WGC Oktober

Das Abenteuer von Bellatrix ist noch nicht vorbei, lest wie es weiter geht <3

Am nächsten Abend kommen wir zu Hause an. Damian kam nicht mit, dafür sorgte ein Streit und zusätzlich ein Zauber.
„Was ist passiert?“, will Aurelia wissen und ich gehe einfach an ihr vorbei. „Rede mit mir, du stinkst wie ein Mensch.“
Ich wende mich an sie. „Weil ich einer bin! Willst du mich jetzt hinauswerfen, bin ich jetzt unwürdig, deine Schwester zu sein?“
„Nein aber …“
„Nichts aber, lass mich einfach in Ruhe!“ Ich wende mich ab. „Was ist passiert Miguel?“
„Euer Vater Hoheit“, sagt er. Seine Schritte folgen mir. „Eure Taschen.“
„Was versprichst du dir?“, frage ich, als ich mich am Fenster stelle.
„Hoheit, ich verstehe nicht, wo rauf sie aus sind?“
„Warum tust du das?“
„Sie sind, was sie sind. Es ist egal, ob das Wesen in euch schlummert, oder nicht? Sie bleiben Bellatrix le Fay und damit meine Königin. Ruhen sie sich aus, sie sind zu Hause und in Sicherheit.“
Zu Hause bin ich das wirklich? Es fühlt sich unwirklich an, nicht nur, weil ein Teil meiner selbst fehlt auch, weil ich das Gefühl habe nicht mehr willkommen zu sein. Als ich die Tür aufmache, steht Miguel vor der Tür und hält Wache, dass ich einfach nur seine Königin sein soll, glaube ich ihm nicht ganz. Er ist stets loyal meiner Schwester gewesen, warum ist er dann hier und nicht wieder an ihrer Tür. „Brauchen sie etwas?“, fragt er mich.
„Ich will zum Grab“, sage ich.
„Ich begleite euch.“
„Nein, ich gehe allein.“
„Hoheit, sie sind mächtig, aber nicht mehr unsterblich, ich lasse sie nicht ungeschützt.“ Ich verdrehe meine Augen und gehe Richtung Treppe. Knurrend springt er in seiner Wolfsgestalt über mich und hindert mich weiter zur Treppe zu gehen. Ich will fragen, was er den jetzt für ein Problem hat, da höre ich Fauchen und bedrohliches Knurren von einigen mehr.
„Lass mich durch“, schreie ich ihn an.
Als er sich nicht bewegt, wende ich Magie an, die ihn in der Luft schweben lässt. „Hoheit nicht“, ruft er mir nach, als ich die Treppen hinuntereile.
Jäger in unserem Haus, mittendrin zwei Pumas und Damian. Ich stehe wie versteinert da und weiß nicht was ich machen soll.
„Was geht hier vor?“, höre ich meine Schwester hinter mir. Doch ich kann nur auf ihn achten, wie er eine, der Wachen abhält ihn zu beißen.
„Nein“, schreie ich, doch zu spät, die zweite Woche hat ihm am Hals gepackt. Schnell renne ich zu ihm, trete die beiden weg, erst knurren sie, dann Knurren sie, aber als sie erkennen, wer ich bin, und legen sich winselnd auf den Boden. „Damian, nein, nein.“ Ich will die Hand auflegen und ihn heilen.
„Kein Zauber“, keucht er.
„Das Blut du wirst sterben.“
Er nimmt meine Finger. Wie schnell kann sein schon so kalt sein? „Kein Zauber, bleib …“ Seine Lider flattern und die Muskelspannung ist weg.
Ich weiß, dass er es nicht will, aber ich kann ihn jetzt nicht gehen lassen. Nur ein kleiner Zauber, um ihn von der Treppe des Todes zu holen. „Miguel hilf mir.“
„Ich trage ihn hoch“, höre ich ihn. „Maja, Verbandsmaterial los!“, befiehlt er einer Wölfin und hebt ihn hoch.
„Vorsichtig“, bitte ich.
„Nein, er kommt mir nicht nach oben …“, knurrt meine Schwester.
„Sei still“, kommt genauso von mir. Sie starrt mich an und schüttelt dann den Kopf. Zügig bringt Miguel ihn in mein Zimmer und legt ihn hin. Eine dunkelhaarige Frau kommt herein und legt alles auf mein Nachtisch.
„Helft bitte.“ Ich nicke Miguel zu und halte Damian aufrecht. Geschickt verbindet er den Hals.
„Wird er …“
„Er kann nicht sterben durch euren Zauber, aber wie lang es dauert, bis seine Wunde heilt, ist mir unklar.“ Er hebt mein Kinn und richtet meinen Blick auf ihn. „Hoheit, es ist nicht eure Schuld.“
„Aber, wenn ich geblieben wäre, dann …“ Ich schniefe und wische mir über die Wange.
„Sie haben nichts falsch gemacht.“ Er lächelt mich an. „Ich bringe ihnen etwas zur Beruhigung.“
Langsam nicke ich, er geht zur Tür. „Danke.“
„Gerne.“ Das Schloss klackt und ich setze mich an die Bettkante und starre Damian an. Schweigend bringt Miguel den Tee, verräumt die blutverschmierten Tücher und den Rest der Binden.
„Können wir reden?“, fragt meine Schwester leise.
„Ich musste es tun.“
„Ich weiß.“ Sie stellt sich ans Fußende. „Egal was ist, du wirst immer meine Schwester bleiben und ich will dich beschützen. Dieser Mensch ist nicht gut für dich. Du …“ Sie atmet tief durch, „du bist jetzt menschlich, diese Verbindung ist nichtig, such dir bitte einen anderen.“
„Ich mag ihn trotzdem.“
„Das …“
„Nein. Ich weiß, was du vorhast, aber das ist nicht der Weg, den ich gehen will. Auch nicht, dass du ihm einen Zauber auferlegst. Die menschliche Liebe ist anders als unsere, aber dürfen wir sie deswegen beeinflussen?“
„Aber du quälst dich, das kann und will ich nicht mitansehen.“ Ich blicke zu ihr, ihre Fingerknöchel sind weiß und das Holz gibt schon knacksend nach. „Bitte.“ Noch nie habe ich Aurelia weinen gesehen, doch jetzt wandern sie über ihre Wange. „Ich will dich nicht zu Grabe tragen wie sie.“ Mit SIE meint sie, unsere Mutter. Ich bin damals ein Welpe gewesen und Aurelia hat mich davor abgeschirmt, so gut es ging.
Ich habe schon immer einen Dickschädel gehabt. „Das hast du von mir“, hat meine Mutter immer zu mir gesagt. Vielleicht sollte ich einmal auf Aurelia hören. Ich sehe zu Damian. Nein, es wäre nicht echt, aber das will ich, echte Gefühle. Darum schüttele ich meinen Kopf. „Es kommt wie es kommt.“ Sie will etwas sagen. „Spätestens, wenn ich wieder meine Gestalt wieder habe, rieche ich es und das wäre unerträglich für mich.“
Sie atmet tief durch. „Ich wollte dich beschützen.“ Meine Verwirrung kann ich nicht verbergen. „Miguel er rief an, sagte, dass du für sie in dem Himmel bist. Ich hatte Angst, das …“
„Du bist schuld an dem hier?“
„Ich hatte Angst, verstehst du das nicht?“
„Aurelia du kannst mich nicht vor allem beschützen.“
„Wir waren schon immer so unterschiedlich.“ Sie reibt sich ihre Lider. „Mach ihn zu einem von uns und du wirst nicht nur sehen, das dieses Gefühlsding eine Riesen Schwindel ist, auch bekommst du deine Gestalt wieder.“
Wie verlockend sich beides anhört, muss ich es doch verneinen. „Ich werde ihnen helfen und danach mir etwas einfallen lassen.“
„Nein, bitte“, fleht sie.
„Sobald er wach ist und gehen kann.“
Es klopft hinter mir. „Hoheit, Ariel will mit euch reden“, sagt Miguel. Wie ich es vermisse zu riechen, seine Stimme, verriet kein Gefühl.
„Sag ihr, sobald Damian wach und fit ist, werde ich ihnen helfen. Bring sie bitte in das Gästehaus, lass Resa ihnen etwas zu essen bringen und stelle zwei Wochen auf, den du vertrauen kannst.“
„Wie ihr wünscht.“ Die Tür schließt er wieder.
„Bevor du etwas sagst, es ist auch mein Haus.“
„Und das sind Jäger, die uns tot sehen wollen“, erwider Aurelia.
„Mal daran gedacht, dass dies alles vielleicht dazu dient, genau das zu ändern?“
„Jetzt gehen aber die Wölfe mit dir durch, nur weil sie …“
„Einer von ihnen hat sich verwandeln lassen und ist Ariels Partner, ein Engel ist ihnen und …“ Ich liebe ihn, will ich sagen, aber aussprechen traue ich mich nicht.
Meine Schwester holt tief Luft. „Okay. Miguel wird dich begleiten.“ Zum Verneinen komme ich nicht. „Er sorgt für deine Sicherheit.“
Er ist das kleinere Übel. „Einverstanden. Warum eigentlich er? Er ist nicht der Stärkste.“
„Aber der Loyalste.“ Sie blickt zu Damian. „Aber eines sollte dir klar sein.“
„Nein wirst du nicht.“
„Oh doch, ich werde ich umbringen, wenn er dich verletzt mit Absicht.“ Irgendwie bin ich ihr dankbar und anderseits, passt es mir gar nicht. Bei ihr könnte ich mir vorstellen, dass sie dies auch wirklich durchzieht.

