesehen, meine Kleine, doch niemanden hast du an dich gelassen. Ich weiß, das ist so eine Sache, die ich menschlich gesehen, nie ganz verstehen werde, warum du gute Männer hast abziehen lassen.“
„Sag es nicht“, bitte ich sie.
„Doch Kleines, das muss gesagt sein. Du hast dich entschieden, sie hat sich entschieden. Warum also kämpfst du nicht.“
„Weil ich, ich bin.“
„Und das wirst du auch immer bleiben. Du bist eine mutige, elegante und starke Frau und auch eine Pumadame. Egal, wer sie ist und wie viel ihr gemeinsam habt. Jeder ist unterschiedlich. Und ehrlich, bezweifle ich, dass sie nur ansatzweise an dich dran kommt.“
„Es ist vollkommen irrelevant.“
„Nein.“
„Sicher, ich bleibe hier und er ist ein Jäger.“ In mir spüre ich, wie sich meine Katze zusammenrollt und das nicht wahrhaben will.
Sara seufzt. „Die Wahrheit kann ich nicht verleugnen, aber wenn ein Engel dort arbeiten kann, warum nicht auch ein Puma?“
„Er ist infiziert.“
„Du hast selbst gesagt, er riecht nicht mehr danach.“
Darauf weiß ich nichts zu kontern. Ich ziehe mein Bein an und starre aus dem Fenster. „Er ist ein Mensch und sein Herz gebunden, warum soll ich mir meines brechen lassen?“
„Ich habe keine Ahnung von euch Gestaltenwandler, Werwesen oder wie immer ihr bemittelt werdet, aber von Menschen. Und dieser eine, hat eindeutig signalisiert, dass ihm es nichts ausmacht, was du bist, dir vertraut, dich beschützen will, sich Sorgen gemacht hat und das er dich mag.“
„Weil ich ihr Gleiche.“
„Du siehst das zu negativ.“
„Bitte was?“, frage ich.
„Schau, wie oft hat mein letzter Mann gesagt, du erinnerst ihn an seine Tochter?“ Ich zucke mit den Schultern. „Hast sich dies je böse oder Negativ aufgehört?“ Leicht schüttel ich meinen Kopf. „Es bedeutet eigentlich eher, das er diese Dinge gut findet, er sucht also positives.“
Redet sie mir nur gut zu, oder ist es die Wahrheit. Ich weiß es nicht und eigentlich ist es egal, denn er ist weg, keine Ahnung wohin und ich werde Sara nicht verlassen, sie ist, wie ich mir eine Mutter immer vorgestellt habe.

Die Renovierung beginnt schon ein Tag später, wir sind aufgewühlt, wollen raus und laufen, eigentlich wollen wir beide nur von diesem Bett und den Erinnerungen weg. Der Geruch von Jägern jagt uns zusätzlich noch Angst ein. Immer wieder muss ich sie beruhigen, ermahnen, dass eine Verwandlung gerade nicht gut ist. Selbst Sara sehen wir kaum, da sie unten aufpasst. „Nicht das sie es falsch machen“, hat sie gesagt, als ich sie bat hierzubleiben. Im Grunde weiß ich aber den Grund, der Mann mit den blonden langen Haaren ist dabei und sie will ihn abhalten, zu mir zu kommen. Immer, wenn ich am Fenster stehe und ihn erblicke, zucke ich zusammen. Sein Gesicht ist eine eiserne Maske, nichts lässt nur eine Gefühlsregung deuten. Manchmal wendet er sich zu mir hoch und wir starren uns an. Doch lang kann ich es nicht, zu sehr erinnere ich mich, wie er den Jäger weggebracht hat.

Am Abend kommt Sara vorbei, sie hat uns etwas zum Essen gemacht. „Es steht in der Mikrowelle“, sagt sie. In einem ganzen Satz, Sie sind weg, wenn du Hunger hast, steht es hier, aber sei vorsichtig.
„Danke.“ Das Shirt hat noch nicht mal den Boden berührt, nach dem Ausziehen, schon bin ich in meiner Katzengestalt und laufe. Frische Luft und der Wind, der durch mein Fell streift, ist im ersten Moment das Schönste für mich. Doch dann werde ich langsamer und lege mich hin, denn das Schönste ist nicht das hier. Sondern der Moment, als er dies getan hat.
„Warum bist du dann noch hier?“, vernehme ich eine Stimme. Hinter einem Baum kommt der Mann mit dem blonden Haaren zum Vorschein. Ich fauche ihn an. „Sag es Ariel.“ Er macht einen Schritt auf mich zu.
Was will er? Woher kennt er meinen Namen?
„Kannst du dir das nicht denken?“, fragt er mich.
Denken? Liest er meine Gedanken? Hat der Jäger mich verraten, weiß es deswegen wie ich heiße?
„Nicht offensichtlich, denn ja, ich besitze die Kraft des Gedankenlesens, etwas was sie mir gelassen haben.“
Sie? Also hatte ich recht, er ist der verbannte Engel?
„Ja, der bin ich.“ Nur für eine Sekunde ist Verbitterung zu sehen. „Also Ariel, bekomme ich eine Antwort, warum bist du dann noch hier?“ Er setzt sich auf die Erde und sieht mich eindringlich an. Ich dränge die Katze zurück und werde zum Menschen. „Wow, ihr seid wirklich anmutige Geschöpfe, diese Verwandlung war so geschmeidig, so etwas bekommt nur ihr Katzen hin.“
„Hast du schon … Egal, ich kann hier nicht weg, Sara sie braucht mich.“
„Ja ich habe schon einige gesehen, aber wie gesagt, nur bei euch Katzen macht es wirklich Freude, euch zuzusehen, dass mit der Besitzerin ist nur dein Vorwand, genauso wie, dass er ein Jäger ist oder wegen Nika. Er hat schon längst abgeschlossen.“
„Sicher.“ Ich verschränke meine Arme.
„Ich bin ein Engel! Ich kann Gedanken lesen, wie du mitbekommen hast, und ich habe sie lange beobachtet und bin nun ein Teil von ihnen.“ Er lächelt. „Wie du vielleicht weißt, ist Nika ein Nephalem, also halb Mensch, halb Engel. Sie hat jetzt keine Engelskräfte, ein paar Gaben hat sie mitbekommen, was auch durch ihre Linie entstanden ist. Ihr Vater wollte, dass ich deswegen ein Auge auf sie habe, da ich auch die Gabe habe einen Blick in die Zukunft zu erhalten.“
„Wen interessiert es“, fauche ich. Das habe ich nicht gewusste, interessiert mich auch nicht.
„Nun, dann kurz und Knapp, ich habe gesehen, wie Cosmo, oder wie du ihn nennst, der Jäger, Nika umbringt. Nie habe ich den Grund gesehen und jetzt weiß ich es.“
„Wolltest du es nicht kurz machen?“
„In meiner Vision ist Nika hier her, nicht Neomie und ich. Sie spürt es, euch, also euch Wesen. Sie hätte, ohne zu zögern, in diesem Moment ihre Waffe gezogen und dich erschossen.“
Ich schlucke. „Und jetzt willst du, dass ich dahin gehe, dieses Schicksal erfülle und damit ihres?“
„Ja mit dem Ersten. Nein, zum Zweiten.“ Ich runzel meine Stirn. Er erhebt sich. „Du sollst zu ihm, weil er dich braucht. Weil sie sehen sollen, dass es auch Gutes gibt in ihrer bösen Welt. Nika weiß über dich Bescheid, oder denkst, du er kann ihr etwas vormachen?“
„Und deine Partnerin?“
„Sie wollte ihn dafür verprügeln, umdrehen und dich erschießen. Vor allem, weil du sie gekratzt hast, Neomi ist etwas nachtragend.“
„Hat er?“, frage ich. Meine Nase kribbelt.
„Ich habe es ihr erzählt, er hat geschlafen.“
Irgendwie erleichtert es mich. „Und jetzt?“
„Gehst du zu ihm“, kommt von der Frau, ich war so abgelenkt, von ihm, dass ich sie nicht bemerkt habe. In meiner Katzengestalt fauche ich sie an. „Sachte kleine.“ Sie geht zu ihm und mustert mich mit ihren dunkelbraunen Augen. „Wenn ich gewollt hätte, wärst du schon heute Morgen Tod.“ Sie geht in die Knie. Ist die verrückt? Der Engel lacht kurz auf. „Hast du Cosmo das Leben gerettet?“, will sie wissen.
Ich fauche erneut und versuche, rückwärts Abstand zwischen ihr und mir zu bringen.
„Sag es ihr doch“, meint er schmunzelnd. Verblüfft sehe ich ihn an, keine oder kaum Mimik hat er verzogen, seit sie bei ihm steht, ist er wie ausgewechselt.
Ein Klacken. Erschrocken bemerke ich den Lauf einer Pistole auf mich gerichtet. „Anscheinend nicht.“ Ich werde sterben, da bin ich mir sicher. Ich setze mich, dann mit Würde und stolzer Brust.
Sie senkt die Pistole. „Hallo? Reden und so?“
„Sie will in Würde und stolzer Brust sterben“, wiederholt er meine Gedanken.
„Du hast recht, besser gesagt ihr habt recht, wie Nika.“
Empört werde ich wieder zum Menschen. „Ich bin nicht wie sie!“, fauche ich und balle meine Faust.
Offen lacht der Engel. „Und wie du das bist.“
„Nein!“
Die Frau steht auf. „Was ist wirklich passiert?“
Mein Blick geht zu den hellen Strich über ihre Wange. „Es tut mir leid.“
„Wie alt warst du?“
„Ich weiß es nicht genau, ein paar Tage vermute ich.“
„Schwamm drüber, wenn du mir jetzt endlich erzählst, was war.“
„Wie geht es ihm?“, will ich wissen.
Sie wischt sich über ihr Gesicht. „Wenn ich gut sage, ist es gelogen und das will ich nicht.“
„Seine Rippenschmerzen, die Wunde Platz ständig auf, weil er nicht ruhig liegt und dieses Gejammer ist ohne Gedankenlesen schon schlimm, mit … reden wir lieber nicht darüber“, ergänzt der Engel.
Mir tut es weh, dies zu hören. „Ich habe in meinem ganzen Leben nur einen Menschen verletzt“, beginne ich und starre auf den Boden, „Darum habe ich nie gekämpft, mich mit dem geringsten zufriedengegeben. Lieber habe ich mich offenbart und verletzlich gezeigt, als zuzulassen, dass sie jemanden verletzt. Nach der Explosion … Wir sind Gegensätze, die in einem Körper wohnen, doch ihn so zu sehen, hat uns irgendwie zusammengefügt. Als Sara dann auch noch auftauchte, habe ich der Katze freie Hand gelassen und sie wusste, was zu tun war. Wir haben getötet. Sobald es aber wieder um ihn ging, hat sie mich machen lassen und wir haben ihn hochgebracht. Mehr habe ich nicht gemacht, es war Sara, die seine Wunden versorgt hat. Ihretwegen lebt er noch.“ Sie schweigen. Ich weiß nicht, was mich erwartet, aber ich akzeptiere es, wenn sie beschließen sollte, mich in die Hölle zu schicken.
„Du bist einigen Jägern begegnet, warum bist du nicht geflohen, als er verletzt war?“
„Ich habe nie einen etwas getan, dies ist mein zu Hause und er wollte mich gehen lassen. Nenn es Pflichtgefühl oder Instinkt, es ist egal.“ Ich atme tief durch. „Und jetzt tue es endlich, dieses ewige Hin und Her ist … Ich kann nicht mehr, bitte.“
„Sie meint, du sollst sie endlich erschießen“, erklärt ihr der Engel.
„Ach ja, weißt du, was du endlich tun solltest?“ Ich starre sie an.
„Geh zu ihm“, sagt er dann.
„Ich …“
„Geh“, wiederholt nun sie, „wir sind hier und passen auf sie auf.“ Mein Blick geht in die Richtung, wo Sara ist, sicher zu Hause.
„Du hast unser Wort, wir werden sie beschützen.“
„Wir haben Angst“, gestehe ich flüsternd ein.
„Wenn man es nicht versucht“, sagt sie in so einen zarten Ton, dass ich zu ihnen sehe. Sie streicht über seine Wange, „wirst du nie erfahren, was passieren kann.“ Er beugt sich zu ihr.
Igitt! Knutschende Menschen, ich wende mich ab und laufe los. Der erste Schritt mache ich bereit in Katzengestalt. Die Katze in mir hat die Führung übernommen, sie wird den Weg finden.

Schon drei Tage sind wir gelaufen, immer nur kurz geschlafen. Unbedacht loszulaufen ist nicht wirklich gut. Ich habe Geld vergessen und Kleidung. Na ja Letzteres, gibt es bei den Menschen genüge. Wäscheleinen, Container oder einfach in den Müll geworfen. Mit Geld sieht es schon anders aus. Daher erledigen wir wieder Tiere. Ich bin gerade dabei mir eine Höhle oder Baum zu suchen, wo ich etwas schlafen kann, als ich ein Gebrüll höre. Es klingt wie meines. Ich spitze die Ohren, doch jetzt ist wieder alles still, ich schüttel meinen Kopf, mache einen Schritt, doch da ist es schon wieder. Nicht nur einer, es sind mehrere. Ich bin neugierig. Brüllen und fauchen werden immer lauter, je näher ich ihnen entgegenlaufe. Lachen und Anfeuerungsrufe mischen sich darunter. In einem kleinen Tal erkenne ich, wie zwei Katzen, wie ich es bin, kämpfen. Ein Kreis aus Menschen stehen darum und applaudieren.
Wie barbarisch!
Ich will mich davon schleichen, als mich eine Katze anspringt, gerade noch kann ich ausweichen, dass ich nicht unter seinen großen Pfoten komme. Ich springe auf meine und fauche es an. Zu meiner Verwunderung wird aus ihm ein Mensch, besser gesagt ein Mann. Seine Haare sind lang und zottelig, Bilder von Neandertaler kommen mir da in den Kopf.
„Hey Leute schaut mal“, ruft er aus. Das Gebrüll hört schlagartig auf. „Dir wird nichts passieren.“
Ich knurre trotzdem und beschließe rückwärts zu gehen.
„Verschrecke sie doch nicht Christo“, sagt eine Frau.
Der Mann winkt ab und macht einen Schritt auf mich zu. „Wir sind wie du!“
Das bezweifle ich.
„Wir alle hier“, redet er weiter und breitet seine Hände aus. Andere Katzen kommen seitlich zu mir. „Keine Angst, sie sind nur neugierig.“
Ich fahre meine Krallen aus.
„Lass sie erst mal ankommen“, sagt wieder die Frau. Die rothaarige Frau sucht sich ihren Weg durch die neugierigen. „Kusch, geht.“ Sie steht da und wartet, bis wir allein sind. „Ich bin Kami und wie heißt du.“
Ich knurre, das geht sie nicht an und ich will hier weg.
Sie lächelt. „Du bist keine Wilde, also weiß ich, dass du auch die Menschengestalt annehmen und reden kannst. Dir liegt es frei weiterziehen, oder dich hier etwas ausruhen, wir haben Kleidung, wenn du willst und etwas zu essen.“
Essen! Mein Magen knurrt, überredet. Ich erhebe mich langsam und werde dabei zum Menschen.
„Schon besser und wie dürfen wir dich nennen?“
„Ariel“, gebe ich von mir.
„Schön dich kennenzulernen.“ Mit einer Handbewegung zeigt sie mir an, dass ich ihr folgen soll.
Ich schließe meine Lider, denke kurz an Cosmo und das ich mein Ziel nicht aus den Augen verlieren darf. Dann nicke ich ihr zu und komme ihrer Bitte nach. Von den meisten mag ich keine Berührungen und diese hier gehen mir mehr als auf den Nerv, an jedem oder jeder, an denen wir vorbeikommen, werde ich angefasst. Etwas weiter entfernt von dem Kreis, sind Hütten aufgebaut, auf die Größte gehen wir zu.
„Du bist gebunden, oder?“, will Kami auf einmal von mir wissen.
„Was?“
„Dein Tier, es hat sich einen Partner ausgesucht, stimmts?“
„Ich mag jemand, ob es mit meiner Katze zu tun hat, weiß ich nicht.“
Sie mustert mich mit grauen Augen. „Verstehe ich das richtig, du bestimmst?“
„Wir bestimmen nicht, wir passen nur aufeinander auf.“
Sie legt ihre Stirn in Falten. „Ihr seid nicht im Einklang, du und dein Tier.“
Das hat er auch gesagt, damals in meiner Wohnung. „Kann sein.“
„Wo lebst du?“
„Kansas“, antworte ich.
„Du bist weit gereist und trotzdem noch so fit, wo geht es hin?“
„Das bestimmt sie.“
„Dann wollte sie bestimmt zu uns.“ Sie lächelt und irgendetwas sagt mir, dass es falsch ist. „Bleib ein paar Tage und lass dich leiten. Ich stelle dir die anderen vor.“
Und jetzt ahne ich, was sie vorhat. Meine Nackenhaare sprießen. „Ich sollte gehen.“
„Aber du wolltest doch etwas zu essen haben.“
„Es gibt genug Wildtiere.“
Sie schnippst mit den Fingern. „Ich glaube eher, du brauchst etwas Unterricht und sagen wir so, etwas mehr Respekt vor dem Tier.“
„Wir kommen gut allein klar!“, schon als ich das sage, höre ich, wie die Tür hinter mir ins Schloss geht. „Das willst du nicht tun!“
„Wer soll mich daran hindern?“
Ich hebe meine Brust. „Nun ich habe einen Peilsender in mir und der den ich mag, wartet auf mich“, lüge ich. „So nebenbei, er ist Jäger.“
„Klar“, höhnt sie, „ein Gestaltenwandler und ein Jäger.“
„Sie haben auch einen Engel bei sich.“
Sofort erlischt ihr lachen und kämpft mit ihrer Katze. Mir ist klar, warum sie es Tier nennen. Sie denken, sie sind eins, aber wir wissen es besser. Sicher sind wir nicht immer einer Meinung, aber wir würden nie dem anderen Schaden. „Was hast du gesagt?“, hinterfragt sie, was mehr wie das Fauchen einer Katze klingt.
„Kami, wir sollten sie gehen lassen“, mischt sich Christo ein. Ich habe nicht mitbekommen, wie er uns gefolgt ist.
Immer wieder wird ihre Hand zu einer Pfote, ihre Haut ist mal mit Fell und dann wieder ohne. „Beweise es!“
„Er ist der Partner von Neomi. Sie ist Nikas beste Freundin.“ Bitte lass mich das richtig wieder gegeben haben.
„Wie heißt er?“
„Kami, bitte“, fleht er wieder.
„Cosmo“, sage ich. Das Schnurren kann ich nicht unterdrücken. Jetzt ist es auch ihr Gesicht was zwischen menschlichen Zügen und die der Katze hin und her zuckt.
„Sie sagt die Wahrheit, willst du die Elite der Jäger zu uns lassen? Unser Dorf auslöschen lassen, weil es dir nicht passt, wie sie mit ihrem Tier umgeht.“
„Sie ist eine von uns, sie hat nichts bei ihnen zu suchen“, brüllt sie jetzt.
„Sie hat sich entschieden.“ Er legt eine Hand auf meine Schulter, ich gehe einen Schritt weg, dass sie abrutscht. „Komm.“
„Nein“, kommt von Kami. Ich weiß, was jetzt kommt. Sie will kämpfen, lieber soll ich Tod sein, als zu ihm zu gehen. Nicht mal eine Sekunde später, peitscht mein Schwanz wild umher und wir machen uns gefasst auszuweichen. Mit was wir nicht gerechnet haben, ist das er uns verteidigt und sie angreift. Sie landet hart auf dem Boden.
Er zeigt seine menschliche Form. „Flieh!“, schreit er mich an, wendet sich zu ihr und greift schon wieder als Katze sie an.
Ich sollte Danke sagen, aber wir laufen. Ein Fenster neben der Tür ist geöffnet und wir können durchspringen. Hatte er es geplant, oder erst geöffnet, als er es von Cosmo erfahren hat. Aber dann hätte sich die Luft verändert. Sein Verhalten verwirrt mich.
Ich laufe so schnell, meine Katze es kann, so weit und so schnell wie möglich von diesem Dorf weg. Wir sind mitten im Nirgendwo, die Nacht kommt langsam über uns und wir sind fertig. Ein Bach gibt uns etwas zu trinken. Fische sehe ich gerade nicht, daher folgen wir der Strömung. Ein See beherbergt dann unser Futter. Gegrillt wären sie mir lieber, aber gerade darf ich nicht heikel sein, was meine Katze amüsiert. Zwischen meinen Pfoten zappelt wild unsere Beute. Genüsslich beißt die Katze hinein, ich schüttel mich innerlich.
Gestärkt laufen wir weiter, aus dem Bach wurde nachdem See, ein schmaler Fluss. Das Tempo wird immer langsamer, schleppend kommen wir voran, zu sehr zerrt die Müdigkeit an uns. Das Abenteuer im Dorf, ist für uns ein Adrenalinkick gewesen, doch jetzt gesättigt merken wir es wieder. Als wir eine Brücke entdecken, sind wir uns einig, dort legen wir uns hin. Die Beine von uns gesteckt, können wir unsere Lider nicht mehr offenhalten.

