Quinns Reise 6

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„Schau nicht so deprimiert, was die anderen denken kann dir doch egal sein.“
Ich zucke mit den Schultern. „Ich wünschte, ich könnte die Zeit zurückdrehen.“
„Also ein Dschinn war ich noch nie.“ Er grinst breit. „Und hast du an den Schmetterlingseffekt mal gedacht, wenn du etwas änderst.“
„Und was wäre daran schlimm?“
„Wir hätten uns nie kennengelernt.“
„Bist du ihretwegen hier auf dem Schiff?“
„Jein. Durch diese beiden Familien ist weit aus mehr personal an Bord als sonst.“ Seufzend blicke ich durch den Saal. Es ist nur eine Frau da, die ihren Kinderwagen hin und her schiebt. „Also“, meint er dann und holt meine Aufmerksamkeit wieder, „Ich gebe dir Brief und Siegel darauf, das sie es bis zum Ende der Reise vergessen haben.“
„Das glaube ich nicht. Ich könnte sogar wetten, dass ich genau beobachtet werde, wie durch eine Lupe. Und, dass es nur der Tropfen auf dem heißen Stein ist, dass die Gerüchteküche noch mehr brodelt.“ Ich lehne mich zurück. „Schau du hast es auch davon erfahren.“
„Das ist aber etwas anderes. Pierre hat mich angeschrieben, dass du einem von ihnen im Diner sitzt.“
Ich runzel meine Stirn. „Warum sollte er dich darüber informieren?“
Ruckartig wendet er sich den Nudeln auf den Teller und stochert herum. Die Röte kommt fast an die Tomatensoße dran. „Kann sein, dass ich erwähnt habe, dass ich dich interessant finde“, nuschelt er.
Meine Augen werden größer. „Du?“ Verständnis los zeige ich auf mich. „Hab ich das gerade richtig verstanden?“
„Schlimm?“
„Ich bin nur überrascht, du bist süß und so. Und ich …“ Ich winke ab. „Es ist eigentlich egal.“ Er blickt zu mir und mustert mich. „Das hat keine Zukunft.“
„Warum?“
„Na weil, du hier bist, und ich werde nicht warten, bis das Schiff mal wieder anlegt, um dich zu sehen. Davon abgesehen, dass ich das gar nicht will. Eine Fernbeziehung kommt nicht für mich infrage.“
„Okay, diesen Korb nehme ich an.“ Er nimmt seinen Teller und steht auf. „Morgen gehen wir an Land, hast du Lust mit mir dort etwas zu machen.“
„Musst du nicht arbeiten?“
„Nein, ich habe es ganz gut hinbekommen, dass bei Landgang ich immer freihabe.“
„Ich ändere nicht meine Meinung.“ Er zwinkert mir zu und geht in die Küche.

(Leider habe ich das Storycubebild nicht mehr :()

Ich sitze da und starre immer noch auf den Türflügeln, die zur Küche führen. Fußspuren auf den Boden zeigen an, dass man links hineingehen soll. Die Frau mit dem Kinderwagen brummt etwas und hebt einen Stoffbären auf. Keine Ahnung warum, aber ich muss an meine Kindheit denken. Meine Mutter sagte, immer mit Stofftieren konnte ich nichts anfangen, ich war für Legosteine. Mein Zimmer war voll davon und wenn ich etwas zusammen gebaut hatte, durfte man es ja nicht zerstören.
Jemand räusperte sich. Ich wandte mich an eine junge Frau vor mir. Sie hatte einen Korb in der Hand. „Ja?“
„Sie haben ihre Belohnung vorhin vergessen.“
„Ich wusste nicht, das man dort etwas bekommt.“
Sie greift in das Geflecht und holt zwei Dinge heraus. „Viel Spaß.“ Statt es mir in die Hand zu geben, knallt es unsanft auf den Tisch. Aus der durchsichtigen Verpackung schimmern ein Dolch und eine Phiole mit einer giftgrünen Flüssigkeit.
Stirnrunzelnd kann ich nur noch ihren Rucken anstarren, der aus dem Saal verschwindet. „Was war das?“, frage ich mich. Anscheinend so laut, dass die Frau mit dem Kind lacht. Mein Blick geht zu ihr. „Was?“
„Ich will nichts sagen, aber ihnen ist schon klar, dass jede ledige Frau sie gerade hasst.“
„Warum, ich habe nichts getan?“ Schon als ich es ausgesprochen habe, ist mir klar geworden, was sie meint, jede auf diesem Schiff denkt, ich habe etwas mit ihnen.
„Wissen sie es wirklich nicht?“
„Ich kann es mir denken. Aber ich habe mit keinem von ihnen etwas.“
„Aber sie reden mit ihnen, das tun sie sonst mit keinem. Davon abgesehen, dass sie mit dem jüngsten von ihnen jetzt schon des Öfteren gesichtet wurden.“
„Ich wusste nicht, wer er ist.“
„Und das glaubt ihnen keiner. Die Medien sind voll von ihnen.“
„Ich stehe nicht auf Klatsch“, knurre ich und stehe auf. „Aber mir ist es total egal, was sie sagen, oder diese geldgeilen Tussen denken. Das sind Menschen und nicht mal Levi hat verdient, wie ihr sie behandelt.“ Ich greife nach den beiden Geschenken. „Und damit es klar ist, wenn ich so wäre, wie sie sagen, warum habe ich dann gesagt, ich will keinen Kontakt mehr, als ich erfuhr, wer Jendrik ist?“ Ihre Antwort will ich nicht hören und gehe