Ich spüre, wie jemand mir das Haar aus dem Gesicht schiebt. Es ist dunkel, als ich versuche, blinzelnd etwas zu erkennen. „Ich wollte sie nicht Wecken“, höre ich Miguel, „aber sie haben ihr Haar immer eingeatmet.“
„Haben wir kein Licht?“, frage ich gähnend.
„Bis brauchten sie das nicht, aber ich werde in Auftrag geben eine Nachttischlampe zu kaufen.“
„Was machst du hier?“
„Nach euch und dem Patienten sehen.“
Ich reibe mein Genick. „Ich sehe rein schwarz, wie geht es ihm?“
„Keine Sorge, er ist auf dem Weg der Besserung.“
Erleichtert atme ich aus und muss lächeln. „Danke.“
„Hoheit.“
„Mh?“
„Wenn sie schlafen wollen, ich habe nebenan ein Bett aufstellen lassen.“
„Ich kann wohl eh nichts hier machen.“ Ich stehe auf. „Da ich nichts sehe oder rieche. Kannst du mich hinüberbegleiten?“
„Wenn dies euer Wunsch ist gerne.“ Er nimmt meine Hand. Das vermisse ich auch die Wärme, die in uns ist. „Vorsicht.“ Zu spät ich knall mit dem Fuß gegen etwas. „Ich trage sie lieber.“ Schon habe ich einen Arm in den Kniekehlen und verliere den halt unter meinen Sohlen, was mich einen Schrei aus der Kehle lockt. „Wollen sie mich taub machen?“, fragt er amüsiert.
„Das war zu schnell, ich bin das nicht gewohnt.“
„Dann hat Kris etwas falsch gemacht.“
Ich schnaube. Zügig läuft er mit mir los. „Du solltest dann auch etwas schlafen.“
„Mach ich dann auch.“ Eine Tür knarrt und die Luft hat sich verändert. Etwas stickig und leicht modrig. Er setzt mich auf das Bett. „Das Fenster ist noch geöffnet, unten läuft eine Wache, sie sind sicher.“
„Schlaf gut.“
„Danke Hoheit.“ Damit ist das Geräusch von der Tür, wie sie ins Schloss geht. Die flauschige Decke auf dem Bett lege ich mir um die Schultern und gehe zum Fenster. Auch dort ist alles im Dunkeln. Der Kies macht ein Geräusch und ein heller Fleck läuft auf und ab.
„Du sollst schlafen“, rufe ich runter.
„Sie brauchen es mehr Hoheit“, lacht Miguel.
Ich setze mich auf das Fensterbrett. „Vielleicht reicht das, was ich geschlafen habe.“
Helles Fell kommt in meiner Sicht, kratzen an der Fassade und dann Miguel, der sich locker dann auf die andere Seite setzt. „Kann schon sein.“ Er schwingt die Beine ins Zimmer, greift nach mir und hebt mich hoch. „Aber trotzdem sollten sie es versuchen.“ Er bringt mich zum Bett und setzt sich an die Kante.
„Und nun?“
„Wissen sie noch, als ich hier ankam?“
„Nein.“
Er lacht. „Damals saßen sie auch auf einer Fensterbank.“
„Als ich mal wieder geflüchtet war?“
„Ja“, seufzt er. „Schwungvoll haben sie mich umgestoßen und frech weiter gerannt.“
„Ich war auf einem Sprung“, sage ich und lege mich hin.
Er macht es sich an mein Fußende gemütlich. „Das gewiss.“
„Warum bist du hier?“
„Damit sie im Bett bleiben und vielleicht einschlafen.“
„Nein, warum du damals hier herkamst.“
„Tut das weh?“, fragt er aber und streicht über meinen Fuß, wo ich mich angestoßen habe.
„Nein und hör auf auszuweichen.“
„Mh“, macht er und fängt an, leicht zu massieren. „Meine Familie wurde umgebracht, ich strich allein mit meinem Bruder durch die Welt und dann hörte ich, dass ihr Wachen sucht.“
„Du warst verheiratet?“
„Nein, mit Familie habe ich meine Eltern, Geschwister, Tante und so gemeint.“ Er lacht. „Euch ist schon klar, dass wir im gleichen Alter sind.“
Ich zucke mit den Schultern. „Es fühlt sich ewig an, das du hier bist.“
„Ich bin mir gerade im unklaren, ob das ein Kompliment oder etwas Negatives ist.“
„Mh Negativ“, ziehe ich ihn auf. Aber um ehrlich zu sein, weiß ich es selber nicht. Seit er bei uns arbeitet, steht er meiner Schwester zur Seite. Ich habe mit ihm wenig zu tun gehabt. Auch verstehe ich immer noch nicht, warum sie ihn mir zur Seite gestellt hat.
„Sicher.“
„Na du warst doch ständig der Schatten von Aurelia.“
Er atmet hörbar aus. „Sehen sie mich so?“
„Ich weiß nicht“, gähne ich. „War es eigentlich schwer für dich?“
„Sie verwirren mich Hoheit.“
„Na ständig in ihrer Nähe zu sein, vor allem wenn es Frühling wird.“
„Ich habe nie mit ihrer Schwester geschlafen, falls sie das nachfragen wollten.“
Mein Gesicht wird heiß. „Nein, es ging mir nur darum, weil … na ja Kris … Warum eigentlich nicht?“
„Ihr Duft hat mich nie gelockt, daher ist es mir egal, mit wem eure Schwester es getan hat.“
„Verstehe ich nicht, wie kann ein Wolf widerstehen?“ Das ist so gesehen unmöglich.
„Ich weiß es nicht Hoheit“, sagt er leise. „Vielleicht, weil sie über mir steht oder weil eine andere Wölfin mich mehr gelockt hat.“
„Du kennst noch andere Wölfinnen?“
Er lacht wieder. „In der Tat Hoheit, ich kenne euch zum Beispiel. Resa oder Leila, um drei Namen zu nennen.“
„Verräts du mir, welche dich lockt?“
„Gewiss nicht Hoheit.“
„Aber ich kenne sie?“
„Schlaft.“
„Du weichst aus, also ja.“
„Ja eure Hoheit ihr kennt sie.“
Ihn mit einer Frau vorzustellen, lässt mich schmunzeln. „Weiß sie es?“
„Hoheit, wie kommt das an: Euer Geruch macht mich wahnsinnig, aber ich werde nie Zeit für euch haben, da ich für die Hoheit da sein muss. Ich nehme diese Berufung sehr ernst.“
„Mh, gute Frage.“ Ich setze mich auf. „Aber jetzt bist du freiwillig hier, so mit hättest du Zeit für sie.“
Statt zu antworten, springt er auf, schritte und die Tür quietscht. „Sie sollten nicht aufstehen.“
„Verzieh dich Köter“, gibt Damian von sich.
Sofort stehe ich auf und will zu ihm. Doch was bei Miguel und seiner Wolfssicht so leicht gewesen ist, stellt sich für mich zu einer Katastrophe dar. Ich schlage mir den nächsten Zeh und falle dann gegen etwas. „Aua“, gebe ich von mir.
„Hoheit!“ Seine Wärme spüre ich neben mir. „Was haben sie getan?“
„Aua“, gebe ich von mir, als er mich hochhebt. Meine hintere Seite schmerzt, noch mehr mein Kopf und der Fuß.
„Hoheit sie Bluten, ich hole ihre Schwester.“
„Ich bin schon da, warum hast du sie allein gelassen, kannst du nicht mal etwas richtig machen?“, brüllt Aurelia.
„Schrei nicht so“, sage ich, „er kann nichts dafür, ich sehe nichts und ich wollte zu Damian.“
„Der Jäger schon wieder“, knurrt sie und setzt sich zu mir. Leise flüstert sie den Zauber, der meine Wunden und Schmerzen heilt.
„Was ist mit Damian?“
„Wachen bringen ihn zu den anderen“, erklärt mir Miguel.
„Er …“
„Nein Hoheit, sie sind wichtiger.“
Aurelia nimmt ihre Hand weg. „Bleib bei ihr, passiert ihr noch mal etwas …“
„Es war nicht seine Schuld“, wiederhole ich.
„Aber demnächst.“ Ich höre wie sie sich bewegt. „Und bring sie in ihr Zimmer, dieses hier ist ihrer nicht würdig.“ Wieder schritte. „Lieber hätte sie diesen Jäger verbluten lassen sollen.“
Ich will ihr hinterher, sie anbrüllen. „Ihre Schwester meint es nur gut“, flüstert er mir zu und hebt mich hoch.
„Sie trotzdem kein recht, über ihn das zu sagen.“
„Lieben sie ihn?“, fragt er mich, als er mich auf einen Stuhl in meinem Bett absetzt.
„Ich weiß es nicht, ich vertraue ihm und ich fühle mich geborgen. Ist das Liebe?“
Ich höre, wie er an meinem Bett mit meinem Bettzeug hantiert. „Die Frage ist eher, können sie sich vorstellen, mit ihm zusammen zu sein für immer.“ Er atmet tief durch, während ich mich genau das frage. „Entschuldigt Hoheit, es kommt mir nur so unrealistisch vor.“
„Weil er ein Mensch ist?“
„Nein, eher trotz der Sympathie, die er für euch hat, er immer das Monster in euch sieht. Ich mein, sie sind sie und es ist egal, ob mit oder ohne den gaben von Anubis, im Herzen werden sie immer eine Wölfin sein.“
„Du sprichst von ihm, hast, aber mich gefragt, ob ich ihn liebe.“
„Hoheit, ich arbeite seit bald zehn Jahren hier. Ich sehe sie. Daher bezweifle ich nicht, dass sie etwas empfinden, aber ob es wirklich Liebe ist und sie sich dessen klar sind, das sie in seinen Augen immer etwas sind, was er im Grunde vernichten will.“
„Du weißt nichts über mich!“
„Da muss ich widersprechen.“ Ich zucke zusammen, als er sich fast lautlos angeschlichen hat und meine Wange berührt. „Ich kenne sie am besten hier.“
„Und warum denkst du das?“
„Weil ich sie seit meinem ersten Tag beobachte.“
„Was?“
Er hebt mich hoch und setzt mich auf mein Bett. „Schlafen sie etwas.“
„Hör auf mir zu befehlen. Antworte!“
„Ich bin nie die Wache eurer Schwester gewesen, sondern euer Beschützer. Ich weiß vom Strand, von eurer Höhle und ihren anderen Verstecken.“ Ich schlucke. „Wenn ich sage, ich kenne sie am besten, dann tue ich das.“ Sein Atem spüre ich an meiner Wange. „Ich weiß, wann sie lügen, obwohl ihr Geruch nichts verrät. Ich weiß, wen …“
Ich halte ihm den Mund zu. „Ich habe es verstanden“, zische ich, wende mich ab und lege mich hin.
„Hoheit“, gibt er von sich, aber er klingt nicht wütend eher verzweifelt.
„Lass gut sein.“ Krallen klackern, aber nicht aus meinem Zimmer, er legt sich auf dem Boden hin. Ich seufze. „Es tut mir leid. Es herrscht gerade ein Chaos in mir. Das mit Damian ist verwirrend. Nicht mehr zu riechen zu können oder zu sehen, wie ich es gewohnt bin, … du hast keine Ahnung, wie ich mich gerade fühle.“
„Nicht im entfernten kann ich mir das vorstellen, nicht mehr …“ Er atmet tief durch, ich höre, wie er zu mir kommt, auf sie Seite, wo ich liege. „Hoheit ich würde für euch sterben.“ Er nimmt meine Hand. „Euch so leiden zu sehen, tut mir weh und ich will euch schützen. Darum will ich einfach verstehen, warum ich nicht einfach rübergehen soll und das Beenden, was Hecktor angefangen hat.“
„Nein bitte nicht.“
„Ich verstehe einfach nicht, wie ein Jäger euch so viel bedeuten kann, das ihr euer Leben riskiert. Vor allem da es nicht das Band der Götter ist.“
„Das Band der Götter?“, hinterfrage ich.
„Sie wissen das wirklich nicht, oder?“ Ich schüttel den Kopf. „Ein unsterbliches Leben ist lang, darum …“
„Ach so der bestimmte Partner.“
„Ja.“
„Warum sagst du, dass es nicht das Band ist?“
„Weil er nicht so reagiert, wie ein Partner es tun sollte.“ Er streicht über meine Stirn und hält eine Strähne fest. „Auch, wenn er ein Mensch ist, kann sich der dessen nicht entziehen. Mir kommt es fast so vor, als euch ein Zauber auferlegt worden ist. Aber sie sollten jetzt wirklich schlafen.“
„Ich kann nicht.“
„Rutschen sie mal etwas“, sagt er und ich weiß nicht, ob es ernst gemeint ist, da ein gewisser Schalk in seiner Stimme zu hören ist. „Hob weiter rein.“
„Okay“, gebe ich lang gezogen von mir und lasse ihn in mein Bett.
„Machen sie es sich gemütlich.“
„Und wie?“
„Benutzen sie mich als Kissen.“
Ich lehne ab und versuche, eine Schlafposition zu finden, schlussendlich wird er dann doch dazu genötigt. Sein Herz schlägt schnell in seiner Brust. „Und jetzt?“
„Wirklich gemütlich?“ Ich nicke. „Schließt die Augen.“ Seine Hände streichen über meinen Rücken. Leise summt er ein Lied, nicht irgend Eins, meine Mutter hat es mir vorgesungen, als ich klein gewesen bin.
„Woher kennst du das Lied?“
„Morgen“, flüstert er und singt weiter. Der Klang beruhigt mich.