Kein Plätschern und der Geruch sind auch anders, es ist kalt. Modrig und ein fremder Geruch von Schweiß. Schwer bekomme ich meine Augen auf.
„Es ist okay, bleib ruhig“, höre ich eine fremde Männerstimme.
Panisch krabbel ich rückwärts. Kantige Steine halten mich auf, die Sicht klärt sich stockend. Verschwommen sehe ich einen Mann vor mir, der groß und kräftig wirkt. Durch seine silbergrauen Augen, dem markanten Kinn und den kurzen braunen Haaren macht er den Eindruck, als wenn man mit ihm nicht zu spaßen hat. Mehr jedoch macht uns Angst, dass er nach Jäger riecht. Wie viele von uns hat er schon getötet. Warum bin ich hier? Will er uns quälen?
„Wie heißt du?“, fragt er langsam, als wenn ich eine Hinterwäldlerin bin.
„Warum bin ich hier?“, gebe ich von mir. Heiß tropft es von meiner Wange.
„Bist du Ariel?“
Jetzt habe ich noch mehr Angst. „Willst du mich umbringen?“
„Sagen wir es so, bist du es nicht, muss ich dich melden.“ Er streckt seine Hand nach mir aus.
„Nein!“
„Alles gut, ich wollte nur sehen, ob du dieses Muttermal hast.“
„Neomi“, bringe ich raus.
„Dann bist …“ Ein schriller Ton kommt von irgendwo her. Er steht auf und geht zu einem Fenster, aber immer noch zwischen der Tür und mir, die ich jetzt entdecke und meine Freiheit bedeutet. „Ich glaube nicht, das die Sensoren dich erfasst haben.“ Er wendet sich an mich.
„Damian“, höre ich von einer Frau.
„Ja?“ Die Tür geht auf. Im Rahmen steht eine Schwarzhaarige mit roten Strähnen und schlank. „Was ist draußen los?“
„Irgendetwas greift die Zäune an.“ Sie blickt zu mir. „Ist sie es?“
„Ich komme nicht an sie ran und ich bin nicht scharf darauf, ihre Pranken zu spüren.“ Sie stampft auf mich zu. „Nika nicht.“
Das ist Nika, die Nika, Cosmos Nika.
„Bist du Ariel?“
Ich will mich verwandeln, aber die Katze schläft, sie lässt sich nicht wecken. Es ist egal, dann bekommt sie meine Faust. Wütend hole ich aus, sie kontert, hat mein Handgelenk und dreht es geschickt auf den Rücken. „Lass mich los!“, fauche ich.
„Einfache Frage, einfache Antwort, bist du Ariel.“
„Das geht dich nichts an, du hinterhältiges Biest.“
Der Mann, von ihr Damian genannt, lacht los. „Eindeutig sie.“
„Wie bitte?“, fragen wir sie aus einem Mund. Sie schubst mich vor. „Sie ist nicht wie ich!“
„Ich will auch gar nicht sein wie du!“ Mit zusammengekniffenen Augenlidern sehen wir uns an.
„Mädels …“
Meine Katze ist erwacht, meine Pranke verfehlt sie nur knapp. Er springt dazwischen. „Ariel …“ Lauter als vorhin, schallt der Ton zu uns. „Verwandel dich zurück, oder die anderen werden dich ins Labor bringen.“ Ich fauche beide an. „Willst du Cosmo sehen, dann benimm dich!“
Der Name, der alles verändert. Unser Jäger! „Was ist mit ihm? Geht es ihm gut?“
„Er wird gerade operiert.“
„Damian?“, kommt wieder von der Tür.
Sie macht einen Schritt auf mich zu und hält mir den Mund zu. „Sei ja leise!“
„Was ist Marlon?“ Damian steht an der Tür.
Schritte, die immer lauter werden. „Da steht ein Rudel Gestaltenwandler um unser Grundstück und sagt, wir hätten einer der ihren. Weißt du darüber etwas?“
„Nein, fällig unbekannt.“
Ein Blonder mit Vollbart drückt sich an ihm vorbei. „Und was ist das?“
„Ähm ja …“ Damian geht mit den Fingern durch sein Haar.
„Nika, bekommst du mehr heraus?“, fragt er.
Sie schubst mich zu ihm. „Das ist Ariel. Damian zumindest glaubt das?“
„Ach halt die Klappe“, gehe ich sie an. Sicherlich sollte ich lieber ruhig sein, aber sie macht mich wütend.
Der Mann mustert mein Gesicht. Kurz sieht er sich das Muttermal an. „Gehörst du zu dem Rudel?“
„Ich habe kein Rudel!“
„Dann hast du auch nichts dagegen, ihnen zu sagen, dass sie gehen sollen.“ Ich verwandel mich und laufe erhobenen Hauptes an ihnen vorbei. Der Ton ist wieder zu hören. Es ist mir egal. „Bilde ich mir das ein oder …“
„Sag es nicht“, zischt sie. Dieses Mal lasse ich sie gewähren.
„Du solltest …“, beginnt Damian, was verstehe ich schon nicht mehr, oben ist der Ton noch lauter. Einen schmalen Flur führt zu einer offenen Tür. Ich hebe meine Nase. Zu viele verschiedene Gerüche, nicht mal Cosmo rieche ich, ist er überhaupt hier?
Jemand streift mein Fell, fauchend wende ich mich an Damian. „Am Zaun“, sagt er und nickt nach vorne. Wie ein Soldat trabt er neben mir her. Immer eindeutiger bekomme ich etwas, nein jemand in die Nase. Eine Frau mit schwarzen Locken steht dort und redet mit Christo.
„Was machst du hier?“, frage ich gleich nach der Verwandlung.
„Oh Gott“, keucht die Frau. „Sodom und Gomorra herrscht hier seit Neuestem.“ Sie wendet sich ab.
„Ich bin dir gefolgt! Der da hat dich betäubt.“ Er zeigt hinter mich. „Ich musste sichergehen, das es dir gut geht.“
„Du bist allein hier.“ Eine Tatsache, die ich ausspreche. Er bejahrt es. „Warum?“
„Du weißt, warum“, sagt er.
Meine Katze faucht in meinen Gedanken, sie weiß es und es gefällt ihr nicht. Ich schüttle meinen Kopf.
„Könnt ihr euch bitte etwas anziehen?“, gibt die Frau neben mir von sich.
„Hier“, höre ich Damian. Er hebt mir sein Shirt hin.
„Niemals werde ich deine Kleidung anziehen“, brumme ich.
Nika nimmt es ihm ab, wirft es über den Zaun zu Christo und hält mir ein anderes hin. Ich entreiße es ihr. „Wo hast du das her?“
„Hey, beruhig dich“, meint Damian.
„Ich war in Cosmos Haus, was dagegen?“ Meine Wut auf sie, lässt meine Katze an die Oberfläche Kratzen, sie will raus und sie zerfleischen.
„Cosmo? Ist das Ariel?“, will die Frau wissen. Ich sage nichts, Nika und ich starren uns nur an. „Seine Ariel ist ein Puma?“ Seine? Ich blicke zu ihr. „Es ist schlimmer als Sodom und Gomorra.“
Ich will gerade nachfragen, als Nika ein Telefon zieht. „Was?“ Erleichtert bewegt sie ihren Kopf und nickt zu Damian. „Wir kommen.“
„Was hat der Doc gesagt?“, hinterfragen die anderen um uns herum.
„Die OP ist gut verlaufen, Cosmo schafft es …“
„Was ist mit ihm?“, frage ich mit zittriger Stimme.
„Ihr habt es ihr nicht erklärt?“, will der Bärtige wissen.
„Keine Zeit dafür“, grummelt Damian.
„Weil er nicht ruhig liegen blieb, ist die Wunde aufgegangen, immer wieder und die gebrochene Rippe, hat sich in die Lunge gebohrt …“ Weiter kann ich der fremden nicht folgen. Ich verwandle mich. Meine Katze hat den Weg hier hingefunden, jetzt wird es ihr auch kurz vor dem Ziel gelingen. Wir sprinten los, den schrillen Ton Ignorieren wir. Wir kratzen an einer Tür von einem großen Gebäude, jemand macht uns auf, so kommen wir hinein.
„Hey“, schreit er uns nach.
Deutlich ist nun der Geruch von Cosmo zu vernehmen, vor allem sein Blut. Die Zimmertür steht auf. Das Zimmer, in dem er liegt, ist nur sein Bett. Ein Piepsen kommt von einem Gerät. Sofort wandle ich mich zurück. „Cosmo“, flüstere ich und unterdrücke die Katze, die seine Wunden lecken will. Ich schiebe seine schwarze Locke hinter. „Bitte wach auf.“
„Weg von ihm“, brüllt der Jäger, der mich gerade hineingelassen hat, das Klacken der Pistole ist zu hören. Genauso, wie schnelles Stampfen von mehreren.
„Lass gut sein Erik“, keucht Damian.
„Wie bitte, das …“
„Erklären wir dir später.“
„Toll! Erst scheiß Engel und jetzt ein Gestaltenwandler. Was als Nächstes? Dämonen?“
„Das wüsste ich auch gern“, seufzt Nika.
Ich drehe mich. „Raus oder schweigen.“
„Führ dich nicht so auf.“
„Er braucht Ruhe“, knurre ich sie an. Sie aber hat beschlossen, mich zu ignorieren, anders kann ich mir nicht vorstellen, warum sie auf die andere Seite seines Bettes geht.
Auch Damian tritt neben sie. „Nika, wir sollten das Regeln.“
„Sie werden ihr nichts tun.“
Sein Blick geht zu mir. „Dessen bin ich mir nicht sicher und der eine da draußen, muss auch geregelt werden.“
„Er hat sein Rudel verloren, weil er mich beschützt hat, bitte, pass auf ihn auf.“
Er schnauft. „Na komm Nika.“
Widerwillig lässt sie sich aus dem Zimmer ziehen.
„Bitte werd gesund“, flüstere ich Cosmo zu.

Damian bringt mir einen Stuhl, später etwas zu essen und lachend eine Zweite. „Darf ich dich etwas fragen?“
„Ob ich weiß, dass du mit Nika schläfst?“
„Ähm, nein, also doch tun wir, aber eher wollte ich wissen, was das mit dem anderen Gestaltenwandler ist?“
„Ich habe ihn gestern kennengelernt. Wir wollen Cosmo, sie ist die gleiche Meinung wie ich.“
„Wir?“
„Man hat mir gesagt, meine Katze und ich, sind nicht eins. Vielleicht ist das so, weil ich sie jahrelang unterdrückt habe. Wir sind uns manchmal nicht einig, aber bei ihm, sind wir es.“
Er zieht einen zweiten Stuhl zu mir. „Warum hast du sie unterdrückt?“
Ich nehme einen Schluck Wasser. „Du weißt es doch.“
Seine Stirn liegt in Falten. „Nein, sonst würde ich nicht fragen?“
„Neomi“, sage ich leise und sehe zu Cosmo. „Ich hatte sie nicht unter Kontrolle, sie hat Neomi verletzt, aber ich will keinem wehtun.“
„Warum hast du ihn gerettet?“
Ich seufze, diese Frage nervt mich inzwischen. „Ich habe ihn nicht gerettet, egal was er behauptet, Sara hat ihn verbunden.“
„Du hast Vampire getötet in der Zeit.“ Er lehnt sich zurück. „Wie sahen sie für dich aus?“
„Sie hatten keine wirkliche Form für mich.“ Ich knete meine Hände. „Uns ist das äußere egal. Eine Katze reagiert auf einen Partner. Sie muss sich wohlfühlen, angekommen und vor allem akzeptiert.“
„Wie war es bei ihm?“
Mein Gesicht fängt an zu brennen. „Darüber will ich nicht sprechen.“
„Ich will einfach verstehen, wie ein Jäger … Nein falsch, wie dieser Jäger, alles über Bord werfen will, wegen eines Tieres.“
„Wie kann sich eine Jägerin in einen Engel verlieben?“
„Er ist wenigstens menschlich und verwandelt sich nicht in einen Fellknäuel?“
Ich wende mich zum Boden. „Warum hast du mich nicht dann umgebracht, wenn ich dir zu abstoßend bin?“
„Ich könnte sagen, dass er nicht mehr an Nika hängt, aber ich weiß, dass er nach dem Engelsvorfall damit abgeschlossen hat. Und doch hat es mit ihr zu tun, er ist ihr bester Freund …“ Er starrt die Decke an. „Die beiden sind zusammen aufgewachsen, sie haben etwas, was ich nie verstehen werde. Und ich wette mit dir, dass du dich seinetwegen sehr oft mit ihr anlegen wirst.“ Sein Blick geht zu mir. „Cosmo er sieht es was in dir, was ich auch nicht verstehe, davon mal abgesehen, sehe ich aber, das, was ihr habt, mehr ist. Vielleicht liegt das wirklich an der Katze in dir, oder das du ständig nackt bist.“ Jetzt komme ich mir komisch vor. Sicher hat Sara immer darauf bestanden, dass ich angezogen bin, wenn ich mit Menschen agiere. Doch in letzter Zeit, ist es eher Gewohnheit geworden, so zu sein. „Wie auch immer. Tatsache ist, du bist eine Woche fast durchgelaufen, um zu ihm zu kommen, er will sein Jägersein hinhängen, irgendetwas wird es bedeuten.“ Er steht auf. „Mit einem hat er wirklich recht und da könnt ihr beide protestieren, wie ihr wollt, charakterlich, bist du und Nika euch sehr ähnlich.“ Schnaubend verschränke ich meine Arme. Schmunzelnd schüttelt er seinen Kopf. Ein paar Schritte macht er zur Tür. „Aber sei gewarnt, sie wird dich umbringen, wenn ihm etwas passiert?“
Der Gedanke, ihn zu verlieren, verletzt mich. „Nichts anderes würde ich wollen.“
Sein Blick geht über die Schulter zu mir. „Dann ist ja gut.“ Die Tür knallt ins Schloss.
Ich sehe zu Cosmo. Ich bin hier und doch empfinde ich es als Fehler. Ist es besser frei und mit jemandem, der einen sehr mag, zu sein? Oder bei den man liebt und dafür nur Hass erntet, sowie es sich anfühlt, wie gefangen zu sein.
Zumindest kann ich der Katze auch mal erlauben, sich zu bewegen, hier im Zimmer wird nichts passieren. Schnell merke ich aber ihre Unruhe und ziehe die Verwandlung zurück. „Tut mir leid, aber ist gerade besser so.“ Darum bleibt mir nichts anderes noch übrig, als sitzen zu bleiben und zu hoffen, dass er bald wach wird.

