Viktoria Hader

Viktoria 2

Meine Viktoria hat ein paar Zeilen mehr bekommen. Viel Spaß dabei.

»Das ergibt keinen Sinn«, flüsterte er.
Das tat es wirklich nicht. Durch unser Gen der Vampire brauchen wir keinen Schlaf. Ein Engel zwar schon, aber es reichten ein paar Minuten. Alpträume waren daher nicht üblich für ein Geschöpf Gottes. Davon mal abgesehen, dass wir das Böse auch in uns hatten, war es trotzdem seltsam. Ich legte meine Hand auf seine Wange, sie war genauso kühl wie meine. »Vielleicht liegt es daran, dass ich zu wenig Blut hatte, du weißt doch, wir wissen zu wenig über unser eins.«
Er nickte. Zu widersprechen war unsinnig, da es ihm nur allzu gut bekannt war, dass niemand darüber sprechen wollte, nicht mal, wenn es nachweislich ein Mischwesen war. Es musste ja nicht gerade so wie wir, ein Vampier-Engel sein, es konnten auch, ein Werwolf-Engel, ein Vampire-Werwolf oder sonstige Kombinationen der Wesen, die auf der Erde wandern. Das Schönste, was ich bis jetzt gesehen hatte, war eine Engel-Nymphe. Wir verhielten uns alle, so gut es ging, unauffällig. Das Liam, wie ich war, hatte ich nur dadurch gemerkt, weil er sich verändert hatte.
Seine braun-grünen Augen huschten hin und her. Nachdenklich betrachtete er mich. »Soll ich sie anrufen?«
»Nein, das hat bis morgen früh Zeit, lass Jessica schlafen. Sie jammert schon, dass sie kaum Schlaf bekommt.«
Dass er nicht von meiner Antwort begeistert war, sah ich ihm an, aber ihm war auch klar, dass ich in der Hinsicht sehr stur war. Wir konnten eigentlich von Glück reden, das meine beste Freundin sich bereitstellte, ihr Blut uns zu spenden. Daher hatte sie ihre Ruhe wirklich auch verdient. »Dann lass uns deinen Vater anrufen.«
»Verrückt? Du kennst ihn, er kommt sofort angerannt und betüdelt mich wieder wie ein Kleinkind.«
»Was du ja so gesehen auch bist«, gab er jetzt schmunzelnd von sich.
Wenn man das Alter der Vampire und Engel, oder allgemein Wesen sah, ja, doch mag ich noch sehr jung sein, aber trotzdem fühlte ich mich nicht so.

Zu meinem Glück lenkte das Liam etwas ab, er zog mich weiter damit auf, bis Jessica mich für die Uni abholte und er zur Schule musste.
»Was war den los?«, fragte sie mich, als ich einstieg.
»Was meinst du?«
»Ich kenne deinen Freund und wenn er so dich ansieht, ist etwas, wo er sich Sorgen macht.«
Erst wollte ich abwinken, da er sich immer und über alles sorgte. Aber das hier war etwas anderes. »Ich habe geträumt, das mich Werwölfe jagen«, gestand ich ihr.
»Denkst du, dass sie sich das wirklich wagen würden«, plapperte sie beim Fahren. »Ich mein, ihr seid viel stärker und diese Fehde von Vampiren und Werwolf ist doch alt wie ein vergammelter Hut. Ja klar, ihr seid jetzt auch noch Hybriden und dadurch wieder etwas Besonderes, aber heißt es, dass sie euch deswegen jagen dürfen.«
»Hol mal Luft«, meinte ich seufzend. »Es war ein Traum, mehr nicht.«
»Ihr schläft nicht und Alpträume sind daher eher selten, oder denkst du, es war eine Vorahnung?«
Vor Verwirrung blinzelte ich. »Bitte was?«
»Na du weißt schon, so eine Art Hellseher.«
»Jes du schaust eindeutig zu viel fern.«
»Klar, eher lese ich zu viel.«
Leider musste ich ihr da zustimmen, sie war, auch wenn sie nicht so aussah, total verrückt nach Büchern, besonders über Wesen. Sie wollte einfach alles wissen. Wir hielten an der Uni an. »Okay aber so etwas gibt es nicht.«
»Na vielleicht doch, Engel sind Boten Gottes und sie haben auch manchmal die Zukunft gesehen, dass sie es verhindern konnten.«
Vielleicht hatte sie da etwas Wahres gesagt.