„Ähm ja?“, stoßt jemand aus.
„Sie haben nichts im Zimmer der Hoheit zu suchen“, knurrt Miguel.
„Bin wach“, gebe ich von mir und gähne.
„Ich weiß.“
Ich lege mein Kinn auf seine Brust und sehe ihn an. „Du schuldest mir eine Antwort.“
Sein Blick geht zu der Person im Zimmer und dann wieder zu mir. „Ihr summt es, wenn ihr in Gedanken seid und wenn ihr denkt, ihr seid vollkommen allein, singt ihr es, vor allem am Grab eurer Mutter.“
„Es ist unheimlich“, sage ich, will ernst klingen, aber muss schmunzeln.
„Ich nehme meine Aufgabe sehr ernst.“
„Ich will nicht stören, aber wir sind unten“, vernehme ich Ariel, „und würde gerne besprechen, wie es weiter geht.“ Miguel knurrt.
„Ich geh duschen und komme dann.“

Meine Haare sind noch feucht, als ich die Treppe nach unten gehe. Miguel steht an einer Tür des Besprechungszimmers. Selbst von seinen blonden Haaren tropft es noch. „Sind sie da drin?“
„Ja, ich gab den Befehl, sie doch Platznehmen zu lassen.“
Ich nicke und gehe in das Zimmer. Der große Tisch mit Stühlen ist gedeckt. Drei Jäger, ein Engel und zwei Werkatzen in ihrer menschlichen Form sitzen da. Damian sieht wütend aus, er hat die Arme verschränkt und seine silbrigen Augen wirken düster. „Na noch schön unter der Dusche gewesen?“
„Was dagegen, wenn ich mich wasche?“
Sein sieht zu Miguel, dieser knurrt sofort. „Was hat er in deinem Bett gemacht?“
„Ich bin dir zwar keine Rechenschaft schuldig, aber, wenn du es genau wissen willst, ich konnte nicht schlafen.“
„Und da hast du gedacht …“
Miguel stürmt an mir vorbei und packt ihm am Kragen. „Ich bringe dich um, wenn du noch einmal so über sie sprichst.“
„Lass ihn los!“
„Du bist Abschaum“, knurrt er und lässt Damian frei.
„Scheiß Köter!“
Ich balle meine Faust und schlage zu. Er keucht und sieht mich noch wütender an. „Ich bin Anubis Tochter. Er stammt somit aus meinem Blut!“
„Du bist anders.“
„Nein, nur weil ich gerade nicht in diese Form kann, bin ich nicht anders. Für dich bin ich auch eine Töle, Köter oder was dir sonst noch Beleidigendes einfällt.“
„Das …“
„Sie hat recht Damian“, kommt von der Frau mit zu vielen Muskeln. „Sie sind, was sie sind. Nur weil Ariel unsere Freundin ist und gut ist, heißt das nicht, dass alle es sind. Aber, wenn wir diese ihre Art beleidigen, tun wir es auch über sie. Oder wie würdest du es finden, wenn sie zu mir … was weiß ich, stinkende … ach keine Ahnung was in ihrem Kopf herumgeht.“
„Mörder?“, schlage ich vor.
Keiner sagt etwas. Ariel blickt hinter mir.
„Davon abgesehen, ist dies mein Haus und sie alle sind hier Gast“, brummt meine Schwester. „Sie leben noch, wegen eines Köters.“ Aurelia stellt sich zu uns. „Was wollt ihr hier, habt ihr meiner Schwester nicht genug angetan?“ Wenn man bedenkt, dass sie eigentlich daran schuld ist, finde ich den ersten Teil diese doch auch berechtigt.
„Wir können auch verzichten“, gibt diese Nika von sich.
„Nein Nika und das weißt du auch, sie sind die Einzigen, die dort noch hochkönnen und ihn befreien“, sagt der Lockenkopf. Sie presst ihr Kiefer aufeinander und nickt.
„Bellatrix wird nirgends hingehen, ihr könnt also gehen.“
„Aurelia meine Meinung über die Mission habe ich nicht geändert.“
„Du willst ihnen immer noch helfen?“
„Hoheit“, fängt Miguel an, erst hege ich die Vermutung, er will mich überreden es nicht zu machen, aber er blickt zu meiner Schwester, „ich vertraue eurer Schwester und ihrem Bauchgefühl. Wir wissen nicht, was dies für Auswirkungen haben wird, aber sieht doch an, was es jetzt schon bewirkt hat.“
Sie schließt die Augen. „Er wird nicht zulassen, das eine von uns dort hochgeht und ich bin nicht diejenige, die alles für ein Schnapsgefühl aufgibt.“
„Vater hat keine Kontrolle mehr über mich. Meine Magie habe ich noch und es ist keine Idee, es ist mehr ein drang, diesen Weg zu gehen.“ Warum müssen wir das immer wieder diskutieren?
Sie wendet sich ab. „Ich glaube euch nicht und das Vertrauen in euer Vorhaben ist ein Hauch von irgendetwas. Ihr kommt her, kämpft euch durch meine Wachen, für eine lächerliche Frage, ihr hättet anrufen können.“
„Aurelia“, kommt von Ariel, „wir sind Freunde, so dachte ich, aber gestern hast du uns angreifen lassen. Wir haben uns verteidigt und jetzt stellst du mich, und uns dar, als wenn wir euch überfallen hätten wollen.“
Ich reibe meine Lider, langsam ist mir das zu viel. „Hoheit?“, fragt Miguel.
„Geht schon.“ Ich atme tief durch. „Hast du alles vorbereiten lassen?“
„Sobald ich es gehört habe.“