Nika begleitet den Arzt am späten Nachmittag, fast schon Nacht in das Zimmer. Er riecht mehr als nach Angst. Sie nach Wut und Enttäuschung. „Alles in Ordnung“, sagt er dann und eilt hinaus.
„Okay da es sich keiner aussprechen traut anscheinend, mach ich das jetzt.“
Ich runzel meine Stirn. „Ach ja?“
„Ja, verschwinde hier, oder ich werde dich umbringen.“
„Hab ich schon gehört.“
Ihr Blick sagt, warum bist du noch hier, sie sieht zu Cosmo. „Noch weiß er nicht, dass du da warst und er braucht es nicht zu erfahren. Der Schaden wäre Minimal.“
„Ich finde es gut, dass du ihn schützen willst, ehrlich, das macht Freundschaft aus. Doch nicht, dass man über den Kopf jemand anderes hinweg entscheidet.“
„Ach ja?“ Sie macht einen Schritt auf mich zu. „Woher willst du wissen, was Cosmo denkt?“
„Dein Liebster, war so frei.“
„Ich habe keinen Liebsten.“
Ich lache auf. „Du kannst andere anlügen, aber nicht mich.“
„Was willst du bitte sagen?“
„Falls du nicht aufgepasst hast, haben Katzen eine gute Nase. Und du riechst nach ihm, ich würde sogar sagen, noch nicht lange her, vielleicht zehn Minuten.“ Diese Aussage hat getroffen und das mittig, sie greift unter ihrer Jacke und rast auf mich zu. Ihre Geschwindigkeit ist beeindruckend, leicht die Klinge meine Hüfte. „Mehr hast du nicht zu bieten?“
„Ich bringe dich um.“
„Weiß Cosmo davon, das du ihn monatelang verarscht hast?“
„Du …“, schreit sie und will das Messer durch meinen Bauch ziehen. Wir sind aber schneller und umrunden sie. „Ich habe ihn nie angelogen. Wir sind beste Freunde, mehr nicht!“
Ich fauche. Die Katze will ihre Krallen in sie schlagen, nur das Wissen, das Cosmo dies nicht gutheißen würde, lässt sie es nicht tun.
„Mehr hast du nicht zu bieten“, wiederholt sie. Sie hat keine Ahnung, was wir können.
Ich kann mich nicht konzentrieren auf sie, Cosmos Duft verändert sich und sein Herz schlägt schneller. Schnell verwandel ich mich zurück und suche nach weiteren Anzeichen.
„Finger weg“, brüllt sie mich wieder an.
„Cos …“ Kein Streifen, sie hat ihre Tat durchgezogen. Mein Blick geht zu dem Griff, der nur noch aus meinem Bauch zu sehen ist. Dann zieht sie es wieder heraus.
„Was hast du getan?“, höre ich rau von Cosmo.
„Das war aus Versehen“, versuche ich mich zu verteidigen, aber er hat Nika gemeint. „Ich …“, beginne ich.
„Cosmo“, fängt sie zeitgleich mit mir an.
„Nein lüge nicht.“ Er atmet schwer, seine Lieder schließt sie kurz und blickt dann zu meiner Wunde. Ich habe keine Superheilkräfte, wie viele anderen Nicht-Menschen, aber es hat zumindest aufgehört zu bluten. „Geh.“ Wir nicken und wenden uns ab. „Nicht du Ariel.“
„Du brauchst Ruhe“, sage ich leise.
Seine Hand greift nach mir. „Bleib.“
Nika schnaubt, während er mich leicht zu sich zieht. Ich schiebe den Stuhl näher an sein Bett und setze mich. „Was ist passiert? Warum bist du hier?“ Nika knallt die Tür zu.
„Du bist hier, alles andere ist egal.“ Sanft kreisen seine Finger über meinen Handrücken. „Was hast du?“
„Wie kommst du darauf, dass ich etwas habe?“
Er zupft, ein stummer Befehl näherzukommen. Ich stelle mich neben ihn. Er streichelt meinen Hals knapp unter dem Ohr. „Deswegen.“
„Wir machen uns einfach zu viel Sorgen um dich.“
„Wir schaffen das.“
„Was ist passiert?“
Er seufzt. „Später.“ Er drückt mich immer mehr nach unten, bis ich auf seine Brust liege und dann lange ausatme. „Bleib.“
Ich will gerade fragen, warum er das sagt, als die Tür aufgeht. „Ariel ich brauche dich kurz“, ruft Damian aus. „Und gut, dass du wach bist Cos.“
„Was ist los?“, frage ich und richte mich auf.
Er druckst herum. „Komm einfach, bitte.“
„Was ist hier los?“, will jetzt Cosmo wissen. Seine Stimme ist normal, aber sein Geruch ist säuerlich.
Ich muss lachen. Beide runzeln die Stirn. „Ich habe nichts mit ihm, wir sind deinetwegen hier.“
„Du denkst … mit ihr?“, spottet Damian.
„Warum brauchst du sie den ganz dringend?“
„Der Gefangene, es geht um ihn. Er hat an Nika ihr Blut gerochen und …“
„Ich verstehe nicht?“
„Lass mich da mit gehen und ich erkläre dir dann alles“, sage ich.
Er nickt. Sein Blick geht zu Damian. „Pass auf sie auf.“
„Okay.“
Ich will ihm folgen, aber Cosmo zieht mich zu sich hinunter und legt seine Lippen auf meine. Verschreckt reise ich meine Lider auf und stemme mich hoch. „Was?“
„Das kann ja heiter werden“, murmelt Damian.
Immer wieder fängt Cosmo mit halben Wörtern an. Damian macht die Tür zu und lässt uns allein. „Wie was?“, bringt er dann raus. Ich will etwas sagen, aber er spricht weiter. „Was soll das Ariel? Warum bist du hier?“
„Du weißt, warum wir hier sind.“
„Und was war das gerade?“
Ich reibe mein Genick, der Alarm schrillt und ich weiß immer noch nicht, wie ich das erklären kann. „Es ist kompliziert, ich …“
Die Tür knallt auf. „Das könnt ihr gleich bereden“, brüllt Damian, kommt zu mir, seine Finger umschlingen fest meinen Oberarm und er zieht mich aus dem Zimmer, den Gang entlang zur Tür nach draußen. Der Alarm ist aus. Grob schubst er mich zu Boden. „Was spielst du?“
„Ich spiele nicht.“
„Ach wirklich, denn so kommt das alles gerade rüber. Der Gefangene dreht durch, sagt, seine Partnerin ist verletzt, hat sich befreit und drei Jäger, schwer verletzt.“ Ich keuche auf. „Und du willst den, den du angeblich willst, nicht küssen?“
„Keine Ahnung was er meint, aber ich bin nicht seine Partnerin. Meine Katze widert sich vor ihm und will zurück zu Cosmo.“
„Das ist unlogisch?“
„Unlogisch für einen Menschen vielleicht. Ich habe noch nie jemanden geküsst, er hat mich überrumpelt. Um ganz ehrlich zu sein, finde ich dieses geschlabbere ekelhaft. Immer, wenn ihr Menschen euch die Zunge in den Hals steckt, könnte ich kotzen.“
„Es war ein stinknormaler Kuss.“
„Er hat mich trotzdem überrumpelt, ich …“ Mein Blick geht zu Boden und die Traurigkeit kommt in mir auf. „Ich bin einfach ein dummes Tier.“
Er kniet sich neben mich und kurz berühren seine Finger meinen Rücken, sofort fauche ich ihn an. „Sachte, ich wollte dich trösten, behalte sie verschlossen, einen Puma zu jagen und zu betäuben reicht für heute.“
„Fass uns nie wieder an.“
„Okay, habe ich verstanden. Aber unten …“
„Das ist eine andere Situation gewesen, wir …“ Irgendwie kann ich nicht den Gedanken richtig formulieren.
„Erleichtert?“, fragt er.
„Ich habe keine Ahnung, wie ich ihm das sagen kann, ohne das er“, ich seufze und unterdrücke meine Tränen, „ich bin Menschen aus dem Weg gegangen, habe mich nur mit ihnen unterhalten, wenn Sara es wünschte. Und das hier mit ihm, es ist alles so neu für mich.“
„In Ordnung als Erstes regeln wir das mit dem einen und dann schauen wir, das Cosmo dieses Verhalten von dir versteht.“
„Danke“, schniefe ich.
Er erhebt sich. „Dann komm.“ Leicht nicke ich, stehe auf und folge ihm. Wir gehen über das Gelände, zu einer Bunkertür. „Ach ja, ich bräuchte noch dein Blut und wir müssen deine Katze scannen, wenn das mit Cosmo geregelt ist.“ Eine Karte zieht er über ein schwarzes Feld.
„Wofür?“
„Dass nicht ständig der Alarm losgeht, wenn du dich mal verwandelst.“ Ich bejahe es. Wir gehen eine Treppe hinunter, ein sehr langer Gang, dann wieder nach oben, eine weitere Tür, die wieder ins Freie führt. Tausende von Gerüchen schlagen auf mich ein und ich weiß, wo wir sind. Meine Katze faucht und will ausbrechen. Ich habe auch Angst, dass dies eine Falle ist, doch ich vertraue ihm, besser gesagt ich muss. An einem Feld bleibt er stehen und zeigt weiter in die Richtung gerade aus. „Da vorne sind die Käfige der Tiergestaltenwandler, er ist der Einzige, daher dürfte das recht schnell zu finden sein.“
„Und du?“
„Bleibe hier.“ Dann lacht er auf. „Keine Angst, auch wenn es den Obersten nicht gefällt, gehörst du zu Cosmo, vorerst.“
Ich gehe an ihm vorbei. „Danke.“ Der Geruch von Christo ist stark und ich laufe ihm entgegen. Eine Käfigreihe ist zu sehen.
In einem streift er hin und her, als er mich wittert, wird er zum Menschen. Diese Betäubung scheint schwach gewesen zu sein. „Da bist du ja, was ist passiert? Geht es dir gut?“ Sein Blick geht zu der Wunde. „Ich bringe sie alle um“, faucht er.
„Du machst gar nichts“, sage ich, als ich vor dem Metall stehen bleibe.
„Das werde ich trotzdem tun“, beharrt er und greift durch die Stangen zu mir.
Ich weiche aus. „Fass mich nicht an!“ Er nimmt Abstand. „Du hast gesehen, dass ich lebe, ich werde wieder gehen.“
„Wann wirst du einsehen, dass du zu mir gehörst.“
„Tun wir nicht.“
„Dein Tier und ich gehören zusammen, frag sie doch.“
„Du widerst sie an, wir wollen Cosmo.“
Lauthals lacht er los. „Ein Mensch.“ Er wendet sich ab. „Nein, du gehörst zu mir, du bist Mein.“
„Nein, wir wollen Cosmo.“
Er lehnt sich an die Wand und rutscht hinunter. „Wir werden es sehen, du weißt, wo ich zu finden bin.“
Erst will ich protestieren, aber ich winke nur ab und schüttel meinen Kopf. Er soll denken, was er will. Ich weiß, was meine Katze will und das ist nicht ihn. Da, wo ich Damian stehen habe lassen, wartet er auf mich. „Fertig?“
„Ich bin mir nicht sicher, aber vorerst ja.“
„Dann bring ich dich mal zurück.“

Als wir das Gebäude betreten, in dem Cosmo liegt, ist uns klar, das irgendetwas passiert ist, so schnell wir können raufen wir zu dem Zimmer. Dir Tür ist offen, er liegt auf dem Boden. „Nein“, schreie ich und laufe zu ihm. Meine Sicht ich verschwommen, immer wieder rufe ich seinen Namen, drehe ihn auf den Rücken. „Bitte“, flehe ich.
Das „Nika?“ und das Klacken einer Pistole kommt zur selben Zeit.
Ich habe sie nicht gesehen. „Mach doch.“
„Lass das Nika.“
„Ach, unterstützt du ihre Verarsche jetzt?“, zischt sie zwischen ihren Zähnen hindurch.
„Sie liebt ihn, aber …“
„Was aber?“
„Sie ist eine unerfahrene Jungfrau.“
Sie ist still, ich vernehme nur, das verriegeln. „Darum ist ein Kuss für sie etwas Ekeliges?“
Er seufzt. „Sag es ihr mit deinen Worten, so wie du es vorhin mir erzählt hast?“
„Es ist egal, soll sie mich umbringen, ohne ihn …“ Ich kann es nicht aussprechen.
„Komm mal mit“, sagt er. Ich mache mich schon bereit, dass er meinen Arm greift und von ihm wegzerrt, darum lege ich mich auf Cosmo. Aber er hat nicht mich gemeint.
„Er lebt, sein Herz“, gebe ich von mir.
„Ich …“, er stockt. „Nika?“
Ich höre sie laut schlucken. „Es war sein Wunsch, ich kann doch nicht …“ Zu schnell hat meine Katze kapiert, was gerade von sich geht, stürzt sich auf sie. Unsere Krallen bohren sich in ihre Schultern und wir brüllen sie an.
„Ariel nicht“, höre ich Damian, „denkst du, ihm gefällt es, wenn du seine beste Freundin umbringst. Ich stehe zu dir, aber das … bitte.“
Ich verwandle mich zurück. „Geh uns aus der Sicht.“ Zurück in der Katze lege ich mich neben Cosmo und stupse ihn an, er soll wieder aufwachen.
„Komm jetzt Nika“, sagt Damian. Rascheln, Schritte und dann dir Tür, es ist mir egal, ich will nur, dass er wieder zu sich kommt.
Die Tür wird wieder geöffnet. „Ich lege ihn zurück ins Bett, hier auf den Boden unterkühlt er“, erklärt mir Damian. Er kommt in meiner Sicht.
„Ich helfe dir“, gebe ich nach der Verwandlung zurück.
Gemeinsam haben wir es schnell geschafft, ihn hinzulegen. „Ich wusste davon nichts, wirklich.“
„Soll ich gehen?“, frage ich ihn.
„Du hast nie gekämpft, oder?“
„Nein.“
„Frag dich, willst du ihn aufgeben? Willst du einen, der sagt, dass du zu ihm gehörst und einen den du wirklich willst.“ Ich blicke zu ihm. „Ich glaube dir, also hier wird es nicht leicht für dich und auch nicht für ihn. Doch er weiß, was er will. Weißt du das auch?“
„Ich werde nie glücklich mit jemanden sein, den meine Katze nicht auch will. Wir wollen nur einen.“
„Dann lerne zu kämpfen.“
„Denkst du, er will das wirklich?“
Sein Schmunzeln ist herauszuhören, als er sagt: „Wenn einer sich tot stellt, um wahre Gefühle zu sehen, ist er zu allem bereit. Sicher ist das nicht der schönste Weg gewesen, das gebe ich zu. Aber wenn man lang genug mit Nika zusammen ist, dann hat man eher krasse Ideen und die beiden sind schon ewig beste Freunde.“
„Zusammen?“, schluchze ich.
„Ich meinte als Freunde, nicht Beziehung. Nika …“
„Nein bitte, das ist heute zu viel. Einerseits will ich zurück in meine Wohnung, anderseits will ich mir nicht vorstellen, ohne ihn zu sein.“
„Du musst wissen, was du mehr willst.“ Er atmet tief durch. „Beiße mich jetzt nicht, aber ich will ihm eine Spitze geben, dass er schneller wach wird.“
Jetzt bin ich diejenige, die lächelt. „Danke.“
„Kein Problem.“

