Hountressshool WGC Hader

WTC November

Diesen Monat geht es weiter mit der Tochter des Anubis <3

Miguel liegt im Bett, Damian hat ihn in das Haus getragen. Meine Heilung klappt nur minimal. Ich habe keine Ahnung warum und das verletzt mich. Er schläft und ich kann nur daneben sitzen und hoffen. Immer wieder kommt einer von ihnen und will mich ablenken.
„Er sieht übel aus“, meint Nika.
„Es ist meine Schuld“, schluchze ich von mir. Meine Augen brennen, die Tränen sind versiegt.
„Es ist seine Entscheidung gewesen, genauso wie die Absprache zwischen Damian und ihm.“
„Ich hätte es verhindern müssen, er hätte sterben können.“
„Das Gleiche habe ich auch gesagt, als Zayn sich für mich geprügelt hat.“ Sie setzt sich auf den Boden. „Er ist ein Wolf, er wird schon genesen.“
„Das sagst du so leicht.“
Sie stupst mich an. „Du magst ihn mehr, als dass du zugeben willst.“
„Die Tage haben gezeigt, dass er ein loyaler Freund ist, auf den ich nicht verzichten will.“
„Absolut klar, loyaler Freund“, spottet sie.
„Du als Nephelem weißt, das man Bestimmung nicht umgehen kann. Wir Wölfe, oder besser gesagt, die Gestaltenwandler finden nur einen Partner und er hat eine.“
Sie zuckt mit den Schultern. „Ja ich gebe zu, das klingt etwas abstrus, vor allem wegen der Sache mit Damian.“ Sie sieht zu ihm. „Es sieht trotzdem so aus.“
Ich verdrehe meine Augen. Die Tür geht auf, der Engel steht da und winkt mich heraus. Nika und ich verlassen das Zimmer. „Ich habe den Eingang gefunden.“
„Wie?“, fragen sie und ich wie aus einem Mund.
„Ich habe nachgeforscht, wo die Jäger ihn gefunden haben. Über das Internet bin ich dann auf die Suche nach einer geeigneten Höhle gegangen. Sie darf nicht zu Hoch liegen, aber nicht zu niedrig. Zwei Stück sind geeignet. Du solltest gleich hin.“
„Ich kann Miguel nicht alleine lassen.“
„Ich bleibe“, sagt Damian am Ende des Flures, wo die Treppen zum Erdgeschosse gehen. „Du und Nika, ihr solltet dahin.“
„Ich werde auch mitkommen“, bestimmt der Engel.
„Werde ich auch mal gefragt?“, will Nika wissen.
„Willst du Zayn wieder haben?“, fragt Damian und sein Ton ist eisern.
„Okay“, sagt sie dann leise.
„Gut dann gehen wir sofort los!“
„Wohin?“, erkundige ich mich seufzend und blicke noch mal zu Miguel.
„Gebirge Sinai“, sagt der Engel und nimmt Nika an die Hand.
„Ich pass auf ihn auf“, versichert mich Damian.
„Danke.“ Ich schließe meine Lider, denke an Ägypten, den Sand und das Gestein. „Domi Sinai.“ Das ist es mal gewesen mein Zuhause. Dort sind Aurelia und ich groß geworden, bis meine Mutter sich von Anubis getrennt hat. Die beiden Mitreisenden keuchen auf. Beige so weit man sehen kann auf dem Gipfel des Berges. Das Kloster, wo ich immer Streiche gespielt habe, befindet sich am Fuß. „Es hat sich hier kaum verändert.“
„Du kennst das Gebiet?“, fragt Nika überrascht.
„Domi, das Lateinische Wort für zu Hause“, sagt der Engel.
„Bin ich ein Sprachgenie?“, grummelt sie jetzt.
„Kommt! Wir haben nicht viel Zeit.“ Ich laufe los, es ist mein Instinkt, der mich leitet oder eine alte Erinnerung, sicher bin ich mir gerade nicht. Das harte Gestein unter uns ist mal leichter und mal schwerer zu überwinden.
„Bella wir …“
„Bella?“, fahre ich den Engel an.
Verwundert sieht er mich an. „Was ist daran schlimm?“
„Ich habe es dir nicht angeboten, für euch bin ich Hoheit oder Bellatrix.“
Sein Blick geht zu Nika, die mit den Schultern zuckt. „Wir sind falsch, will ich sagen.“
„Nein sind wir nicht“, knurre ich. Als, wenn er wirklich eine magische Höhle auf einem normalen Bild sehen würde. Lächerlich.
„Wie viele dürfen dich so nennen?“, fragt Nika, als wir weiter hinabklettern.
„Was spielt das für eine Rolle?“
„Na, weil Damian dich Bella nennt.“
„Zwei.“
„Deine Schwester ist es nicht.“
Ich wende mich zu ihr. „Damian und Miguel, bist du zu Frieden?“ Sie wendet sich kurz an den Engel. „Ich gehöre zu den Göttern. Ich bin damit groß geworden, etwas Besseres zu sein. Das Vertrauen muss man sich erarbeiten.“ Mir ist egal, was sie davon halten. Ich muss mich nicht rechtfertigen, dass die Meisten in meiner Umgebung nur so zu mir sind, weil ich die Tochter Anubis bin. Sie weichen aus oder behandeln mich wie eine alte Papyrusrolle. Mir hat dies noch nie gefallen. Ein Grund warum ich lieber alleine durch die Gegend gezogen bin.
„Boar was stinkt hier so?“, kommt auf einmal hinter mir von Nika.
„Wir sind fast da.“
„Ich kann mich nicht erinnern, das der so roch“, meint der Engel.
Ich verdrehe meine Augen und gehe weiter. Die letzten Steinplatten die an Stufen erinnern dann kommt der kurze Vorsprung in Sicht, die hineinführt. Wie gern hätte ich jetzt Miguel hier, mit seiner Nase und seinem Gehör, wäre er jetzt perfekt geeignet. Doch lieber ist es mir, dass er in Sicherheit ist. Nika gibt ein lautes Geräusch von sich. Toll und das soll eine Jägerin sein. Böse sehe zu ihr. „Pst!“ Ich schließe meine Lider und versuche etwas zu hören, doch die Höhle scheint leer zu sein. Vorsichtig blicke ich um die Ecke und Spitzel hinein.
„Und?“, fragt sie.

„Wie kann man nur so ein Trampel sein?“, moser ich, trete durch den Zauber und sehe mich um. „Okay. Ihr könnt rein.“
„Haha“, gibt Nika von sich.
„Für uns ist da nur Fels“, erklärt der Engel.
„Ist besser so.“
„Nein“, höre ich beide rufen, aber ich nehme die Steinstufen nach unten. Schicke einen Zauber zu ihnen der sich nach Hause bringt. Je tiefer ich komme, umso edler wird das Gestein. Marmor verziert nun alles um mich. Statt der feinen weißen Marmorierung in dem schwarzen Stein ist diese hier feuerrot. Es hält aber nicht ab, sich halb übergeben zu müssen, denn auch der Geruch von Tod wird deutlich stärker. Eine dicke Magmaschicht erhellt den Abstieg kurzzeitig. Nicht mehr lang dann komme ich in der Ebene an, in der mein Vater haust und seine Lieblingsspielzeuge aufbewahrt. Wölfe, dessen Seele er nicht erlaubt sich dem Gericht zu stellen, denen er die Beigaben weggenommen hat. Auch hier hat sich nichts verändert. Bedachtsam schleiche ich mich weiter. In der Ferne höre ich jemandem Brüllen, wo ich mir sicher bin, dass es mein Vater ist. Zu meinem Glück kenne ich mich in dem unterirdischen Ruinenlabyrinth aus. Das dumme nur, dass sein Wutanfall genau aus der Richtung kommt, wo ich gerade hinwill. Seine Kammer, wo er alles aufbewahrt.
Knurren hinter mir! Langsam drehe ich mich um. „Brutus“, gebe ich erleichtert von mir. Der viel zu groß geratene Dobermann legt seinen Kopf schief, kommt mir näher und schnuppert an mir. „Das kitzelt, hör auf“, gebe ich von mir, unterdrücke das kichern. Seine raue Zunge geht durch mein Gesicht.
„Du solltest nicht hier sein“, sagt verzerrt jemand hinter dem Hund.
„Du weißt aber, warum ich da bin.“ Die geisterhafte Gestalt meiner Mutter tritt hervor. Ihr langes und leicht gewelltes Haar ist trotz Durchsicht noch dunkel und schön. Ebenfalls ihre grünen Augen strahlen. Irgendwie ist mir klar gewesen, dass er sie auch nicht gehen lässt. Mich schmerzt es sehr, aber ich darf mich nicht ablenken lassen.
„Deine Gestalt ist bewacht, es wird dein Tod sein, wenn du sie weiter suchst. Bellatrix gehe, bevor er dich findet.“
„Ihr versteht das alle nicht. Ich MUSS diesen Weg gehen.“
„Nein, er wird …“
„Ich liebe dich Mama, aber ich kenne das Risiko und sehe das gute, wir werden wieder vereint sein.“
„Meine Kleine“, schluchzt sie. Ihre kalte neblige Hand geht an mein Kinn vorbei. „Ich werde dir helfen, wenn es dir so wichtig ist.“ Dankend lächle ich sie an. Kurz kraule ich das Ohr des Hundes und gehe weiter. Das Klackern der Krallen, sagt mir, dass er mir treudoof folgt. Ich seufze laut. Meine Mutter lacht leise auf. „Er hat dich vermisst.“
„Ich ihn auch.“ Ich blicke zu ihm. Er ist zu groß, sagte meine Mutter, als wir hier weggingen. Sie Treppe kommt in Sicht. Ich bleibe stehen. „Ich werde nicht gehen!“
„Er ist jetzt böse auf dich, was denkst du, wird passieren, wenn du das hier durchziehst?“
„Ich bin nicht mehr unsterblich, was das heißt, weißt du genau. Aber ich brauche Antworten und die bekomme ich nur aus der Halle der Zeichen. Entweder unterstützt du mich wirklich, oder geh mir aus dem Weg.“
Sie schließt ihre Lider. „Brutus, bring sie heim.“ Doch dieser macht Sitz.
„Ich muss es machen“, wiederhole ich fest und gehe durch sie hindurch. „Entweder hilfst du mir oder gehst mich verpetzen.“
„Er weiß, dass du hier bist!“ Ich höre sie tief durchatmen. „Bellatrix.“
„Was?“
„Du bist mehr, als eine Gestalt.“
„Es geht mir um das, was damit zusammen hängt.“
„Du bist würdig, die Halle zu betreten, du bist die Enkelin der Erschafferin.“ Ich bleibe stehen und wende mich an sie. „Was dir die Geburt gegeben hat, kann man dir nicht wegnehmen. Nur verschließen.“
„Sprich nicht in Rätseln.“
Sie reist ihre Augen auf. Bevor ich reagieren kann, knalle ich gegen die Wand. Brüllen und knurren ist Laut. Sehen kann ich nichts mehr. Kaum habe ich mich aufgerappelt, landet mein Kopf gegen eine Kante. Heiß fließt es über mein Gesicht. Das Gefühl, unter spitzen Steinen begraben zu werden, kommt von meinem Bauch. Ein weiterer Schlag gegen meinen Kopf und ich bekomme nichts mehr mit.

