WGC September

Es startet heute mit einer neuen Geschichte. Es geht weiter in der Welt von Hountressschool of Darkness.

Die letzten warmen Tage in diesem Jahr, das spüre ich. Viele von uns haben schon mehr in ihren Schränken als nötig. Sicherlich steht uns eine frostige Zeit bevor, die auch noch länger andauern wird. Deswegen aber so durchdrehen, werde ich nicht. Und ein Gefühl in mir, sagt mir, dass ich den Winter auch nicht hier bin. Während also meine Schwester die Chefin heraushängen lässt und alle anstachelt mehr zu tun, ziehe ich mich zurück zu meinem Haustier. „Hey Igi“, sage ich und kletter über den Zaun, der ihn hier beschützt. Seine Nase hat er tief in den Herbstblättern gesteckt und sucht etwas. Ich könnte beleidigt sein, da er nicht zu mir kommt, aber er denkt eben noch an seinem Winterschlaf. Ich setze mich hin und beobachte ihn. Vor neun Jahren habe ich ihn gefunden. Andere Wölfe haben ihn als Ball benutzt und ihn fast totgebissen. Mit Würmerbrei und pflege, sind seine Wunden verheilt. Aurelia hat befohlen, ihn wieder auszusetzen, aber er ist zu schwach gewesen und das wäre wieder für ihn übel ausgegangen, so habe ich Igi bei mir versteckt. Als dann der Frühling kam, folgte ich dann doch ihre Anweisung, aber er kam wieder.
„Bellatrix“, ruft meine Schwester mich nun.
„Darf ich in deine Höhle Igi?“, frage ich meinen kleinen. Kurz hebt er die Nase, als wenn er sagen wolle, du passt doch eh nicht hinein. Und da hat er echt recht. Seufzend erhebe ich mich. „Ja Reli“, gebe ich genervt von mir.
In Stöckelschuhen engen dunklen Rock und dazu passenden Bläser kommt sie auf mich zu. Selbst ihre braunen Haare sind akkurat zu einem Dutt zusammengebunden. Ihre dunkelbraunen Augen sind leicht mit Lidschatten hervorgehoben. „Tu nicht so, hast du …“
„Nein hab ich nicht und werde ich nicht.“
„Ich als deine große Schwester und …“, wie immer stockt sie dort. Normal, also zu anderen kommt dann als Tochter des Anubis, bin ich berechtigt und so weiter, und so weiter. Aber wir beide sind nun mal seine Kinder.
„Bla, wie immer fällt dir nichts ein.“
„Mach es doch einfach, geh mit Vorbild vor.“
„Du stresst, weißt du das?“
„Wir müssen überleben!“
„Wir haben ein ganzes Dorf voller Werhunde und Werwölfen, wir bekommen Lieferungen von den Menschen, das wird nicht alles weg sein. War es noch nie und wird es auch nicht sein.“ Ich kletter aus dem Gehege. „Darum hör auf, so einen Heckmeck zu machen.“
Sie schließt die Augen. „Bellatrix ich spüre es, die Zeiten ändern sich, wir müssen gefeilt sein.“
„Ja das tun sie“, sage ich leise und geh an ihr vorbei.
„Dann hör auf mich!“ Sie wendet sich an mich. „Wo gehst du hin?“
„Egal wohin, Hauptsache weg von dir“, rufe ich ihr zu.
„Du kannst das doch nicht so locker sehen, jedes Jahr das Gleiche mit dir …“ Ich laufe durch das Haus. Na ja, eher Palast, eines Gotteskindes eben würdig. Für mich ist es dank meiner Schwester eher ein goldenes Gefängnis, wenn ich nicht mich frei im Dorf bewegen könnte. Frei, auch nicht ganz. Sobald ich die Türen aufmache, stehen mir vier Wölfe zur Seite. Bullige Arschkriecher habe ich sie getauft. Ich binde mein schwarzes Haar beim Laufen zusammen und greife nach einer meiner Taschen. Die mit Badeanzug und Handtuch. Laufe weiter zu meinem Auto und höre schon das Geklapper der Krallen, wie sie zu ihren hetzen, damit sie mich nicht aus den Augen verlieren. Ich drücke das Gas. Zügig brettere ich die Straße entlang, durch das Dorf und dann den Berg hinab, Richtung Strand.

Salziger Geruch schlägt mir der Wind um die Nase. Das Gefühl von Freiheit. Mein Blick geht zum Himmel. Ein Spielzeug der Menschen flattert dort herum. Einen Drachen haben sie es genannt. Wenn sie wüssten, wie diese Spezies wirklich ist, würden sie etwas anderes dazu sagen. Ich zumindest gehe ihnen lieber aus dem Weg. Das Einzige, was ich gerne von ihnen haben würde, sind ihre Flügel. Ich stelle es mir fantastisch vor, dort oben zu gleiten. Hinter mir raschelt jemand durch die Herbstblätter. Die Schritte eines Menschen.
Ich unterdrücke es, die Nase zu heben. Wende mich aber an ihn. Der Anblick gefällt mir. Sein kurzes Haar ist wie meines so dunkel, selbst seine Augen haben den gleichen Grauton wie meine. Der Bart müsste etwas gestutzt werden, aber ansonsten ist er genau definiert. „Hallo Fremder“, gebe ich verführerisch von mir und lehne mich an mein Auto.
„Ich suche jemanden, mir wurde gesagt, dass sie in der Nähe lebt.“ Er bleibt vor mir stehen.
Dann kann ich es nicht unterdrücken, ich ziehe seinen Duft ein. Ich schlucke. Er ist ein Jäger. Normal müsste ich rennen und das so schnell ich könnte, doch ich habe keine Angst. „Und das wäre?“
Er greift stöhnend in seine Gesäßtasche und zieht ein Blatt hervor. „Sie soll Aurelia heißen.“
Ich nehme ihm das Bild ab. Es ist wirklich eine Zeichnung meiner Schwester. Was will er von meiner Schwester? Sie umbringen? Ein Bewerber? Ich wäge ab. „Dir ist schon klar, wer sie ist?“
„Also kennst du sie?“
Ich nicke. „Was willst du von ihr?“
„Geht dich nichts an.“
Ich lächle und gebe ihm es wieder. „Dann kann ich dir nicht helfen.“ Beim Umdrehen ziehe ich mir mein Shirt aus.
„Ich suche sie seit einem Monat, es ist dringend.“
„Interessiert mich nicht.“ Mein Griff geht in die Tasche und hole mein Bikini heraus. „Kannst du sich verschließen?“, frage ich ihn, als ich das Oberteil auf meine Brüste drücke.
Genervter Ton kann er gut, aber tut mir den Gefallen. Seine rauen Finger bescheren mir eine Gänsehaut. Selbst meine Wolfshaare wollen raus, dass er sie berührt. „Kannst du mir jetzt antworten?“
Ich ziehe nun die Leggins und meinen Slip aus, das Unterteil an. „Nein.“
„Bitte.“
Über die Schulter blicke ich zu ihm. „Wenn es dir wichtig ist, dann musst du warten.“ Ich laufe los.
„Ich habe keine Zeit“, ruft er mir hinterher.
Doch ich lauf in das kalte Wasser und stürze mich in die Welle. Immer wenn ich hier bin, werde ich zu einem Welpen. Ich fühle mich meist frei und lebendig. Nur heute ist es anders. Nach ein paar Zügen lege ich mich in den nassen Sand. Schwer lässt er sich neben mich plumpsen. „Ich flehe ungern, aber es ist wichtig.“
„Warum suchst du sie?“
„Ich muss mit ihr etwas besprechen. Eine gemeinsame Freundin, braucht ihre Hilfe.“
Ich sehe zu ihm, er zu mir. Sein Geruch ändert sich nicht und das macht mich wütend. „Dann kann diese Freundin dir auch den Weg sagen“, knurre ich und stehe auf.
„Ariel kann ich nicht erreichen.“
„Ich kenne keine Ariel.“
„Sie ist ein Gestaltwandler, ein Puma“, ruft er mir zu, er klingt verzweifelt.