Ich nicke ihm dankend zu. „Lass uns gehen.“
Aurelia verlässt den Raum.
„Was bedeutet, lass uns gehen?“, fragt Damian, sein Ton gefällt mir nicht.
„Ich werde Hoheit begleiten auf eurer Reise.“ Ich verdrehe die Augen, diesen überheblichen Ton hätte er auch weglassen können.
„Zusammenhalt nennt man das Damian“, sagt der Lockenkopf, der mit Ariel an uns vorbeigeht. Der Engel und die mit den Muskeln schließen sich ihnen an.
„Hoheit der Wagen wartet“, sagt Miguel.
„Könnt ihr uns kurz alleine lassen?“ Mein Blick liegt auf die Frau, die immer noch bockig dasitzt und ihre Arme verschränkt hat.
„Wie ihr wünscht. Ich warte vor der Tür auf sie.“
„Verzieh dich doch einfach“, grummelt Damian, der uns aber doch alleine lässt. Einer von ihnen schließt die Tür.
„Was willst du?“ Ihre Halsschlagader pocht.
„Ich hasse dich, was du Damian angetan hast, werde ich niemals gutheißen. Mir geht es definitiv nicht darum, dass du ihm noch mehr wehtun kannst und ich scheiß auf Verbindung und Wahrsagungen. Wenn ich könnte, würde ich dich lieber umbringen, als dir zu helfen. Zu meinem Bedauern sagt mein Bauchgefühl, dies ist der falsche Weg. Aber ich werde nicht zögern, dich leiden zu lassen, solltest du ihm weiter wehtun.“
„Warum ich? Das übernimmst du doch schon sehr gut.“
„Damian liebt dich und das wird immer so bleiben. Wir sind vertraut, aber er lenkt sich mit mir nur ab.“
„Weil du ihn so gut kennst.“
„Nein, aber ich bin nicht blind, wie er dich ansieht, wird er zumindest in naher Zukunft nie mich so betrachten.“
„Suchst du eine Ausrede für dein … Wache?“
Ich lache. „Schließe nicht von dir auf mir.“ Ich wende mich ab. „Wenn du es genau wissen willst, schmerzt es mich und irgendwie bin ich auch erleichtert. Als Göttin geboren, gibt es einen für sich. Ich hätte alles für Damian getan. Jetzt ohne dies. Ist er mir immer noch vertraut und ich will ihn beschützen. Nach tiefen Gefühlen fühlt es sich aber nicht an.“
„Ich weiß sehr gut, was du meinst.“ Über die Schulter hinweg, bekomme ich mit, wie sie sich über die Wange wischt. „Ich habe versucht, für ihn wieder etwas zu empfinden. Doch, wenn er mich berührt, wusste ich immer, dass es nicht das ist, wo sich richtig angefühlt hat.“ Sie schließt ihre Lider. „Als ich erfahren habe, dass ihr beide, du weißt schon, die Nacht verbracht habt. Ich habe mich für ihn gefreut. Mir ist in der Hinsicht auch vollkommen egal gewesen, was du bist. Ich will, dass er Glück ist, so wie du auch, aber du hast vermutlich recht, wir beide sind es nicht.“ Sie sieht zu mir. „Ich habe es nicht abgetrieben, es ist in mir gestorben.“
„Aber er weiß es nicht.“
„Na jetzt schon, dank dir und Ariel. Wir haben auf der Fahrt geredet. Er mag dich sehr. Vielleicht ist es auch nur das Gefühl, aber weil du, nicht menschlich bist.“
„Was willst du damit sagen?“
„Gib ihm nicht so schnell auf.“
„Aber genau dies sagt mein Gefühl, genauso wie das ich euch helfen muss.“
„Dann kann ich nur hoffen, dass es ihn nicht zu sehr verletzt.“ Ja, das hoffe ich, aber tief in mir weiß ich, dass es alles gut ausgehen wird.

Unsere erste Anlaufstelle ist eine Schule und ein Dorf voller Jäger. Miguel ist sichtlich nervös, ständig schwirrt sein Blick über das Gelände. Wir kommen an rosa-farbigen Häuser vorbei. Junge Mädchen stehen an den Fenstern und starren uns an. Auf einem Platz steht eine Frau mit schwarz Lila kurzen Haaren.
„Damian“, sagt sie erfreut und umarmt ihn. „Wer ist das?“
„Bellatrix, Tochter des Anubis und ihre Wache.“ Die letzten Worte sagt er mit leicht genervter Stimme.
Sie seufzt. „Sodom und Gumora wird zu Normalität.“ Sie wendet sich an uns. „Wir haben hier REGELN. Nicht nackt herumlaufen, kein …“ Sie stockt. „Bleiben sie?“, fragt sie Damian.
„Hoheit in einem stinkenden Menschendorf, gewiss nicht“, knurrt Miguel. Sie reist ihre Lider auf.
„Wir nehmen eure Gastfreundschaft an, bis wir die Aufgabe erfüllt haben“, sage ich.
„Bitte trotzdem keinen umbringen und angezogen herumlaufen.“
„Kein Problem.“
„Gut, dann bring sie in Dustins Haus“, bittet sie Damian.
„Wird er nichts dagegen sagen?“, will ich wissen.
„Er ist gefallen auf der Jagd.“
„Mein Beileid.“ Sie nickt mir lächelnd zu. Ich blicke zu Miguel. „Komm.“ Wir folgen Damian. Ich bin bei Miguel mitgefahren, er mit Nika in seinem Auto. Wir haben also keine Zeit gehabt uns zu unterhalten.
„Hier die sieben, da könnt ihr, solang leben. Essen wird am Freitag geholt. Strom und warm Wasser, bitte komplett ausschalten, wenn ihr wisst, dass ihr länger als einen Tag weg seid.“ Ich runzel die Stirn. „Entschuldige, Gewohnheit.“
Miguel macht die Tür auf und macht sofort einen Schritt zurück. „Das stinkt ja ekelig da drin, ist der da drin verwest?“
„Kannst du bitte unsere Sachen holen, ich werde etwas Wind dadurch pusten lassen.“
„Nein.“
„Sie hat es befohlen!“
„Jungs bitte. Damian wird mich nichts tun, also los.“
Sie knurren sich an, fast wie zu Hause. „Miguel.“
Er macht einen Schritt auf Damian zu. „Ein Kratzer und ich werde dir die Kehle hinaus Reißen.“
„Oh …“
Ich halte Damian den Mund zu. „Es reicht verdammt noch mal, seid artig.“ Miguel hadert mit sich. „Los!“ Dann läuft er doch los und das in Wolfsgestalt, sofort herrscht ein schrecklicher Ton, dass ich mir die Ohren zuhalten muss. Ich werde im Arm genommen, in der Sekunde hört es auf.
„Hoheit, geht es ihnen gut?“ Er hebt mein Kinn.
„Das war laut.“
„Keine Verwandlungen oder Zauber bitte vorerst, wir müssen euch erst einscannen“, sagt Damian. „Vergessen zu sagen.“
„Du …“
„Miguel bitte, es war keine Absicht. Hol unsere Sachen. Damian macht die Fenster auf und dann schauen wir weiter.“
„Wie sie wünschen.“ Dann lässt er mich los und geht.
Ich blicke zu Damian. „Wir sind jetzt beide Mal total ehrlich miteinander.“ Er runzelt die Stirn. „Du liebst Nika und ich bin eine Ablenkung für dich. Du magst mich, aber nicht so sehr das du sie vergessen könntest oder was ich bin. Wir vertrauen uns, aber das reicht nicht aus, für mehr.“
Sein Blick ist auf den Boden und dann nickt er. „Du hast von mir geredet, was ist mit dir?“
„Als ich noch komplett gewesen bin, hat sich das mit dir sehr gut angefühlt. Gerade weiß ich es wirklich nicht. Falls du denkst Miguel und ich, nein, wir leben schon ewig zusammen, es kamen dinge heraus, die ich erst mal verarbeiten muss. Für mich ist er immer noch meiner Schwester kleiner Liebling.“
„Er mag dich.“
„Verkuppeln gibt es hier nicht.“ Ich gebe ihm einen Kuss auf die Wange. „Kannst du bitte jetzt dann aufhören, eifersüchtig zu spielen oder unangebrachte Besitzansprüche zu stellen?“ Ich werde leiser. „Es seiden du meinst es wirklich ernst.“
„Mal sehen, die eine Nacht war auf jedenfalls nicht schlecht.“
Ich lache, ja sie war schön, aber ich habe nicht das Gefühl, als wenn ich zurzeit eine Wiederholung wollen würde. „Geh die Fenster aufmachen, dass es da stinkt, rieche sogar ich.“ Er macht einen Schritt ins Haus. „Ich habe mich wohl Gefühl und geborgen, darum bin ich geblieben.“
„Danke“, sagt er nur noch und geht ins Haus.

Ariel und ihr Lockenkopf kommen vorbei und bringen Pizza mit. Miguel rümpft die Nase darüber. Mir egal ich habe Hunger. Lockenkopf macht ein Lagerfeuer und wir setzen uns darum. „Vermisst du es eigentlich, also das Tier, deinen Wolf?“, will er dann wissen.
„Manchmal mehr und manchmal weniger.“
„Hoheit ist schon immer anders gewesen, während andere Wölfe durch den Wald gerannt sind oder bei den Bergen geklettert, ist sie zum Strand gefahren und hat sich gesonnt.“
„Hey, ich war auch im Wasser.“
„Um mit den Wellen fang mich zu spielen“, sagt er und grinst dabei breit. „Sie ist da wie ein Welpe.“
„Na zumindest vergrabe ich keine Knochen oder springe in Haufen Blättern.“
„Nur mit Freunden!“ Die beiden sehen uns verwirrt an. „Ich war ein paar Tage gerade im Dienst. Sie saß auf einem Baum und unter ihr haben Welpen mit Blättern gespielt. Nachdem sie mich aufgefordert haben mitzumachen, konnte ich nicht widerstehen.“
„Ach und zu Halloween, wie du dann lauter Löcher gebuddelt hast und dann zu mir meintest, du hast da was versteckt und dann sich herausstellte, das dort lauter Knochen sich befanden?“
„Den Welpen hat es gefallen.“
„Und Aurelia hat dich niedergemacht.“
„Ja, dies lässt sich nicht leugnen. Aber sie saßen am Fenster und haben gelacht, als ich sie wieder verschließen sollte und neue Wiese säen musste.“
„Der Anblick war auch zu komisch.“
„Ich bin jetzt Knapp ein halbes Jahr ein Puma, ich kann mir das nicht vorstellen, wie es ist, das Tier nicht mehr in mir zu haben“, meint der Lockenkopf dann.
Ich habe die beiden in diesem Moment vollkommen vergessen. „Ist ja nicht so, dass ich gesagt habe, hier Papa nimm meine Gabe.“
„Warum sagt ihr, eigentlich Tier?“, will Miguel wissen.
„Weil sie anders denkt“, erklärt Ariel. Ich kann mich noch erinnern, als sie bei uns gewesen ist, dass sie vollkommen sich weigerte, sich zu verwandeln.
„Wie sie denkt anders.“
„Na manchmal will ich etwas, aber sie nicht, oder umgekehrt.“
Miguel runzelt die Stirn. „Aber ihr seid doch eins.“
Sie zupft an ihrem Shirt. „Ich glaube, wir sind da wegen Bastet etwas anders, besser gesagt, weil ich durch Magie und ihrem Blut entstand.“
„Du hast keinen Vater?“
„Laut Nathanial nicht.“
„Wow, ich bin immer wieder erstaunt, was es so für Sachen zwischen Himmel und Hölle gibt.“