Ich liege weich, das ist der erste Gedanke, der mir durch den Kopf geistert. Mir tut alles weh, ich habe keine Ahnung, was passiert ist. Ich keuche vor Schmerzen, als ich mich kurz bewege.
„Das sollst du nicht“, höre ich einen dunklen Ton. Meine Lider lassen sich nicht öffnen. „Ruh dich aus.“
„Hoheit, sie sollten auf ihn hören“, kommt von Miguel. Viel zu weit weg und zu traurig klingt er.
Jemand nimmt meine Hand. „Es wird dir bald besser gehen“, sagt der dunkle Ton. Vermutlich ist er es, der mich hält und auch, dessen Hand mich an meiner Stirn berührt. „Schlaf noch etwas.“
Ich will nicht und ich kämpfe gegen den Zauber an, aber ich bin zu schwach.

Etwas schleckt mir über das Gesicht. „Bäh lass das“, grummel ich und sehe dem großen Dobermann ins Gesicht. „Was machst du hier?“ Ich greife um die Schnauze und kuschel meinen Oberkörper an sein Gesicht.
„Er hat dich hergebracht“, kommt wieder von einer dunklen Stimme. In einem Sessel sitzt ein Engel mit braunen langen Haaren.
„Opa“, kreische ich und will aufstehen.
„Sag das nicht immer, ich fühl mich dann so …“
„Alt?“, helfe ich aus.
Er kommt zu mir und drückt mich nieder. „Sehr alt.“

„Was ist passiert?“
Er setzt sich neben mich. „Du kannst von Glück reden, das du so treue Seelen um dich hast.“ Ich streichle Brutus. „Nicht nur ihn. Nathanial hat mich gerufen. Die Tochter Michaels hat dir ein teil ihrer Unsterblichkeit gegeben und …“
„Was? Warum hat Nika das getan?“
„Weil nicht mal ich dich retten hätte können.“ Er drückt meine Hand. „Was war den so wichtig, dass du da hinunter bist?“
„Ich brauche meine Gestalt.“
„Das ist doch in dir, das kann dir niemand wegnehmen.“
„Aber ich bin sterblich, wie man gesehen hat.“
„Du warst nie unsterblich. Ja, du bist eine Tochter eines Gottes, aber es sind zu viele mächtige Wesen in dir, dass dies bei dir in Betracht kam.“
„Ich war nie …“, gebe ich keuchend von mir.
„Nein und jetzt dank Nika, auch nur begrenzt.“
Ein Karussell an Gedanken habe ich in meinem Kopf, sie rufen, ich soll hinhören und das auch noch durcheinander. Doch zwei sind am lautesten. „Was ist mit der Halle und Zayn?“
„Michael hat ihn weggebracht, ich habe keine Ahnung wohin. Du hättest mich rufen können, dann wäre dies alles nicht passiert.“
„Ich muss trotzdem in die Halle der Zeichen.“
„Ich verstehe nicht.“
„Irgendetwas stimmt mit mir nicht.“ Seine Augenbraue berührt fast sein Haar, so stark kräuselt sich seine Stirn. So erzähle ich ihm, die Geschichte mit mir und Damian. Dass etwas in mir ist, was sich stark zu Miguel hingezogen fühlt, lasse ich aus. Reicht, dass ich mir das selber eingestanden habe.
„Das ist wirklich merkwürdig.“ Er blickt zur Tür und steht dann auf. „Faktisch nicht möglich.“ Er läuft vor dem Fußende auf und ab. „Und auf euren Akt ist da nichts?“
„Zugänglicher habe ich das Gefühl, aber nicht, dass er na ja, mein Partner ist.“
„Und hätte schwören können, das da mehr ist.“
„Er liebt Nika dafür zu sehr.“
„Schien mir nicht so, aber ich kann verstehen, warum da hinein willst.“ Er setzt sich wieder zu mir. „Ruh dich aber aus, selbst halb unsterblich, bist du dafür zu schwach. Ist das Okay?“
„Ein paar Tage mehr oder weniger, kommt es jetzt nicht mehr darauf an.“
„Und ich höre mich oben mal um, vielleicht finden wir einen Weg zusammen.“ Er erhebt sich wieder. „Sei brav, dein Damian achtet auf dich.“
„Er wird ab und zu vorbeischauen, aber mehr nicht“, grummle ich.
„Er hat dich kaum allein gelassen die letzten Tage.“
„Das glaube ich nicht“, sage ich dann nachdenklich. „Wir sprechen schon von der gleichen Person?“
„Es sind viele hier gewesen, aber ich meine den hellen Wolf.“
„Du hast mir nicht zu gehört!“, stöhne ich auf, dass Miguel bei Fuß bleibt, ist mir klar gewesen. „Damian ist der Mensch.“
„Oh!“, gibt er überrascht von sich. „Merkwürdig.“
„Sag ich ja, aber was meinst du jetzt?“
Er winkt ab. „Das wird sich klären.“ Ein schnipst und die Stelle, wo er gerade noch gestanden hat, ist nur noch Luft.
„Gottverdammte Engel“, fluche ich. Mein Blick geht zu Brutus. „Und was mache ich jetzt mit dir?“ Wie damals schon sitzt er sabbernd und schwanzwedelnd da. Tolle Antwort. Vorsichtig und langsam erhebe ich mich. Brutus stützt mich mit seinem Kopf, bis ich den Halt am Fensterbrett habe. Ich öffne es und lasse frische Luft herein.
„Du kannst von Glück reden, das sie dein Kalb eingescannt haben“, höre ich von dem sanften Ton von Miguel. Ich sehe über die Schulter. Es stellt ein Tablett auf mein Nachtisch. „Wie geht es dir?“
„Ich fühl mich grauenvoll.“
„Du hättest nicht ohne mich gehen dürfen.“
„Dann wärst du Tod.“
Er schließt die Lider. „So wie du fast?“ Ich erkenne seine Wut, die er unterdrückt.
„Ich …“
„Nein Bella, versuch nicht, dein Handeln wieder beiseitezuschieben, oder als ein notwendiges Opfer darzustellen. Fakt ist, wenn Raphael nicht den Tod aufgehalten hätte und Nika nicht so schnell gehandelt, wärst du jetzt nicht mehr am Leben. Eine weitere Seele, die nicht hinübergehen darf, weil dein Vater sie behält. Oder sehe ich das falsch?“
„Ich brauche Antworten, verstehst du das nicht?“
„Das ist diese Aufgabe nicht wert, das du deswegen stirbst.“ Er kommt zu mir. „Mach das nie wieder.“
„Es geht mir auch um mich.“
„Dann komme ich mit.“ Brutus bellt. „Das soll wohl heißen er auch.“
Ich lehne meine Stirn an seine Schulter. „Warum bist du nur so?“, seufze ich.
Er nimmt mich in den Arm. „Weil ich es bin.“ Sein Finger gleitet unter mein Kinn und hebt es an. „Hör auf, dir Gedanken zu machen.“
„Ich kann nicht, vielleicht bin ich zu menschlich … es ist einfach alles so verwirrend gerade für mich.“
„Du jammerst zumindest sehr auf dessen Niveau“, zieht er mich auf. Ich schnaube. „Das wird sich alles klären, da bin ich mir sicher.“
Ich mir gar nicht.