Vor vielen Jahren war ein Pumamädchen bei uns, hat bei uns überwintert, sonst wäre sie gestorben. Aber was macht sie bei Jägern und warum solle sie uns um Hilfe rufen? „Folge mir ins Dorf.“
„Dorf?“
Ich laufe weiter, werfe das Shirt mir über und steige ein. „Steig ein.“
„Dahinten steht mein Auto.“
„Willst du mit ihr reden oder umbringen?“ Fluchend geht er auf die andere Seite und steigt ein. Ein Koloss von Kerl in meinem kleinen Mini, zu süß und viel zu witzig ist dieser Anblick. Ich lege den Rückwärtsgang ein und brettert den Weg zurück. „Und was willst du?“
„Reden“, knurrt er. Wie knuffig. Bei jeder Kurve schnaubt er wütend. Ich nehme noch mehr Tempo auf. „Aber du willst mich umbringen.“
„Dann wärst du es“, sage ich gelassen. Wir kommen ins Dorf, ich halte vor der Kneipe. „Komm mit.“
„Ist sie da drin?“
„Klar“, verspotte ich ihn.
„Halt mich nicht hin“, brüllt er nun. Langsam wird er sauer.
Ich gehe in das Lokal. „Hey Jim, unser Gast, soll seine Waffen ablegen und bekommt was zu trinken.“ Die Tür knallt auf.
Der Blick des alten Barkeepers sagt Angst und ob ich bescheuert bin. „Waffen?“
„Nur ein paar Messer, ich muss mit Aurelia reden“, sage ich und drehe mich um. Schade, dass sein Interesse bei null ist. „Du setzt sich dahin und bist brav.“
„Wo ist diese Töle?“
Ich verdrehe die Augen, stelle mich auf die Zehen und beuge mich zu seinem Ohr. „Du bist lieb, denn hier gibt es so viele Gestaltenwandler, das du keine zwei Minuten überlebst.“ Meine Lippen berühren seine Haut nach dem Bart. „Und das wäre doch schade.“ Oh, doch nicht so immun, wie ich dachte. Ich nehme wieder Abstand. „Also setzen und brav sein. Ich rede mit ihr.“
Sein Brustkorb bewegt sich stark, ich weiß aber nicht, ob es aus Wut ist, oder die Erregung, die ich von ihm wahrnehme. „Okay.“ Er greift unter seine Jacke und zieht ein Messer. Der Barkeeper knurrt. „Ich soll doch sie abgeben.“ Ich nicke. Und halte die Hand auf. Neun Messer, vier Pistolen und einige Wurfsterne landen auf den Tisch am Eingang. Ich will gar nicht wissen, wo er noch etwas versteckt hat. Ich klopfe auf seiner Brust und gehe hinaus. Zu Hause auf den Parkplatz bin ich verwundert, dass meine Aufpasser noch nicht da sind. Ich schlüpfe noch schnell in meine Leggins und gehe dann hinein. Ein heilloses Chaos herrscht hier. Wölfe jeden Ranges laufen wild durcheinander. An der Tür stehen weitere bullige Arschlöcher. Einer von ihnen greift sofort zum Funk und sagt, dass ich da bin. Wer den sonst? Dann wird mir klar, warum das hier so ein Treiben ist. Gemächlich nehme ich mir einen Apfel und schlender dann in den ersten Stock.
Im Flur kommt mir meine Schwester gleich entgegen. „Da bist du ja, ich habe mir Sorgen gemacht. Ein Jäger ist gerochen worden.“
„Ich weiß“, sage ich und laufe weiter.
„Wie du weißt?“
„Hab ich gesehen, ein Hammer Kerl sag ich dir.“
Sie runzelt die Stirn. „Geht es dir gut?“ Ich nicke und laufe weiter. „Mehr hast du nicht zu sagen?“
„Ja doch. Er wartet auf dich bei Jim.“
„Spinnst du, wie kannst du einen Jäger in unser Dorf bringen.“
„Er will mit dir reden, sollte ich ihn hier nach Hause bringen?“
Sie reibt sich ihre Schläfen und läuft hin und her. „Was will er?“
„Er meinte etwas von einer Ariel, die ihn zu dir geschickt hat und das sie Hilfe braucht.“ Wie mir, sagt ihr der Name auch nichts. „Ein Pumamädchen.“
„Wie wirkt er auf dich?“
Ich blinzel, hat sie mich gerade wirklich nach meiner Meinung gefragt? „Er riecht nicht nach lüge, Wut und Verzweiflung.“
Sie nickt langsam und sieht den Flur entlang. „Geh in dein Zimmer, ich überlege es mir, was ich mit ihm mache.“
„Erstes vergiss es und zweitens richte ich ihm aus.“
Bevor ich abdrehen kann, hält sie mich am Arm fest. „Nichts da. Du begibst dich nicht in Gefahr.“
„Du kannst einen auf ich-bin-mächtig machen wie du willst und auch bei jedem, nur bei mir wirkt das nicht, das weißt du schon.“
„Er ist ein JÄGER!“
„Und jetzt wirst du hysterisch.“ Sand wirbelt um mich, als er abklärt, bin ich in meinem Zimmer. Die Türen knallen zu. Verdammt sie hat Magie benutzt. Rütteln bringt nichts. „Mann, Aurelia, das ist so was von kindisch und dumm!“
„Hysterisch ich“, meckert sie, als sie an der Tür vorbeigeht, „Sie begibt sich in Gefahr und ich bin kindisch. Langsam glaube ich …“ Klack ihre Tür ist zu.
Seufzend ziehe ich mich um. Die nächste Stunde kann ich eh nichts machen.

Ich winke Jim, als ich hereinkomme. Der Jäger sitzt an einem Tisch und starrt sein Handy an. Ich stelle mich hinter ihn. „Letzter Sonnenstrahl!
Hell, Golden, eisig der Wind.
Der Winter kommt geschwind
. Was soll das bedeuten?“
„Liest du immer fremde Texte.“
Ich lasse mich neben ihn fallen. „Du bist traurig.“
Er führt ein Glas mit Brandi an seine Lippen. „Ist von meiner Ex.“ Ein Kräftigen Schluck und das Glas ist leer. „Also Aurelia, wann kommt sie?“
„Ich befürchte, sie kommt erst mal gar nicht. Du musst dich gedulden.“ Ich hebe die Finger. „Sie traut dir nicht.“
„Kein Wunder.“ Er geht durch seine Haare. „Erzähl mir was von ihr?“
„Ich habe keine Lust über sie zu reden.“
Jim kommt zu uns und stellt zwei Gläser hin und eine Flasche Jack Daniels. „Bitte.“
„Ach ja, er nimmt ein Zimmer, bis er eine Audienz bekommt.“
„Muss das sein?“
„Ja.“
„Nichts bleibt mir erspart“, schimpft er und geht wieder zum Tresen.
„Das ist nett, aber ich kann auch in meinem Auto schlafen.“
Ich strecke mich. „Ich glaube nicht.“ Dann schenke ich uns ein. „Dein Wagen wurde von der Wache bestimmt hochgebracht.“
„Wachen?“
„Sie ist die Tochter des Anubis und die erst geborene, denkst du, sie wird außerhalb des Hauses allein gelassen.“ Ich nippe. „Wenn man es genau nimmt nicht mal da, aber das liegt wohl daran, dass sie mit ihnen schläft.“
„Schlampe“, rutscht ihn raus.
Ich lache auf. „Du gefällst mir immer besser.“
„Bist du auch eine?“
Ich betrachte die goldbraune Flüssigkeit. „Das kann ich weder verneinen noch bejahen.“
„Gequirlte scheiße, fickst du mit mehreren gleichzeitig, oder nicht?“
„Nein.“
„Denkst du an einen anderen dabei?“
„Nein.“
„Spielst du mit Gefühlen?“
„Nein, sie wissen immer, wo dran sie sind. Also, wenn ich dir sage.“ Ich wende mich an ihn. „Ich will mit dir schlafen, dann ist das auch so. Ein One-Night-Stand mehr nicht.“
„Ah ha.“ Er nimmt das Glas. „Wer sagt, dass ich das will?“
Wäre ich jetzt keine Wölfin, mit einem guten Riechorgan, wäre ich abgeschreckt oder gelangweilt. Aber ich rieche es. Meine freie Hand fahre ich über sein Bein zu seinem Schritt. „Ich würde sagen, das ist eindeutig.“
„Mit wem hast du das letzte Mal mit jemanden geschlafen?“
„Einen von der Wachen, wir waren drei Jahre zusammen.“ Ich will die Hand wegziehen.