Nach zwei Stunden kommt dann für mich die Aussprache. Er ist zwar früher wach, hat meine Hand auch nicht weggeschubst, aber reden wollte er nicht. Ich versuche, ihm einfach klar zu machen, dass ich mich an dieses Menschenzeug erst gewöhnen muss, das ich da seine Hilfe eben brauche. Aber akzeptiere, wenn er will, dass ich gehe.
„Essenszeit“, höre ich einen Fremden. „Der Gefangene braucht ebenfalls zu essen.“ Er stellt ein Tablett auf ein Nachttisch neben dem Bett.
„Kann das nicht jemand anderes machen?“, fragt Cosmo. Mich wundert es, dass er so nach Wut und Eifersucht riecht.
„Damian und Marlon sind der Meinung, dass er die Füße eher still hält, wenn sie ihm das Futter bringt.“
„Sie hat einen Namen“, knurrt Cosmo.
„Die Gestaltenwandlerin, soll ihm das Futter bringen, so lautet mein Befehl, wenn du also ein Problem damit hast, rede mit ihnen.“
„Ich …“
„Es ist in Ordnung, Cosmo. Ich beeile mich.“
„Passiert ihr etwas, werde ich gegen dich vorgehen“, gibt er mit erhobenem Finger von sich. Ich drücke seine andere Hand. „Sei vorsichtig.“ Ich bejahe es und folge dem anderen.
An der Tür ist die Frau, die ich schon damals am Zaun gesehen habe, sie reicht mir einen Morgenmantel. „Ich werde dich begleiten.“ Sie atmet tief durch, während ich in den samtigen Stoff schlüpfe. „Ich bin Rubia, eine der vier Leiter dieser Einrichtung. Wir sind es nicht gewohnt, ständig eine nackte Frau zu sehen, darum werden wir dir Kleider besorgen, sobald wir abgestimmt haben, bis dahin, bitte ich dich, wenigstens den Morgenmantel zu tragen.“
Auch, wenn er frisch gewaschen ist, rieche ich, dass es ihrer ist und Muttermilch. „Du hast ein Baby.“
„Ja, aber das tut nichts zur Sache.“
„Ein Mädchen.“
„Woher weißt du das?“
„Sie ist krank.“
„Nein ihr … Antworte.“
„Gerüche. Unsere Nasen sind nicht so fein, wie die eines Wolfes oder Hundes, aber es verrät uns vieles. Dein Kind hat etwas im Magen, es riecht nach … Mandeln und nach Moos.“
„Ich …“ Sie windet sich. „Geh du zur Bunkertür, ich schicke dir jemanden dorthin.“ Ich setze mich an diese Stelle, wo wir sind. „Was soll das?“, will sie wissen.
„Ich warte.“
„Aber …“
„Du traust mir nicht, darum bleibe ich genau hier, da ist eine Kamera.“ Ich zeige zur Hauswand.
„Es wird nicht lange dauern.“ Sie eilt davon. „Hey, ich bin es …“, höre ich noch sagen.

Ich hebe meinen Kopf Richtung Sonne und genieße die kühle Brise.
„Du sitzt wirklich mit deinem nackten Hintern dort im Sand“, vernehme ich hinter mir von Damian.
Ich springe auf, denn ich vernehme ebenfalls einen anderen Geruch. „Cosmo, du solltest …“
„Halt mich lieber“, sagt er und streckt seine Hand aus. „Frische Luft tut gut.“
„Habt ihr keinen Rollstuhl?“
„Du bist doch dabei“, meint Damian und schiebt Cosmos Arm von seiner Schulter.
Schnell nehme ich die andere Seite und stütze ihm beim Laufen. „Wenn du Schmerzen hast, sag Bescheid.“
Er nickt und wir gehen langsam zu der Tür, durch den Tunnel und dann bleibt Damian wieder stehen. „Hier am Baum kannst du ihn anlehnen.“ Vorsichtig helfe ich Cosmo beim Setzen. „Hier“, sagt Damian und gibt ihm Handy. „Komm, wir müssen noch das Fleisch holen.“
„Geh schon, ich bin hier und warte“, sagt Cosmo, als ich zögere.
Ich schmiege mich an seine Wange an. „Du …“ Seine Hand gleitet unterhalb meines Ohres. Dieses Mal bin ich die, die kurz die Lippen aufdrückt und dann gehe ich.
Damian steht an einem Haus, ich habe nicht mal mitbekommen, dass er gegangen ist. Er reicht mir eine große Schale, die mit Fleisch gefüllt ist. „Du kennst den weg.“
„Er wird das nicht fressen.“
„Doch, weil du es ihm bringst.“
Ich seufze. „Ich mache das, aber gefallen tut mir das nicht.“
„Schon verstanden.“
„Was meinte diese Frau eigentlich mit Abstimmung?“
„Oh ähm ja. Ich begleite dich doch ein Stück.“ Ich nicke. „Wir sind Jäger und es ist schon ein riesiges Drama gewesen, als sich Neomi entscheiden hat, das ein Engel hier bei uns arbeiten soll. Jetzt kommt Cosmo mit dir an. Es wird also abgestimmt, ob du eine von uns wirst, oder er ausgeschlossen wird. Daran hat er keinen Zweifel gelassen.“
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. „Wer sind die vier?“
„Nika, Marlon, Rubia und ich, also die Lehrer dieser Schule.“ Ich schlucke, meinetwegen verliert Cosmo alles. „Willst du wieder aufgeben?“
„Nein, es tut mir trotzdem weh.“
„Na geh schon, dann kannst du wieder zu ihm.“ Langsam nicke ich und gehe los. Kann ich es ihm wirklich antun, hier wegzugehen, für immer?
Christo sitzt am Gitter gelehnt, ruckartig richtet er sich auf. „Meine Schöne.“
„Ich bin nicht dein.“
„Deine Sicht.“
„Unsere.“ Ich blicke mich um, doch ich sehe nicht, wie ich ihm das Fleisch geben kann. Daher stelle ich es auf den Boden und schiebe es mit dem Bein hin. Gerade rechtzeitig kann ich seiner Hand ausweichen. „Mach das noch einmal und ich werde persönlich dafür sorgen, dass dort Gift drin ist.“
„Du wirst ankommen, oder denkst du wirklich, ein Mensch kennt die Bedürfnisse einer Katze?“
Ich verwandel mich. Sie setzt sich und mustert ihn. Ich spüre ihre Wut und Abneigung. Sie macht einen Sprung nach vorne und faucht ihn an, dann dreht sie sich um und kratz auf dem Boden, dass Dreck in sein Essen fällt. Dass der Alarm wieder mal durch das Gelände schrillt, ist mir gerade egal. Wir stolzieren davon.
„Du wirst ankommen, wir gehören zusammen.“ Ich laufe einfach weiter.

„Ein Puma mit Mantel, sieht man auch nicht alle Tage“, höhnt Damian, der neben Cosmo kniet. Meine Katze freut sich, Cosmo lächelt. Wir rennen hin, schlecken ihn über das Gesicht. Was ihn amüsiert, er versuch uns mit den Armen zu fangen, aber wir weichen aus, ziehen an seinem Hosenbein.
„Du machst sie kaputt“, lacht Cosmo.
„Manchmal benimmt sie sich wie ein Hund“, spottet Damian. „Aber bitte verwandel dich zurück, der Alarm nervt.“
„Entschuldigung“, gebe ich von mir und folge dem Handzeichen von Cosmo, das ich zu ihm kommen soll. Vorsichtig lege ich mich auf seine Schulter. Seine Finger streifen meinen Arm.
„Wir werden ihn wegbringen, sobald in einem anderen Lager etwas frei wird.“
„Was ist mit den anderen?“
„Welchen anderen?“, will Cosmo wissen.
„Er war in einem Rudel, einen halben Tag laufen entfernt, ein kleines Dorf.“ Die beiden tauschen einen Blick aus. Ich atme tief durch, ich weiß, was sie jetzt von mir verlangen. „Von der Brücke den Fluss folgen, ich weiß nicht mehr wo ich auf ihn traf, aber es ist nach einem kleinen See in dem Fische schwimmen. Dann kommt eine lange Zeit nichts, irgendwann muss man abbiegen, stur gerade aus, dann kommt man da an.“
„Irgendetwas genauer?“
„Ich glaube, sie könnte das Dorf finden. Aber sie will nicht.“
„Okay“, kommt von Damian, der auf einem Handy herumtippt. „Wie schnell bist du?“ Ich zucke mit den Schultern.
„Sie ist etwas schneller als gewöhnlich, ich schätze so sechzig Meilen“, antwortet Cosmo.
„Denkst du das, oder weißt du es?“
„Ich habe sie gesehen.“
Damian blickt zu mir und erhebt sich. „Gut, dann lass uns ins Labor, ich wollte sie eh einscannen.“
„Geht es“, will ich von Cosmo wissen, „oder soll ich dich zurückbringen.“
„Mir geht es gut.“ Ich helfe ihm aufstehen und wir drei gehen zu einem großen Haus. Meine Katze faucht innerlich, auch mir ist der Geruch von den ganzen Wesen nicht geheuer. „Keine Angst, ich bin bei dir sein“, flüstert mir Cosmo zu. Ich bin ihm dankbar, aber das, was hier lauert, ist Gefahr, sollten diese Wesen zusammen fliehen können, wird dieses Anwesen nicht mehr existieren und jeder der hier ist, wird vernichtet. Unzählige Dämonen rieche ich, davon mindestens einen schwarzen Ritter, eine Göttin und zwei Prinzen. Schwer kann ich meinen Reflexen unterdrücken.
Das Zimmer wo wir betreten, ist voller Geräte, die ich aus einem Krankenhaus schon mal gesehen habe, nicht mal drei Geräte sagen mir wirklich was.
„Stell dich hier darauf und verwandel dich“, befiehlt Damian. Er steht vor einem der drei, die mir etwas sagen, einem Laufband.
Vorsichtig lasse ich Cosmo an eine Liege lehnen, ziehe den Morgenmantel aus und lasse die Katze erscheinen. Sie faucht sofort Damian an.
„Ruhig Blut, also ich lasse es laufen und schalte es immer höher, fauche am besten, wenn du das Tempo erreicht hast, wo du hattest.“
Schon rattert das Band los, gemächlich eher gelangweilt laufen wir. Das Tempo wird höher, aber selbst da haben wir nur ein müder Gähner für übrig. Dreimal erhöht er es, bis mir mal wirklich richtig laufen, aber nicht mal annähernd so schnell wie ich an diesem Tag gelaufen bin, zu sehr hatte ich eben Angst, dass sie mich verfolgen.
„Wir sind jetzt schon bei siebzig Meilen.“
„Ich sagte doch, sie ist schnell.“
„Die Frage ist jetzt, nur sie, oder sind unsere bisherigen Daten falsch.“
„Du hast gesagt, ihr habt ihn auf dem Videoband, kann man das nicht ausmessen?“
Damian sieht zu uns und schaltet um einiges höher, aber kein Problem für uns. „Das Problem, dass er ständig jemand angesprungen hat, also keine freie Bahn im Laufen, aber ich habe einen Plan.“
„Vergiss es“, brummt Cosmo.
„Findest du den Weg?“, fragt er, aber mich.
Ich lasse mich zurückfallen, um wieder festen Boden zu haben, bevor ich mich als Menschen verwandle. „Sie sicherlich, aber sie weigert sich und das kann ich verstehen.“
„Was ist da drin passiert?“, hinterfragt Cosmo.
Ich traue mich nicht, ihn anzusehen. „Wenn Christo mich nicht hätte ziehen lassen, hätte ihre Anführerin uns eingesperrt. So will, dass die Katze die Kontrolle hat, für sie ist das richtig, aber wir wissen, es besser. Wir sind zwei in einem Körper, die unterschiedlicher nicht sein könnte.“
„Würdest du deine Katze loswerden wollen?“, will Damian wissen.
„Damian“, knurrt sofort Cosmo.
„Manchmal wäre es der einfachste Weg, aber würdest du dir den Arm abschneiden, weil er gerade stört?“ Mir ist egal, was sie gerade wirklich meinten, ich werde sie nicht weggeben, nur weil sie anders ist, weil sie manchmal anders denkt. Wir sind einfach eins.
„Wir müssen dieses Dorf finden Cosmo“, sagt dann Damian, zum Thema zurückkehrend. „Dieses Rudel, in der Nähe dürfen wir nicht dulden, warum sind sie so nah?“
„Ich werde Ariel nicht in Gefahr bringen, als Mensch ist sie zu schwach.“
„Zu untrainiert“, werfe ich ein. Schwach bin ich nicht.
Cosmo lacht und streckt seine Hand zu mir aus. Zügig gebe ich mich in seine Umarmung. „Stimmt.“
„Es ist ungefährlich, nur ein Stück, ich auf dem Motorrad und sie.“ Er blickt zu mir. „Wenn sie alle angreifen, denkst du, er würde überleben?“
„Dann sterben wir beide, oder denkst du, bei dem, was alles hier ist, dass ihr eine Chance habt. Gewiss nicht und das würden sie tun.“
„Als wenn du weißt, wen wir alles da haben“, spottet er.
„Die Spinnengöttin, eine mächtige Dämonin, ein Tropfen aus ihrem Stachel, und du bist ihr williger Sklave. Deutlich herauszuriechen ist auch Prinz …“
„Ja verstanden“, unterbricht er mich.
„Das mit dieser Nase“, sagt Cosmo und gibt mir einen Kuss darauf, „haben wir auch nicht gewusst.“
„Ja sagtest du schon Bereicherung für unser Team. Aber die anderen sehen die Gefahr in ihr, es war ein Wimpernschlag, da war sie schon eine Katze und hat Nika unter sich gehabt.“
„Du kennst meine Antwort darauf und jetzt noch mehr.“ Neugierig blicke ich zwischen den beiden Männern hin und her.
„Ich weiß.“
Cosmo drückt mich mehr an sich. „Brauchst du sie noch?“
„Den scann halt noch und na ja, es würde halt auch einen guten Eindruck machen, also wenn sie …“
„Was hältst du davon, deine Spezialität bei dem Gefangenen anzuwenden“, gibt Cosmo zwischen den Zähnen hindurch.
Ich lege meine Stirn in Falten. „Wenn er etwas wüsste, würde er mich warnen.“
„Auch, wenn es mir nicht passt, gebe ich Ariel recht. Er würde nicht wollen, dass ihr etwas passiert, da er sie als sein bezeichnet.“
„Na ja du wärst tot, somit wäre dann ein Hindernis weg, den Rest, kann man erzwingen“, gibt Damian zu bedenken. Er geht zur Tür. „Aber wir können beim scann weiter reden.“
„Ich würde es tun“, sage ich leise zu Cosmo.
Er reicht mir den Morgenmantel. „Nicht so lang ich nicht auf dich aufpassen kann.“ Sein Blick geht zur Tür. „Ich traue ihm nicht mehr.“
„Du meinst wegen Nika?“
„Du hast es gerochen, oder?“ Ich nicke. „Es geht mir nicht darum, dass die beiden miteinander schlafen, eher das er jetzt alles tun wird, um in ihrer Gunst zu bleiben und für sie, bist du nicht würdig zu leben.“
„Dabei ist sie doch auch etwas Böses.“
„Sie ist ein halber Engel.“
„Luzifer ist ein ganzer und der Herr der Hölle. Michael steht seinem Bruder nichts nach, das einzige, das er gut schleimen kann und nie erwischt wurde.“
Er sieht mich mit großen Augen an. „Und das weißt du wovon?“
„Ich habe eine Katze in mir, wir sind heilig in einigen Kulturen.“
„Das ist keine Antwort.“
„Wir haben Engelsblut, oder Götterblut in uns, deswegen können wir uns verwandeln.“ Immer tiefer werden die Furchen auf seiner Stirn. „Bastet hat die ersten Katzenmenschen geformt. Danach kam Anubis und gab den Hunden diesen Zauber. Horus und so weiter und so fort. Ein Gott aber, ich weiß nicht mehr wer, hat die Gestaltenwandler mit menschlicher Form aus abtrünnigen Engeln geformt.“
„Das zur Geschichte, aber woher weißt du das mit Michael, also das sie …“
„Ihr Geruch.“
„Warum sagst du, er ist böse?“
„Ich habe es gesehen.“ Ich hole tief Luft. „Ich habe mich versteckt, als ich auf der Flucht vor euch war. Einen Menschen hat er gequält, bis er das hörte, was er brauchte, damit dieser ihn nie belasten kann, hat er seine Seele in das Fegefeuer gesteckt.“
„Was wollte er wissen?“
„Die Prophezeiung der ersten Kinder.“
„Was?“ Und dann weiteten sich seine Augen. „Kain und Abels-Blutlinie.“ Ich nicke. „Nika, was ist mit ihr?“
„Nicht mit ihr, also nicht direkt, eher das Kind.“
„Wie geht die Prophezeiung?“
„Keine Ahnung irgendetwas mit Linie und Kind Gottes.“
„Hey, kommt ihr jetzt mal?“, mault Damian und sieht von der Tür zu uns.
„Das Kind Gottes?“
„Was?“, kommt von Damian, seine Stirn ist gerunzelt.
„Etwas was ich gehört habe.“ Er sieht mich eindringlich an.
Cosmo holt Luft. „Das wir den Engeln nicht ganz trauen können, wissen wir, das Michael skrupellos ist auch, aber warum sollte Gott dies dann zu lassen?“
„Ich verstehe nichts?“, sagt Damian.
„Ariel hat mir gerade erzählt.“ Sein Blick geht zu mir. „Michael hat aus einem …“
„Es war ein Priester, aus dem er die Prophezeiung gefoltert hat.“
„Das glaube ich nicht.“
Böse wende ich mich an Damian. „Warum sollte ich lügen?“
„Warum sollte er einen Zeugen am Leben lassen, wenn das so geheim ist?“
„Weil sie keine Ahnung hat, die Dämonen wissen, was die Engel tun und weil er niemals darauf kommen würde, dass ein Gestaltenwandler, den Weg zu uns kommt, geschweige dem Gehör!“
Damians blick kann ich nicht deuten. „Aber dann sagst du, es war kein Unfall, das Zayn …“ Schmerzvoll verzieht er sein Gesicht.
„War Zayn nicht dein …“ Er riecht nach Trauer. „Es tut mir leid, ich …“
„Nein schon gut“, er küsst meine Stirn, „die Frage ist jetzt nur, wie gehen wir damit um?“
Damian schüttelt den Kopf. „Er darf nicht, wiederbelebt werde, Michael weigert sich, darum bleibt dieses unter uns.“
„Wir sollten …“
„Nein“, unterbricht Damian Cosmo, „Nika geht es wieder besser, ich werde nicht zu lassen, dass sie erneut leidet.“
„Oder ist es die Eifersucht“, sage ich, „denn so stinkst du gerade und nach Angst.“
Er ballt die Faust. „Verscherze es dir nicht, mit deinem einzigen Verbündeten hier!“
„Damian!“, brummt Cosmo. Ein Blickkampf findet zwischen ihnen statt, ich kann förmlich die Blitze zucken sehen. „Ich verstehe dich, trotzdem sollte sie die Wahrheit erfahren.“
„Du kennst sie, sie wird wieder …“ Er bricht ab. „Ich will erst Gewissheit haben, bevor ich ihr Hoffnung mache.“
„Es wird keine Hoffnung geben, nur einer kann diese rückgängig machen und dem sind wir egal“, sage ich fest. „Daher ist es egal, ob ihr beiden, es Nika sagt oder nicht. Das Einzige, was sich ändert, ist die Tatsache, dass sie einen größeren Groll in sich trägt.“ Cosmo zeigt keine Reaktion, ich weiß nicht, ob er gerade abwägt, oder ich seine Zuneigung verspielt habe.
„Kennst du jemand, der nachsehen kann, ob Zayn auf der Liste stand?“, fragt Damian leise.
„Nur zwei können darüber Auskunft geben und keinen der beiden würde ich rufen.“ Ich atme tief durch. „Ihr habt Ashgar hier, sie ist die rechte Hand von Luzifer gewesen, sie könnte darüber etwas wissen.“
„Wer sind die zwei?“, will Cosmo wissen.
„Der Tod und Michael natürlich. Der eine …“
„Warte mal, man kann sie rufen?“, hinterfragt Damian.
„Jedes Wesen, was sich materialisieren kann, ist, ruf bar, man muss nur wissen wie.“
„Und du weißt das?“
Cosmos griff wird lockerer, entweder, will er mich loslassen oder ihm geht es nicht gut. Ich weiß nicht, ob ich lügen soll oder die Wahrheit sagen kann, darum schweige ich. Dann lässt er ganz los. „Ich will ins Zimmer zurück.“ Kaum hat er ausgesprochen, humpelt er zur Tür. „Ich schaffe es allein. Bring sie bitte sicher zu mir.“ Die Tür geht zu.
„Ich glaube, das hat er falsch verstanden.“
„Es liegt an mir“, sage ich und versuche zu verbergen, das ich gerade das Gefühl habe innerlich zu zerbrechen.
„Nein ganz gewiss nicht. Er und Zayn sind in der Schule zu sehr guten Freunden geworden. Endlich traut sich Cosmo, Nika zu sagen, was er fühlt, hat sie nur Augen für seinen Freund. Nach seinem Tod ging Nika lieber allein weiter. Doch was sie nie verstehen wird, er hat auch jemanden Wichtiges verloren. Jetzt hat er dich und ich schätze, er hat Angst, dass du ihm auch genommen wirst, wenn wir nach Antworten Suchen.“
„Ich weiß, wie man beide ruft, das weiß jeder nicht Mensch, doch keiner ist je so dumm, wird es tun. Doch, wenn er es verlangt, werde ich es machen.“