Der Engel mit seinem langen blonden Haar kommt auf uns zugeeilt. „Ich weiß, wie wir Michael austricksen können.“
„Und wie?“, fragt der Lockenkopf.
Mit stolzer Brust stellt er sich vor uns. „Die Halle der Zeichen.“
Während zwei von uns „Hä?“ Von sich geben, schluckt ich und Miguel schüttelt den Kopf.
„Das kannst du nicht verlangen!“, brüllt er ihn dann an.
„Würde uns einer aufklären?“, will Ariel wissen.
„Die Halle der Zeichen ist den höchsten magischen Hexen nur zugänglich, der Einlass kostet das Blut, wenn du nicht würdig bist, stirbst du.“ Die letzten Worte von Miguel richtet er an mich. Noch nie hat er mich geduzt, ich starre ihn. „Ich werde es nicht zulassen.“
„Haben wir verstanden, aber was ist das den jetzt?“
„Eine Art Bibliothek“, antworte ich Ariel, „nur die Bücher sind etwas na ja speziell.“ Sie mustern mich. „Mann benötigt ein Ritual, Blut oder je nachdem, was du wissen willst und dann bekommst du keinen Text, sondern Runen, Rätsel oder Bilder.“
„Und wie soll uns das helfen?“ Mein Blick geht zum Lockenkopf.
„Sie wird es nicht machen!“, knurrt Miguel, er wendet sich an mich. „Das kannst du nicht in Betracht ziehen. Das lasse ich nicht zu.“ Seine Schultern beben, sein Gesicht ist schmerzverzerrt und er atmet schnell.
„Miguel, du weißt, was ich über diese Mission denke.“
„Nein, du kannst alles von mir verlangen, aber nicht, dass ich zulasse, dass du in deinen tot läufst. Bitte, tu es nicht.“ Er geht auf die Knie und fleht erneut, er weint.
„Ist es wirklich so gefährlich?“, will Ariel wissen.
„Sie ist nicht schwach …“, fängt der Engel an.
„Sie wird es nicht machen.“ Ein „Bitte“ schalt hinterher.
„Ich kann es schaffen“, gebe ich von mir. Ruckartig sitzt er als Wolf vor mir und läuft, ich muss mir die Ohren zuhalten, der Ton schallt wieder über das Gelände. Es schmerzt mich so sehr, dass ich schreien muss, bis ich nichts mehr mitbekomme.