Aber er hält mich fest. „Warum seid ihr getrennt und wie lange ist das her?“
„Wenn du es wissen willst, weil er meine Schwester sich genommen hat.“ Ich nehme einen Schluck. „Letzten Monat.“ Ich seufze. „Es tat mir von ihr ehrlich mehr weh, als von ihm.“
„Okay, die Flasche können wir im Zimmer leeren.“
„Klingt nach einem Plan.“
Wir stehen auf. Ich gehe zu Jim. „Den Schlüssel.“
Er zittert, sieht immer wieder zu dem Jäger. „Das kann nicht dein Ernst sein Bellatrix.“
„Willst du mir befehlen?“
„Nein, Herrin, aber er …“
„Er ist ein Jäger und?“ Ich beuge mich zu ihm. „Wenn du denkst sie zu informieren, erlebst du meine Wut.“ Er nickt schluckend. Der Schlüssel klappert. „Danke.“
Der Jäger steht da und hat seine Stirn gerunzelt. „Was ist los?“
„Er will nur petzen, hält dich nicht für geeignet.“ Ich nehme die Treppe nach oben. Suche die Zahl, die auf dem Schlüssel eingraviert ist. Es ist ja nicht so, dass wir abgeschirmt sind, zwischendurch kommt der eine oder andere Mensch hier her. Darum sind hier auch Betten. Viele Wölfe waren Stroh auf dem Boden lieber oder eine Decke. Seltene Fälle, wie ich, bevorzugen dann doch lieber eine Matratze und ein Lattenrost. „Also Darling, nenn mich Bella“, sage ich und halte die Tür auf.
„Damian“, gibt er schmunzelnd von sich, „nicht Darling.“
Ich nehme ihm die Flasche ab und nehme einen Schluck. Kurz zweifle ich an meinem Vorhaben, doch dann berührt er vorsichtig mein Kinn, alles ist damit weggeflogen.

Die Tür kracht auf. Das Licht brennt durch meine Lider. „Verschwinde“, grummel ich und zieh die Decke über uns.
„Bellatrix! Auf Geheiß der Hoheit Aurelia, eurer Schwester werde ich sie zu eurem Sitz zurückbegleitet“, halt die Stimme von Kris zu mir, einer Wache von uns, nicht irgendeine, mein Ex.
„Was verdammt labert der?“, brummt Damian und richtet sich auf.
„Ach lass ihn labern und leg dich wieder hin.“
„Bella bitte, wie tief willst du noch sinken.“
Jetzt richte ich mich auf. „Ich? Du fickst mit meiner Schwester und ich soll tief sinken?“
„Du weiß wie das ist, wenn ihr … du weißt schon.“
„Von was redet er?“
„Er redet davon, das er mich gefickt hat, gewartet hat, bis ich schlafe und dann zu meiner Schwester rüberschlich.“ Ich drehe mich zu Damian. „Sie dann fickte und dann wieder zu mir kam. Das beste die Ausrede, du weißt doch die Läufigkeit.“
„Bellatrix, könntest du das nicht vor ihm bereden?“
„Richte meiner Schwester aus, ich komme nach Hause, wann mir es passt, ich bin alt genug.“
„Schwester?“, fragt Damian.
Ich winke ab. „Ihr Kerle seid scheiße.“ Greife nach meiner Kleidung.
„Verdammter scheiß, ich will doch nur die Wahrheit und die verfickte Hilfe für Ariel. Du hast mich angemacht, komm mir also nicht so!“
„Halt den Mund und spreche die Hoheit nicht noch mal so an.“
„Wisst ihr was, fickt euch selber.“ Damit gehe ich raus, ziehe mich beim Laufen an.
„Bellatrix warte.“
„Ich habe dir gesagt, lass mich in Ruhe.“
„Es war ein Befehl, was soll ich machen.“
Eigentlich will ich gerade in die Leggins schlüpfen, doch ich überlege es mir anders. Zieh das Shirt wieder aus und gebe ihm die Kleidung. „Verschwinde aus meiner Sicht.“ Damit verwandle ich mich in einen Wolf und laufe los.

Wie immer, wenn ich traurig bin und nicht weiterweiß, gehe ich zu dem Grab meiner Mutter. Ich setze mich auf den Boden und hole tief Luft. Macht es mir etwas aus, das Kris es getan hat. Kalt hat es mich nicht gelassen. Aber ich bin auch froh darüber. Ich habe ihn schon gemocht, so ist es nicht, nur dass er mir eigentlich von meiner Schwester aufs Auge gedrückt wurde.
Schwere Schritte knirschen im Kies. „Du bist also ein Wolf.“ Damians Stimme ist verbittert und die Wut hat eine bittere Note bekommen.
„Verschwinde!“
„Hast du mit mir geschlafen, um dich zu rächen?“
Ich blicke zu ihm. „Nein, dass mit ihm und mir ist vorbei.“ Langsam erhebe ich mich. „Dein Duft ist verführerisch, deine rauen Hände …“
„Schon Okay, weitere Ausführungen brauch ich nicht. Warum hast du gelogen?“
„Wo bitte habe ich dich angelogen?“
„Das du Aurelias Schwester bist.“
„Nur weil ich es nicht ausposaunt habe, bedeutet es nicht, dass ich gelogen habe.“
Er zieht sein Shirt aus und reicht es mir. Bei Nacht ist dieser Anblick schon ein beeindruckendes Paket gewesen, hier wo die Sonne direkt darauf scheint, gefällt es mir noch besser. „Bring mich zu ihr, es ist wirklich wichtig.“ Ich ziehe sein Shirt an, der Duft ist herrlich. Sein Blick geht zu der Steintafel. „Ist das wirklich das Grab der Hexe Liliana Le Fay?“
„Ja warum?“
„Die Tochter von Morgana Le Fay.“
„Ja Morgana ist meine Oma.“
„Du bist nicht nur Anubis Tochter, sondern auch noch eine Hexe?“
„Ja.“
„Wie tief kann ich noch sinken?“ Er setzt sich. „Scheiße.“
Okay, für ihn ist das anscheinend gerade ein Weltuntergang. Zugegeben ich wusste ja, auf was ich mich einlasse, aber er anscheinend nicht. Was geht ihm durch den Kopf, dass er so blind ist? „Ist das so schlimm?“
„Vor gut einem Jahr kommt meine Cousine und offenbart, das sie mit einem verfickten Engel zusammen ist. Die Frau, die ich … egal, sie ist ein Scheiß verdammter Nephalem, die Linie von Kain und Abel, denn kommt dieser Wichser Cosmo mit dieser verfluchten Gestaltwandlerin, lässt sich auch noch verwandeln und als wenn das nicht noch nicht schlimm ist. Wird ein beschissener tot geglaubter aus dem Himmel befreit, der das Kind Gottes zeugen soll und dann schlafe ich mit dir. Frag mich jetzt noch mal, verdammt, ob das schlimm ist!“
Ich kann mir das Schmunzeln nicht verkneifen.
„Was lachst du?“
„Dir hat unsere Nacht gefallen.“
„Hast du mir nicht zugehört?“, brüllt er.
Ich beuge mich zu ihm. „Doch, jetzt komm, ich bring dich zu meiner Schwester.“
„Auf einmal?“
„Oh bewahre, wir können auch gleich noch mal miteinander schlafen, aber ich dachte, es ist wichtig.“
„Nein!“
„Doch nicht wichtig?“
„Schon, aber ich werde nicht noch mal mit dir schlafen, dass … ist ein Fehler gewesen!“
Ich müsste mich gekränkt fühlen, wenn ich nicht auf seine Worte geachtet hätte. „Damm folge deinem Fehler.“
Er schüttelt seinen Kopf, aber steht auf und läuft mir hinterher. Sobald wir das Gelände betreten, verwandelt sich jede Wache in einen Wolf und knurrt zähnefletschend ihn an. Doch er geht selbstsicher, beachtet sie gar nicht. Entweder ist er wirklich so, oder er denkt, dass ich ihn beschützen werde. Ich selber weiß es nicht. Einerseits ja, denn er ist mir sympathisch und irgendwie ähnlich. Anderseits, er ist ein Jäger und jeder der seinen letzten Atemzug getan hat, ist auch einer weniger, der uns nach dem Leben trachtet.
Die Türen des Hauses gehen auf. Meine Schwester ist außer sich. Nicht mal ihre Haare sind perfekt gebunden. Sie knurrt: „Bellatrix reicht es nicht, dass du dich mit ihm abgibst, musst du ihn auch noch herbringen?“
„Oh Aurelia, ich kann das eine von dem anderen unterscheiden und ist Ariel nicht deine Freundin.“
„Ich kenne keine Ariel“, geht sie mich an.