Drei Wochen brauche ich, bis ich ohne jemanden, der mich stützt, laufen kann. Damian sehe ich in dieser Zeit kaum. Auf der jagt, hat er mich angelogen, als er kurz einmal hineinsah. Ich habe es ihm angesehen, dass er mich angeschwindelt hat. Miguel hat gemeint, dass er sich Vorwürfe macht. Ich hingegen denke, dass es wegen Nika ist, auch, wann sie es verneint und darüber lacht.
Statt also endlich mal etwas klarer zu sehen, verdichten sich die Dunkelheit immer mehr.
„Wo gehst du hin?“, fragt Ariel, als ich mich vom Gelände schleichen will. Eigentlich hätte ich mich wegzaubern können, aber ich will all meine Kraft sparen für die Aufgaben. Ich will endlich Gewissheit haben und diese Zayn Geschichte soll zur Vergangenheit gehören.
„Spazieren“, gebe ich von mir.
Sie hebt ihre Nase. „Wo ist Miguel?“
„Weiß nicht.“ Wo er sich wirklich befindet, habe ich keine Ahnung, aber ich habe ihn in die Stadt geschickt, weil ich etwas Neues zum Anziehen wollte.
„Und warum Brutus schläft, wie ein Baby hast du auch kein Wissen darüber oder?“
Ich zucke mit den Schultern. Ariel verschränkt ihre Arme. „Bei den ägyptischen Göttern du musst zu mir halten und nicht noch mir Steine in den Weg legen.“
„Du bist nicht bereit dafür und schon gar nicht alleine.“
„Mir geht es gut!“ Sie greift an meine Rippen. Ein starker Schmerz durchzuckt mich und ich landete keuchend auf meine Knie.
„Ja, sehr gut sogar“, gibt sie sarkastisch von sich und seufzt. „Bellatrix ich kann dich verstehen, besser als fast jeder hier, aber es bringt dir und uns nichts, wenn du stur wieder einen Alleingang machst und dann wieder stirbst.“
„Ich kann das nicht mehr.“
Sie reicht mir die Hand. „Lass uns dir helfen.“
„Ihr könnt mir nicht dabei helfen.“ Ich stehe ohne ihre Hilfe auf. „Ich muss das machen, es macht mich verrückt.“
„Hast …“
Mehr will ich nicht hören, leise sage ich „Solution“ und denke an die Halle der Zeichen.

Ich komme mitten in einem Wald an. Mehrere Male muss ich schwer durchatmen, bis ich Herr über meine Schmerzen bin und aufstehen kann. Der Anblick hier lässt mich aber an mir und alles zweifeln, was ich kann. Ich will Lösungen und nicht mitten in einen Wald stehen, wo man nicht mal vor lauter Nebel die Hand vor Augen sieht. Ich schleppe mich weiter den Kiesweg entlang. Immer besser funktioniert meine Atmung und der Schmerz ist auf eine geringe Stufe ertragbar. „Hallo?“, rufe ich immer wieder, doch es bleibt stumm. Nicht mal Geräusche von Tieren sind zu hören.
Seufzend nehme ich auf einen Baumstumpf Platz. Gerade wünsche ich mir, jemanden mitgenommen zu haben. „Verdammt“, fluche ich.
Schnelle schritte aus der Richtung, woher ich gekommen bin, etwas rast an mir vorbei, zu flink, um etwas zu erkennen, und dann wird es vom Nebel wieder verschluckt. Ich versuche, hinterher zueilen, aber ich bin eindeutig zu langsam. Kurz darauf wieder hinter mir dieses Geräusch. Ich bin nicht mal so temporeich beim Umdrehen, dass ich etwas sehen kann. Beim nächsten Mal bleibe ich einfach stehen, doch nur kalter Hauch geht über meine Haut. Ein Zauber also.
Immer tiefer geht es in die Nebelwand, bis fast plötzlich das Haus vor mir erscheint. An der Tür kann ich rütteln, wie ich will, sie geht nicht auf. Zaubersprüche sind auch umsonst. Mein Blick geht auf die Hand. „Hat Miguel nicht etwas gesagt mit Blut?“ Suchend sehe ich auf den Boden, doch da ist nichts. Auch an der Tür ist alles andere als etwas, was mir weiterhelfen könnte.
„Ich brauch eine Wunde“, sage ich leise mir immer wieder. Taste das Holz ab, gehe Schritt für Schritt von der Tür weg und doch komme ich nach ein paar weiteren am Einlass wieder an. Langsam werde ich wütend. Laufe rückwärts von der Tür weg. „Wenn du, scheiß Ding mir nichts gibst, wo ich mir etwas zufügen kann, füge ich dir halt Magie zu!“ Meine Wut, Verzweiflung und Enttäuschung lasse ich in einen Energieball hineinfließen. Zischend springen blaue Blitze durch den eingemauerten Kugel. „Ich bin das Erbe von Liliana Le Fay. Enkelin von Erzengel Raphael und morgen Le Fay! Ich fordere mein Recht einzutreten“, brülle ich, lasse es frei und gegen die Tür knallen. Verkohlt, aber nichts geschieht. Heiß brennen meine Tränen die Wange hinunter. „Ich will doch nur Antworten haben“, schluchze ich in meine Hände, „verstehst du das nicht?“ Ich spüre die Verwirrung in mir noch mehr als zu vor. „Bitte“, gebe ich von mir.
Knarren vor mir, ich blicke durch den immer größer werdende Spalt in das Dunkel von innen. Die Worte echt jetzt bleiben mir im Hals stecken. Ich will ja nicht, dass die Tür wieder verschließt. Ich laufe los und bin mehr als froh dann drin zu sein. Mit einem Knall ist es komplett dunkel. Ich konzentriere mich auf Feuer. Eine kleine Flamme schwebt vor mir.
„Besser als nichts“, seufze ich leise und laufe immer weiter den geraden Gang entlang. Kurz vorm Erlöschen der Feuerzunge gehe ich durch einen Türrahmen. Plötzlich strahlen mir Lichter entgegen, dass ich mir die Augen zuhalten muss. Blinzelnd gewöhnen sich meine Augen an den Unterschied. Eine Treppe vor mir führt zu einem riesigen Raum, der mit Regalen voller Bücher ausgestattet ist. Ich fand die Bibliothek von den Jägern schon beeindruckend, aber diese hier topt alles. Etwas weiter vorne fehlen vier Regale. Ich kann nicht einsehen, was dort ist, aber ich habe das Gefühl genau dort hinzumüssen. Vorsichtig näher ich mich dem Loch.
„Hallo?“, rufe ich aus, als ich es betrete. Ein Buch thront auf einem goldenen Rednerpult. Es sieht so aus, als wenn es schon beim Hinsehen in sich zusammenfällt. Ich blicke in jede Reihe, aber nichts ist Außergewöhnliches zu sehen. Tief atme ich durch und blicke dann in das Buch vor mir. Ich spüre die starke Magie, die es in sich trägt. Mit geschlossenen Lidern atme ich tief durch. Was frage ich als Erstes?

November zutage führt
Ohne Licht berührt
Vom ersten Augenblick
Ein Stück zurück
Mehr wieder spürt
Blut des einen verführt
Eine Umkehr des Missgeschicks
Reicht ein Zaubertrick
“, hallt es zu mir.
„Was?“ Ein starker Wind kommt auf. „Warte! Nein! Ich habe doch noch gar nicht gefragt!“ Ich kann mich kaum halten. „Ich muss doch Zayn helfen.“ Ein Blitz trifft mich, es wird schwarz vor meinen Augen, nur kurz erhalte ich das Bild, von dem Platz, wo ich Michael getroffen habe und Kerzen.

„Bellatrix“, höre ich eine Frauenstimme. Schwer kann ich meine Lider öffnen. Der Geruch von Tannen im Wald und Blut klebt an mir. Der salzige Duft von Tränen befindet sich schwach in meiner Nähe. „Bellatrix, was hast du gemacht?“
„Ich brauchte Antworten“, antwortete ich leise. Meine Stimme ist schwach, ich bin mir nicht mal sicher, ob die Frau vor mir mich gehört hat.
„Ich musste es tun“, sagte eine Mädchenstimme.
„Aber Bella, es ist ein Mensch.“ Langsam klärt sich mein Bild. Schwach erhellt das Mondlicht die Szene. Vor mir liegt ein junge gerade mal, dass er gefühlt laufen kann. Seine Schulter hat eindeutig meine Bissspur. Doch die Frau vor mir, die anscheinend gerade mit mir redete, ist keine Geringere als meine Mutter. Ich strecke die Hand aus, doch sie geht hindurch.
„Ich musste es tun“, wiederholte das Mädchen hinter mir. Ich drehe mich um. Dort stehe ich, nicht viel älter als der Junge.
„Wir lassen ihn hier liegen.“
„Er wird verbluten“, wimmert mein Kleines ich.
„Aurelia bring ihn zu einem Waisenhaus.“
„Ja Mama.“ Meine Schwester ist in ihrer Bestiengestalt, hat sie dem Jungen das angetan? Ihr Gesicht ist traurig. Sie nimmt ihn auf den Arm und läuft davon.
„Bella, hast du sein Blut getrunken?“ Mehr höre ich nicht von ihr. Wie im Rückwärtslauf sehe ich, wie er auf den Boden liegt und ich mich beschützend über ihn stelle. Doch auch dies verschwindet vor mir.