Während der restlichen Fahrt geht mir der Gedanke nicht aus dem Kopf. Ich weiß nichts von hellseherischen Kräften, aber das hat auch nichts zu sagen, weder mein Vater noch meine Mutter haben eine Ahnung, was ich kann oder nicht. »Diese Bilder waren wie real«, sage ich auf einmal.
Kurz blickt Jessica zu mir. »Vielleicht solltest du mit deiner Mutter mal reden.«
»Mama würde mich einsperren. Ich mein, es ist ja bekannt das Mischwesen nicht wirklich akzeptiert werden, manche sogar gejagt, aber warum sollte ich davon träumen?« Sie zuckt mit den Schultern und biegt auf das Unigelände ein.
Als sie den Motor verstummen lässt, steigen wir beide aus. »Wow sie dir mal den an.« Ich sehe in ihre Richtung. Ein Kommilitone aus Buchhaltung steigt von seinem Motorrad. Sie wendet sich an mich. »Ist das nicht der eine.« Ich nicke, kann mich aber nicht von ihm abwenden. Irgendetwas an ihm stört mich gewaltig, was es ist, kann ich nicht einmal sagen. Verändert hat er sich nicht wirklich. Er zieht die Blicke der Mädchen schon immer an, wie der Honig die Bienen. Ein Badboy, wie es ein wandelndes Klischee auf zwei Beinen. Trotzdem spüre ich tief in mir, dass er jetzt anders ist.
»Wie heißt er noch mal?«
Ich zucke mit den Schultern. Mein Arm hackt sich bei Jes ein, doch immer wieder sehe ich mich zu ihm um. Wie hieß er noch mal?
»Was starrst du Nikolas den so an?«, fragt meine Freundin.
Ach ja, so heißt er. »Er ist anders.«
»Wie anders?« Ich mache komische Grimassen mit meinem Gesicht, bis sie »Ach so, du meinst …« Sie schweigt, aber das »wie ihr« schwingt für mich mit.
»So in der Art, als wenn …« Ich blicke mich um, ob jemand lauscht. »Er verwandelt worden ist.«
»Aber das ist doch verboten, hast du das nicht gesagt?«
»Na ab und zu passiert es trotzdem.« Wir schlendern den Gang entlang, das Holz knarrt unter unseren Füßen. Schon lang habe ich mich daran gewöhnt, aber heute nervt es mich irgendwie. Vielleicht liegt es an dem Traum, oder was es gewesen ist. Vielleicht auch an diesem unguten Gefühl, was ich irgendwie habe.
Erst an unserem Schrank atmet sie tief durch. »Denkst du nicht, das ist ein komischer Zufall?«
Ich kann nicht antworten. Er kommt den Gang entlang und steuert genau auf uns zu. »Lästern ist ungesund.«
»Wir reden. Lästern wäre, wie scheiße, du wieder aussiehst«, sagt Jessica.
Aber er sieht nur mich an. Ein animalischer Geruch geht von ihm aus. »Du bist blass, du solltest mehr schlafen. Viktoria.« Meinen Namen knurrt er. Kann es wirklich sein, dass er ein Werwolf ist, oder einfach nur ein Gestaltenwandler?
»Danke, aber ich schlafe immer gut. Bald ist ja Vollmond, vielleicht solltest du auf deinen Schlaf achten.«
»Du musst dir keine Sorgen um mich machen, mir geht es blendend.« Breit grinsend dreht er sich weg und geht weiter. Sein Lachen schallt zu mir herüber. Egal, was er ist, er verspottet mich und das kann ich nicht leiden.
»Lass ihn gehen«, flüstert Jessica mir zu und hält mich fest. »Du bist anders.«
»Ich hasse es.«
»Ja und das ist mir sehr gut bekannt, aber das, was du vorhast, bist nicht du, Viktoria!«
Mein Blick geht zu meiner Freundin und atme tief durch. »Du hast recht, das würde nichts bringen.«
»Nur eure Existenz aufdecken«, meint sie und zwinkert mir zu.
»Danke.« Doch eines weiß ich, dieser Krieg wird kommen. Er gegen mich, ob menschlich oder nicht, ich werde so etwas nicht auf mir sitzen lassen.
Als wenn sich das Schicksal gegen mich gewendet hat, kommt heute ein Mythologieprofessor in unsere Lesung und hält ein Sondervortrag. Jes sieht zu mir, und denkt vermutlich das Gleiche wie ich: »Ist das euer beschissener Ernst?«
Das schlimmste er hat null Ahnung, was er da von sich gibt, ist der reinste Müll. Holzpflöcke, Knoblauch und sonstigen Müll verbreitet er. Wenn der wüsste, dass ich mir letztes Wochenende zu Hause mit meinem Papa eine Pizza mit ganzen Knoblauchstücken hereingezogen haben, würde der Professor vermutlich tot umfallen. Das Einzige, was stimmt, ist der Mist mit dem geheiligten Boden, der mir als Mischling nichts ausmacht. Papa hingegen verbrennt fast, wenn er die unsichtbare Linie betritt.