„Sie ist …“
„Schweig“, brüllt sie ihn an. „Sie haben nicht mit mir zu reden!“ Sie blickt zu mir. „Geh von ihm weg.“
„Es ist wirklich wichtig“, meint er und ich verschränke meine Arme. Lieber würde ich mich bei ihm anlehnen, aber ich glaube, dann bekommt meine Schwester einen Herzinfarkt.
„Schweig, du …“
„Ariel hat ihn hergeschickt, das wird einen Grund haben“, versuche ich zu vermitteln. „Sie kennt dich, sie hat hier gelebt, warum sollte sie, wenn es nicht wichtig ist, einen Jäger zu uns schicken?“
„Ich habe damit nichts zu tun, wenn er nicht geht, werde ich den Befehl geben, ihn zu töten“, sagt sie eisern und dreht sich weg. „Solltest du es wagen, mit ihm zu gehen, werde ich ebenfalls befehlen!“
„Aber …“
Ich drehe mich zu ihm. „Nein, geh.“ Mein Blick geht zu einem Wolf. „Shawn bring ihn zu seinem Auto.“ Ich nehme Damian in den Arm und flüstere so leise, wie es geht. „Ich rede mit ihr, warte dort, wo wir uns gesehen haben.“
„Danke.“
Ihn loszulassen ist gerade schwer. Ich habe Angst um ihn. Der Wolf läuft knurrend voran, Damian folgt ihm.
„Willst du das nicht ausziehen?“, fragt Kris hinter mir.
Ich schüttel den Kopf. Mir macht es nichts aus, das sie mich sehen, aber es ist das Einzige, was ich von ihm habe. So kann ich noch etwas in seinem Duft baden. Langsam wende ich mich ab und gehe meine Schwester suchen. Sie läuft in ihrem Zimmer auf und ab. „Nein, vergiss es!“
Sie kennt mich halt doch zu gut. „Aurelia, Ariel braucht deine Hilfe.“
„Es ist mir egal!“
„Ich habe keine Ahnung, warum es geht, aber denk doch nach, das wird wie nicht aus Witz gemacht haben.“
„ES IST MIR …“
„Egal, ich habe es verstanden, aber mir nicht.“
Ruckartig wendet sie sich zu mir. „Dein Platz ist hier!“
„Nein.“
„WAS?“ Ihre Stimme ist wieder schrill.
„Ich habe mich hier nie wirklich wohlgefühlt, das weißt du auch, darum hast du mir Kris aufs Auge gedrückt. Bevor du ihn dir auch noch genommen hast.“
Sie hebt den Finger. „Wie lange willst du mir das noch vorwerfen? Es war ein Ausrutscher!“
„Du bist meine Schwester, du hättest nein sagen sollen.“
„Ich verstehe, darum also diese Unzucht mit diesem … ich weiß nicht mal wie ich dieses Subjekt beleidigen kann.“
„Das mit Damian, hat nicht mit dir oder sonst wen zu tun. Ich mag ihn. Seine Berührung ist …“
„RED NICHT WEITER!“
„Wenn du Ariel und ihm nicht hilfst, dann werde ich gehen.“
„Vater hilf, sie hat den Verstand verloren.“ Sie blickt zur Decke und dann wieder zu mir. „Merkst du es nicht, es ist eine Falle!“
Ich verneinte es. „Er hätte die Chance gehabt, nicht nur einmal. Ich vertraue ihm.“ Das ist dann wohl das Schlimmste, was ich je sagen konnte. Sie verwandelt sich. Nicht einfach in einen Wolf. Nein, auf zwei Beinen bedrohlich und groß. Nur das dies mir keine Angst macht. „Wow, echt jetzt Aurelia? Sieh es doch so. Wenn du mich freiwillig gehen lässt, werde ich mich melden, du musst dir also keine Sorgen machen. So na ja werde ich wohl wieder abhauen. Entscheide dich.“ Sie brüllt mich an. „Du stinkst aus deinem Mund.“ Zum Glück ist das Aurelia, ansonsten würde ich vermutlich mir doch in die Hosen machen. Sie atmet heftig ein und aus. „Ich gehe und alleine.“ Sie schubst mich und ich lande auf dem Boden. „Du kannst mich einsperren, verprügeln und was weiß ich. Solang ich lebe, werde ich gehen. Oder du gehst, aber dann könnte es passieren, dass hier Chaos herrscht. Du weißt ja, ich bin nicht die Ordentlichste und von Organisation und Winterphase halte ich nicht viel.“
Schwer atmend wird sie wieder zu sich selber. Die Kleidung hängt in Fetzen von ihrem Körper. „Okay, zweimal am Tag meldest du dich, Kris geht mit“, sie hält den Finger hoch, da ich widersprechen will, „und sollte der mir sagen, dass du wieder … werde ich dich herholen.“
„Nein, keine Woche!“
Sie reibt sich die Schläfe. „Kris geht mit oder ich werde dich in den Schlaf schicken, verstanden!“
Mist! Sie hat mich jetzt in der Hand. „Okay aber nicht Kris. Ich würde nämlich zu gerne erlauben, dass er erschossen wird. Kann sein, dass du deinen Fotzenlecker noch brauchst.“
Sie baut sich kurz auf. Aber sie weiß, dass ich seine Vorlieben besser kenne als sie. „Miguel!“
Ein weißer Wolf kommt ins Zimmer. Ihre persönliche Wache, entweder hat sie wirklich Angst um mich oder sie traut mir null. Vermutlich beides. Er verwandelt sich in einen Menschen. Kurze blonde Haare, Ziegenbart und grüne Augen. „Ja Herrin?“
„Pack deine Sachen, eine Woche müsste reichen, du begleitest Bellatrix.“
Ich verschlucke mein Lachen. Sie sieht böse zu mir. „Bin schon weg.“ Ich höre ich, dass sie ihm noch etwas aufträgt, wie pass auf sie auf und bla. Es ist mir egal, ich schüttel ihn schon ab. Ich packe meine Tasche. Es klopft hinter mir. „Was?“
„Hier.“ Sie reicht mir eine Phiole. „Zauberstaub, für deine Kleidung, dass sie nicht bei der Verwandlung kaputtgeht.“
„Sag doch gleich, damit er mich nicht nackt sieht.“
„Das ist wohl zu spät. Und … egal, pass Mitte auf dich auf.“
Ich blicke zu meiner Schwester. „Was wolltest du sagen?“
„Nicht wichtig.“ Sie nimmt meine Hände. „Wenn nicht diese Ariel, nicht das Mädchen von damals ist, komm nach Hause und lass sie machen.“
„Sie ist es, auch, wenn du es nicht verstehst, glaube ich an ihn.“
Sie will etwas sagen, nickt aber dann, ihre Umarmung kommt für mich überraschend. „Ich weiß, das du es als Ausrede siehst, aber das damals in der Nacht, …“
„Es ist egal, du kannst ihn haben. Nein, du kannst alle haben.“
„Ich hatte nicht so ein Glück wie du.“
„Von was redest du.“
Sie drückt mich noch mal. „Wirst du merken.“ So schnell wie sie ins Zimmer gekommen ist, so zügig ist sie auch wieder draußen.

Schulterzuckend packe ich weiter. Als ich mit meinem Rucksack und einer weiteren Tasche herauskomme, steht Miguel schon da. „Hoheit“, sagt er und hält von seinem grauen VW mir die Tür auf.