Ich schrecke auf und atme schnell. Rasch erkenne ich das Zimmer, im Dorf der Jäger.
„Bella“, vernehme ich von Miguel neben mir, der mich dann an sich drückt.
„Zu stark“, keuche ich.
„Es tut mir leid, ich dachte nur, ich habe dich verloren.“
„Da lässt man dich allein, stirbst du fast, stellst eine Wache auf seine Stufe … Bellatrix kann man dich auch mal allein lassen?“
Ich sehe zu meiner Schwester. „Was machst du hier?“
Sie setzt sich zu mir. „Da ihr euch nicht gemeldet habt, habe ich angerufen und na ja ihr da auch nicht dran gingt, bin ich hierhergekommen.“
„Also erstens“, ich greife nach der Hand von Miguel, „wir sind Freunde geworden und mir ist es total egal, was du darüber denkst Aurelia. Zu meinem fast ableben, das ist anders geplant gewesen.“
Sie sieht zu ihm. „Du solltest sie beschützen.“
„Hoheit …“
„Nicht da, das tut er. Ich bin gegangen, als er schlief.“
Ihr stechender Blick gleitet wieder zu mir. „Und die Halle der Zeichen?“
„Ich habe ihn weggeschickt.“
„Und fast wieder gestorben!“
Ich verdrehe meine Augen und seufze. „Miguel, kannst du mir bitte etwas zu trinken bringen.“
„Gern, Ho …“ Ich räuspere mich. „Bella.“
Sobald die Tür zu ich sehe ich zu meiner Schwester. „Mir ist egal, was du davon hältst. Er ist für mich da und ein Freund geworden.“
„Was sagt dein Damian da zu?“, fragt sie verächtlich.
„Na ja, selbst, wenn er meiner wäre, was er nichts ist, würde es mir egal sein.“
„Wie bitte?“ Sie wirkt sehr erstaunt. „Aber wie geht das?“
„Keine Ahnung.“ Mein Blick geht zur Tür. „Vielleicht weil ich menschlich bin.“
„Das ist doch Nonsens.“ Meine Augenbraue ziehe ich nach oben. „Seit Anbeginn der Zeit gibt es Menschen und Götter, die das Gleiche fühlen.“ Sie reibt sich die Lider und nimmt wieder bei mir Platz. „Einigen wurde die Göttlichkeit entzogen, aber ein Partner ist für ein Leben.“
„Anderes Thema“, beginne ich, weil mir das ewige Durchkauen langsam Kopfschmerzen macht. „Als Mama und wir auf der Flucht waren, da habe ich einem Jungen das Leben gerettet.“
„Daran kannst du dich erinnern?“
„Nicht wirklich, die Halle der Zeichen, hat es mir gezeigt.“
Sie atmet tief durch. „Wir waren nicht weit von hier, du hast Geräusche gehört und bist losgerannt. Als ich dich wieder eingeholt habe, hast du Dämonen verjagt und über einen Jungen gelehnt.“
„Warum hat dich das so traurig gemacht?“
Sie wendet sich zum Fenster. „Ich weiß nicht genau warum.“
„Ich kenne dich Aurelia, du verheimlichst mir etwas.“
Ihre Lider schließen sich und sie reibt darüber. „Kurz hatte ich das Gefühl, meinen vor mir zu haben. Doch als ich ihn wegbrachte in die Stadt, ist da nichts mehr gewesen.“ Sie steht auf. „Irgendetwas hast du gemacht.“
„Mama fragte mich …“
Die Tür geht auf und Miguel kommt mit zwei Flaschen Wasser wieder. „Hoheit.“ Ich will protestieren, reicht aber eine an meine Schwester. Schnaubend verschränke ich meine Arme. Sie lehnt es ab. Er setzt sich schmunzelnd neben mich. „Hier.“
„Was hat Mama dich gefragt?“, will Aurelia wissen.
„Ähm, ob ich sein Blut getrunken habe.“
„Hast du?“
„Was weiß ich, ich kann mich nicht mal daran erinnern.“
„Wieder mal typisch für dich“, fängt sie an in ihrer Ich-bin-Etwas-Besseres-Stimme.
„Es reicht Hoheit.“
„Misch dich nicht ein, du solltest eher deine Dosis erhöhen!“
„Knurr ihn nicht an“, kommt von mir.
Die Tür geht auf. „Ich will nichts sagen“, höre ich Damian beim Öffnen, „aber ihr schreit so laut, das selbst ich es verstanden habe, vor dem Haus.“
„Halt dich raus!“
„Aurelia es reicht.“ Ich stehe auf. „Du beruhigst dich erst mal.“
„Ich lasse mir nichts von einem verdammten Jäger sagen!“
„Jetzt hör mal zu, du selbst müsstest wissen, dass es einige bei euch gibt, die Böse sind.“
„Und das gibt euch das Recht, uns einfach abzuschlachten?“
„Aurelia!“
„Misch dich nicht ein“, faucht sie mich an.
„Schrei Bella nicht so an“, verteidigt mich Damian.
„Du musst sie nicht beschützen“, gibt nun Miguel von sich. Bevor ich etwas sagen kann oder ihn beruhigen, stehen sich die beiden gegenüber und zerfleischen sich in Gedanken.
„Welpen“, grummelt jetzt meine Schwester. Doch in der Sekunde wird alles schlimmer. Gedanken werden zu Taten. Damian ballt die Faust und schlägt zu. Miguel lässt sich dieses nicht gefallen und wird zum Wolf. Ich will eingreifen, Aurelia hält mich fest, mir bleibt nichts anderes übrig sie zu bitten aufzuhören. Sie schnipst und die beiden stehen wie Zinnsoldaten da. „Ihr seid schlimmer als Welpen.“ Doch mein Blick fällt auf die Schulter von Damian. „Bellatrix?“, fragt sie.
„Siehst du das?“
Die beiden Männer regen sich wieder, entweder hat Aurelia den Zauber aufgehoben, oder sie hat ihn nur für kurz angesehen. „Was hat sie jetzt?“ Damians Stirn ist gekräuselt. Durch sein zerrissenes Shirt schimmert weiße Stellen von Narben hindurch.
Ich reise das Stück weiter auf. „Woher hast du das?“
Sein Blick verfinstert sich. „Das hat mir eine von euch angetan!“
„Denkst du?“, fragt Aurelia hinter mir.
Mir kommen die Worte in den Kopf, die ich in der Halle der Zeichen gehört habe. „Du …“ Ich wende mich an Aurelia. „Kann das wirklich sein?“
„Würde einer bitte uns aufklären?“
„Bellatrix hat dich gerettet und damit den ganzen Schlamassel selbst eingebrockt.“
„Hey, ich war jung!“, gebe ich von mir.
„Hoheit wie meinen sie das?“
„Das würde mich auch interessieren.“ Sein Blick ist verwirrt aber auch wütend.
„Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, die Halle hat mir nur Bilder gegeben eine Szene, in der ich über einen Jungen stehen, der an der Schulter meine Bisswunde hat.“
„Dämonen haben dich angegriffen, sie hat dich als ihre Beute markiert und als Göttin steht ihr recht höher als der Bestien. Damit hat sie dir dein Leben gerettet. Beim Biss muss sie dein Blut getrunken haben.“
„Darum“, gibt jetzt Miguel von sich.
Ich blicke zu ihm. „Darum was?“
„Damian war nie dein Partner, er ist dein Besitz. Ein Blutvorrat, wenn man es genau nimmt“, erklärt meine Schwester.
„Die Halle hat auch etwas von Verrat gesagt“, sage ich leise.
„Was hat sie genau gesagt?“
„Mh etwas mit November und Dunkelheit beim ersten Augenblick.“
„Es war November und damals. Mondfinsternis, glaube ich sogar.“
„Was sonst noch?“, drängt Miguel.
„Ähm. Irgendetwas mit schritt zurück und Missgeschick. Ach und Blut des einen verführt.“
„Wie kann man es auflösen?“, fragt er.
„Miguel es reicht“, knurrt meine Schwester.
„Nein jetzt nicht mehr, ich will mein Recht.“
Verwirrt sehe ich ihn, so hat er noch nie mit ihr gesprochen. „Dein Recht?“ Doch statt zu antworten, geht er.
„Manchmal stehst du gewaltig auf der Leitung“, seufzt Damian.
„Er ist es Bellatrix“, sagt sie.
Mein Blick geht zu ihr und ich schüttele den Kopf. „Nein, das ergibt keinen Sinn.“
„Ich habe ihm einen Trank gegeben, die es von ihm unterdrückt.“ Sie atmet tief durch. „Es war sein Wunsch. Ich habe aber da drin eher gesehen, dass jemand dich beschützen kann, und habe es etwas nicht so stark gemacht.“
Ich habe keine Ahnung, was ich darauf sagen soll. „Nein!“ Ich wende mich ab. „Er weiß sie ich die Tage gelitten habe, das würde er mir nicht antun.“
„Trink sein Blut, du weißt, es lügt nicht.“
„Bevor du was machst, kannst du mir verraten, wie wir beide wieder normal werden?“, fragt Damian.
„Nie“, antwortet meine Schwester.
„Ich bin aber nicht ihr Besitz!“, brüllt er jetzt. Er macht einen Schritt auf mich zu. „Mach das verdammt noch mal rückgängig!“
„Das kann ich nicht“, flüstere ich.
Ein weiterer Schritt, ich zucke zusammen, weil die Tür aufknallt. „Droht ihr weiter und ich werde mich nicht zurückhalten!“
„Miguel.“ Ich greife nach seiner Hand. „Bitte.“ Meine Befürchtung, dass er trotzdem Damian angreift, wird zum Glück nicht wahr.
„Wir sollten alle“, höre ich von Ariel hinter mir, „erst mal uns beruhigen.“ Hinter ihr eine Armee an Jägern, dem Engel und ihrem Partner.
„Ihr habt mir gar nichts zu sagen“, dröhnt es von meiner Schwester.
„Aurelia sie hat recht, wir sollten alle tief durchatmen und versuchen das hier ruhig besprechen.“ Ihr Kiefer ist aufeinander gepresst, ich weiß, dass sie gerade um Beherrschung ringt. Für einen Bruchteil einer Sekunde blickt sie zu Damian und nickt dann. Dann wird mir klar, was sie vorhin gemeint hat. Damian ist ihr Partner und ich habe es versehentlich zerstört und das für immer. Genauso wie das mit mir und Miguel, wenn es wahr sein sollte. Aber wie soll ich das jetzt mit ihm klären? Oder wäre es besser, erst mal die andere Sache auf den richtigen Weg zu lenken.
„Wir sollten alle etwas herunterkommen“, meint der Engel. „Hoheit.“ Seine Stimme und seine Verbeugung sagen, dass er es nicht ernst meint. „Würden Sie mir bitte Folgen.“
„Ich werde …“
„Aurelia bitte, kannst du ein einziges Mal von deinem hohen Thron herunterkommen und dich arrangieren?“, gebe ich genervt von mir. Ich weiß, dass sie gerade dabei innerlich ist zu explodieren. „Damian nimmst du sie bitte mit zu dir.“
„Was?“, kommt erschrocken von ihm.
„Los jetzt und keine Widerrede!“ Miguel halte ich fest, nicht, dass er auf die Idee kommt, die Flucht zu ergreifen. Sein Gesichtsausdruck sagt, dass er genau das vorhatte. Gequält, als wenn er lieber sterben würde, als mir Antworten zu liefern. Das Zimmer sowie das Haus wurde leer. „Haben sie recht?“, frage ich ihn dann so gleich.
„Ich weiß nicht, wovon du redest.“
„Klar, als wenn du dein Gehör abschalten kannst.“ Sein Blick geht auf den Boden. „Miguel, ich weiß nicht mehr, was ich glauben kann. Hilf mir doch.“
„Ich kann nicht“, gibt er leise von sich. Er will gehen. Ich klammer mich an seinen Arm. „Verstehst du das nicht?“
„Nein, ich verstehe eben nichts. Du lebst seit Jahren bei uns! Wenn ich dich sah, warst du in der Nähe meiner Schwester. Plötzlich erfuhr ich von dir, dass du meine Wache bist schon immer und genauso überraschend kommt dann, dass du mein Partner sein sollst. Was denkst du, es mir bei dem allen geht, wie verwirrend das hier eh schon ist?“, schreie ich ihn inzwischen hysterisch an.
„Du willst also die Wahrheit?“, fragt er mich knurrend.
„Ja!“
Er zieht mich ruckartig mit dem Rücken an seine Brust und drückt seinen Arm gegen meinen Mund. Gegen seine Reaktion kann ich mich nicht wehren. „Trink“, gibt er von sich. Erst jetzt schmecke und rieche ich das Metall von Blut. Ich versuche, den Arm wegzudrücken. Es funktioniert genauso wenig, wie zaubern, als wenn er immun ist. „Präteritum“, sagt er dann.