Wir reden nicht mehr. Er gibt meine Biodaten in das System ein und bringt mich dann zurück. Cosmo liegt im Bett und starrt die Decke an. Ich setze mich auf den Stuhl und ziehe ein Bein an, warte auf eine Reaktion, oder das er etwas sagt. Irgendwann rutsche ich auf den Boden, verwandel mich und schlafe ein.
Ich wache auf, weil meine Katze schnurrt. Sie ist eindeutig wacher als ich.
„Na du?“, sagt Cosmo, als wenn das Gestern nie gewesen wäre.
„Wenn ich etwas …“
Er legt seine Hand auf meinen Mund. „Nein, es war einfach zu viel für mich. Es fühlt sich gerade wie eine Achterbahn an. Nika wird mir immer viel bedeuten und ich bin immer noch der Meinung, sie solle es wissen, aber mir ist auch klar, was dies in ihr auslöst.“ Er streichelt meinen Hals. „Letztes Jahr war er wieder hier, wir haben etwas Zeit zusammen gehabt und dann war er wieder weg.“
Ich erhebe mich. „Das geht nicht!“
„Nathanial hat ihn zur Erde mitgenommen.“
Ich schüttel meinen Kopf. „Das ist nur möglich, wenn Seele und Körper intakt sind.“
„Ich weiß nicht, wie das alles funktioniert, nur dass es so war.“ Seine Finger kreisen nun im Genick und wie auf Befehl fange ich an zu schnurren. „Es tut mir leid, wenn ich zu dir abweisend war, doch ich will nicht, dass du deswegen traurig bist. Ich mag dich sehr.“ Seine Lippen fahren sanft über meine Wange. „Ich bin ein Mensch, aber ich meine es ernst. Ich weiß, dass ich mit dir anders agieren muss, langsamer und vorsichtiger. Trotzdem werde ich frustriert sein, aber Zweifel nicht daran, dass ich dich auch will.“ Seine Zunge streicht über meinen Kiefer. Ich wusste gar nicht, dass dies mir gefällt. Er nimmt Abstand. Mein Herz rast, habe ich etwas falsch gemacht. „Ist das Okay für dich?“
„Ja.“ Ich lege meinen Kopf auf seine Schulter. „Danke“, flüstere ich. Mehr will ich aber, dass er mich weiter berührt, uns berührt. Dann fühlen wir uns komplett. Immer mehr weiß ich, dass ohne ihn nicht mehr Sinn macht für mich und wir ihn schützen müssen. Jetzt gehe ich einen Schritt zurück. „Damian wird gleich kommen mich abholen.“
„Ich würde gern mitkommen, aber ich weiß, dass der Arzt mich gleich untersuchen will.“ Er zieht mich am Handgelenk zu sich und küsst mich, nur kurz, doch ist es für mich wieder so ein Moment, in dem mir klar wird, das wir noch sehr viel ändern muss an uns. „Sei vorsichtig.“
„Du auch.“ Er lässt mich los und ich gehe nach draußen, dort warte ich auf Damian.
Als er mich erblickt, ist seine Stirn gekräuselt. „Was machst du hier?“
„Auf dich warten.“
„Okay und warum?“
„Ich werde versuchen, antworten aus ihm herauszubekommen, sollte es nicht funktionieren, werde ich dich zu dem Dorf führen.“
„Und warum machst du das auf einmal?“
„Cosmo wird davon nicht begeistert sein. Aber ich weiß, wenn sie angreifen sollten, wird er sterben und das kann ich nicht zulassen.“
„Was hast du wegen Nika vor?“
„Euer Freund lebt irgendwo. Seine Seele mag im Himmel sein, aber sein Körper muss hier noch verweilen, vielleicht ist ein Dämon in ihn oder ein Engel, dass weiß ich nicht, aber ein Mensch kann nicht zurück auf die Erde ohne Körper.“ Ich atme tief ein. „Wenn du es ihr sagen willst, solltest du an die Konsequenzen denken und beweise haben.“
„Ich? Er will es ihr doch sagen.“
„Ich frage mich auch, warum euer Engel das für sich behält“, sage ich, auch um nicht darauf einzugehen, das er grade nach Wut stinkt und das auch noch auf Cosmo. Er folgt mir, als ich zu dem Übergang weiter gehe.
„Weiß er es vielleicht nicht?“
„Unmöglich, das ist Engelseinmaleins, das weiß jedes Wesen.“ Meine Vermutung ist eher, dass er Angst hat vor Michael, was ich verstehen kann. „Wie willst du fortfahren?“
„Er ist einer von uns, sollte er leben, müssten wir ihn eben aus der Situation befreien, oder wie Nikas Mutter gefangenhalten.“ Er atmet tief durch, ihm ist klar, dass er sie verlieren wird. „Jetzt ziehen wir das erst mal durch.“ Wir sind an der Metalltür und gehen die Treppe hinunter. „Weiß Cosmo es?“
„Ich habe ihm gesagt, dass es nicht geht, ich glaube, er will davon einfach nichts wissen. Und wenn du meinen Plan meinst, ich denke, er hat eine Vermutung, weil er sagte, ich solle vorsichtig sein, aber erzählt habe ich es ihm nicht.“
Wir gehen die Treppen nach oben. „Dann komm mal mit zur Küche.“

Mit dem Fleisch in der Schale gehe ich zu ihm und setze mich vor Christo. Er wandert aufgebracht hin und her in seinem Käfig. „Dein Essen.“ Schiebe es näher. Er faucht. Oh, da hat jemand schlechte Laune. „Ich kann auch gehen.“
Er springt ans Gitter, seine Pfote schnellt hervor. Nur knapp verfehlen seine Krallen mein Gesicht. Mein Herz schlägt schneller. Aus Fell wird Haut und er zeigt mit dem Finger auf mich. „Ich werde ihn umbringen!“
„Du meinst sie alle hier?“
„Du weißt ganz genau, wenn ich meine. Du bist MEIN!“
Ich schließe meine Lider. „Wann kommen die anderen?“
„Ich habe mich von ihnen getrennt deinetwegen.“
„Das bezweifle ich.“ Ich rutsche näher. „Sag es mir, gib mir Hoffnung.“
Seine Finger streichen über mein Kinn. Ich muss mich zusammen reisen, nicht zusammenzuzucken und auszuweichen. „Warum brauchst du Hoffnung?“
„Weil du recht hast“, sage ich leise.
„Du riechst nach Furcht und ihm, da soll ich dir glauben?“
„Du wolltest mich schlagen, ist es nicht verwunderlich?“
„Befreie mich und ich glaube dir.“
Ich lehne mich zurück, lege mich ins Gras. „Du weißt, das dies nicht geht.“ Mir ist klar, dass ich gerade viel aufs Spiel setze. „Sag mir, wann“, flüstere ich und streiche über meinen Bauch.
Seine Stimme klingt rau. „Ich kann es nicht sagen“, knurrt er, „aber lang sind wir nicht mehr getrennt.“
Bevor er wieder faucht, nehme ich den Geruch von Cosmo wahr und den Knall der Schusswaffe. Mit aufgerissenen Lidern starre ich den toten Puma an.
„Du gehst nirgendwo hin.“ Ich wende mich langsam an Cosmo. Sein Brustkorb bewegt sich kraftvoll.
Ich erhebe mich. „Du hast die einzige Chance zunichtegemacht, das ich nicht diesen Schritt machen muss.“
„Wir rüsten uns gegen sie!“
„Sie haben einen Maulwurf hier drin, sie werden dich und mich jagen.“
Er geht vor mir auf die Knie. „Vertrau mir Ariel.“ Seine Hände umgreifen mein Kinn. „Ich vertraue dir und deiner Nase, das du ihn finden wirst.“ Sanft berühren seine Lippen meine. „Komm.“ Er zieht mich mit beim Aufstehen.
„Warum hast du es wirklich getan?“
„Weil ich …“ Sein Blick gleitet zu dem Toten. „Ich bin ein Mensch und ich habe Angst, das er …“
Vehement verneine ich es. „Nein, wir wollen dich. Für dich gehen wir in Gefahr, für dich versuchen wir uns zu verändern, warum sollten wir, was wir mühevoll uns erarbeiten für jemanden aufgeben, den wir nicht wollen?“
„Weil ich ein Mensch bin.“
„Du weißt nichts über uns.“ Ich mache einen Schritt von ihm weg. „Selbst, wenn sein Plan funktioniert hätte, wären wir nicht zu ihm.“ Ich laufe los. Die Tür zum Durchgang ist offen, ich höre Cosmo, wie er mir folgt. Immer wenn er die Luft schmerzvoll einzieht, will ich umdrehen und ihm helfen, aber ich weiß, dass ich dieses Mal im Recht bin und deswegen nicht beigebe.
„Ariel!“
Ich versuche, ihn zu ignorieren, aber er hat mich eingeholt und zieht mich am Handgelenk. „Lass mich!“
„Nein, ich will, dass du mir zuhörst und mich verstehst.“
„Ich verstehe dich ganz gut, das du mich mit den Menschen-Schlampen vergleichst. Du willst aber nicht verstehen, dass ich kein Mensch bin, wir wollen nur einen und das für immer.“
Er wischt sich über sein Gesicht. „Nicht vergleichen, aber ich habe Angst. Nika …“
„Ist eine Schlampe …“ Ein Klatschen hallt, mein Ohr klingelt und meine Wange brennt. Noch nie hat jemand mich so erniedrigt, wie er gerade. Tränen rennen hinüber und der Wind kühl die Stelle. „Ich verstehe“, flüstere ich. Lasse meine Katzengestalt über mich kommen und laufe los. Mit einem Satz bin ich über ihren Zaun, wir wollen einfach nur weg. Er ruft nach mir, aber ich bin gerade zu verletzt.

Ich habe keine Ahnung, wo wir sind, aber es ist dunkel. Ich setze mich und lasse meine Trauer und den Schmerz hinaus. Irgendwo knattert ein Motorrad. Ich springe auf einen Baum, trotzdem hält es genau unter mir. Damians Geruch weht zu mir.
„Komm runter.“
„Ich gehe zurück, lass mich in Ruhe“, fauche ich.
„Ariel.“
„Was?“
„Er hat es nicht so gemeint.“
Ich springe hinunter. „Das war eindeutig.“
„Sie ist seine beste Freundin.“
„Sie spielt mit ihm seit Jahren und mit dir ebenfalls, oder glaubst du wirklich, dass sie dich liebt?“
Er schließt die Augen. „Ich habe die Hoffnung, das sie es tut, irgendwann mal.“
„Es wird nie passieren, ihre Geschichte ist seit der Geburt von Kain und Abel festgelegt.“
„Sie …“
„Nein, wenn es jemand anderes wäre, würdet ihr das genauso sehen. Nur weil sie, euere Herzen im Griff hat, bin ich die, die leidet. Es ist besser, wenn ich gehe. Lieber bin ich allein, als bei jemanden, für den ich nur zweitrangig bin.“
„Ich kann dich nicht umstimmen?“
„Nein.“ Ich wende mich ab. „In euren reihen ist ein Verräter, sie sind auf dem Weg zu euch.“
„Woher weißt du das?“
„Er konnte nicht sagen, wann sie kommen, weil er jemandem Bescheid geben musste, wenn ich zu ihm ja sage.“
„Danke.“ Ich nicke nur und laufe weiter.