Ich muss mich erst mal gut stellen, wenn ich hier schon zicke, bin ich schneller im Zimmer und in einem schlaf versetzt, als dass ich blinzeln kann. „Wir müssen noch bei Jim seine Waffen holen.“
Ein knurrt, nickt aber und nimmt mir meine Sachen ab, die er in den Kofferraum legt. Ich steige ein und er setzt sich auf dem Fahrersitz. Mein Blick geht zum Haus. Aurelia steht am Fenster und wirkt traurig. „Sie können es sich noch überlegen Hoheit.“
„Garantiert nicht.“
„Sie sind traurig.“
„Analysiere mich nicht, fahr endlich.“
„Wie sie es wünschen.“ Damit surrt der Motor und er fährt los. Vor Jim hält er und steigt aus. Ich blicke zur Fassade und zu dem Fenster, wo ich mit ihm die Nacht verbracht habe. Es ist unheimlich, es wirkt so leer, irgendwie verloren. Miguel setzt wieder ein, er riecht erleichtert. „Er hat es selbst abgeholt.“
„Dann auf zum Strand.“
Er atmet tief durch. „Hoheit, wollen sie wirklich einem Jäger helfen?“
„Ich habe das Gefühl, es ist wichtig.“
Er startet das Auto. „Seien sie sich dessen bewusst, dass die Welt da draußen, nicht das Paradies ist, wie sie denken und dieser Jäger, unter der Erde das Beste für uns wäre.“
Ich zeige ihn meine Zähne und knurre: „Fass ihn an und du kannst mit den Seelen im Fegefeuer spielen.“
Kopfschüttelnd setzt er den Rückwärtsgang ein. „Es ist falsch.“
„Und mir ist es egal.“
Weiter fährt er. Wölfe und Hunde stehen kurz vor dem Straßenrand und heulen, als wir an ihnen vorbeikommen. Ein Abschied für immer wird normal so begleitet. Irgendwie haben sie recht. Ich will hier nicht mehr zurück und ich weiß, dass meine Chancen da draußen zu überleben sind gering, aber tief in mir spüre ich, dass es der richtige weg ist.
„Die nächste rechts und dann hältst du.“ Stumm gehorcht er. Ich kletter aus dem Wagen und gehe weiter. Er öffnet die Tür und steigt aus. Die Zentralverriegelung gibt einen Ton von sich. Seine Schritte sind hinter mir. Ich drehe mich zu ihm. „Was wird das?“
„Denkt Hoheit wirklich, dass ich sie alleine lasse?“
Ich balle meine Faust und gehe weiter. Es bringt nichts, jetzt etwas zu sagen. Ich höre, wie er sofort etwas in sein Handy tippt. Eine Nachricht an meine Schwester. Toll!
Das Auto des Jägers steht genau dort, wo meines gestern gestanden hat. Lässig und verdammt sexy lehnt er an seinen Jeep. „Was sagt sie?“, fragt er so gleich, als ich auf ihn zukomme.
Der Erste was mir in den Kopf kommt, ob er doch bitte sein Shirt wieder ausziehen kann oder komplett. „Ich bin vom gleichen Blut wie Aurelia, somit ebenfalls geeignet, egal was Ariel sagt. Ich komme deiner Bitte nach. Wenn du auf meine Hilfe verzichten willst, dann gehe ich und du hast nichts.“
Eisern betrachtet er mich, schwer atmend holt er dann ein Handy heraus. „Wir kommen, wo treffen wir uns?“ Ich will hochspringen vor Erleichterung. Ihn umarmen, vielleicht sogar küssen. Nicht vielleicht, ich will. Er geht zu seinem Jeep, flink mache ich es mir auf dem Beifahrersitz gemütlich. „Und der da?“ Er nicht hinter uns.
„Wache, Aurelia vertraut uns nicht.“
„Wundert mich nicht.“ Er fährt los, rückwärts und hält kurz bei Miguel. „Ich halte nicht für dich, als schau, dass du hinterherkommst.“
„Er hat meine Sachen“, werfe ich ein.
„Falls du uns verlierst, wir sind in Vegas“, gibt er knurrend hinter er und brettert los. Hat er sich nicht über mein Tempo beschwert? „Warum hilfst du mir, uns, ach egal, du weißt, was ich wissen will.“
„Ich helfe dir, weil ich dir vertraue und mein Gefühl mir sagt, das ist der richtige Weg.“
Er schnaubt verächtlich. „Ich habe deine Rasse getötet und werde es weiter machen, daher solltest du mir nicht vertrauen.“
„Oh glaub mir, das tue ich.“ Mein Blick geht zu ihm. Schon komisch, mein Instinkt hätte Schrein sollen, dass ich laufen soll, als er auf mich zu gekommen war. Und doch sitze ich hier und spiel mit dem Feuer. Riskiere mein Leben für eine Sache, die nicht nur meiner Spezies schaden bringen kann. „Und ich bin mir das Risiko auch bewusst.“ Ich wende mich dem Fenster zu und betrachte das Meer, das neben der Straße verläuft.

„Du kannst etwas schlafen, wenn du willst.“
Schlaf? Ich schüttel meinen Kopf. „Ich bin nicht müde, als Gestaltenwandler reichen ein paar Minuten.“
„Warum bist du dann so still?“
„Der Tote, ist er der Grund, warum sie deine Ex ist?“ Er sagt nichts, aber die Verbitterung schwingt säuerlich in seinen Duft zu mir. „Du liebst sie sehr, oder?“
„Sie hat sich in mein Herz geschlichen. Als Jäger lernt man nicht viele kennen, wenn man unterrichtet sind sie tabu, die meisten schaffen es eh nicht. Sie ist von Anfang an anders gewesen.“ Er sieht kurz zu mir. „Nach dem Tod von Zayn, sah alles danach aus, das sie und Cosmo ein paar werden. Doch sie zog alleine fort. Auch, nachdem … er hat es geschafft, sie sind immer noch beste Freunde, aber sie kam zu mir. Eine Zeit lang hatte ich gehofft, aber das habe ich schnell aufgegeben und jetzt, da die Chance besteht, dass er wieder kommt, hat sie komplett den Schlussstrich gezogen. Ariel meinte, der Abstand könnte mir guttun. Ich glaube, sie wollte mich einfach verkuppeln.“ Er schweigt und ich weiß nicht, was dazu sagen soll. Plötzlich reißt er das Lenkrad herum und fährt auf einen Parkplatz. Sobald der Wagen steht, springt er heraus. Nur die Handbremse hat er angezogen, selbst er Motor läuft noch. Seufzend drehe ich den Schlüssel und steige aus. Er ist in den Wald gegangen, der neben dem Parkplatz ist. Sein Schrei hallt zu mir. Neben mir hält Miguel.
Sofort ist sein Blick voller Sorge und mustert mich. „Hoheit, was ist passiert?“
„Nein.“ Ich will Damian hinterher.
Doch Miguel hält mich fest. „Ich lasse nicht zu, das sie dort hineingehen.“
„Wenn du nicht mitten im Meer sein willst, lässt du mich sofort los und komm mir nicht in die Quere!“
„Hoheit, er ist ein Jäger und aggressiv, ich bin für euch zuständig, bitte.“
„Er wird mir nichts tun.“
„Da können sie sich nicht sicher sein.“
„Er braucht mich, noch bin ich sicher.“ Seine Finger gleiten von meiner Haut. Er schließt seine Lider und nickt dann. Ich gehe den Wutgeruch nach und sehe wie Damian seine Faust immer wieder in einen Baumstamm mit Wucht drückt. Ein hauch Metallduft, verrät mir, dass er blutet. Erst als ich näher komme, sehe ich, dass seine Fingerknöchel zu sehen sind. Ich will seine Hand nehmen.
„Lass mich“, geht er mich an.
„Ich bin mit Wölfen groß geworden, da werde ich wohl keine Angst haben vor dir“, gebe ich von mir und greife an sein Handgelenk. „Halt still.“ Ich sehe mich um, entdecke einen Baumstumpf, zu dem ich ihn ziehe. „Und hat es etwas genutzt?“
„Nein, ich bin immer noch wütend.“
„Sana“, flüster ich leise und hauche auf seine Wunden.
„Was soll der Scheiß?“, schreit er mich an und zieht seine Hand weg.
„Ich habe nur deine Wunde geheilt.“ Kurz geht sein Blick darauf. „Denkst du, ich will dir schaden?“
„Du bist das, was ich bekämpfe.“
Ich schmunzel. „Du bist wütend, das verstehe ich, aber ziehe mich nicht hinein.“ Vorsichtig fahre ich über seinen Arm nach oben. Immer noch geht seine Atmung stoßweise. An seinem Geruch erkenne ich aber, dass er sich langsam beruhigt. Fest lege ich meine Finger an sein Genick. „Willst du wirklich dich auspowern?“
„Kommt an das an, was dir im Kopf herumschwirrt?“
Interessant. „Fang mich!“ Ich gebe ihm einen Kuss, wende mich ab und verwandel mich in einen Wolf. Immer schneller laufe ich, bleibe hinter einen Baum stehen. „Na komm schon Damian, zeig mir, was du mir jemanden wie mir machst.“
„Ich will dir nicht wehtun“, ruft er aus, aber ich höre, wie sein Herz vor Adrenalin schneller schlägt und seine Wut verraucht. Auch seine bedachten Schritte verraten mir, dass er mitspielt.