Abrupt stehe ich allein im Dunkeln. Meine Stimme ist weg. Ich habe Angst, mich zu bewegen.
„Hey, wach auf“, vernehme ich eine Stimme, die mir bekannt vorkommt, aber ich nicht weiß woher.
„Lass mich schlafen“, brummt eindeutig Miguel. Ich will nach ihm rufen, doch noch immer kann ich nicht reden.
Es wird langsam hell, ich erkenne den Koch. Mir ist nie aufgefallen, dass er Miguel eigentlich sehr ähnlich sieht. Das gleiche Haar, die gleichen Augen, nur älter und keinen Bart und stämmiger. Er vor mir beugt und jemand wachrüttelt. „Jetzt steh auf, es kommt nicht so gut, wenn wir zur Vorstellung bei der Hoheit zu spät kommen.“
„Hoheit? Ach ja, der Job“, dröhnt Miguels Worte in meinem Kopf. Jetzt verstehe ich, was hier los ist. Klar, er hat ja auch gesagt Vergangenheit. Ich blicke mich um, es ist eines der Zimmer im Gasthaus. Dass er auch lieber in einem Bett liegt, ist mir neu. Obwohl, er hat sich auch nicht geweigert, sich zu mir zu legen. Er schiebt die Decke beiseite und ich bin erstaunt, dass er nichts am Leibe trägt. Seine Finger gleiten durch seine Haare. „Denkst du, dass wir eingestellt werden?“
„Du warst das, der hier unbedingt hinwollte“, meint sein Bruder und geht aus dem Zimmer.
„Ja gestern hatte ich auch noch dieses Gefühl.“ Sein Blick geht aus dem Fenster. „Je näher wir kamen, umso weniger ist es geworden.“ Er geht sich durch sein blondes Haar und steht dann auf. In der Zeit, wo er sich wäscht und anzieht, kann ich den Blick nicht abwenden. Wie ein unsichtbares Band werde ich mitgerissen, als er das Zimmer verlässt. Sein Schweigen im Kopf kommt mir merkwürdig vor, aber wiederum weiß ich ja nicht, was in seinen Gedanken gewesen ist, als er mich hierher geschickt hat.

Nach dem Frühstück gehen die Brüder in Richtung meines Zuhauses. „Du bist nervös“, höre ich vom Koch.
Statt einer Antwort sehe ich, wie Miguel die Nase hebt und dann losrennt. Ich hasse es, das es so ruckartig geschieht und ich kaum hinterherkomme. „Nicht!“, ruft er aus. Gerade noch rechtzeitig sehe ich, sie mein ich aus seiner Erinnerung springt, genau in seine Arme. Er knallte mit ihr auf den Boden.
Sie schließt die Augen, zieht seinen Duft ein und dann blickt sie ihm tief in die Augen. Warum weiß ich davon nichts mehr? Plötzlich springt sie auf und rennt davon. „Danke!“, höre ich sie nur noch.
„Nein, wie kann das sein?“, keucht er. In seinen Gedanken kommt es traurig rüber, als er es Gefühl hundertmal wiederholt. Er kennt ihr hinterher, der ruf seines Bruders ignoriert er vollkommen. Am Strand findet er mich, ich habe keine Ahnung, warum ich weine. Noch mehr kommt mir die Frage auf, warum ich nur Fragmente von manches weiß.
„Miguel, bist du vollkommen verrückt geworden“, schnauft sein Bruder, als er uns eingeholt hat.
„Sie spürt es nicht“, gibt er von sich.
„Sie ist die Tochter von Anubis, denkst du wirklich, du bist ihr Partner?“
Er schließt die Lider. „Ja, das dachte ich.“ Sein Blick gleitet zu ihm. „Es ist so stark.“
„Für einen kurzen Moment sah es wirklich so aus, aber dann …“ Er atmet tief durch. „Komm, wir sollten den Termin wahrnehmen. Vielleicht verändert sich etwas.“ Miguel nickt. Die Umgebung verschwimmt vor meinen Augen und dann stehen wir vor meiner Schwester, als ich wieder klar sehen kann.
„Du kannst gehen, ich habe genug Wachen hier, noch einen benötige ich nicht.“
„Hoheit …“
Aurelia winkt ab und schreitet zu ihrem Gemach. „Bringt ihn …“
Die Tür knallt auf. Mit geballten Fäusten laufe ich auf sie zu. „Du kannst mich nicht, wie ein Kind behandeln, nur weil du älter bist.“ Dass Miguel da steht, scheine ich vollkommen zu ignorieren oder ich bemerke ihn wirklich nicht. Denn selbst als Aurelia zu ihm sieht, schreie ich sie weiter an.
Sie hebt ihre Hand und ich bin verschwunden. Miguel kann gerade noch von den Wachen zurückgehalten werden. „Interessant, ich glaube, ich habe doch einen Platz für dich.“ Erfreut scheint Miguel darüber nicht zu sein. Er hat sich verwandelt und knurrt sie zähnefletschend an.
„Hoheit, was sollen wir mit ihm machen?“, fragt einer der Wachen.
„Gute Frage.“ Von der einen Sekunde auf der anderen, ist Miguel ruhig und läuft zur Tür. „Sie wird doch nicht …“ Aurelia seufzt. „Los hinterher und berichte mir.“ Miguel bejahrt es und dann ist er weg.