Ich öffne meine Lider, es ist dunkel, der Geruch ist nicht vertraut. „Wo bin ich?“
„Hoheit“, bringt erleichtert Miguel heraus, dann spüre ich seine Hand an meiner und ein Licht geht an.
Ich blinzel, bis sich mein Blick klärt. Das Zimmer ist recht klein, ein winziger Kleiderschrank, Hacken an der Wand, die Leselampe rechts neben dem Bett an der Wand angebracht und dieses schmale Bett, wo ich mich frage, wie es sein konnte, das ich nicht herausgefallen bin. „Was ist passiert und wo sind wir?“
„Dieser Alarm scheint eure …“
„Kannst du dich mal bitte entscheiden, entweder duzt du mich, oder bleib bei Hoheit.“
„Es tut mir leid, ich durfte mich nicht als ihres gleichen bezeichnen.“
„Das hat nichts mit ihresgleichen zu tun, eher wie du zu mir stehst.“ Er reist seine Augen auf. „Siehst du mich als etwas Besseres, besser gesagt, als einen Job oder sind wir Freunde.“
Kurz lächelt er, doch dann lässt er seine Mundwinkel hängen. „Ich darf nicht mit euch befreundet sein, sie sind Anubis Tochter.“
„Wer kriegt es mit?“ Er zuckt mit den Schultern und ich weiß nicht wie ich darauf regieren soll. „Denk einfach darüber nach und bitte eine Erklärung, für das hier?“
Er nickt. „Wir sind immer noch in dem Dorf. Dieser Alarm, dieser Ton, scheint etwas in ihrem Gehirn auszulösen, das sie Schmerzen haben.“
Schmunzelnd seufze ich, nicht weil es so weh tat, sondern weil er doch wieder Hoheitsmäßig denkt. „Ich bin also ohnmächtig geworden.“
„Ja.“ Er starrt meine Decke an. „Ich weiß, das sie nicht schwach sind, aber ich habe Angst.“
Ich nehme seine Hand. „Wir haben das zusammen angefangen, dann werden wir es auch gemeinsam durchziehen.“
„Ich darf dorthin, ich kann euch nicht beschützen und …“ Er bricht ab.
„Ich werde es schaffen.“
„So etwas können sie nicht versprechen.“
„Doch, genauso wie ich weiß, dass ich dies hier machen muss.“ Meine Finger lege ich auf seine Wange. „Also bleibst du an meiner Seite oder verkriechst du dich?“
„Nur der Tod kann mich von ihnen ganz trennen.“
„Dann sind wir ein Team.“
„Okay“, sagt er.
Ich weiß, dass er immer noch Angst hat, genauso wie ich es habe. Doch dieses Gefühl, das es genau das ist, wo mein Weg mich hinführen soll, ist einfach stärker. Ich umarme ihn. „Danke.“
„Wofür?“, will er leise wissen. Sein Herz rast.
„Das du so bist.“ Ich bin überrascht als er die Umarmung einfach nur erwidert.
„Bella?“, höre ich etwas weiter entfernt.
„Damian kommt, sie sollten mich loslassen.“
„Hast du etwa angst vor ihm?“, ziehe ich in auf.
„Bei weiten nicht, aber sie sollen glücklich sein und wenn es der Jäger ist, will ich nicht der Grund sein, warum ihr euch streitet.“
Ich lasse ihn los und winke ab. „Das ist vor erst geklärt, er liebt zu sehr Nika, als dass es mit uns wirklich mehr werden könnte.“
Es klopft. „Du bist also wieder wach?“, höre ich Damian.
„Ja.“
Sein Blick geht zu Miguel und dann wieder zu mir. „Er hat recht, es ist zu gefährlich für dich. Wir werden einen anderen Weg finden.“ Ich stöhne auf und lasse mich in das Kissen fallen. „Bella, du bist ohnmächtig geworden, wegen des Alarms! Du hast keine Ahnung, was da drin ist, welche Aufgaben dort auf dich zu kommen und keiner kann dich in dieser Bibliothek beschützen.“
„Sie sind nicht mehr unsterblich, Hoheit“, fügt leise Miguel hinzu.
„Gut dann, werden wir uns in die unsterblichen Hallen des Anubis einschleichen und mein Wesen wiederholen.“
„Noch so ein Himmelfahrtskommando“, seufzt Miguel.
„Wir werden einen anderen Weg finden“, sagt Damian und dieser Ton gefällt mir nicht. „Pass auf sie auf, dass sie keine Dummheit macht.“
„Mach ich.“ Mit zusammengekniffenen Augen blick ich zu Miguel, Verräter soll er aussagen, aber er lacht. „Ich hole euch etwas zu essen.“
Er steht auf, geht an Damian vorbei und stößt ihn an. Da fliegen die Blitze wieder. „Damian.“
Er wendet sich an mich und kommt zu mir. „Mh?“ Miguel läuft knurrend weiter.
„Lass das.“
„Er hat angefangen!“
„Welpenkacke!“ Er runzelt die Stirn. „Ignoriere ihn einfach.“
„Ich lass mir nicht alles von ihm gefallen.“ Er setzt sich auf die Bettkante. „Anderes Thema inzwischen kenne ich dich und in deinem Kopf planst du schon, wie du dein … egal was und wie es heißt, wiederholen willst. Aber es ist keine Option, dass du dich in Gefahr bringst.“
„Es gibt nur zwei Wege.“
„Und die wären?“
„Dein Tod, durch meine Hand oder einschleichen.“
„Dann lass es ganz.“ Er greift nach meinem Handgelenk und zieht mich zu sich. „Du brauchst nicht die Heldin zu spielen.“
„Was hast du vor?“, frage ich leise. Wirr gleitet sein Blick über mein Gesicht. „Damian?“
Er schließt die Augen. „Ich will nicht, dass du dich in Gefahr bringst, hast du verstanden?“ Dann nickt er zur Tür. „In diesem Punkt werden wir zusammenarbeiten und dich aufhalten.“
„Dann müsste ich es doch glatt ausprobieren.“
Er legt seine Stirn auf meine. Diese Geste verwirrt mich. „Du bist mir nicht egal.“
„Ich weiß.“
„Darum bleib ruhig, wir finden einen anderen Weg.“
Ich schließe meine Lider und nicke leicht. Versuchen kann ich es, aber es wird schwer nichts zu tun und abzuwarten. „Was wirst du jetzt machen?“
„Keine Ahnung. Einerseits mag ich dich zu sehr, um dich aufzugeben. Anderseits weiß ich, dass ich nie mit dem was du bist, klarkommen werde.“
Ich überwinde die letzten Zentimeter und gebe ihm einen Kuss. „Das habe ich nicht gemeint, aber danke, dass du ehrlich bist.“
„Du hast es mir gestern an den Kopf geknallt“, meint er schmunzelnd.
„Wenn man es aber selber sagt, ist das etwas anderes.“
Er legt seine Hand an mein Genick. Ich halte still. Könnte es doch klappen mit uns, geht mir durch den Kopf? Doch dann wird mir klar, auf was dies hinauslaufen würde und dazu bin ich mir zu schade. Ich will jemanden, der wirklich mich liebt und nicht nur bei mir ist, weil sie es eben nicht da ist. Ich ziehe seine Hand weg und lehne mich zurück. „Ich bin nicht du, ich kann und will das nicht. Zu hoffen, dass sich etwas ändert und wenn sie ruft, springst du.“ Ich stehe auf. „Solltest du mir beweisen können, dass du wirklich liebst und dass im Ganzen, wird sich ein Weg zeigen.“
„Du meinst wie er?“
„Wenn du Miguel meinst, er liebt mich nicht, wie ich es von meinem Partner will, denn bei ihm wäre ich auch nur Nummer zwei.“
„Er hat eine Partnerin?“, fragt er überrascht.
„Sie lebt in meinem Haus.“ Ich setze mich zu ihm. „Ich weiß nicht wie viel du über uns weist, aber einmal im Jahr …“
„Die Läufigkeit der Weibchen, es ist schwer, für nicht gebundene sich dem Geruch zu entziehen.“
„Wenn ich also wäre, hätte er nie einen anderen an mich gelassen. Da er auch nicht zu Aurelia gegangen ist und er sagte, dass ich sie kenne, muss sie im Haus leben.“
„Wärst du da menschlich, würde ich glatt sagen, vielleicht hast du es nachts nicht mitbekommen.“ Er tippt auf meine Nase. „Doch das hätte es dir verraten.“
„Auch menschlich hätte ich den Unterschied von Kris und ihm mitbekommen.“
„Warum warst du eigentlich verlobt mit diesem Kris, also wenn ihr offensichtlich nicht zusammen gehört?“
„Aurelias Wunsch, ich solle mich jemand öffnen. Ihn kenne ich so lang, er war mein Erster, mit dem ich geschlafen habe, und dann dachte ich mir: Besser er, als jemand den ich nicht kenne.“
„Wen wollte sie dir den aufs Auge drücken?“ Ich nicke zur Tür. „Oh.“
„Es ging ja ein paar Jahre gut, na ja bis eben zu diesem Vorfall.“
„War es eigentlich wirklich das erste Mal, also das die beiden?“ Ich zucke mit den Schultern. Nie habe ich nachgefragt und will es auch nicht wissen. Es hat mich so schon verletzt, dass Aurelia dies zugelassen hat, wenn rauskommen würde sie hätten öfters oder gar einen Welpen bekommen, würde ich das nicht aushalten. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht verletzen.“
„Hast du nicht. Ich bin sauer auf Kris, weh getan hat mich aber Aurelia. Er ist nicht ihr Partner, dass sie dies hätte nicht abwenden können. Sie hat mich verletzen wollen und das schmerzt mich.“
„Darf ich fragen, warum du dachtest, dass ich es bin, also dein Partner?“
Ich rutsche zum Kopfende. „Mir wurde immer gesagt, der Duft macht einen verrückt, man kann nur noch an diesen denken. Ich mag deinen sehr. Weiter heißt es, dass man diesen von Anfang an vertraut. Was bei dir der Fall ist. Du bist ein Jäger und trotzdem wusste ich, dass du mir nie etwas antun würdest.“
„Das kann ich nur bejahen.“
„Aber als Nika kam, wusste ich schon tief in mir, dass du es nicht sein kannst. Wir sind verbunden irgendwie, aber nicht als Partner.“
„Jetzt hast du dieses Wolfspartnerding ja nicht mehr. Kann sich das ändern? Also kann es auch daran liegen?“
„Nein“, kommt von der Tür. Miguel hat gelauscht und mein Gesicht brennt, als wenn ich mich schämen müsste, was ich gesagt habe. „Es kommt nicht nur von diesem Wolfsding. Sie ist auch eine Göttin, ein Nephelem und eine Hexe. Ihr Schicksal und ihr Partner stehen schon Jahrhunderte vor ihrer Geburt fest. Auch diese Situation und das sie ihren Weg geht, ist festgelegt.“
„Hat dir schon einer gesagt, das Spionieren Scheiße ist!“, knurrt Damian.
„Ich bin ein Wolf, gehöre einer alten Linie an, mein Gehör ist sehr gut. Also, selbst wenn ihr geflüstert hättet, könnte ich es auf dem ganzen Gelände hören.“ Er blickt zu mir. „Ich konnte etwas zum Essen auftreiben.“ Er geht.
„Einer alten Linie?“, fragt Damian leise. Wieder zucke ich mit den Schultern. Für mich ist er die Wache meiner Schwester gewesen, warum sollte ich mich mit ihm und seiner Vergangenheit beschäftigen. „Wie alt?“, ruft er jetzt ihm hinterher und verlässt das Zimmer.
Ich frage mich, warum er das wissen will. Ein leichtes Klopfen an der Tür lässt mich aufsehen.
Ariel kommt zu mir. „Wie geht es dir?“
„Es ist gerade alles irgendwie verwirrend.“
„Was den genau?“
„Woher wusstest du, das Cosmo dein Partner ist?“
Sie nimmt am Fußende Platz und legt ihre Füße hoch. „Mh um ehrlich zu sein, war ich mir nie wirklich klar, das dies so ist. Wir wollten ihn. Der Rest, war alles Instinkt.“
„Aber er war ein Mensch?“
„Hab ich dir erzählt.“ Sie krabbelt neben mich. „Cosmo hatte mit Nika abgeschlossen und wird sie immer Teil seines Lebens sein. Ich will ehrlich zu dir sein. So wie das alles bei dir und Damian aussieht, ist es kompliziert und nicht das, was einige Hoffen.“
„Manche Momente sind die Gefühle stark, aber dann, ist alles weg.“
„Kann es sein, dass ein Zauber auf dir liegt?“
„Meine Wolfsgestalt ist weg …“
„Nein, so meinte ich das nicht. Cosmo war noch ein Mensch, trotzdem bin ich seine Nummer eins gewesen, vor dem Blut und alles. Du hast Damian beschützt vor deinem Vater, aber du bist geflüchtet. Dies hätte ich nie getan, wenn Cosmo mich berührt und tröstet, ist mir erst mal alles egal. Da gibt es ihn und mich, sonst nichts.“ Sie seufzt. „Ich glaube, das du verzaubert wurdest, das sich es so anfühlt, um etwas anders zu vertuschen.“
Ich schüttele den Kopf. „Alles habe ich selbst bestimmt.“
„Denkst du.“ Ich bejahe es. „Ich habe gehört, was du und Damian geredet habt. Für mich ist das alles nicht schlüssig, tut mir leid und das sage ich dir, als Göttin und Puma.“ Sie steht auf. „Wir sehen uns morgen.“
Mir ist der Hunger vergangen, wenn ich überhaupt einen gehabt habe. Ich lege mich hin und denke nach. Hat Ariel recht? Oder täuschen wir uns alle, weil Damian anders ist. Sind wir doch bestimmt? Ist das mit Nike nur eine Phase? Oder gibt es wirklich einen Zauber? Was ist aber damit, dass wir uns trotzdem verbunden fühlen. Ich weiß, wo ich die Antworten bekomme, aus der Bibliothek. Doch Miguel hat recht, es kann für mich tödlich enden. Aber dieses Hin und Her halte ich nicht aus. Dann wohl doch abwarten, oder den Weg nach unten. Damian etwas anzutun, würde ich nicht wollen. Wiederum sage ich das, oder ist es doch etwas mehr. Es ist immer verwirrender für mich.
Das Licht geht aus. Die Matratze hinter mir gibt nach. „Eure Gedanken rasten nicht“, flüstert Miguel.
„Es ist zu viel für mich.“
„Darf ich meine Meinung äußern?“
„Seit wann fragst du danach?“
Er grummelt etwas in seinen Ziegenbart. Ich drehe mich um und lege meinen Kopf auf seine Brust. „Dieser Jäger und ihr, es ist etwas, dies lässt sich nicht bestreiten. Aber ich denke, dass es nicht euer Partner ist.“
„Warum sagst du das?“
Seine Finger kreisen über meine Schulter. „Ich weiß, das jemand in eurem zu Hause eine Bindung zu euch hat.“
„Quatsch.“
„Nein, aber er denkt, er ist euer nicht würdig, darum bat er darum bei euere Schwester, ihm einen Trank zu geben.“
„Warum?“
„Ich vermute, um seinen Duft zu verschleiern.“
Ich verneine es. „Das ist Blödsinn, wenn es ihn geben sollte, hätte er nie Kris an mich gelassen.“
„Das sagtet ihr auch zu dem Jäger. Sicherlich ist es schwer, aber eine höhere Dosis des Trankes milderten seine Schmerzen und Wut.“ Ich lege mein Kinn auf. „Was?“
„Ich will an etwas anderes denken, erzähl mir was.“