Ich kann nicht zurück nach Hause, ich brauche von allem Abstand. Die feinen Körner unter meinen Ballen führen mich zum Salzwasser. Es schwappt hin und her, weiße Schaumkronen umschlingen erst Pfoten und dann meine Hände und Füße. Mir ist immer noch zum Heulen zumute. Ich würde gerne so sein wie der Fels, der sich weiter hinaus in die Höhe erstreckt. Doch ich fühle mich eher wie das Wasser vor mir hin- und hergerissen. Ich laufe weiter, zu meinem Glück ist weit und breit niemand zu sehen. Der Wind weht meine Haare ins Landesinnere, ich bilde mir ein, dass er mir sagt, ich solle zurück.
Irgendwo setze ich mich hin, mein Blick auf die Muschel gerichtet, die immer wieder umspielt wird. Ich hatte ein Leben mir aufgebaut und jetzt ist alles wieder zunichte, seinetwegen, weil ich der Katze in mir Gehör geschenkt habe und damit mich verletzlich geworden bin.
Es knirscht hinter mir. Nikas Duft ist stark und meine Katze will hinaus, sie gibt ihr die Schuld an allem. Vielleicht stimmt das, aber er ist genauso schuld.
Sie nimmt neben mir Platz. Ich frage mich, wie sie mich finden konnten. Dann wird mir klar, dass sie mir nie vertraut haben, niemand von ihnen. Die lachenden Worte von Kami kommen mir in den Kopf. „Eine Gestaltenwandlerin und ein Jäger!“ Jetzt verstehe ich, warum das so amüsant für sie war.
„Du hast recht“, eröffnet sie mir.
Ich runzel meine Stirn. „Ach ja?“
„Im Grunde bin ich eine Schlampe. Ich schlafe mit einem Mann, den ich mal geliebt habe, weil ich an den, den mein Herz gehört nicht ran kann. Aber ich habe nie mit Cosmo gespielt.“
„Ach ja?“, wiederhole ich.
„Mann, Ariel ich weiß, dass wir nie beste Freunde werden, aber statt meine Freunde zu verteidigen, sitze ich hier für meinen besten Freund, den ich wirklich wie ein Bruder liebe und versuche mit dir auszukommen.“
„Ich werde nicht zurückkommen“, gebe ich fest von mir. Auch, wenn es uns verletzt, dass er anscheinend traurig ist. Ich stehe auf. „Niemals gebe ich mich damit zu Frieden, einen Platz zu haben, wo er lieber jemand anderes hätte.“
„Das ist schon lang nicht mehr so.“
„Sicherlich“, knurre ich.
„Für mich hätte er das nicht aufgegeben, aber seit er von dir weg ist, sagt er das.“
„Er würde dich nie verlassen.“ Ich wende mich ab und wische mir die Träne ab.
„Doch, das tut er.“
Ich schüttel meinen Kopf. „Selbst wenn, er dies angeblich macht, seine Gefühle, ändern sich nicht.“
„Er ist als Mensch geboren, sein Weg ist nicht vorgeschrieben.“
„Ah verstehe, darum willst du mich zurückholen.“
„Nein, nicht zurück nur zu ihm.“
Ich blicke zu ihr. „Wo soll der Unterschied sein?“
„Der Rat hat gegen dich gestimmt, er hat seine Kündigung eingereicht. Sicher hast du Rubias Stimme gehabt und auch deswegen Marlons, auch Damian ist für euch gewesen und seine Argumente haben mich fast überzeugt. Aber ich werde nie jemanden wie dich freiwillig eine wichtige Aufgabe geben. Also stand, ich gehe, oder sie lehnen dich ab.“ Ich brauche gerade all meine Kraft, meine Katze nicht freizulassen. „Wie gesagt wir werden nie Freunde, nicht mal, wenn du mich zu Zayn führen könntest. Aber Cosmo hat sich in dich verliebt und darum bin ich hier.“
„Und genau das kann ich nicht glauben.“
„Damian lebt noch, dein Christo nicht.“
Das Zucken meiner Mundwinkel lässt sich nicht unterdrücken.„Lachhaftes Argument.“
Sie erhebt sich ebenfalls. „Cosmo hat alles hingenommen, den Korb, den ich ihn gab, das ich Zayn ihm vorzog, das ich mich in Gefahr gebracht habe, selbst, das ich lieber sterben würde, als ohne Zayn weiterzuleben, und dann das mit Damian. Aber für dich hat er gekündigt, jemanden getötet und …“
„Und?“
Sie atmet tief durch. „Ich muss mit dir reden, ansonsten wird er die Freundschaft beenden. Oder denkst du, ich bin wirklich freiwillig hier?“
„Du denkst wirklich, das du besser bist als ich?“
„Ja, den ich …“
„Sag nicht, du bist ein Mensch, das bist du genauso wenig wie ich.“
„Jemand Gutes, will ich sagen.“
„Du bringst ständig Wesen um, die ist es egal, ob sie was gemacht haben oder nicht. Verletzt deine Freunde, spielst mit Gefühlen und bist überheblich. Nika du bist alles, aber definitiv nicht Gut!“
„Ach du hast niemanden umgebracht?“
„Vampire, weil sie Cosmo und Sara etwas antun wollten. Tiere, weil ich Hunger hatte und in Tonnen nichts gefunden habe. Die einzige Person, die wir verletzten wollten, bist du und bis auf sechs Krallenlöcher geht es dir blendend.“
„Wäre ich noch am Leben, wenn Damian nichts gesagt hätte?“
Diese Frage ist berechtigt. Meine Katze und ich wir waren wütend, wirklich wütend, aber wäre ich in Stande gewesen, sie umzubringen. „Ja“, sage ich dann, „verletzt garantiert, aber mehr nicht.“
Ungläubig starrt sie mich an. „Als wenn du es unter Kontrolle hast.“
„Du lebst doch noch, oder?“ Ich zeige nach links und rechts. „Niemand ist hier, niemand, der uns aufhalten würde.“ Einen großen Schritt mache ich auf sie zu. „Wir sind wütend auf dich, so sehr. Ja, sie will dich leblos zwischen ihren Zähnen spüren, aber ich stehe hier und rede. Also denke was du willst, aber unterstelle mir nicht, weil ich anders bin, dass ich schlechter bin.“
Sie starrt mich wütend an. Ihre Bewegung mit der rechten Hand hinter dem Rücken, bleibt mir nicht verborgen, sollte sie mich erschießen, sehe ich es nur als Beweis an. Doch sie hat es sich anders überlegt, ihre Faust trifft mich am Kinn. „Du bist ein Scheiß Tier!“
Dem nächsten Schlag kann ich ausweichen. „Lieber ein Tier, als ein menschlicher Abschaum!“
Immer wieder schlägt sie zu, manchmal trifft sie und wir beleidigen uns gegenseitig, bis sie vermutlich nicht mehr kann und doch ihre Waffe auf mich richtet. „Grüß deinen Christo von mir!“ Sie entsichert. „Noch etwas zu sagen?“
„Behandle Cosmo gut, er hat es verdient.“
Sie presst ihr Kiefer aufeinander. „Tu nicht so scheinheilig. Er ist dir doch egal!“
„Nein. Nur, weil die Einzige für ihn sein will, heißt das nicht, dass ich nicht sehe, wie toll er ist.“ Mein Handrücken geht über die offene Lippe. „Du hast recht. Ich bin viel mehr Tier als Mensch, aber für mich ist das, was er mir gab, das schönste. Ich will das nicht teilen, oder das Gefühl haben, das er mich im Arm hat und an eine andere denkt.“
„Aber das tut er doch nicht.“
„Du wirst immer seine Nummer eins sein. Das ist mir klar geworden, darum ist es mir egal, dass du mich erschießt oder nicht.“
Sie senkt ihre Hand. „Cosmo …“ Sie flucht und atmet tief durch. „Okay. Eigentlich ist es nicht meine Aufgabe, aber es gibt einen Grund, warum er sich verändert hat und ich auch dagegen bin, dass er besser gesagt du bei uns bist.“
„Und der wäre?“, frage ich spöttisch.
„Er verändert sich.“ Ich runzel meine Stirn. „Er hat sich dein Blut injiziert, um schneller zu heilen, ein alter Trick. Deine Sara kennt es anscheinend auch, denn sie hat ihn damit behandelt. Was sie und wir anscheinend nicht wussten, dass es mit der Infektion der Vampire zusammen arbeitet, nein es ist Macht es stärker.“
„Was willst du mir sagen?“
„Hast du dich nicht gewundert, dass er jetzt schon wieder laufen kann?“
„Ich habe darüber nicht nachgedacht.“ Ich schüttel meinem Kopf. „Ich hätte es gerochen, wenn er sich verändert hat.“
„Nein, weil es dein Blut ist dein Geruch.“
„Du willst mir weiß machen, das er sich in einen Gestaltenwandler verwandelt?“
„Ich weiß es nicht und es macht mir Angst. Cosmo war der liebste Mensch, den ich kannte, und jetzt bringt er jemanden um, weil er eifersüchtig ist.“
Wir sind in Zwiespalt, sollen wir ihr es abkaufen? Diese Reaktion passt zu einer Katze. Christo hat ihm auch gedroht. Aber wie will er zu meinem Blut gekommen sein? Bei Sara kann ich mir das Vorstellen. Sie hat mir es abgenommen und von einer befreundeten Ärztin lagern lassen. Zur Vorsicht hat sie mir damals gesagt. Wusste sie, wenn es stimmt, was sie ihm antut? Hat sie es getan, dass ich mich binde, oder erst danach? Fühlt sich deswegen meine Katze so wohl bei ihm? Hatte Christo vielleicht recht, gehörte sie zu ihm? „Ich weiß nicht, was ich sagen soll.“
„Ihm tut es leid, dass er dir weh getan hat. Die Verwandlung nimmt ihn doch mehr mit als vermutet.“ Sie atmet tief durch. „Ohne dich schafft er es nicht.“
Ich will etwas sagen, aber schon der erste Ton von mir wird von einem schrecklichen Katzenschrei unterbrochen. Nika dreht sich erschrocken um. Wir verstehen und laufen los. Zwei Autos stehen hinter der Düne. Zwei Personen stehen an dem wimmernden Fellballen.
„Weg“, sage ich. Damian und der Blonde, glaube Marlon, gehen beiseite. Meine Hände greifen nach Cosmos Gesicht. „Atme ruhig, sieh mich an, gib ihn frei, er weiß, was er tut.“
„Es tut weh“, gibt er halb menschlich von sich.
Ich beuge mich vor. „Wir sind bei euch.“ Immer wieder schreit er, wenn ein weiterer Schub kommt. „Wehre dich nicht, lass ihn die Verwandlung übernehmen.“
„Sterben“, faucht er nun, kaum zu entziffern.
„Nein.“ Ich blicke zu dem Blonden. „Pass du kurz auf.“
„Was hast du vor?“ Ich stehe auf und ziehe Damian weg, ohne auf den anderen einzugehen.
„Was ist?“
„Er wird es nicht überleben, wenn er sich weiter so dagegen sträubt.“
Damian nickt. „Und?“
„Wir müssen mir Blut abnehmen, wir brauchen Wolfswurz und etwas wo den menschlichen Geist lähmt, aber nicht den Körper.“
„Das weißt du woher?“
„Da mein Blut laut …“ Ich atme tief durch, ihren Namen zu nennen, ohne wütend zu werden, kostet sehr viel Kraft. „Nika ihn verwandelt hat. Wolfswurz ist ein Kraut, was unseren Geist befreit und mehr mit der Katze verbindet.“
„Wir sind mitten im Nirgendwo, wie soll ich es finden? Und woher …“
„Lüge nicht, ihr habt es im Auto.“
„Langsam bist du nervig und du machst mir Angst.“
Ich nicke und will zurück, aber er hält mich fest. „FASS MICH NICHT AN!“
„Ruhig Blut.“ Trotzdem bleibt seine Finger, wo sie sind. „Wird er es dann schaffen?“
„Ich hoffe es.“
Er lässt mich los. „Aber es hilft ihm?“
„Ja.“
„Was ist?“, will Nika wissen, die zu uns kommt.
Ich antworte ihr nicht und gehe zu Cosmo.
„Er glüht, ist das normal?“, fragt der Blonde.
„Ich bin keine Ärztin. Ich wusste nicht mal, dass dies funktioniert.“ Im Schneidersitz setze ich mich an Cosmos Kopf, lege ihn auf mein Bein. Damian kommt und bindet meinen Arm ab.
„Was macht ihr?“, will er nun wissen.
Damian sticht zu. „Sie sagt, das hilft.“
„Mein Blut soll das ausgelöst haben, dann wird es ihm helfen“, erkläre ich.
„Nicht“, keucht Cosmo. Seine Hand bekommt Fell. Ist das vielleicht die Lösung? Vorsichtig lege ich ihn wieder beiseite.
Verwirrt nimmt Damian Abstand. „Du hast da …“ Ich ziehe die Nadel hinaus und gebe sie ihm. Nika hat ihre Stirn gerunzelt. Kräftig schubse ich sie.
„Bist du wahnsinnig geworden?“, fragt sie mich.
„Du bist doch an allem schuld“, fauche ich sie an und schubse sie erneut.
„Ariel, das kannst du später regeln“, ruft Damian.
Doch ich balle meine Faust und schlage sie. Keuchend hält sie ihren Bauch. „Was soll das?“
„Er wird sterben und du bist schuld!“
„Ich?“ Sie richtet sich auf. „Ist das mein Blut oder deins gewesen, du Bestie!“ Wie schon am Strand gibt sich ein Wort das andere. Doch dieses Mal lasse ich meine Katze frei. Nika weiß, dass sie jetzt keine Chance mehr hat und zieht ihre Pistole. „Ich habe dich gewarnt“, keucht sie. Ich fauche sie an. Stärker ist aber der Brüller hinter mir. Ein Schatten springt über mich und droht ihr.
Ich verwandle mich zurück. „Cosmo“, gebe ich erleichtert von mir. Ich ziehe an seinem Schwanz. Sein goldbraunes Fell glänzt im Sonnenlicht. Er blickt zu mir. „Du hast es geschafft“, gebe ich überglücklich von mir, krabbel zu ihm und umarme ihn. „Du hast es geschafft“, wiederhole ich. Die Tränen rennen über meine Wange.
„Du Biest“, meint Damian.
Ich streiche meinem Puma über den Kopf. „Alles wird gut, das Schwerste hast du geschafft.“ Er schleckt mir über das Gesicht.
„Das war geplant?“, will der Blonde wissen.
„Danke, dass ich eingeweiht werde“, grummelt Nika. Worauf Cosmo knurrt.
„Es musste sein.“ Statt zu erklären, würde ich lieber mit ihm durch den Wald jagen. „Ja, es war ein Risiko, aber als seine Katze reagiert hat, weil Damian mich gestochen hat, hatte ich gedacht, das dies hilft. Hätte ich jemanden eingeweiht, wäre der Effekt nicht der Gleiche gewesen. Es musste Real wirken. Sicherlich hätte es vermutlich schneller funktioniert, wenn ich mich einen Mann zugewandt hätte, aber ich glaube nicht, dass sein Kater sich dann beherrscht hätte.“ Wieder zieht er seine Zunge über mein Gesicht. „Und jetzt entschuldigt, wir müssen ihn auspowern.“
„Was?“, frage Nika, aber mich interessiert es nicht. Ich verwandle mich bei der Drehung und laufe los. Cosmo nimmt die Verfolgung auf. Wir laufen immer weiter den Strand entlang. Als das Gebirge beginnt, klettern wir höher. Ich finde eine Höhle und lege mich dahin. Er braucht etwas, bis er mich erreicht hat. Verspielt beißt er mir ins Ohr. Seine Zunge streift über meinen Hals.
„Lass das“, gebe ich lachend von mir, als ich wieder Mensch bin. Ich lege meinen Kopf an seinen. „Du hast mich gedemütigt. Mich unter sie gestellt, ihre Ehre war dir wichtiger als ich.“ Er fiepst leicht. Ich kraule ihn und er schmiegt sich schnurrend an. Nie wieder wird jemand wichtiger sein als ich.

Zwei wochenlang streifen wir durch das Gebirge, üben die Verwandlungen und reden viel. So wie ich mich an die menschliche Zuneigung gewöhnen muss, so muss er es dies auf das Animalische lernen. An der Stelle, wo wir seine Freunde haben stehen lassen, ist einsam und verlassen ein Jeep. Er greift über das rechte Vorderreifen und zieht einen Schlüssel heraus. Von mir aus könnte er ruhig weiter ohne Kleidung herumlaufen.
„Lass das“, sagt er, als er den Kofferraum aufmacht.
„Ich mach doch gar nichts.“ Ich lege meine Arme um ihn und küsse sein Schulterblatt.
„Klar“, gibt er lachend von sich. Er macht den Reißverschluss einer Tasche auf. „Hier.“ In seiner Hand befindet sich ein Shirt. Bevor ich es ihm abnehme, beiße ich in seinem Hals. „Hey“, schnurrt er und dreht sich um. Er fährt mit seiner Zunge über meine Lippen. „Was du kannst meine Liebe, kann ich auch.“
„Ach wirklich.“ Ich will ihn küssen, aber wir beide wenden uns um, ein ekelhafter Geruch weht der Wind zu uns.
„Bleib du hier“, befiehlt er und läuft in seiner Pumagestalt los. Ich verdrehe meine Augen, das muss ich ihm noch austreiben. Dieser Beschützerinstinkt, den er hat, ist stärker, seit er ein Gestaltenwandler geworden ist. Langsam folge ich ihm. Leichen liegen in einer Grube. Er mustert sie.
„Was denkst du, wer das ist?“
„Keine Ahnung. Der Geruch ist mir neu, weißt du, was ihnen passiert ist?“
„Banshee, aber das ist untypisch für sie.“
„Laut meines Wissens, sind sie doch Feen des Todes.“
„Diese Menschen sind aber gesund.“ Ich sehe mich um, strecke meine Nase in die Luft, riechen tue ich nichts. Als ich mich an ihn wende, hat er immer noch die Stirn gekräuselt. „Sie erscheinen nur bei Menschen, die in der nächsten Zeit sterben würden. Krebs oder so etwas. Den Unterschied riechst du dann auch.“
Wie immer, wenn er überlegt, spielt er mit der Zunge in der Innenwand. „Was könnte das bedeuten?“
„Sie kann gerufen worden sein, als Warnung, für dich, weil dein Wagen da steht.“
„Okay.“ Er mustert den Haufen der Leichen. „Ich bringe dich in ein Hotel und dann such ich mal die Gegend ab.“
Ich gebe ihm einen Kuss. „Das wird nichts. Weder lasse ich dich allein, noch wirst du sie finden.“
„Du bist keine Jägerin.“
„Du auch nicht mehr.“ Ich greife nach seinem Kinn. „Wir gehören einander, ich kämpfe für dich und du für mich.“
„Ich will nicht, dass du in Gefahr bist.“ Grob drückt er seine Lippen auf meine.
„Ich gehe trotzdem mit“, hauche ich dagegen und schlinge meine Arme um ihn. Er hebt mich hoch. Meine Beine lege ich um seine Hüfte. Ich greife in seinen schwarzen Locken und ziehe seinen Kopf nach hinten. „Komm damit klar, mein Schmusekätzchen“, schnurre ich und lecke seine Haut, lockere meinen Griff.
„Du bist verrückt, versaut und ekelig.“ Er lacht und läuft los, Richtung Auto.
„Ekelig?“, will ich wissen.
„Da sind Leichen.“
„Ach jetzt macht es dir etwas aus.“
Er lacht. „Das war unsere Beute und ich war voller Adrenalin.“
„Mensch oder Tier, totes Fleisch, ist totes Fleisch.“
„Sehe ich etwas anders.“ Er gibt mir einen Kuss. Ich zucke mit den Schultern, wenn er meint.