„Dafür müsstest du mich erst mal kriegen!“, lache ich und laufe weiter. Springe dann auf einen Baum und warte.
„Bella?“
Mein Herz schlägt höher, wie er meinen Namen ausspricht, ist wie eine sanfte Umarmung. Ich springe hinter ihm herunter. Er dreht sich um und will zu schlagen, aber ich bin schneller und werfe ihn um. „Ich habe dich.“
Wir beide atmen schnell und unser beider Verlangen steigert sich immer mehr. Langsam beuge ich mich zu ihm. Ein Fehler, er dreht den Spieß um, jetzt bin ich unter ihm. „Jetzt hab ich dich.“
„Ja das hast du“, sage ich leise.
„Hoheit“, dröhnt die Stimme von Miguel zu mir. Ich stöhne genervt aus.
„Danke“, sagt Damian, ob er mich meint oder meine Wache ist mir nicht nachvollziehbar. Er steht auf und rennt Richtung Auto. Mir ist klar, dass ich jetzt mit Miguel die Zeit verbringen muss. Langsam erhebe ich mich.
Zu meiner Überraschung steht Damians Jeep noch da und hat die Beifahrertür geöffnet. Ich achte nicht auf Miguel und steige ein. Damian nickt und fährt los. „Es tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen“, gebe ich leise von mir.
„Du kannst nichts dafür.“ Er stockt, seine Finger umgreifen fester das Lenkrad. „Sie ist nur die Zweite, die mich so hinhält und dann fallen lässt. Das ist mir nur klar geworden und …“
„Und?“, frage ich, weil er nicht weiterredet.
„Warum vertraust du mir?“
Die Frage ist gut, warum nur? „Ich weiß es nicht. Jeder Sinn in mir müsste Angst haben, oder dich zerfleischen wollen. Aber ich verspüre weder das eine noch das andere. Im Gegenteil ich bin gern in seiner Nähe. Ich mag deinen Duft.“
„Trägst du deswegen noch mein Shirt? Was komischerweise noch ganz ist.“
„Zauberpulver. Ja, aber auch weil es etwas Besonderes für mich war.“
„Klar so selten schlafen Jäger und Bestie ja nicht miteinander.“
„Du warst der erste Mensch“, gebe ich gekränkt von mir. „Und nur weil ich anders bin, bedeutet das nicht, dass ich ein Biest bin.“
„Ach nein.“
Ich blicke aus dem Fenster. „Nein.“ Es tut weh, aber vermutlich hat er recht, ich bin für ihn ein Monster, ein Fehler der Natur, so etwas wie mich sollte es nicht geben.
„Was macht dieses Zauberpulver?“, fragt er, nach einer Weile Schweigen. Ich zucke mit den Schultern. Den Ton, den er jetzt von sich gibt, kann ich nicht entziffern. „Ich … es tut mir leid. Ich wollte dich nicht niedermachen.“
„Da vorne ist ein Hotel, ich bin müde.“
„Das …“
„Ich habe Geld, mach dir keine Sorgen darüber. Du kannst auch weit genug von mir ein Zimmer haben.“
„Bella.“
„Nein, ich habe verstanden. Ab morgen werde ich bei Miguel mitfahren.“
„Wie gut meinst.“ Er nimmt die nächste Ausfahrt. Hält am Parkplatz und ich steige aus. „Ich ruf die anderen an und komme nach.“
Ich sage darauf nichts. Miguel sieht mich fragend an, als er hält. „Was hat der Jäger ihnen angetan?“
„Nichts, miete drei Zimmer.“
Nach einer kurzen Musterung nickt er und geht dann die Treppen hinauf, in das Hotel.

Ich hasse es, wenn der Geruch so stark ist, dass es einem der Mageninhalt wieder fast hochkommt. Miguel hat eine Suite und nur noch ein Zimmer bekommen. Somit habe ich einen von beiden in meiner Nähe. Sofort nach dem Betreten das Zimmer, habe ich die Balkontür aufgerissen und mich an das Geländer hingestellt. Mich interessiert nicht, was da drin sich befindet. Mein Blick wandert über den Wald, der sich dahinter erstreckt.
„Bella, wir sollten reden?“, höre ich Damian und dann rieche ich sein Blut.
Schnell drehe ich mich zu ihm. Seine Hand blutet wieder. „Was hast du gemacht?“
„Alles gut wirklich.“ Ich greife nach seinen Fingern. „Nein es ist wirklich okay. Vertrau mir. Aber wir sollten reden.“
„Es gibt nicht zu sagen.“
„Warum bist du geblieben? Warum vertraust du mir? Und warum bist du mit mir gekommen?“
Ich wende mich ab. „Was spielt das für eine Rolle? Ich bin ein Biest, ein Monster, Ungeheuer oder wie auch immer du es nennen willst.“
„Mein Leben bestimmte eine Regel. Alles, was kein Mensch ist, ist gefährlich. Geister brachten meine Großeltern um. Ein Werwolf löschte die Familie meiner Cousine aus und meine Eltern wurde durch eine Hexe das Leben ausgelöscht.“ Er tritt neben mich und lehnt sich mit den Unterarmen auf die Brüstung. „Ich bin den Jägern nur zu gern beigetreten. Ich habe meinen Bruder, auf einer jagt verloren, es war meine Schuld. Seid neuesten wird alles auf den Kopf gestellt, was immer ein Sinn ergab.“ Seine Hand wischt sich über das Gesicht. „Nika ist ein halber Engel. Ein ganzer Engel wird ein Verwandter, ein sehr guter Freund, wurde zu einem Gestaltenwandler. Ich mag sogar seine Freundin. Wir müssten alle von ihnen vernichten, so ist das Gesetz der Jäger.“
„Was willst du mir damit sagen?“
„Ich will dir erklären, warum ich manchmal einfach so reagiere, wie ich es tue.“
„Ich bin deiner nicht würdig, weil ich nicht bin wie du.“
„Nein“, gibt er von sich und greift zu meiner Schulter, „ich mag dich sogar, aber wenn das alles vorbei ist, wird sich nichts ändern. Ich jage solche wie dich und vernichte sie. Gefühle sind da hinderlich.“
Kurzzeitig hat mein Herz schneller geschlagen, aber jetzt würde ich am liebsten sofort sterben. „Dann bringe mich um, wenn die Zeit dazu kommt.“
„Bella.“
„Es ist alles gesagt. Geh.“
„Ich bin keiner deiner Diener und ich will eine Antwort.“
Ich verdrehe die Augen. Er würde es nicht verstehen, ich tue es ja selber nicht. Meine Finger gleiten über die Stelle, wo er mich berührt hat. „Ich bin dir nichts schuldig.“ In meinen Gedanken sage ich den Zauber auf, der ihn weg teleportiert. Der Sandgeruch ist stark und dann wieder weg. Ich habe ihn nur auf den Parkplatz gesetzt, einfach Abstand. Doch genau dieser tut mir gerade weh. Tränen wandern über meine Wange.
„Bellatrix?“, höre ich von der Balkontür.
Schnell wische ich mir das Wasser aus dem Gesicht und richte mich auf. „Du bist ja wirklich“, rufe ich aus und umarme die Gestaltenwandlerin.
„Ja, aber was machst du hier?“
„Aurelia hat keine Lust, sie hat einen Trick vermutet.“ Knurren und Fauchen kommt aus dem Zimmer. Schnell laufen wir hinein.
„Cosmo, beruhig dich!“, ruft sie aus.
„Miguel, SITZ!“ Ein Puma und ein Wolf legen sich flach auf den Boden.
„Schatz, darf ich dir Bellatrix vorstellen, sie ist die Schwester von Aurelia.“
Der Puma wird zum Menschen. Ein großer schwarzhaariger Typ mit Locken und eisblauen Augen steht da. „Warum sie?“
„Das wollte sie mir gerade erzählen, aber du meintest ja, dich mit ihrer Wache anlegen zu müssen.“
„Ich er hat …“
„RUHE!“, schreie ich. „Ich bin das Blut Anubis und Liliana Le Fay, genauso wie Aurelia. Wenn dir nicht passt, dass ich jünger bin, kann ich gehen und du kannst schauen, wie du deinen beschissenen Freund wiederbekommst!“
„Sie ist eindeutig zu viel mit Damian unterwegs.“ Er atmet tief durch. „Noch mal auf Anfang. Hallo, ich bin Cosmo und danke, das du uns hilfst.“ Die Tür knallt auf.