Er schweigt kurz. Seine Erzählung geht um seine Kindheit. Als Welpe hatte er menschliche Freunde, lebte in einer großen Stadt. Er beschrieb mir große Gebäude und welchen die so schmal sind, dass man zu zweit dort nicht nebeneinander laufen kann. Er ging sogar mit ihnen in einer Schule. Davon habe ich schon viel gehört und ich bin neugierig, es mal zu sehen. Die Vorstellung, dass in einem kleinen Raum, zwanzig und mehr Menschen sitzen, ist kurios. Er erklärte mir feste und Gewohnheiten, wo ich nur den Kopf schüttele. Eines davon nennt er Halloween. „Ich habe mit meinen Freunden Kürbisse vom Feld geklaut.“ Er lacht kurz auf. „Gerade so sind wir dem Bauern entkommen. In der Küche haben die Eltern von meinem Freund sie ausgehöhlt und wir dann Fratzen hineingeritzt.“ Seufzend blickt er zur Decke. „Sie sahen eher aus, als wenn wir die Kürbisse ermordet hätten.“ Seine Augen schimmern leicht. „Am Abend haben wir uns verkleidet, wollten um die Häuser ziehen. Kannst du mich in einem Tarzan Kostüm vorstellen?“ Ich verneine es stumm. „Hatte ich aber an und sind damit von Haus zu Haus gezogen, erst in einer Gruppe und dann allein. Den letzten Garten, den wir betraten …“ Er atmet tief durch. „Der Besitzer hatte vergessen, seine Hunde einzusperren, sie griffen ihn an. Um ihn zu helfen, verwandelte ich mich.“ Seine Stimme wurde immer dünner, sein Schmerz fühle ich, als wenn es meiner gewesen wäre. „Danach müssten wir fliehen. Jäger haben verfolgt, bis auf meinen kleinen Bruder und ich wurden alle anderen getötet.“
„Wo ist dein Bruder jetzt?“, frage ich leise.
„Ihr kennt ihn sogar, es ist Jakob der Koch.“
„Echt?“, frage ich erstaunt. Nicht nur, dass der Mann ein Riese ist, auch sein Bauch kann ich mir nicht mit Fell vorstellen. Zugegeben, er ist der erste übergewichtige Wolf, den ich je kennengelernt habe, aber er ist nett, sehr nett sogar. Doch, dass es sein Bruder ist, hätte ich nie gedacht. Er nickt lachend. „Wie seid ihr eigentlich auf die Idee gekommen, euch bei uns zu bewerben?“
„Mh“, macht er. „Keine Ahnung, es war …“, sein Blick geht zu mir, „ich würde sagen, wie euer Bauchgefühl. Etwas sagte, mir ich solle dahin. Ich sah die Ausschreibung und bewarb mich.“ Seine Mundwinkel hoben sich leicht. „Dann traf ich sie und alles ergab für mich einen Sinn.“
„Wie kann sie es nicht wissen?“
Er schließt seine Lider. „Um mich auf meinen Befehl zu konzentrieren, bat ich eure Schwester, ihre Erinnerung zu manipulieren.“
Ich setze mich auf. „Warum wollte sie, wenn sie es weiß, dass ich mich dir zuwende.“
„Was?“, fragt er sichtlich überrascht.
„Ja, sie meinte, es wäre Zeit, dass ich vernünftig werde und mich binde und ich solle mir doch ihre neue Wache genauer ansehen, sie fände ihn passend. Da du der Einzige bist, der an diesem Monat als Wache eingestellt wurde, hat sie dich gemeint.“
Leicht schüttelt er seinen Kopf und atmet dann tief durch. „Keine Ahnung, was eure Schwester damit bezweckt hat. Liegen sie bequem?“
„Willst du weg?“
„Nein, ich wollte nur sichergehen, dass sie gut liegen.“
Ich lege mein Ohr wieder auf seine Brust, lausche dem raschen Herzschlag. „Tue ich, darum musst du mir etwas neues Erzählen.“
Seine Stimme vibriert vor Lachen, als er anfing zu berichten, wo er schon alles war und mich damit wieder in den Schlaf einlullt.

Es ist immer noch dunkel, als ich meine Lider öffne. Fensterläden halten die Sonne auf, hineinzuscheinen. Es ist nur so hell, dass ich etwas gerade so erkenne. Miguel hält mich auch noch in seinen Armen fest, seine Atmung ist gleichmäßig, ein leichter Schnarchton kommt von ihm. Seine Umklammerung lässt sich auch nach mehreren Versuchen nicht lösen. Als Mensch bin ich eindeutig zu schwach. „Miguel“, flüstere ich.
Er schickt trotzdem auf. „Was? Hoheit? Bin ich eingeschlafen?“
„Schon gut, ich will nur aufstehen und du hast mich festgehalten.“
„Entschuldigen sie Hoheit.“ Er reibt sich sein Genick und setzt sich an den Rand.
„Hast du schlecht geschlafen?“
„Nein, eigentlich recht gut, nur meine Muskeln scheint es so nicht zu gefallen?“
Ich gehe hinter ihm auf die Knie, lege meine Hände auf Schulterblatt und Genick. „Sanitatem.“ Ein leichter grünlicher Schleier bildet sich dieses Mal um meine Finger und ziehen in seine Haut ein.
„Hoheit.“
„Du liegst meinetwegen unbequem, da kann ich auch zaubern und dir helfen.“
Er sieht über die Schulter zu mir. „Danke.“ Plötzlich springt er auf, dass ich fast nach vorne überfalle. „Ich geh joggen.“
Bevor ich etwas sagen oder antworten kann, ist er schon aus meinem Zimmer. Mir kommt der Gedanke einfach zu fragen, er hört es ja sowieso, aber er kann eben nicht antworten. Kopfschüttelnd krieche ich aus dem Bett, gehe zu dem Fenster und öffne es. Mein Blick geht zu dem Sportfeld. Dort steht Damian mit einigen Mädchen und trainiert. Ich wende mich ab und suche das Bad auf. Das Zimmer neben meines ist nur eine Liege aufgestellt und leere Regale, die vermuten lassen, dass ihr Waffen gelagert wurde. Im nächste stehen lauter Kartons, beim Vierten habe ich endlich Glück und es ist ein Bad. „Dusche“, knurre ich. Für schnell ist es ja okay, aber ich bin keine Wölfin für schnell.