Ein Motel ist stinkig und ich hasse es. „Oh Gott“, keucht Cosmo, als er die Tür öffnet und der Geruch von Desinfektionsmitte, Alkohol, Blut, Erbrochenen entgegen schwingt.
„Du wolltest hier her“, sage ich und lehne mich an die Wand.
„Wir müssen die anderen kontaktieren.“ Ich verdrehe die Augen. „Süße die Leichen waren zu weit weg vom Auto, in gegensätzlicher Richtung von unseren Bergen, also kann es nichts mit mir zu tun haben. Daher muss da was vor sich gehen.“
„Einmal Jäger immer Jäger“, seufze ich.
Er beugt sich zu mir. „Dafür wollt ihr uns doch auch.“ Bevor ich antworten kann, gibt er mir einen Kuss. „Leugnen zwecklos.“ Sein Blick geht wieder in das Zimmer. „Aber wie bekommen wir den Geruch da raus?“
„Lass mich machen.“ Es riecht zwar immer noch, aber es ist für uns angenehmer. Ich ziehe vor der Tür Luft ein und halte den Atem an. Beim Hineinrennen, ziehe ich mir die Kleidung aus und springe unter die Dusche, verwandel mich in eine Katze. Mit einem Satz und etwas schütteln, spritze ich alles nass. Cosmo kommt lachend auf mich zu und zieht sich ebenfalls aus.

Gut drei Stunden später betreten der Blonde und Damian unser Zimmer. „Du siehst gut aus“, sagt der Blonde zu Cosmo. Dann wendet er sich an mich. „Wir wurden uns nie vorgestellt.“
„Muss auch nicht sein“, knurre ich.
„Ariel“, seufzt Cosmo.
„Was den?“
„Entschuldige Marlon, sie ist nachtragend.“
„Katze halt“, sagt Damian und setzt sich auf den einzigen Stuhl in diesem Zimmer. „Also was ist los?“
„Eine Banshee, also laut Ariel, sie hat es gerochen, ich bin mit den ganzen noch nicht vertraut, daher …“ Er nimmt meine Hand. „Aber ich vertraue ihr und ihrer Nase.“
„Gut dann“, beginnt Marlon, „werdet ihr hierbleiben, wir schauen nach diesem Grab.“
„Marlon, es ist mein Fall“, widerspricht Cosmo.
„Du bist aber kein Jäger mehr.“
„Weil ich Feiglinge euch habt drohen lassen“, fauche ich.
„Beruhig dich“, flüstert Cosmo mir zu und zieht mich zu sich.
„Ich lasse es mir nichts wegnehmen“, knurre ich.
„Wie das Kätzchen auf einmal zeigen kann, das sie Krallen hat“, spottet Damian.
„So kommen wir aber nicht weiter“, gibt Marlon von sich und lehnt sich an die Wand.
„Aber im Grunde hat sie recht.“ Damian steht auf. „Ihr habt euch feige hinter Nikas Ansage verkrochen. Ich habe gesagt, dass sie eine Bereicherung ist. Ihre Nase und ihr Gespür sind der Wahnsinn.“
„Pass auf, von wem du hier gerade schwärmst“, brummt Cosmo.
„Komm runter Cosmo …“ Den Rest bekomme ich nicht mit, deutlich ist der Geruch der Fee zu riechen. Ich lasse Cosmo los und öffne die Tür, ich suche den Himmel ab, der Duft wird schwächer. Ich ziehe mich aus und laufe los. Meinen Namen höre ich von den Männern, von zwei oder drei kann ich gerade nicht sagen. Aber das Schnauben eines Pumas bekomme ich mit. Meine Aufmerksamkeit gilt aber den verschleierten Punkt, für die Menschen bestimmt nur eine komische Wolke, wenn sie nicht so riechen würde, bestimmt für mich auch. Eine hohe Mauer umgibt ein großes Haus. Mit einem Satz bin ich auf den Steinen.
„Ariel komm da herunter“, höre ich Cosmo.
„Sie ist da rein!“
„Du kannst da so oder so nicht hinein.“
„Denkst du, ich bin blöd?“
„Wir brauchen einen Plan, bitte.“ Seufzend springe ich wieder hinunter. „Danke.“
Ein Auto quietscht neben uns. Damian und dieser Marlon steigen aus. „Was war das bitte?“, schnauzt mich der Letztere an.
„Ist sie da drin?“, will Damian wissen.
„Ja.“
„Wir gehen rein.“
Ich lache auf. „Und dann?“
„Hast du einen besseren Plan?“
„Komm mit“, flüstere ich Cosmo zu und gebe ihm einen Kuss.
„Ariel, so geht das nicht“, brummt nun Marlon. Aber es ist mir egal. Wieder springe ich als Katze hinauf und laufe weiter, erst als ich eine offene Balkontür entdecke, springe ich auf das Geländer und verwandel mich zurück. Urin, Fäkalien und Schweiß ist stark, ganz leicht nur noch das Desinfektionsmittel. Nichts anderes kenne ich von Altenheimen. Aber da muss ich durch.
„Wie kannst du in diesem Gestank noch etwas anderes wittern?“, keucht Cosmo. Tue ich nicht, darum laufe ich weiter. Die Frau, der dieses Zimmer gehört, schläft. Sie ist sediert. Am Kleiderschrank ziehe ich mir ein Kleid heraus. „Und ich?“
„Warte hier.“
„Ariel“, höre ich ihn knurren. Ihm gefällt es nicht, aber da muss er durch. Der Blick in den Flur erleichtert mich. Ich schleiche an den Türen entlang. Männlich und schlafend, das ist mein Ziel. Hier auf der Etage sind alle bettlägerig und daher habe ich schon bei der zweiten Tür Erfolg. Ich greife Jogginghose und ein Shirt. Eilig schleiche ich zurück. Es schlabbert an seinen Hüften, mindestens fünf Nummern zu groß. Es sieht witzig aus.
„Lach nicht.“
Ich will gerade wieder auf den Flur, als ich jemanden dort laufen sehe. Ein bulliger Mann. Sein Geruch kommt zu mir. Panisch schließe ich die Tür.
„Was ist los?“
„Garusta!“
„Gar was?“ Ich hebe ihm den Mund zu und lausche. Aber es geht in ein anderes Zimmer. Aber jetzt gibt alles einen Sinn. Ich nicke zum Fenster. Das Kleid ziehe ich aus und binde es mir um die Hüfte. Dessen Nase ist nicht die beste, aber einen Puma würde es bei der Kleidung riechen. Cosmos folgt meinem Beispiel und wir beide springen wieder auf die Mauer und rennen zu den beiden Wartenden.
„Und?“
„Ein Garusta, er befiehlt die Banshee.“
„Süße, was ist dieses Garusta?“
Und das wollen Jäger sein. „Wie es ganz zustande kam, habe ich keine Ahnung, aber es ist eine Mischung aus Gargoyl und Gestaltenwandler. Sie ernähren sich von Gehirnen.“
„Würde passen“, meint Marlon. Ich runzel die Stirn. „Wir haben recherchiert, also ihr diese Kamikazeaktion gemacht habt. Die Menschen am Strand waren alle junge Erwachsene und auf einer Party. Ihnen allen fehlt das Hirn.“
„Es braucht die Banshee, um sie zu betäuben, und dafür bezahlt er sie mit der Lebensenergie der alten Menschen“, ergänze ich.
„Wie kann man es töten?“, will Cosmo wissen.
„Nur in dieser Form, sobald er in Stein geht, ist er unbesiegbar.“
„Kann man ihn fangen?“, will Marlon wissen.
„Nicht IHN, ES!“ Ich blicke zu dem Haus. „Ja.“ Mich überkommen Gewissensbisse. Im Grunde verrate ich meine eigene Art.
„Tue es für mich.“
Mein Blick geht zu Cosmo. Er ist ein Jäger, dachte ich wirklich, dass ich davon verschont bleibe? Seufzend nicke ich. „Mann kann es nicht verletzen, wenn es in Stein ist. Aber dadurch wird es eben Stein. Nichts mit wegrennen oder sich bewegen.“
Der Geruch der Banshee kommt wieder zu mir. Sie fliegt hoch über uns.
„Und ihr wollt darauf verzichten“, gibt Damian von sich.
„Du sagtest schon, das ihr Wissen uns bereichern würde. Aber denk doch an vorhin, sie würden auffallen, spätestens, wenn sie sich zurückverwandeln, werden nackte Menschen nun mal beachtet.“
Ich lache auf. „Das ist dein einziges Problem?“
„Es …“ Das Handy von Damian unterbricht diesen Marlon.
„Neo, was gibt es?“ Sein Blick geht zu mir, sein Geruch ändert sich.
Neo? Meint er Neomi. Sara! „Nein“, schreie ich. Cosmo will mich festhalten, aber ich kann nicht, Sara muss etwas passiert sein. Ich renne los.

Cosmo und ich kommen fünf Tage später an dem Diner an, der einst Arbeit und Zuflucht war. Der Geruch von Tod ist noch immer stark. Das Blut von Sara ist verteilt. Eine Note bleibt mir nicht verborgen. Der Engel und Neomi stehen an der Durchreiche und sehen uns traurig an.
„Was ist passiert?“, fragt Cosmo. Ich will es nicht wissen, aber ich muss.
„Wir wissen es nicht genau“, höre ich ihre Stimme.
„Ihr lügt“, gebe ich von mir.
„Das ist der falsche Pfad“, sagt der Engel. „Du kannst ihm nichts anhaben.“
„Von was redet ihr?“, will seine Freundin wissen.
„Michael rächt sich, weil ich weiß, dass er ihr Leben absichtlich ruiniert hat. Zayn lebt und jetzt werde ich ihn finden.“
„Ich verstehe nichts“, sagt sie.
Cosmo nimmt mich in den Arm. „Lass uns Sara verabschieden und dann werden wir ihn finden.“
„Er wird tot sein, bis ihr ihn erreicht“, wirft der Engel ein.
„Du hast keine Ahnung, wie er tickt und was vor sich geht!“ Er will widersprechen. „Die Linie kann nur sterben, wenn sie sich selber das Leben nehmen! Das ist ihr Schicksal seit Anbeginn der Zeit.“
„Verfickte Scheiße, von was redet ihr?“, brüllt jetzt sie ungehalten.
„Du weißt das Nika und Zayn von Kain und Abel abstammen“, beginnt Cosmo, die Erklärung. Sie nickt. „Es gibt eine Prophezeiung.“
Ich kralle mich in seinen Arm. „Das ist es!“ Sie runzeln die Stirn. „Das Kind Gottes!“
„Warte langsam ich kann deinen Gedanken nicht folgen“, sagt der Engel.
„Der Fluch wird gebrochen, wenn sie ein Kind bekommen.“
„Dann ist die Prophezeiung falsch übersetzt worden“, meint er dann leise.
„Nur falsch interpretiert. Nika ist ein Nephalem.“ Mir kommt ein Gedanke. „War Raphael oder Gabriel auch Vater eines Kindes?“
„Das wurde nie bestätigt.“ Er nickt langsam. „Aber es könnte passen.“
„Ich kann keine Gedanken lesen, du Cosmo?“, brummt Neomi.
„Zwei Nephalem, die ein Kind bekommen, wird ein Engel daraus, da das Gen stärker ist, daher …“
„Ein Kind Gottes“, beendet Cosmo meinen Satz, „mit der Macht der Linien, unsterblich und unantastbar. Kein Wunder, das dies Michael verhindern will.“
„Aber wie wollt ihr Zayn finden?“, fragt Neomi.
„Michael will mir angst machen, weil ich es kann.“
Der Engel lächelt. „Erkenne dein Erbe an.“
„Das wird mir langsam echt zu viel, um was geht es jetzt schon wieder?“, zischt ungehalten Neomi.
Ich blicke zu Cosmo und sehr träge kommen meine Gedanken in Gang, aber nach und nach ergibt es ein Netz. „Darum wurde ich da ausgesetzt!“
„Jetzt verstehe ich nichts“, gibt jetzt mein Kater von sich.
„Bastet und euer Gott …“ Ich wende mich an den Engel. „Warum hast du nichts gesagt, du hast die Gabe, du wusstest was passiert!“
„Nur in Zusammenhang von Nika und da sah ich, bis mir es genommen wurde und immer nur, dass er sie umbringt.“
„Was aber nicht geht.“
„Das wusste ich nicht. Ich gebe meine Gabe, sollte ich lügen.“
„Bitte lass ihn lügen“, seufzt Neomi. Er blickt mit gerunzelter Stirn zu ihr. „Was den, es nervt, dass du ständig die Gedanken liest.“ Lachend küsst er sie.
„Okay, also das ist, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, alles geplant gewesen“, hinterfragt Cosmo.
„Gott muss gewusst haben, dass Michael seinen Plan nicht zulassen wird, und brauchte jemanden, den er vertrauen kann, aber nicht zu seinem Gefolge gehört. Anders kann ich mir nicht vorstellen“, vermutet der Engel.
„Aber warum eine Gestaltwandlerin?“
„Ey cool ich kapiere was vor ihm“, freut sich Neomi, „Weil die nichts mit dem Gefolge zu tun haben. Dämonen laufen unter Luzifer, somit unter einem Engel. Aber ihre Art, ist allein unter Bastet, dadurch, dass du dich verwandelt hast, hast du, dich den Engeln entzogen und das hat Michael mitbekommen und das hier angerichtet.“ Sie zeigt auf Saras Blut.
„Das wusste ich doch nicht, wie oft haben wir uns ihr Blut verabreicht und nichts ist geschehen.“
„Na ja, weil das Mischlinge sind, verunreinigt, aber Ariel ist die Tochter von Bastet, absolut vollkommen“, kommt von dem Engel. Ich keuche. „Ja, du bist eine Göttin.“ Immer habe ich mich gefragt, warum ich so anders bin, jetzt endlich weiß ich es.
„Also ist das auch nicht normal?“
„Nur sie kann das. Vermutlich war das für dich geplant, aber durch ein Biss und sehr viel später.“
„Siehst du, wir gehören zusammen“, hauchte Cosmo mir zu und bringt mich damit zum Schnurren.
„Okay ist das jetzt alles, oder gibt es noch etwas zu bereden?“
Mein Blick geht zu Neomi. „Seid vorsichtig.“
Sie hebt ein Messer in die Höhe. „Soll er kommen.“
„Wir sind vorsichtig“, stimmt der Engel ihr zu.
„Dann lass uns zum Grab“, befiehlt Cosmo und schiebt mich aus dem Diner.

Am Friedhofstor stockt Cosmo. „Ich bin hier, wenn du mich brauchst.“
Kurz lächle ich ihn dankend zu. Der Geruch nach frischer Erde führt mich zu dem Grab von Sara. Jeder Schritt auf dem kalten Kies fühlt sich gerade an, wie auf Glassplittern zu laufen. Ja, dieses Gefühl kenne ich wirklich. Ich beiße mir auf meine bebende Lippe. Schwer kann ich die Tränen zurückhalten. Mein Herz schmerzt so sehr. Der einzige Mensch, der mich nie verurteilt hat, der für mich da gewesen ist, liegt nun hier, meinetwegen, weil ich meinem Herz gefolgt bin und nicht ihr zur Seite stand. Ich habe mein Versprechen gebrochen.
„Kannst du mir das je verzeihen?“, frage ich den Stein mit ihrem Namen und fahre mit den Fingern darüber. Ich kann es mir selber nicht. Ich rolle mich zusammen und verwandel mich. Qualvoll maunze ich.
Cosmos Geruch hüllt mich ein, als er näher kommt. Er nimmt neben mir Platz, seine Finger gehen durch mein Fell. „Wir werden uns rechen.“ Er stupst mich an mein Ohr. „Ich bin bei dir.“ So oft habe ich die Menschen beobachtet, wie sie an Gräbern sitzen und weinen. Nie habe ich verstanden, wie dies hier schmerzen kann. Jetzt weiß ich es und ich will es nie wieder fühlen.
Ich habe die Zeit verstreichen lassen, er ist bei mir, bis meine Tränen versiegen. Auch als ich nur noch schluchze, drängt er mich nicht, zu gehen. Die Nacht verbringen wir an ihrem Grab. Schwer kann ich mich lösen.