Statt wieder mitgezogen zu werden, wird es kurz dunkel und ich stehe immer noch da. Er läuft auf und ab. „Ich kann das nicht, Hoheit. Bellatrix so nah zu sein und nicht berühren zu können, ist für mich, als wenn man mir etwas nimmt.“
„Es gibt einen Trank, der es mildert.“
„Lösen sie es!“, schreit er sie an.
„Das geht nicht, sie ist keine gewöhnliche Wölfin.“
„Ich kann das nicht mehr!“
„Und ich werde nicht das hergeben, womit ich endlich etwas Kontrolle habe über sie.“ Sie setzt sich. „Bellatrix muss beschützt werden, das wurde mir gesagt, seit ich denken kann. Ihr Partner ist am besten dafür geeignet.“
„Ich bin es aber nicht.“
„Das sehe ich anders. Wie gesagt, ich kann dir eine Erleichterung geben, aber es lässt sich nie trennen, dein Platz ist an ihrer Seite.“ Sie belächelt ihn. „Es ist ehrlich gesagt mir egal, wie du dich dabei fühlst, es geht hier einzig allein darum, sie zu beschützen.“ Er presst den Kiefer zusammen. „Sag nichts, was du bereuen würdest.“
„Ich werde sie umbringen.“

„Das werden sie ihr nicht wirklich antun?“, höre ich von Miguel. Die Szene hat sich wieder geändert.
„Denkst du, ich lasse zu, dass sie ihr leben wegwirft und diesen Schwächling wählt?“
„Sie hat sich für ihn entschieden.“
Aurelia lacht. „Trotz mehr ist das nicht, doch sollte er herausfinden, wie er diesen Platz rechtmäßig bekommt, ist sie es, die leidet.“ Sie kommt auf ihn zu und berührt ihn an der Brust. „Oder, willst du, dir weiter ansehen, wie sie sich ihm hingibt?“
„Fassen sie mich nicht an!“, knurrt er. „Ich werde nie ihnen diesen Gefallen tun!“
„Lächerlich, du hoffst immer noch.“ Sie schubst ihn weg. „Ich habe das, was ich will, eine ständige Überwachung ihrerseits.“
Immer wieder geht in seinem Kopf der Gedanke, dass er ihr am liebsten die Kehle aufschlitzen würde.

Das nächste Mal, als alles klar wird, stehen wir im Flur, in der Nähe meiner Tür. Chris schleicht sich gerade aus meinem Zimmer.
„Halt dich zurück“, höre ich hinter uns leise. Miguel blickt zu seinem Bruder.
„Es wird Bellatrix verletzen, ich muss sie beschützen.“ Schon geht er in mein Zimmer. Ich erkenne, wie ich unruhig hin und her mich drehe. Vorsichtig setzt er sich neben mich und streicht mir über den Arm. Leise singt er das Lied meiner Mutter. Ich bin erstaunt, wie ich schon damals reagiere darauf. Aus dem nervösen zucken wird ein Seufzendes-ich, was sich bei ihm ankuschelt und ruhig weiter schläft.
„Es ist merkwürdig“, flüstert sein Bruder.
„Was meinst du?“
„Sie reagiert auf deine Aura, aber wenn sie wach ist, als wenn du nicht existiert.“
„Beiss halt auch noch zu“, knurrt er noch.
„Mal daran gedacht ….“
„Halt den Mund.“ „Nie würde ich es erzwingen“, höre ich seine Gedanken.
„Schon gut, aber sie schläft jetzt ruhig, sie wird es nicht mitbekommen, du hast sie wieder beschützt, was der Kerl nicht verdient hat.“
„Ich weiß.“ Behutsam legt er meinen Kopf auf mein Kissen. „Er nicht aber sie.“ Mit der Nase streift er über ihre Wange. „Du bist sicher, ich passe auf dich auf“, flüstert er, richtet sich auf und verlässt mit dem Koch mein Zimmer. Ich frage mich, warum es nicht wieder einen Wechsel gibt. Da dreht er sich um, will zurücklaufen, aber sein Bruder zieht ihn um die Ecke. Als ich zurückblicke, sehe ich, wie die Türklinke aufgeht, ein leichter Nebelschwaden fliegt vor mir her. Miguel brüllt in Gedanken immer wieder nein, laut kann er es nicht herausbringen, sein Bruder hält ihm den Mund zu.
„Du konntest es nicht verhindern“, höre ich ihn sagen. Ich weiß nun, um welche Nacht es sich gehandelt hat. Nur was er mir damit zeigen wollte, weiß ich nicht. Immer schneller bewegt sich Bilder vor mir, dass ich Angst habe zu fallen. „Was wenn sie es weiß und dies tut, weil sie es nicht will“, klingt von irgendwoher Miguels Stimme.
„Nein, irgendetwas muss da nicht stimmen“, sagt ein Zweiter, wo ich absolut nicht zu ordnen kann.
„Manchmal ist sie mir so nah und dann …“
„Manchmal?“ Der Zweite lacht. „Als wir angekommen waren und sie noch … du weißt schon, war etwas zwischen euch. Damian hat es auch gesehen und darum ist er auch so zu ihr. Er mag sie, zwar nicht wie Nika, aber sie bedeutet ihm viel.“
„Sie hat mich nie so angesehen, wie ihn“, knurrt Miguel.
Der andere lacht. „Nein, wenn sie dich ansieht, ist es intensiver. Ariel denkt, dass ein Zauber auf ihr liegt.“ Ariel, redet er mit dem Lockenkopf?
„Hab ich gehört.“ Ein Seufzen, von wem weiß ich nicht genau. „Ich kann nur abwarten, wie es weiter geht.“
„Kneif nicht, wenn es so weit ist. Ich hätte sie deswegen fast verloren.“

Dunkel, als wenn jemand mich eingesperrt hat, ganz tief unten. Kein Ton und nichts rieche ich. „Hallo?“, kann ich endlich wieder sagen.
„Bella“, kommt ganz leise von Miguel.
Irgendwie will ich zu ihm und irgendwie, weiß ich immer noch nicht, was ich wirklich fühle. Es gibt Hinweise, dass er die Wahrheit sagt, aber stimmt das auch über mich? Kann Damians Blut das wirklich verursacht haben, das ich so durcheinander bin. Ich wende mein Gesicht ab. Wie soll ich mich entscheiden? Egal wer mein Partner sein soll, beide sind mir wichtig. Damian gehört aber zu Aurelia, zumindest macht es den Anschein. Und ich … ich gebe zu, dass ich mich wohlfühle, wenn Miguel bei mir ist. Der Gedanke, dass ich einfach zu sehr Mensch bin, kommt auf. Weiß ich schon gar nicht mehr, wie sich das anfühlen soll?
„November zutage führt. Ohne Licht berührt. Vom ersten Augenblick. Ein Stück zurück. Mehr wieder spürt. Blut des einen verführt. Eine Umkehr des Missgeschicks. Reicht ein Zaubertrick“, dringt erneut an mein Ohr. Dann wird mir klar, was die Halle damit gemeint hat. Spüre ich deswegen mehr oder sollte ich vielleicht klarer sehen, nein. Aber ich vertraue ihm und offenbar gehört er zu mir.
„Bella bitte“, höre ich wieder von Miguel so nah und doch so fern. Ich will nach ihm rufen, aber immer noch bekomme ich nichts heraus. Das Gefühl der Einsamkeit nagt an mir, so sehr wie schon ewig nicht mehr. Tränen bahnen sich seinen weg über meine Wange. Meine Hände reibe ich über meine Arme. Ich will doch einfach nur zu ihm. Seine Wärme spüren, die Geborgenheit, die er mir gibt und die Ruhe, die dann in mir herrscht.
Ich habe es gesehen und nun merke ich, wie sehr er mir fehlt. Er ist immer in meiner Nähe gewesen und ich habe alles vermasselt. Nie werde ich für ihn so empfinden wie er für mich. Aber ich weiß jetzt, nur ihn gibt es für mich.
„Bella“, gibt erleichtert Miguel von sich.
So plötzlich ist es mir warm und ich reise die Lider auf. Ich liege in dem Bett, er kniet daneben. „Du bist hier“, flüstere ich.
Seine Hand wischt über meine Wange. „Ich wollte dir nicht wehtun.“
Ich nehme ihn in meine Arme. „Hast du nicht.“
„Für einen Moment dachte ich, dich verloren zu haben.“
„Halt mich einfach fest“, flehe ich und zieh ihn ganz nah an mich.

„Warum hast du mir nichts gesagt?“, frage ich ihn. Wir liegen schon seitdem, ich mich beruhigt habe, leise in meinem Bett. Das Einzige, was sich bewegt hat, waren seine Finger.
„Was hätte es gebracht, wenn ich das Schweigen gebrochen hätte?“
Ich wende mein Gesicht nach oben, um in sein zu blicken. „Du hättest mich sehen lassen können, so wie heute.“
„Und was hat es gebracht, du …“
Ich habe mich aufgerichtet und ihn mit einem Kuss unterbrochen. „Du hättest uns schon viel früher eine Chance gegeben.“ Seine Augen zucken wild hin und her. Ich weiß nicht, ob das der passende Moment ist, oder es diesen je geben wird. Doch mir ist klar geworden, dass ich, nein wir, schon viel, zu viel Zeit verplempert, haben. Ich lege meine Lippen auf seine. Seine Atmung ist schnell, die Haut glüht beinahe und sein Herz rast unter meinen Fingern. Er nahm etwas Abstand. Ich biss mir auf die Lippen, was ist, wenn ich mich getäuscht habe.
„Willst du das wirklich?“ Ich nicke. „Es gibt für mich keinen Zauber, kein Trank oder sonst etwas, wenn dir das hier durchziehen.“
„Ich weiß.“
„Freundschaft hin oder her, wird er dich an langen, werde ich ihn umbringen. Ist dir das klar?“
„Du wirst ihm nichts tun.“
„Ach ja und warum denkst du das?“
„Weil du mir damit wehtun würdest und dir auch klar ist, dass Aurelia dich dann in das Reich meines Vaters schickt.“
Er lacht leise, seine Nasenspitze umkreist meine. „Dann soll er einfach von dir Abstand nehmen.“ Bevor ich etwas erwidern kann, küsst er mich und zieht mich fest an sich.