„Bin ich jetzt dein verdammtes Spielzeug?“, brüllt Damian mich an und kommt auf mich zu.
„Wer von uns zwei treibt den Spielchen?“ Miguel knurrt. Doch Damian und ich starren uns nur an. Mit einem Geruch wird das alles innerhalb von Sekunden zu einer anderen Situation. Eine junge Frau kommt herein, sie hat schwarze lange Haare und rote Strähnen, aber das Schlimmste für mich, sie riecht nach Damian. Aber auch ein Duft geht von ihr aus, eine Mischung aus ihrem und seinem Blut, schwach, fast kaum wahrnehmbar.
„Nein, Nein“, wiederholt Ariel und will mich wegziehen. Ich bin außer mir vor Wut und kurz davor, nicht die harmlose Gestalt preiszugeben. „Damian helfe mir, sie muss hier weg.“ Immer schneller geht meine Atmung.
Er hebt mich hoch und bringt mich auf den Balkon. „Hey, alles gut, ich bin da.“
„Sie ist es, oder?“, knurre ich.
„Ich bin da.“ Er nimmt mich in den Arm. Sein Herz rast. Ich kann diese Geste nur erwidern und beruhige mich langsam.
„Hey, willst du etwas laufen?“, fragt Ariel.
Ich schüttel meinen Kopf. Gerade fühle ich mich gut, angekommen.
„Bella, was war gerade los?“, will Damian wissen.
„Sie ist eine Halbgöttin“, antwortet Ariel, als wenn das alles erklären würde. Sie seufzt. „Das Gen des Gottes bindet sich nur einmal.“
„Ich bin nicht gebunden“, gebe ich von mir.
„Oh doch, dein Wolf will seine Berührung genauso so sehr wie du. Du warst außer dir, wegen Nika, weil du ihn gerochen hast an ihr.“ Sie sieht hinter sich. „Du vertraust ihm, vom ersten Augenblick.“
Er lässt mich los. „Das ist Blödsinn. Ein Tier und ich, lachhaft.“
„Ich glaube, doch laufen tut gut.“ Ich wende mich ab. Fell wächst und ich springe von dem Balkon.
„Idiot“, faucht Ariel und dann rieche ich sie in Katzengestalt. Wir rennen durch den Wald. Nach einiger Zeit, als der Mond über uns steht, werden wir zum Menschen und gehen nur noch.
„Wozu brauchst du unsere Hilfe?“, frage ich sie.
„Willst du nicht lieber über das reden, was da war?“
„Es gibt nicht zu reden.“
Sie hält mich am Arm fest. „Bellatrix, Nika kann nichts dafür, es ist genauso vorgegeben wie bei dir und mir.“
„Bei mir ist nichts vorgegeben!“
„Du kannst einen anlügen, der nicht von unserem Gen ist oder es riecht.“ Sie mustert mein Gesicht. „Dir ist das selber nicht klar, oder?“
Ich zucke mit den Schultern. „Was soll mir klar sein?“
„Du und Damian ihr seid vorherbestimmt.“
„Das kann nicht sein, er liebt diese …“
„Schlampe, du kannst es sagen, ich bin auch nicht ein Fan von ihr. Aber Cosmo bedeutet sie fiel auch der …“ Ich runzel die Stirn. „Ich weiß nicht, wie ich ihn nennen soll, tot ist er nicht.“
„Der, warum du meine Hilfe brauchst?“
Sie nickt. „Zayn ist der beste Freund von Cosmo.“ Sie setzt sich auf den Boden. „Hab Geduld mit Damian.“
„Er liebt sie und es war nur ein Fehler für ihn.“
„Ich habe mich viel mit Cosmo unterhalten und ich kenne Damian, so wie er jetzt riecht und sich verhalten hat, ist er anders.“
„Ich bin ein …“
„Er hat dich beschützt, nicht sie. Er kam zu dir und hat dich beiseite genommen …“
„Weil er weiß, dass ich sie umgebracht hätte.“
„Nein, weil er Angst um dich hatte, hast du das nicht vernommen?“
„Ich habe nur sie gerochen und das sie schwanger war.“
„Er weiß es nicht und er braucht dich dafür. Stütze ihm, egal was er sagt, es ist sein Stolz, seine Vorteile und seine Angst.“ Ihr Blick ist traurig. „Ich habe ihn zu deiner Schwester geschickt, weil ich ihn Ablenken wollte und Abstand reinkommt. Ich habe nicht gewusst, dass ich euch damit antue. Aber ich brauche dich, besser gesagt euer Gen. Du bist die Enkelin von Raphael. Ich kann das Tor finden, aber ohne dieses Blut ist es nutzlos.“
„Warum Tor finden?“
„Das wir in den Himmel können.“
Kurz lache ich auf. „Du weißt, dass wir Hexenblut auch haben?“
Sie nickt langsam. „Aber kannst du damit auch in den Himmel?“
„Wenn ich die Zauberworte habe, kann ich überall hin.“
„Kannst du auch jemanden mit dahin nehmen?“
„Nein.“
Sie steht auf und läuft hin und her. „Aber Damian müsste es doch gehen, oder?“
Ich zucke mit den Schultern. „Es ist jetzt nicht so, das ich ständig durch die Weltgeschichte zaubere.“
„Aber ihr seid verbunden.“
„Sagst du.“
„Ich habe mich auch gewehrt, aber so ist das nun mal, wie es ist.“
„Er ist ja auch einer von euch.“
„Jetzt ja.“ Ich runzel die Stirn. „Komm, wir gehen zurück, dann erzähle ich dir alles.“

Das Hotel kommt in Sicht. „Ich freu mich für euch.“ Das tue ich wirklich, aber es stimmt mich auch traurig. Damian und ich werden nie das haben, was sie haben. Er ist jetzt einer ihresgleichen. Durch ihr Blut wurde er zu einem Gestaltwandler, sie hat auch noch etwas von einer Infizierung eines Vampires gesagt, aber da meinte sie, versteht sie auch nicht alles genau. Der Gedanke aber, dass Damian ein Teil von mir sein könnte, gefällt mir. Aber die bittere Wahrheit bleibt, er ist nicht ihr Lockenkopf und da er dies alles weiß, würde er nicht zulassen, dass ihm es auch passiert.
„Euer Weg wird sich zeigen.“ Sie blickt zum Balkon. „Kannst du uns schweben lassen, Cosmo würde es nicht gefallen, wenn ich jetzt nackt durch die Lobby laufe.“
Lachend sage ich: „Superlatet.“ Schon tut sich eine Staubwolke hervor, auf die wir treten und uns in die Luft zum Balkon hob.
„Da bist du ja wieder“, kommt von dem schwarzen Lockenkopf, der sich vorhin mit Miguel angelegt hat. Er nimmt Ariel in den Arm und gibt ihr einen Kuss.
„Darf ich die Bellatrix vorstellen, zweite Tochter von Anubis!“
Sein Blick geht zu mir. „Danke das du uns hilfst.“
Doch ich sehe hinter ihm. Damian lehnt an der Tür. Was denkt er? Ich nicke den beiden vor mir zu. „Ich brauche etwas mit seinem Geruch, das ich ihn finden kann.“
„Nika hat ein Messer aus seiner Rippe, geht das?“, fragt der Lockenkopf.
Ich bejahe es stumm, er wendet sich ab und geht hinein. Damian kommt auf uns zu. „Ich lass euch mal allein“, sagt Ariel leise.
„Ich will nur sagen, pass auf dich auf“, meint er, bevor sie ihren Worten taten folgen kann.
„Geh doch mit“, gibt der Lockenkopf von sich, als er wieder zu uns kommt. Damian und ich starren uns an, wir beide sind im Zwiespalt. „Du kannst auf sie aufpassen und Zayn abhalten, auf sie loszugehen.“
„Es ist besser …“, beginnt Damian.
„Cosmo hat recht.“ Ariel greift nach unseren Händen und legt sie ineinander. „Los.“
„Willst denn?“, will ich leise wissen.
„Du hast es gehört, ich kann dich beschützen.“ Er nimmt das Messer vom Lockenkopf.

„Ceolum Zayn.“ Ich hoffe, dass der Name mich gleich in die Nähe bringt von demjenigen, den ich finden soll.