Schritte lassen uns aufsehen. Der Engel und Neomi kommen zu uns. „Es ist Zeit, die anderen kommen“, sagt der Engel.
Ich blicke zu Cosmo. Er steht auf. „Wir kommen nach.“
„Es tut mir leid, aber das hat keine Zeit.“
Neomi kniet sich zu mir. „Sie kommen und schenken dir Gehör. Nichts auf der Welt kann Sara wiederbeleben, aber du kannst dich rächen und uns helfen.“
Cosmo will sie angehen, aber ich verwandele mich zurück. „Warum sollte ich euch helfen?“ Ich balle meine Faust. „Ihr habt nicht auf sie aufgepasst, obwohl ihr es versprochen habt. Ihr wolltet mich nicht nur einmal tot sehen. Ihr habt uns ausgeschlossen.“
„Ariel“, sagt leise Cosmo und zieht mich in seine Arme. „Ich verstehe deinen Kummer, aber denkst du wirklich, sie hätten etwas gegen Michael ausrichten können?“ Ich will mein Gesicht abwenden. „Es macht die Sache nicht besser, wenn du anderen die Schuld gibst.“ Er hebt mein Kinn fest. „Der Einzige, der wirklich daran Schuld ist, ist dieser Erzengel. Ich weiß, du brachst die Jäger nicht. Aber sie sind meine Sara.“
„Ich hasse es, wenn du das tust.“
„Nein, meine Süße.“ Er küsst mich. „Lass uns Michael in den Arsch treten.“
Ich nicke.

In meiner Wohnung nehme ich Kleidung und Geld mit. Neomi und der Engel haben über Nacht dem Diner geputzt, trotzdem rieche ich noch das Massaker, was der Erzengel mit Sara angestellt hat. Die Scheiben haben sie verschleiert, mit Mehl und Wasser. Die Lichter der Karawane an Autos strahlen hell ins Innere. Wie eine dressierte Nummer, parken sie davor, blinken auf und erlöschen. Selbst das Zuknallen der Türen wirkt so. Das Klingeln der Glocke der Tür bedeutet ihren Eintritt. Jäger Schlängeln sich im Halbkreis um uns. In meinem Kopf sind sie dressierte Pinguine inklusive der Zirkusmelodie. Am liebsten würde ich lachen.

Der Blonde macht einen Schritt auf uns zu. Ich sehe ihm an, dass er nach Worten sucht. Nika holt tief Luft. „Entschuldige.“
„Wir stehen in deiner Schuld, wir haben dir unrecht getan“, sagt er dann und reicht mir die Hand. „Es tut mir leid Ariel.“
Ich blicke zu Cosmo, er nickt mir leicht zu. „In Ordnung.“ Ich wende mich ab und geh in die Küche. Hier sieht alles so aus, als wenn ich nie Cosmo hier getroffen hätte. Was sich alles in einem Monat ändern kann, ist der Wahnsinn. Meine Finger krallen sich in das Metall. Die Tränen kommen wir wieder hoch.
„Geht es dir gut?“, fragt er leise und streichelt meinen Rücken.
„Was ist, wenn er dir wehtun will.“
„Du bist bei mir.“ Er gibt mir einen Kuss. „Wir gehören zusammen.“
Ich lehne mich bei ihm an. „Noch so ein Verlust verkrafte ich nicht.“
„Musst du nicht, das verspreche ich dir.“
Nika kommt zu uns, sie räuspert sich. „Kann ich kurz mit Ariel allein reden?“
„Klar“, sagt er und geht an ihr vorbei. „Tust du ihr weh, bekommst du mit ärger, lass dir das gesagt sein.“
„Ich weiß.“ Sie blickt zu mir. „Dich in Kleidung zu sehen ist irgendwie komisch.“
Ich zucke mit den Schultern. „Was willst du?“
Sie hält mir ein Messer hin. „Das ist von Zayn.“ Sie seufzt, weil ich es nicht nehme, und legt es neben mich auf die Platte. „Ich weiß, das du es nicht für mich tust, sondern, weil er deiner Freundin weh getan hat, ich will Danke sagen.“
„Und?“
„Ich stehe, tief in deiner Schuld, durch dich Leben alle noch die ich Liebe und bekomme vielleicht meinen Mann wieder.“ Sie wischt sich über die Wange, der Salzgeruch verrät sie trotzdem. „Du machst Cosmo glücklich, auch dafür will ich mich bedanken.“ Sie atmet tief durch. „Du bist besser als ich.“
Ich starre sie mit großen Augen an, hat sie das gerade wirklich gesagt? „Warum?“
„Du bist eine Göttin“, sagt sie leicht lächelnd.
Ich runzel meine Stirn. „Ich habe nie gesagt, dass ich besser bin, und mein Gen macht es definitiv nicht dazu.“
„Aber das …“ Sie reibt sich die Lider. „Ist doch auch egal. Wer, was, wann gesagt hat, oder nicht? Wir sind jetzt in einem Team.“ Leider ja. Sie wendet sich ab.
„Dein Messer!“
„Nathanial sagt, dass du es brauchen wirst, um Zayn zu finden.“
„Ich bin keine Hexe, wie soll mir das helfen?“
„Es ist Zayns Rippe“, sagt sie, als wenn dann alles klar ist.
„Keine Ahnung, wie es mir helfen soll.“
Sie zuckt mit den Schultern. „Da musst du ihn schon selbst fragen.“
Ich verdrehe meine Augen und gehe wieder zu den anderen. „Wie soll mir das Messer helfen?“
Alle blicken zu dem Engel. „Er war bereits tot, als er es ihr gab.“
„Und du willst mir immer noch weiß machen, dass du euer Grundwissen nicht beherrscht.“
Er reibt sich die Lider. „Die Wege sind zu, was hätte ich machen sollen?“
„Die Wahrheit sagen“, schreit ihn Neomi an.
„Dass ich es richtig verstehe, Nathanial weiß es von Anfang an, das Zayn noch lebt?“, faucht Nika.
„Nicht von Anfang an, aber als mir klar wurde, dass du das zweite Messer von ihm hast, konnte ich eins und ein zusammen wählen.“ Nika schlägt zu. „Was hätte ich tun sollen?“
Immer mehr mischen sich ein schreien und dann brüllt Cosmo. Stille, nicht mal mehr Atem hört man. „Es reicht, wenn wir uns jetzt zerfleischen, bringt es Zayn nicht zu uns zurück.“ Er blickt zu mir. „Kannst du in den Himmel?“
„Nein nur mit einem Engel oder durch Gottes Hand.“
„Kannst du ihn rufen?“
Ich nicke langsam. „Wenn du es willst, tue ich das.“
„Nein“, ruft der Engel auf.
„Du gibst Ruhe“, geht Cosmo ihn an.
„Ariel, auch wenn du eine Göttin bist. Das ist dein Tod, tu es nicht“, wendet er sich an mich.
„Wenn er es will, werde ich es tun.“
„Nein, das will ich bestimmt nicht, du hättest es mir sagen müssen.“
„Hat sie dir im Grunde schon gesagt!“, mischt sich Damian ein. „Man kann alles rufen, was sich materialisieren kann, aber niemand ist so dumm es zu tun. Auch wenn sie von Michael und dem Tod sprach, ist klar, dass ein Gott ein größeres Opfer verlangt.“
„Sie wird es nicht tun“, brummt Cosmo zu Nika.
„Okay, wir sollten uns etwas anders überlegen“, sagt der blonde, sein Blick ruht auf mir. Denkt der, ich habe einen Masterplan in der Tasche. „Was weißt du alles.“
„Das kann dauern, ich setze einen Kaffee auf“, sagt Neomi und verschwindet in der Küche.

Es ist schon morgen, als ich mich neben Cosmo in mein Bett lege. Sanft streichelt er meinen Rücken. „Wie kannst du denken“, fängt er leise an, „das mir sein Leben wichtiger ist als deines.“ Den ganzen Abend hat er geschwiegen. Damian, der Engel und ich haben alles erzählt, was wir wissen.
„Du bist alles für mich und ich würde alles für dich tun.“
„Ohne dich bin ich nichts.“ Er drückt meine Schulter, dass ich mich auf den Rücken legen muss. „Wir zwei schaffen das.“ Er küsst meine Nase. Ob das wahr ist, bin ich mir nicht ganz sicher.

„Jetzt halt still“, motzt mich zum gefühlt millionsten Mal Neomi an. Sie hat einen Stoff besorgt, der stark dehnbar ist. Bin ich in Fell, gefällt es mir nicht. Aber mit einem, haben sie recht, als Puma fällt man auf, vollkommen nackt noch mehr. Spätestens als Nika da stand und Cosmo begutachtet hat und ich sie am liebsten umgebracht hätte, ist mir klar gewesen, mein Kater muss vor solchen, wie ihr geschützt werden. Er kann sich das Lachen gar nicht richtig verkneifen. Ihn möchte ich mal erleben, wenn ein Mann hier hereinkommen sollte. „Mann Ariel so wird das nichts!“
Ich atme tief durch. „Ich kann nichts dafür.“
Sie folgt meinem Blick. „Da ist nichts.“
„Sie riecht erregt.“
Neomi seufzt. „Ist das ein Wunder, er war damals schon nicht ohne, aber jetzt …“
„Hey“, knurre ich.
Schmunzelnd hält mir sie das nächste Stoffstück hin. „Und er?“
Erst will ich fragen, was sie meint, dann schüttel ich den Kopf. Sicherlich riecht er es auch, wenn nicht müsste seine Nase sehr verstopft sein. Trotzdem scheint es ihm egal zu sein. Sein Kopf wendet sich zu mir. „Was?“, frag ich.
„Das weißt du ganz genau.“
„Nein.“
Er kommt lachend zu mir. Seine Finger fahren leicht kratzend über meinen Po zum Rücken. „Ich weiß, deine Nase ist besser, aber deine Eifersucht würde ich vielleicht als Mensch noch riechen.“
„Das bezweifle ich.“
Sein Griff in meinem Haar wird fest. „Muss ich dir hier zeigen, wen wir willen?“ Die Zunge rau und heiß auf meinem Hals ist verführerisch.
„Ich gehe kotzen“, gibt Neomi von sich.
Ich wende mich ihm zu. „Wem willst du es beweisen, mir, dir oder ihr?“ Die Tür knallt zu.
„Willst du mich provozieren?“
„Warum?“
Er drückt mich an meinem Hintern zu sich. „Weil ich niemanden etwas beweisen muss, ich weiß, zu wem ich gehöre.“ Seine Zunge geht nun zwischen meinen Brüsten. „Weißt du es auch?“
„Ich liebe dich.“
Sein Blick wird animalisch. „Und wie wir dich wollen.“

„Es kratz“, grummel als der sogenannte Kampfanzug fertig ist.
„Du siehst da drin noch heiß aus“, schimpft Cosmo.
Ich blicke zu ihm. Er trägt nur eine Hose, während ich auch noch etwas über meinen Brüsten habe. Seine Muskeln kommen gut Geltung. „Ich finde, dir kann nichts schaden.“
Lasziv zieht er seine Mundwinkel hoch. „Dich hätte ich trotzdem lieber ohne.“ Er zieht mich am Bund zu sich und gibt mir einen Kuss. „Ich liebe dich Ariel. Mir sind andere egal und das hat nichts mit der Verwandlung zu tun.“
„Die Angst wird immer da sein.“
„Ich gebe dich nie wieder her.“ Er sieht zu Boden, doch dass er traurig ist, rieche ich. „Zumindest nicht freiwillig.“
Marlon klopft, sein Geruch hat ihn verraten. „Seid ihr so weit?“
„Es kratzt“, sage ich.
„Na, wenn du klauen aushältst, dann auch das.“
Cosmo lacht auf. „Wir kommen gleich.“ Er hält mich fest. Marlon entfernt sich, etwas nuschelt er vor sich hin, aber ich verstehe das nicht.
„Was ist?“, frage ich leise.
„Versprich mir, dass du vorsichtig bist und mich nie anlügst.“
„War ich je unehrlich zu dir?“
„Egal, versprich es mir.“
„Ich will bei dir sein, ich werde nichts tun, was dich verletzt oder das Leben kosten könnte.“
„Wenn das hier vorbei ist, will ich, dass wir beide in die Berge ziehen. Nur du und ich.“
Ich schlinge meine Arme um ihn. „Tausendmal ja!“
„Eigentlich hätte ich mit mehr widerstand gerechnet.“
„Warum?“
„Na, das ist Saras Diner, ich muss ihn am Leben erhalten.“
„Sara wollte, dass ich dich finde.“
„Und ich gebe dich nicht mehr her.“ Er hebt mich hoch. „Und jetzt gehen wir zu den anderen.“ Wir lachen immer noch, als wir in den vorderen Bereich des Diners betreten. Damians Blick ist auf das Holz des Tisches gerichtet. Ich weiß, was in ihm vorgeht und er tut mir leid. Nika sitzt an einem anderen bei Rubia, einem Baby und Marlon.
Ich lasse Cosmo los und setze mich auf den Tresen. Der Engel und Neomi kommen zu mir. Cosmo atmet tief durch. „Ich und Ariel, werden die Suche nach einem Weg in den Himmel allein durchführen.“
„Spinnt ihr?“, kommt im Chor von einigen.
„Es ist das beste.“
„Nein, ich komme mit“, gibt Nika von sich.
Ich springe hinunter. „Warum?“
„Wie warum?“
„Ariel will sagen, dass wir beide weniger auffallen.“
„Klar.“
Ich fange an zu knurren. „Denke nicht, dass ich es nicht mitbekomme.“
„Ich stimme den beiden zu“, sagt der Engel.
„Was?“, faucht sie nun ihn an.
„Sie sind nicht in der Sicht meiner Brüder, ob gut oder Böse. Sie ist die Tochter einer Göttin und ihn hat sie zu ihrem Gemahl gemacht. Somit können sie handeln, wie sie wollen und werden nicht bemerkt. Du aber Nika, solltest du in die Nähe eines Tores kommen, wird es verschlossen und alles beginnt von vorn.“
„Damian?“, sage ich.
„Halt mich daraus“, knurrt er.
„Wir benötigen deine Hilfe.“ Cosmo zieht seine Stirn kraus. Damian sieht zu mir. „Es gibt eine Tochter des Anubis in den Bergen, such sie bitte auf.“
„Und warum?“
„Weil ich ihr vertraue.“
„Gut, das sagt mir aber nicht, warum ich das machen soll.“
„Weil du der Einzige warst, der wirklich gut gesprochen hat über mich. Selbst gegen sie hast du dich aufgelehnt. Darum denke ich, bist du dafür geeignet.“
„Warte mal kurz, die Tochter des Anubis?“, will der Engel wissen.
Ich nicke. „Eine Zeit lang habe ich in den Bergen von Kaliforniern gelebt und sie kennengelernt.“
„Anubis hat eine Tochter?“, wiederholt er.
„Ja.“
„Also da tun sich echt Krater bei mir auf.“
Damian sieht zu Nika. „Okay und was soll ich ihr sagen.“
„Ruf an, wenn du sie gefunden hast.“
„Und wie sieht sie aus.“
„Glaub mir, das bekommst du mit, aber ich habe oben eine Skizze, die kann ich dir geben.“ Ich wende mich an Cosmo. „Wir können gleich los.“
„Ich warte hier.“
Kurz nicke ich Damian zu, gebe Cosmo einen Kuss und gehe die Treppen hinauf. „Das wird nicht funktionieren“, sagt Damian, als er mein Zimmer kurz nach mir betritt.
Ich gebe ihm das Bild. „Egal was du meinst, ich brauche ihre Hilfe.“
„Schon klar, vor allem, mich um den Finger zu wickeln.“
„Das würde ich ihr nie antun.“ Mein Blick geht auf das Bild. „Du bist verletzt, das verstehe ich. Und um ehrlich zu sein, habe ich dich ausgewählt, weil du Abstand brauchst. Wir wollten Neomi schicken.“
„Also willst du mich nicht verkuppeln?“
„Bei allem was ich liebe, garantiert nicht. Du bist nett, aber das angewiderte Gesicht und Fellknäuel habe ich nicht vergessen. Sie ist heilig, muss mit Respekt behandelt werden. Die anderen da unten bekommen das nicht hin. Darum bist du oder Neomi dafür am besten geeignet.“
„Ich bin ehrlich gesagt, erleichtert.“
Ich drücke ihn kurz. „Sei vorsichtig.“
Gerade an der Tür höre ich ihn: „Wie heißt sie eigentlich?“
„Aurelia.“ Damit gehe ich vor die Tür. Cosmo steht an seinem Jeep.
„Können wir?“
„Ja, jetzt können wir.“ Ich steige auf der Beifahrerseite ein, sobald die Tür zu ist, startet er und wir gehen auf die Suche nach dem Tor.

Wie und ob es schaffen, weiß ich nicht, ich kann nur hoffen, das dies alles gut ausgeht.