Stunden könnte ich damit verbringen seine blonden Haare, um meinen Finder zu umwickeln. Er schläft gerade und ich sehe ihn dabei zu, wie sein Brustkorb sich gleichmäßig bewegt. Plötzlich reißt er die Augen auf und fängt an zu knurren. Bevor ich reagieren kann, geht die Tür auf. Der dunkelhaarige Lockenkopf steht da. Sichtlich schluckt er.
„Was ist los?“, will ich wissen und halte Miguel fest. Niemals könnte ich ihn wirklich halten, aber besser, als wenn er jetzt unüberlegt einen Krieg anfangen würde.
„Ariel möchte, dass ihr in die Bibliothek kommt.“
„Verzieh dich“, presst Miguel durch die Zähne hindurch.
„Wir kommen gleich“, sage ich und versuche, sein Kinn zu mir zu wenden. Die Tür klickt wieder ins Schloss, erst dann bekomme ich meinen Willen. „Er gehört zu Ariel.“
„Trotzdem hat er dich nicht anzusehen.“
„Ich weiß, das es zwischen uns schwer war, aber du musst jetzt nicht grundlos auf jemand einprügeln.“
Ein leises fiepen kommt von ihm. „Tut mir leid, das kann ich aber nicht abschalten.“
„Versuch es“, hauche ich gegen seine Lippen.