Im Zimmer werfe ich wütend die Sachen auf dem Bett, nur meinen Apfel behalte ich und beiße hinein. Mich macht es wütend, dass die Menschen, die hier an Bord sind, so von mir denken. Die Tür geht auf. Karoline hebt eine Augenbraue. „Was ist den mit dir los, du siehst wie ein Gremlin aus?“
„Jeder denkt, ich bin eine Schlampe.“
„Ah, das meinst du also.“ Sie setzt sich. Ich starre sie ungläubig an. „Das ist nur Eifersucht. Du hast mal Schwein gehabt, lass sie reden.“
„Und du?“
„Denkst du wirklich, ich bin da anders? Du erlebst gerade den Traum, den ich schon ewig hege. Denkst du wirklich, es war Zufall, dass wir auf diesem Schiff sind?“ Na Bravo! Ich lasse mich auf das Bett fallen. „Quinn, das Sage ich nur einmal und werde es leugnen, wenn du es ansprichst. Aber du hast es verdient. Dein ganzes Leben waren die Jungs scheiße zu dir. Ich weiß, dass du nicht so bist, aber genieß es doch etwas.“
„Ich kann nicht.“
„Doch das kannst du. Du und dieser Jendrik, ihr habt euch gut unterhalten, die gleichen Interessen, stoße einen Freund nicht weg, nur weil er Reich ist.“ Ich zucke mit den Schultern. „Du magst ihn doch und ihn hat es traurig gemacht, wenn seine Mutter auf Levi deswegen sauer ist, dann glaubt auch sie dir und ist das nicht viel wichtiger?“
„Vielleicht hast du recht.“
Sie springt auf. „Gut, dann suchen wir sie jetzt.“
„Du willst doch nur ihretwegen mit.“ Sie grinst schief. „Deine Mühe ist umsonst.“
„Wir haben noch gut zwölf Tage, da kann viel passieren.“
Ich schüttel den Kopf. „Unverbesserlich.“
„Also Basketball oder Bowling?“
„Weder noch.“ Ich weiß, wo ich Jendrik finde. Aber das werde ich ihr nicht sagen.
„Das sind Sportfreaks. Vor dem Essen treiben sie wohl was?“
„Nur gut das, die mir egal sind und ich weiß, wo ich hin muss.“ Ich laufe an ihr vorbei. Gerade so schließen sich die Aufzugtüren vor ihr. Auf den Plänen muss ich immer wieder nach dem Weg sehen. Schon als ich endlich in den richtigen Gang komme, höre ich den Klang der Gitarre. Vorsichtig klopfe ich an die Tür. Stille und es macht mir Angst.