„Hey“, sage ich und winke.
Damian dreht sich zu mir. Das Gemurmel der Mädchen beginnt so gleich. „Brauchst du was?“
„Was macht ihr hier?“
„Unterricht?“
„Was dagegen?“, höre ich Nika.
„Nein.“
Sie stellt sich vor mich. „Und kommst du auch mit der Ausrede, du kannst nicht kämpfen?“
„Finde es doch heraus.“
Wie aus dem nicht taucht Miguel auf und hält ihrem Schlag aus. „Finger weg von der Hoheit!“
„Es ist Okay Miguel“, sage ich und versuche, seine Hand von ihrem Gelenk zu befreien. „Lass los!“
Ruckartig schubst er sie hinter und gibt sie frei. Er zieht die Lippe hoch. „Ich werde nicht zu lassen, das Hoheit etwas passiert.“
„Dann eben wir zwei, oder kannst du dich nur an schwächere Frauen vergreifen“, verspottet Damian ihn.
„Jungs …“
„Gern“, unterbricht mich Miguel, zieht mich hinter sich und schlägt zu. Ich bin überrascht das beide wohl einiges aushalten. Miguel ist stärker und flinker, als ich gedacht habe. Damian kassiert einige Schläge von ihm, während ihn nur jeder zehnte Schlag trifft. Ich stehe mit verschränkten Armen da und kann nur den Kopf schütteln. Genauso wie Nika, die inzwischen neben mir steht.
„Ich habe gehört, ihr habt eine Bibliothek“, fange ich das Gespräch an.
„Ja, was willst du da?“
„Etwas nachprüfen.“
„Denkst du, wir können sie allein lassen?“
„Sie werden sich schon nicht umbringen.“
„Ah verstehe.“ Sie grinst mich an. „Na komm schon.“ Sie läuft los. „Und ihr geht zurück ins Haus.“ Ein paar der Mädchen nicken und andere geben genervte Töne von sich. Ich folge Nika. Wir gehen an einem großen Haus vorbei und dann zu einer Bunkertür. „Durch den Tunnel kommen wir zu den Laboren und Gefängnissen, dort befindet sich unterirdisch die Bibliothek“, erklärt sie mir, als sie die Tür öffnet. „Hast du auch so ein Problem wie Ariel damit?“
„Ich rieche sie nicht, ich spüre nur ihre Energie und das ist massig.“ Die Kälte, die ich nicht nur wegen der Energie verspüre, lässt meine Haare zu berge stehen. Als Wölfin würde ich vermutlich durchdrehen, dass Ariel dies hier nicht prickelnd fand, ist verständlich. Dieser Tunnel ist lang und unheimlich. Je weiter wir fortschreiten, desto stärker fühle ich mich bedrückt.
Sie bleibt an der Wand stehen, drückt auf den Beton und ein kleines Bedienfeld kommt zum Vorschein. „Darf ich bitten?“ Ich wende mich ab. Es Piepton komm und dann kratzt es hinter mir. Eine Geheimtür geht auf. „Denkst du wirklich, wir zeigen unsere Schätze offensichtlich?“
Ich zucke mit den Schultern. „Mir ist es ehrlich gesagt, vollkommen egal.“
„Was willst du eigentlich nachforschen?“
„Etwas.“ Ich will hinein.
Sie hält den Arm vor mir. „Was willst du Nachforschen?“, sagt sie und betont jedes Wort.
Wie kann ich jetzt ihr sagen, dass ich nach der Halle der Zeichen schauen will, ohne es zu erwähnen. Miguel kann zwar nicht her, aber danach würde er mich zur Rede stellen und meine Schwester kontaktieren. „Einen anderen Weg in den Himmel.“
„Nathaniel sagt …“
„Er weiß anscheinend auch nicht alles“, unterbreche sie, drücke ihren Arm beiseite und gehe weiter.
„Du willst es nicht sagen, oder?“
„Richtig.“
„Dann kann ich dich nicht alleine lassen.“
Ich verdrehe die Augen. „Dir ist schon klar, dass ich eine Hexe bin und dich mit einem schnippe irgendwohin versetzen kann?“
„Und das würdest du nicht machen, wegen Damian.“
„Oh du hast keine Ahnung, was ich machen kann.“ Ich beuge mich zu ihr. „Du bist noch unsterblich, daher …“
„Warte noch?“
„Du weißt es nicht?“
„Hätte ich sonst nachgefragt?“
„Sobald du ein Kind gebärst, geht deine Gaben an das neugeborene über.“ Sie schluckt. „Meine Mutter ist eine Nephelem und Tod, was denkst du, warum?“
„Aber ich bin doch nur unsterblich, weil nur Zayn mich töten kann.“
„Nein, er kann nur die Unsterblichkeit zerbrechen. Bekommst du ein Kind, wirst du ebenfalls sterblich und man braucht deinen Mann nicht.“
Langsam läuft sie weiter. „Ich war bei einer Hexe, sie hat meine Seele und Körper getrennt. Nathanial meinte, ich wäre beinahe gestorben, dann war das gelogen?“
„Garantiert sogar. Ich kann mir vorstellen, dass dies ein Trick der Engel gewesen ist. Als Seele ist es dir erlaubt überallhin und du hättest die ganze Wahrheit erfahren.“
„Ich weiß im Moment nicht, was wahr ist und was eine Lüge ist.“ Sie sieht zu mir. „Du hast kein Grund mich anzulügen.“
„Auf was willst du hinaus?“
„Ich hasse es, Halbwahrheiten zu erfahren und dann durch Fremde zu erfahren, dass es ganz anders ist. Ist es wirklich möglich, Zayn aus dem Himmel zu befreien?“
„Ja, aber nicht leicht. Dein Vater hat jetzt das Messer, was ihn töten kann. Ich kann nicht einfach wieder hinauf und schon gar nicht, die Milliarden Seelentüren erschnuppern, welche die richtige ist, bis ich entdeckt werde.“ Sie reibt ihre Lider, ich habe das Gefühl, sie weint gleich los. „Wir werden einen weg finden.“
„Ich glaube so langsam nicht mehr daran.“
Ich gehe den Tunnel weiter. Eine weitere Tür mit einem Bedienfeld, ein weiterer Tunnel, Treppen und nochmals eine Geheimtür. Sie schaltet das Licht an und ich stehe in einen riesigen Raum über und über mit Büchern und magischen Artefakten. „Wow“, gebe ich von mir. Nicht, dass mich wirklich Bücher interessieren, aber diese Masse ist beeindruckend.
„Ja, was suchst du jetzt und du kannst offen reden, wenn er uns hier hören könnte, wäre das ein Wunder.“
Ich lache auf. „Miguel kann mich überall heraushören, habe ich das Gefühl.“
„Jetzt sag schon.“
„Anubis Totenreich und eben die Halle der Zeichen.“
„Ich verstehe nicht.“
„Ich brauche meine Gestalt wieder, damit ich in die Hallen kann, dass ich es überlebe.“
„Du willst das wirklich machen?“
„Es fühlt sich richtig an.“
„Na, ob man deinen Gefühlen trauen kann, ich sag nur Damian.“
„Das ist auch ein Grund, warum ich in die Hallen will, das ist alles so verwirrend.“
„Du siehst es vermutlich falsch, aber ich hoffe, dass du und Damian zusammenfindet, er hat es verdient.“
„Er hat jemanden verdient, aber ich zweifle immer mehr, dass ich es bin. Aber das werde ich sehen, wenn ich zurück bin.“
„Dann komm.“
Ich habe an zehn oder zwanzig Bücher über Anubis gerechnet, aber ein Regal mit tausenden davon, garantiert nicht. Einige kann ich sofort wieder wegstellen, weil sie sich damit beschäftigen, wer er ist, welche Kräfte er hat und es existieren sogar ein paar über mich und Aurelia. Aber nichts, was ich nicht schon selber weiß. Ich habe gehofft, dass dort eine Lösung, eine Prophezeiung da drin vermerkt ist. Aber nichts dergleichen.
Jemand nimmt mir das Buch aus der Hand und stellt mir einen Teller hin. Ich blicke zu Miguel. Er setzt sich neben mich. „Sie sollten essen.“
„Du weißt es?“
Er schließt die Augen, ringt um die Beherrschung. „Ich stehe zu euch, mehr kann ich nicht machen.“
Ich wische den Tropfen weg, der über seine Wange gleitet. „Ich brauche es wieder und ich werde dafür nicht Damian opfern.“
„Es gibt einen Weg hinein“, sagt er dann leise. „Eure Schwester benutzt den Weg immer.“
„Von zu Hause aus?“
„Nein. Ich weiß nicht, wo genau, aber ich habe etwas gerochen, was ihnen weiterhilft.“
„Erzähl.“
Er atmet tief durch. „Apis.“
Einer der Diener meines Vaters. Er heißt nicht nur toter Stier, nein er riecht auch so stark nach Verwesung und Kuh, dass der Gedanke allein an ihn, sich mein Mageninhalt den Weg wieder ins Freie sucht. „Du meinst seine Höhle?“
„Ja, dort muss der Eingang sein.“ Er schließt seine Lider und nimmt meine Hand. „Aber sie haben ihn hier, ich rieche ihn.“
„Ich muss dahin. Dich zu bitten hierzubleiben, wird nicht funktionieren, darum danke.“
„Für euch würde ich die Klippen hinunterspringen.“
Dies zu hören, ist kein gutes Gefühl, aber zu wissen, es aus Loyalität zu tun, ist obendrein verletzend. Ich blicke zu dem Kartoffelpüree und Schnitzel. „Muss ich Damian heilen?“
„Er lebt noch.“ Seine Finger führen mein Kinn in seine Richtung. „Ich würde nichts tun, was euch schadet.“
„Ich weiß.“
„Wir sollten Nika mitnehmen.“ Ich weiche zurück. „Sie ist unsterblich, das kann für euch ein Vorteil sein.“
„Klar.“ Ich stehe auf. „Ich habe keine Lust mehr.“
„Hoheit.“ Er greift nach meiner Hand und zieht mich zu sich. „Warum sind sie sauer?“
Ich weiß es selber nicht. „Bin ich nicht.“
„Sie vergessen wieder, das ich sie kenne.“
„Ach echt?“
„Sie mögen Nika nicht, verständlich. Doch sie hat ihren Weg wie sie auch.“ Ich lehne meinen Kopf an seiner Schulter an. „Mein Gedanke ist einfach, dass ein unsterblicher Mensch euren Vater ablenken kann.“
„Ich traue ihr nicht.“
„Sie euch auch nicht, aber ihr habt euch entschieden ihr zu helfen, dann kann sie euch den Gefallen ebenfalls erweisen.“ Er streicht über meinen Rücken. „Ich werde für euch kämpfen, egal ob menschlich oder als Wolf.“
Ich seufze. „Miguel?“
„Was denn Hoheit?“
„Ich will nicht, das du mitgehst.“
„Haben sie nicht gesagt, sie werden nicht bitten?“
„Ich befehle es.“ Eigentlich ist die Hoffnung, dass ich ihn dadurch nicht in Gefahr bringe, aber mein Bauchgefühl sagt mir schon, das ich dieses nur schaffe, wenn ich ihn verzaubern würde.
„Ich werde niemals freiwillig von deiner Seite weichen“, spricht er dann leise aus.
„Und wenn dir etwas passiert?“
„Solange du lebst, ist das Okay für mich.“
„Willst du jetzt nicht endlich beim Du bleiben.“
Sein Gesicht wird bleich. „Ich …“
„Ich habe es dir angeboten, also bitte.“
„Ho …“
Ich lege meine Hand auf seinen Mund. „Nein, Bella und du, verstanden?“
Er schließt die Lider und nickt schlussendlich. Ich nehme die Hand weg. „Aber nur solang wir hier sind.“ Kurz nicke ich, denn im Grunde weiß ich nicht, ob ich wieder nach Hause will. Es ist nicht so, dass ich mich hier freier fühle, aber bei Aurelia eben auch nicht. „Was geht ihnen … ich meine, dir durch den Kopf?“
„Vieles. Ich werde jetzt essen und dann gehen wir zu Apis.“
„Wie du wünschst.“

„Hoheit“, keucht Apis, als ich vor die Glasscheibe trete. Damian ist nicht begeistert gewesen, aber Miguel konnte ihn dann überzeugen, dass es sicherer für mich ist, nicht durch die Vordertür zu meinem Vater zu gehen.
Der Mann mit den verfilzten langen schwarzen Haaren und dem Vollbart, kommt an die Scheibe. „Hoheit“, wiederholt er. Seine grünen Augen mustern mich.
„Apis du musst mir helfen.“
„Ihnen fehlt etwas, was ist passiert? Waren die es? Wurden Sie gefangen?“ Sein Blick geht zu Damian. Er schüttelt den Kopf. „Verrat unseres Blutes!“, kreischt er los.
„Apis bitte“, flehe ich. Aber er verneint es weiter.
Ich höre ein klacken. „Dann wird sie sterben!“, gibt Damian von sich. Das war nicht abgesprochen.
Er setzt sich hin. „Apis, wenn ich nicht komplett werde, sterbe ich.“
„Ich rede nicht mit Verrätern?“
„Lass mich zu ihm!“, knurrt Miguel.
„Du solltest draußen bleiben!“ Sicherlich ist mir klar gewesen, dass er mir trotz Befehl folgt, deswegen heißt es nicht, dass ich die Sache gut finde.
„Okay“, sagt Damian und geht an Bedienfeld.
„Nein“, gebe ich von mir.
„Keine Angst, mir wird nichts passieren.“ Schon ist er durch eine Tür. Damian schließt sie. Danach geht eine zum Gefängnis von Apis auf.
„Hol ich da wieder raus“, brülle ich Damian an.
Knurren, ich blicke wieder zum Glas. Miguel in seinem hellen Pelz greift Apis an. Der dunkle Wolf kennt keine Gnade. Mehrere Bisse färben das Fell rötlich. Ich schreie seinen Namen. Die Angst um ihn steigert sich ins Unermessliche. Damian will mich wegziehen, aber dies lasse ich nicht zu. Ich hämmer verzweifelt gegen die Scheibe. Immer mehr Blut landet auf dem Boden, ich weiß inzwischen nicht mal mehr, wessen es ist. Dann schafft er es, Apis zu bezwingen.
„Sag es mir, wie kommen wir zum Hintereingang von Anubis Unterwelt?“
„Anubis wird dich zu sich holen und dafür bestrafen.“
„Er hat ihr weggetan, hat sie sterblich gemacht, es ist mir scheiß egal, was er sagt oder macht!“
„Ihr werdet nichts erfahren.“
„Doch das werde ich.“
„ES REICHT!“, schreie ich. Die Erde bebt. Meine Atmung ist rasend. Es gibt nur eine Methode, die Blutantwort. Miguel ist aber so schwach, dass Apis Blut ihn vergiften würde. Ich weiß, dass es machen würde, aber das will, und kann ich nicht zulassen. „Antworte! Sonst ich nehme ich mir deine Gestalt.“
Ich habe mit allem, gerechnet, aber nicht, dass sich Apis mit seinen Krallen selbst die Kehle durchschneidet. Das „Nein“ von Miguel hallt durch den Korridor.

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