Ganz fest hält er mich im Arm, als wir zu der Bunkertür kommen. Der Engel und Neomi stehen da und warten auf uns. Wir nehmen die Treppe nach unten, im Gegensatz zum letzten Mal steht diese Tür dieses Mal offen. Je tiefer wir kommen, umso mehr wird Miguels Körper angespannt. Entweder liegt es an der Tiefe, oder das dort vermutlich auch Damian sein wird. Die Bibliothek kommt mir nach der Halle sehr klein vor. Der Engel geht an uns vorbei und wir folgen ihm. Er geht zu einer Tür. Ein Raum mit vier Sofas und einem kleinen Tisch. Ariel und ihr Lockenkopf, sowie Nika sind schon dort. Wir bleiben stehen. Leises knurren von Miguel, sagt voraus, dass meine Schwester mit Damian auf dem Weg hier her sind. Wie aus dem Nichts erscheint in einem Eck mein Opa. Ich nicke ihm zu. Neomi kommt herein und setzt sich zu ihrem Engel. Aurelia betritt den Raum und schnaubt. Damian ist hinter ihr. Er geht sich durch sein dunkles Haar.
„Ich freu mich für dich“, sage ich.
Er sieht zu Miguel. „Ich mich für dich.“
„Da das geklärt ist, fasse sie nicht mehr an“, brummt Miguel.
„Du hast gar nichts zu wollen“, sagt Aurelia. Ihre Arroganz lässt mich die Augen verdrehen. „Was den?“
„Halt einfach den Mund“, gebe ich von mir.
Sie holt Luft. „Bevor wir jetzt hier streiten, ihr wisst, warum wir eigentlich hier sind“, unterbricht sie Nika. „Zayn. Wir wollen ihn befreien.“ Sie sieht zu mir. „Hast du da auch etwas herausgefunden, oder nur dieses Hin und Her eurer Beziehungskiste?“
„Im Grunde haben sie mir nicht mal die Chance geben etwas zu fragen. Ich bin da rein und die knallten mir ein Reim um die Ohren und ich wurde heraus geweht.“
„Denk noch mal daran“, bittet der Engel. Ich hebe die Augenbraue und gehe gedanklich noch mal durch, was ich wiedergegeben habe.
„Das Ritual der Seelen?“, sagt mein Opa und kräuselt seine Stirn.
„Was ist das?“, will Neomi wissen.
„Das ist Blödsinn“, sagt er zu mir.
Leider muss ich ihm zustimmen. „Warte!“ Ich renne aus dem Raum, schau im Regal bei Ritualen. Irgendwo habe ich etwas gesehen, was uns weiter hilft.
„Bellartix das ist Blödsinn, ihr habt die Seele dann hier und dann …“
Ich wende mich an ihn. „Kannst du mal bitte aufhören, alles niederzumachen. Oder bist du nur eine leere Marionette deines Bruders?“ Ich hoffe nur, er hat verstanden, was ich ihm wirklich sagen wollte.
Kurz lächelt er und presst dann die Lippen aufeinander. „Dann macht euren Mist allein!“
Mit dem Buch gehe ich zurück. „Wir müssen herausfinden wo!“
„Der Platz sah aus wie die Theresienwiese in Deutschland“, gab der Engel von sich. „Ist klar, dass sie dieser besondere Ort für das Ritual perfekt ist.“
„Was soll daran besonders sein?“, fragte Nika.
„Laut legende haben dort die Urdämonen gegen die Erzengel verloren“, sage ich und blätter in dem Buch. „Und da haben sie sich kennengelernt, wenn ich die Bilder vergleiche.“
„Wer sie?“
„Deine Eltern.“
„Urdämonen?“, kommt vom Lockenkopf.
„Das führt gerade zu weit. Also wir brauchen Salbei, etwas von der Person …“ Ich blicke zu Aurelia. „Ich brauche dich für den Spruch.“
„Nein, ich …“
„Wir sind die Einzigen, die das machen können.“ Sie rieb die Lider.
„Warum?“, will Nika wissen.
„Weil ihr Kinder aus der Linie der Ersten dieses Gottes seid.“ Sie sieht mich an, als wenn sie sagen will, erklärt nichts.
„Jede Gottheit, hat eine Linie“, erklärt der Engel. „Dort sitzt die Bastet-Linie, die beiden sind die Anubis-Linie.“ Er nimmt Platz. „Doch die beiden sind die Einzigen, die auch der Linie eines Dämonen in sich haben. Die ersten Hexen. Ihre Macht, wenn sie wollen würden, ist unermesslich. Sie sind also als Einzige imstande, die Seele einer anderen Linie zu rufen und aus einem lebenden Körper zu ziehen.“
Nika atmet tief durch. „Gut. Sagen wir, es funktioniert, aber was dann. Zayns Körper ist immer noch im Himmel und dann?“
Ich seufze, „Michael wird kommen, er würde, sich doch nicht sein Spielzeug nehmen lasse.“ Ich blicke zu Ariel. „Du bist die Einzige hier, die ihn vernichten kann.“
„Wir haben aber keine Waffe mehr.“ Ich schlucke und gleite mit den Fingern über meinen Unterarm.
„Doch eine haben wir ja noch“, sagt Noemi und zieht einen Dolch.
Ich blicke zu Miguel, leicht schüttelt er seinen Kopf. „Ich muss das tun, die da ist gegen ihn machtlos.“
„Was? Warum?“, keuchen Neomi und Nika, wie aus einem Mund.
Der Engel räuspert sich. „Es ist nicht gesagt, aber sicherer wäre es.“
„Klärt uns einer mal auf?“, bringt Nika vor.
„Wir sind Hexen, Kinder eines Gottes und das Engelsgen ist in uns, wir sind das mächtigste auf dieser Erde.“ Aurelia steht auf. „Und du bist eine Närrin, wenn du etwas opferst für einen Menschen.“
„Nein, für die Zukunft der Menschen“, sage ich fest.
„Bellatrix, das kann doch nicht dein Ernst sein!“
Miguel nimmt meine Hand. „Ich bin ihrer Meinung, aber ich vertraue dir.“
„Du bist doch bei mir.“
Ruckartig bewegt er sich, lässt mich los und dann bemerke ich, dass er die Hand von Damian gepackt hat. „Ich warne dich ein letztes Mal.“
„Beruhig dich“, gibt Damian von sich.
Nika stöhnt laut.„Hallo Fahrt runter, wir müssen fertig werden, dann ist das auch erledigt.“
Ich schließe meine Lider, nutze die Gelegenheit und streiche über meinen Unterarm. „OS Cultro!“
„Nein“, keuchen Miguel und Aurelia.
Immer wieder sage ich die Wörter, Tränen rinnen über meine Wange und ich schreie vor Schmerzen. Aus dem Knochen bildet sich ein Messer, spitz und lang. Endlich hat es sich abgetrennt und schwebt vor mit. Ich gehe in die Knie und kämpfe gegen die Dunkelheit an. Magie durchdringt mich, der Schmerz wird erträglicher und ich spüre, wie der Knochen wächst. Tief sieht mir Miguel in die Augen.
„Seit wann kann der auch zaubern?“, höre ich, von wem kann ich gerade nicht zu ordnen.
„Geht es?“, fragt er mich.
„Danke.“
„Bekommen wir eine Antwort?“, fragt Ariel.
„Er ist aus der Linie von Romulus und Remus“, sagt Aurelia.
„Das erklärt nichts.“
„Geschichtliche Fakten oder schnell Durchlauf?“, will Miguel wissen und hilft mir auf.
„Schnell!“ Kurz sehe ich zu Nika und verdrehe die Augen.
„Die beiden waren keine normalen Menschen, wie die Geschichte euch immer weismachen will. Sie waren dir Ersten, die Anubis erschaffen hat, die sich verwandeln konnten.“
„Das ist nicht kurz.“
„Es funktionierte, weil es das Blut einer Hexe war, schnell genug?“, knurrte er. „Davon abgesehen, dass sie so eh nicht kämpfen oder zaubern kann, ist es eigentlich egal gewesen, wie schnell ich es erzähle.“
„Ist das dann bei den anderen Gestaltenwandler auch so?“
„Ja, aber die meisten verloren ein Großteil der Magie.“
„Du aber nicht?“
Er seufzt. „Die Magie kommt wieder, wenn sie sich mit einem Hexer oder Hexe paaren.“ Nika runzelte die Stirn.
Der Engel räuspert sich. „Also fassen wir zusammen“, sagte er, „Aurelia und du, führt das Seelenritual in München durch. Zayns Seele erscheint, Michael wird kommen. Ariel wird ihn angreifen und dann?“
Neomi klatscht auf die Stirn. „Als das weiß doch selbst ich, dass sie dann ungehindert den Körper im Himmel suchen kann.“
Er sieht zu mir und nickt dann.
Miguel atmet tief durch. „Ich bringe sie zurück, wir müssen eh bis zur Nacht warten, ansonsten ist es zu gefährlich.“
Meine Schwester holt tief Luft. „Fühlst du dich dafür in Stande?“ Ich nicke. „Dann los.“
„Sie …“
Ich lege die Hand auf Miguels Lippen. „Das klappt schon und du bist bei mir.“ Er geht sich durch das Haar und bejahrt es dann. Ariel hebt das Messer in der Hand. Ich strecke meine zu Nika.
„Warum muss ich mit?“
„Damit du auf die Seele aufpassen kannst.“
Sie nickt und greift zu. Aurelia spricht den Zauber und wir stehen einen Wimpernschlag in München.
„Warum ist es hier dunkel?“, will Ariel wissen.
„Zeitzonen“, antwortet meine Schwester grummelnd. Und flüstert einen Zauber, dass wir auch so noch unentdeckt bleiben.
„Reg dich ab Aurelia.“
„Was ist mit den Zutaten, die zu erwähnt hast?“, fragte mich Nika.
„Wir haben dich“, gebe ich von mir, ziehe sie am Unterarm zu mir und streife mit dem Fingernagel darüber. „Ihr seid mit der Linie verbunden, eure Liebe ist stärker als sämtliche Hilfsmittel.“
Ihr Blut tropft auf den Beton. Aurelia nimmt den zweiten Arm. Nika schreit uns an, Beleidigungen bleiben nicht aus.
„Blut, Liebe und der Ruf, die Seele eilt herbei“, flüstere ich. Meine Schwester wiederholt die Wörter auf Latein. „Blut, Liebe und der Ruf, die Seele eilt herbei“, rufe ich immer lauter. Nika hört auf sich zu bewegen. Ich spüre Miguels Magie, wie es mich stärkt.
„Zayn“, keucht sie einmal auf.
Keine Sekunde darauf fliege ich durch die Luft, gerade so kann ich mich drehen und komme auf den Knien und Handballen auf. Ich blicke nach vorne. Michael steht da in seiner Engelsgestalt. Die Flügel ausgebreitet, vor ihm liegt Aurelia. Nika kauert bei der Seele von ihrem Liebsten.
„Du!“, schreit der Engel.
„Nein WIR“, brüllt ihn Ariel an und will zustechen. Er schleudert sie mit einer Handbewegung durch die Luft. Gerade so kann ich ihren Aufprall verhindern. Seine Schritte kommen mir näher.
„Fass sie nicht an“, höre ich von Miguel und muss dann ansehen, wie er in Wolfsform auf ihn zuläuft.
„Nein“, kreische ich.
„Du hättest dich nicht einmischen dürfen“, sagt er zu mir zwischen den Zähnen hindurch. Er packt Miguel am Hals und drückt so feste zu, dass er jault.
Mir kommen die Tränen. Er will mir wehtun, soll er versuchen! Mache ich mir Mut, stehe auf. „Du bist lächerlich Michael!“
„Ich breche ihm das Genick und du bist daran schuld.“
Ich weiß, dass ich ihn schlagen kann, aber mir ist auch klar, dass er Miguel schneller töten kann, als dass ich reagieren könnte. Mit Magie komme ich bei ihm nicht weit, vor allem habe ich Angst, dass ich dabei meinen Partner treffe. „Du willst, dass ich aufgebe! Dann sei dir aber gewiss, solltest du ihn stark verletzten, dass ich ihn nicht mehr retten kann, schwöre ich dir auf die gesamten Gottheiten, die es gibt. Werde ich dich finden und vernichten.“
„Du kleine Hexe“, bringt er lachend vor. „Lächerlich.“
Ich mache einen Schritt auf ihn zu. „Ach wirklich, warum greifst du immer die meinen an?“
Sein Blick ist eisern. „Komm ja nicht weiter!“
„Ich bin die Tochter von Anubis! Du hast mir nichts zu sagen.“
Sofort bereue ich meinen Dickkopf. Ein Knacken schallt zu mir. Miguels arme hängen nur noch schlapp hinunter. Ich schreie und laufe los, meine Wut und trauer wächst ins Unermessliche. Ich spüre wie mein Körper sich verändert. Dann verstehe ich, was meine Mutter sagte, damals in der Höhle, es ist immer noch in mir, nur gut verschlossen. Immer schneller laufe ich auf ihn zu. Seine Lider weiteten sich, als er erkennt, was er losgetreten hat. Miguel landet auf den Boden, kurz bin ich am überlegen zu ihm zu gehen und einfach nur zu weinen, aber ich will meine Rache. Zu viel hat dieser Mistkerl in dieser Welt angerichtet. Ich werde immer schneller und springe, mit meinen Klauen erwische ich ihn an der Brust. Die andere Kralle kann er abblocken. Immer wieder schlage ich zu und verfalle in puren Wahnsinn.
„Bella“, keucht Miguel. Diese kurze Ablenkung, als ich zu ihn sehe, nützt Michael aus und hat mich am Hals.
„Es wird mir ein ver …“ Sein Blick geht zu seiner Brust, ich erkenne das Knochenmesser.
„Nein, es ist meines!“, ruft Nika aus. Ich lande auf den Boden. Michael strauchelt, will den Knochen herausziehen, wie ein ungewolltes Haar. Mich aber interessiert nur eines. Miguel LEBT! So schnell ich kann, kabble ich zu ihm.
„Wie?“
„Ich kann doch nicht zu lassen, das du ihn verlierst“, sagt Aurelia.
„Danke“, gebe ich von mir, das bin ich wirklich, aber du sehr will ich einfach nur ihn an mich drücken. Seine Wärme und Herzschlag spüren. „Du lebst“, flüstere ich. Ich nehme Aurelia in den Arm. Mir ist klar, was sie getan hat, denn nur eines hätte seinen Tod verhindern können. Die göttliche Unsterblichkeit. „Ich weiß nicht, wie ich das gut machen kann.“
„Das hast du doch schon längst, du hast Damian gerettet.“
„Ich will jetzt nicht sagen“, kommt hinter von meinem Opa, „dass dies hier sehr knapp war, aber du kannst froh sein, das deine Schwester reagiert hat.“ Ich kann nur zu stimmen. Miguel steht dank meiner Hilfe auf. Fast unsterblich zu sein heißt halt nicht, keine Schmerzen mehr zu haben. Mit etwas Heilungsmagie kann er auch wieder besser atmen.
„Zayn“, schluchzt Nika.
„Meine kleine“, höre ich eine fremde Männerstimme.
„Ihr habt das geplant, oder?“, will Ariel neben mir wissen.
„Na ja so etwas.“ Miguel küsst mich.
„Wir sollten nach zurück“, meint mein Opa.
„Lass uns heimgehen“, flüstert mir mein Liebster zu. Erst frage ich mich, was er als zu Hause bezeichnet, aber dann, weiß ich es.
„Aurelia, viel Spaß.“
„Was?“
Aber ich flüstere nur zusammen mit Miguel: „Litore.“ Dann küsse ich ihn. Der Geruch von Salz lässt mich lächeln. Das Rauschen des Meeres ist für mich, wie ankommen und Seele baumeln lassen. Er ist bei mir und lebt, was will ich mehr.
„Eins noch“, meint Miguel, er gibt einen langen und lauten Pfiff von sich. Brutus kommt angelaufen.
„Wie das?“, will ich wissen.
„Ich habe ihn hierhin teleportieren lassen von eurer Schwester, hier war er sicherer, als in dieser Schule.“
„Du bist das beste, was mir passieren konnte.“
„Merk dir das sehr gut, denn so schnell wirst du mich nicht los.“

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