Ich höre, wie ein Schlüssel in das Schloss geschoben wird. Die Tür öffnet sich einen Spaltbreit. Ich erkenne die blauen Augen von Jendrik. „Q… Q… Quinn?“, brummt er, wie eine verstimmte Katze.
„Ich hätte dir einen Brief schreiben können, aber den hättest du weggeworfen, darum bin ich hier um mit dir zu reden.“
Der Spalt wird größer und ich sehe wie er seine Arme vor der Brust verschränkt. „Ach ja?“
„Ich mag dich Jendrik wirklich, aber ich habe Angst vor den ganzen Mist, der im Grunde eh schon losgetrampelt wurde.“ Seine rechte Augenbraue berührt was seinen Haaransatz. „Es tut mir leid, ich mag dich. Das ist nur gerade etwas viel für mich, aber ich will auch nicht, dass …“ Ich schließe meine Augen. „Hör zu, können wir die Sache vergessen.“
Er mustert mich. „W… Wie lange dieses Mal?“ Er atmete tief durch.
„Du bist beim ersten Mal gegangen.“
„Aber ich bin wiedergekommen.“
„Ich bin doch auch hier.“
Er lässt die Blockade fallen und atmet tief durch. „Aber erst jetzt.“
„Ich bin manchmal stur.“ Ich greife nach seiner Hand. „Aber ich bin jetzt hier“, wiederhole ich. „Bitte.“
„Du bettelst.“ Er schmunzelt.
„Ja, daran siehst du, dass es mir wichtig ist.“
Sein Blick ging auf die Uhr. „Lass uns gleich uns treffen, ich muss hier noch aufräumen und dann können wir reden.“
„Und wo?“
„Vorne am Bug, bei der Ankerkette.“
„Oder ich helfe dir und wir reden dort weiter.“
Er geht sich mit den Fingern durch die Haare. „Jetzt wirklich nicht.“
Ich nicke, auch, wenn es mich irgendwie verletzte. „Wann genau?“
„Eine Stunde.“ Er lächelt und zieht seine Hand zurück. „Bist du dann da?“
„Ich habe das Gefühl, du willst das gar nicht.“
„Doch, wirklich.“ Er seufzt. „Du … Es hat mich verletzt und ich muss nachdenken.“
Ich mache einen Schritt zurück. „Das habe ich verdient, dann …“
Er nimmt dieses Mal mein Handgelenk. „Bitte komm gleich dahin.“
„Okay, aber, bitte sei auch da.“
„Klar.“ Er zieht mich in seine Arme. „Ich bin froh, dass du da bist.“

Es ist überraschend, aber in seinen Armen geht es mir gut. „Ich glaub dir mal“, sage ich und lehne mich an seine Brust. „Es tut mir wirklich leid.“
„Mir auch.“
Ich hob mein Kinn. „Wir sind Freunde, oder.“
Er nickt. „D… Denk nicht an das, was nach der Fahrt ist.“
„Oh das ist zu spät, das ist wie ein kleiner Hurrikan schon in meinem Kopf. Ich bin jetzt schon dank euch zu als einer Schlampe abgestempelt.“
Er zieht scharf die Luft ein. „Du bist nicht so und das werden sie sehen.“
Ich lasse ihn los und gehe auf Abstand. „Bis gleich.“
„Ja.“
Ich mach ein paar Schritte nach hinten. „Ist wirklich alles wieder gut zwischen uns.“ Er nickt. Sein Lächeln ist ehrlich und es erleichter mich.

Im Zimmer blicke ich auf das Handy. Meine Schwester hat sich immer noch nicht gemeldet. Der Regenbogen auf dem Display erlischt, als ich es ausschalte. Langsam begebe ich mich zu unserem Treffpunkt. Als ich da ankomme, steht ein Rucksack auf einer Decke. Ein Mond-Anhänger und ein Zahn sind dem Reißverschlussmetall angebracht. Ich blicke mich um. „Hallo?“
„Ich weiß zwar nicht, warum du hier auf mich warten sollst, aber jetzt bist du hier.“ Erschrocken drehe ich mich um. Und sehe einem der Zwillinge an. So wie er mich ansieht, weiß ich auch, welcher vor mir steht. „Levi!“
„Wow, jemand, der mal kein Schild benötigt, um uns zu unterscheiden.“
„Du siehst mich an wie ein Fliegenpilz, da bleibt nichts anderes übrig.“ Ich geh an ihm vorbei.
„Warum sollte ich dann hier her kommen, wenn du jetzt gehst.“
„Jendrik wollte ich sehen und definitiv nicht dich, auf deine Vorwürfe habe ich echt keine Lust.“
„Dann …“
Ich drehe mich zu ihm. „WAS dann? Was Levi? Du hasst mich und traust mir nicht, aber das ist mir echt egal, verstehst du das. Ich mag Jendrik, verstehst du.“
„Er ist verlobt, das ist dir schon klar.“