Doch nun stehe ich allein auf einer Fläche, die ich nicht als Wiese bezeichnen würde. Obwohl Rechtecke in verschiedenen Größen das Gras wächst. Wege umschließen jedes Einzelne. Der Platz ist riesig. Der Geruch von einem Engel kommt mir in die Nase. Ich blicke zu der Stelle.
„Michael, hast du Angst, dass du dich verstecken musst?“
Der Engel mit seinen schwarze langen Haaren und den dunkelgrünen Augen blickt finster zu mir. „Was mischst du dich da ein?“
„Freundschaft.“ Auch, wenn es nicht ganz der Wahrheit entspricht und es doch gelogen. Weder bin ich Ariels Freundin, noch kenne ich die anderen gut genug, um es Freundschaft zu nennen. Einzig allein, das Vertrauen zu Damian und mein Bauchgefühl sind die Ursache für das hier. „Wo sind wir?“
Er wendet sich ab. „Hier habe ich sie kennengelernt.“
„Ah ja und wen meinst du? Besser gefragt, was interessiert mich das?“
„Nikas Mutter.“
Ich knurre, diese Person interessiert mich am allerwenigsten. „Und?“
„Es war ein Fest hier, Ende September. Die Nacht war …“
„Komm zum Punkt“, unterbreche ich ihn.
Damian und ein blonder Fremder erscheint neben ihm. „Du hast mit dem allen nichts zu tun, Tochter des Anubis. Daher schlage ich dir einen Deal vor.“
Ich fletsche meine Zähne, wenn er denkt, er kann Damian etwas antun, lernt er meine zweite Gestalt kennen. „Du hast nichts zum Anbieten!“
„Sachte! Du bist hier im Himmel auf einer Illusion, die ich erschaffen habe. Du kannst einen vielleicht retten, aber beide nie und nimmer.“
Damian oder Zayn. Der Mann, der nur mein Menschliches akzeptiert, ich aber mit ihm verbunden bin. Oder der Mann, der die Linie, der Ersten in sich trägt und die Welt retten soll? „Der Fluch der Ersten“, flüstere ich. „Du kannst ihm nichts anhaben“, rufe ich dann aus. Mit einer Handbewegung und den gedanklichen Schrei nach Damian, befindet er sich durch den Zauber bei mir. „Rursus“, sage ich, sobald ich seine Wärme spüre. Wir sind zurück auf dem Balkon.
„Wo ist er?“, höre ich gleich von einer Frau, noch bevor ich den Geruch der Anderen wahrnehmen kann. Sie kommt mir nicht bekannt vor.
„Sie hat mich gerettet“, sagt er leise.
„Was ist passiert?“, fragt Ariel.
„Sie war auf einmal weg, alles war dunkel und dann standen wir auf der Theresienwiese in München.“ Damian blickt zu mir. „Er … Sie … Ich verstehe es nicht ganz.“
„Engelssprache“, sagt ein blonder Engel, der auf den Balkon tritt. Neben ihn eine Frau, die körperlich eher als Mann sein könnte.
Ich nicke ihm zu. „Er will, das ich mich raushalte, und wollte mir einen Deal anbieten. Ich konnte Damian nicht Opfern für einen, den er eh nichts anhaben kann.“
„Ich bin Nathanial“, stellt sich der Engel vor, „und das Neomi.“
„Der verstoßene Engel, Glückwunsch.“ Seufzend nickt er.
„Vollkommen unnütz“, sagt die Frauenstimme wieder.
Dann bemerke ich, wer sie ist und meine Wut brodelt wieder in mir. Doch bevor ich irgendwie reagieren kann, bekomme ich den Geruch von Verwesung, Asche und nassem Hund in die Nase. Der Schatten vor mir wird immer dunkler.
„Bring ihn weg“, schreie ich Ariel entgegen, doch sie hat vor mir reagiert.
Groß schwarz, in alt ägyptischer Kleidung und mit seinem Schakalskopf steht er vor mir. Sein Blick ist eindringlich. „Du warst wo, wo du nicht sein dürftest.“ Ich will antworten, er hebt die Hand. „Ein Mensch hast du gerettet.“
„Ja.“
„Mehr hast du nicht zu sagen.“
Ich verdrehe die Augen. „Was willst du?“
„Was ich will“, brüllt er mich an und beugt sich zu mir vor.
„Äh ja, dich hat nie interessiert, was mit mir ist.“ Er richtet sich auch und wendet sich ab. Seine Gestalt verändert sich. „Damian“, keuche ich. Im Lauf lasse ich meine Bestie frei und komme gerade noch rechtzeitig vor Damian stellen. Mein Vater und ich brüllen uns an. Ich werde nicht nachgeben, er darf ihm nichts anhaben.
So schnell er seine Gestalt geändert hat, so rasch ist er auch wider normal. „Ich verbiete dir …“
„Es ist mir egal, was du verbietest oder was du willst.“
„Du würdest alles auf dich nehmen?“
Das habe ich zwar nicht gesagt, aber ich nicke. „Dieser Weg fühlt sich richtig an.“
Sein Stab erscheint neben ihn und zeigt auf mich. „Rufe, wenn du wieder weist, was du wirklich willst.“
Sand umkreist mich, der Strudel engt mich immer weiter ein, bis ich die Augen schließen muss, weil komplett eingehüllt bin. Sofort habe ich das Gefühl, als wenn etwas fehlt. Es verzieht sich zu meinem Vater und ich erkenne, was es ist. Ein paar ziehen Luft ein. Am liebsten würde ich Anubis anschreien, schlagen und auch flehen mir meine Gestalten wiederzugeben, aber ich balle meine Faust. „Viel Spaß. Ich komme auch ohne aus. Denn Mamas Gaben und die von Opa habe ich noch.“
„Wie du meinst!“ Damit ist er verschwunden, mit dem, was mich ausgemacht hat. Die Beweglichkeit, meine Nase, die Kraft …
„Bella“, kommt sanft von Damian.
„Nein, geht. Ich will gerade keinen sehen.“
Aber er geht nicht, sondern nimmt mich schweigend in den Arm. Es tut mir weh, alles ist so unwirklich gerade für mich.
„Finger weg, von der Hoheit“, knurrt Miguel.
Seine Umarmung wird fester. „Verpiss dich du Köter.“
„Sie ist von meinem Volk, dämlicher Jäger.“
„Nein das war sie noch nie. Sie ist besser.“
„Streitet euch nicht“, faucht Ariel, „das bringt Bellatrix gerade nichts.“
„Deinetwegen ist die Hoheit in der Situation, du hast ihr den Fluch auf den Hals gehetzt!“
„Knurr jemand anders an, aber nicht meine Frau“, kommt von einem Dritten, vermutlich der Lockenkopf.
„Statt uns über diesen Mist zu unterhalten, sollten wir überlegen, wie ich erstens mein Messer wieder bekomme und zweitens, wie ich Zayn wieder in meine Arme nehmen kann.“
Das ist zu viel für mich. Ich befreie mich aus der Umarmung. „Du! Du! Du! Hörst du dir überhaupt mal zu!“, schreie ich diese Nika an. „Deinetwegen bin ich dieser Misere, nicht Damian hat schuld oder Ariel. Ganz allein du!“
„Sie …“
„Doch sie Nathanial, sie ist schuld.“
„Bella“, sagt sanft Damian.
„Ist klar, dass du auf ihrer Seite bist.“
„Du kannst das nicht alles so einfach sagen.“
„Wisst ihr was, tut alles für diese Verlogene …“ Ich finde das richtige Wort nicht, was sie beschreibt, dafür kenne ich sie zu wenig. Mörderin, würde passen, aber dies würde ihn vermutlich verletzen. „Aber lasst mich in Ruhe.“ Ich gehe ein paar Schritte. „Miguel, wir fahren nach Hause.“
„Sehr gute Entscheidung Hoheit.“
„Ich komme mit“, besteht Damian darauf. Verwundert sehe ich ihn an. „Du bist menschlich und ich lasse dich nicht zu solchen ohne Schutz.“ Kurz habe ich das Gefühl, mein Herz würde mir aus dem Brustkorb springen.
„Damian“, ruft diese Nika aus.
„Sie hat es meinetwegen verloren, egal was sie sagt. Ich bin ihr etwas schuldig.“
Miguel will dazwischentreten, aber ich schüttel den Kopf und gehe, dass er mich damit mehr verletzt hat, als ein Messer es je tun könnte, wird er nicht verstehen.

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