Der Vortrag wandert zu den Werwölfen und der Fehde zwischen den beiden Völkern. Sicher habe ich darüber gehört, aber da er von den Vampiren schon so wenig weiß bezweifle ich, dass er da besser recherchiert hat. Ich schließe meine Lider und versuche, ihn zu ignorieren.
Plötzlich springt Jas auf, verwundert blicke ich zu ihr. »Also sagen sie, dass die Art der Vampire sterben wird, wenn es einen Vampir-Werwolf-Hybriden gibt?«
»Laut Legende, wird es einen geben«, meint er.
»Jes der reden scheiße, was gibst du darauf?«
Anscheinend bin ich zu laut gewesen, denn er räuspert sich und meint zu mir: »Tue ich das?«
»Ihre Theorien sind haltlose Erfindungen aus Büchern oder Filmen.«
»Merkwürdig, normal die, die dagegen reden, bestreiten ihre Existenz, sie doch eher die Methode.«
»Warum soll es nur Menschen geben auf dieser Welt?« Ich recke mein Kinn. »Woher soll jemand wissen, was alles wirklich zwischen Himmel und Erde herumläuft?«
»Vik«, zischt meine Freundin.
Mein Blick ging kurz zu meiner Freundin. »Was den, ist doch wahr. Der Mensch meint, er ist anscheinend Gott gleich, weil er denkt, er existiert nur er, auf der Erde oder im Weltall. Immer wird es Mythos, Fantasie oder Spinnerei abgetan.« Ich recke mein Kinn. »Ich sage, nur weil wir für manches blind sind, heißt das nicht, dass wir alleine sind. Es ist wie Jes Ex freund, sie sah nicht, dass er stotterte, wenn er anfing zu lügen. Erst als man ihr die Augen geöffnet hatte, bemerkte sie es. Die meisten sind aber blind für die Wahrheit.«
»Und was ist die Wahrheit?«, fragte dieser Professor.
»Vampire sind keine blutrünstigen Monster und damit meine ich nicht diese Verarsche, die gerade in Büchern abgeht. Nur weil sie Blut brauchen, heißt das nicht, dass sie Killer sind, so wie sie es gerade hingestellt haben. Ich wette sogar, dass mindestens einer an dieser Uni, ein vollständiger Vampir ist.«
»Sonnenlicht und …«
»Humbug.«
»Aber die Geschichte sagt, …«
»HUMBUG«, gebe ich jetzt lauter von mir. »Erfindungen, Hirngespinste alles aber nicht die Wahrheit.«
Er schmunzelt. »Und warum denken sie, dass ihre Theorie richtig ist?«
Jes springt auf. »Einfach, weil es auffallen würde. Videoüberwachungen zum Beispiel und neugierige Nachbarn. Wenn mein Nachbar nur nachts herauskommen würde, würde mich das stutzig machen.«
Doch sein bohrender Blick ist weiterhin auf mich gerichtet. »Was sagen sie dazu?«
Meine Freundin kneift mir in den Oberschenkel. Doch ich weiß schon, was er vorhat. »Dass sie gerade abwägen, ob ich einer von ihnen bin, dass ich deswegen so vehement gegen ihre Theorie bin.« Alle seine Theorien kann ich widerlegen, nichts kann mich enttarnen. Mein Temperament hat nichts damit zu tun, was ich bin.
»VIK«, zischt sie jetzt.
Ich ignoriere meine Freundin und recke mein Kinn. »Oder habe ich nicht recht?«
Der alte Mann am Pult schmunzelte. »Laut ihrer Rede heißt es ja, dass ich machen kann, was ich will, man könnte sie nicht enttarnen.«
»Es gibt bestimmt mittel und Wege, aber ich bezweifle das ihre Methoden hilfreich wären.«
Sein Blick wanderte zu meiner Freundin. »Aber eines würde jeden doch schlussendlich jeden Verraten.«
Ein komisches Gefühl verzieht meinen Magen. Er hat was vor und das hat etwas mit Jes zu tun. Leider muss ich ihm zustimmen, sollte sie oder jemand den ich liebe in Gefahr sein, würde ich eingreifen und nicht scheuen zu zeigen, was ich bin und über Leichen gehen würde. Wortwörtlich! »Würde nicht jeder eingreifen, wenn wichtige Personen in Gefahr wären?«
»Womöglich, aber kein Mensch könnte ihre Freundin vor einer Pistolenkugel retten.«
Ich sehe zu ihr, bleich wie eine Wand lässt sie sich auf ihren Sitz nieder. »Nein, das ist auch kein Beweis«, kommt von meinen Lippen. »Wenn ich das wäre, was sie denken und jedem hier gerade weismachen wollen, würde ich sie sterben lassen und wieder erwecken.« Ich wende mich wieder an ihn. »Die Frage ist, wohl eher, würden sie ein Menschenleben riskieren, um einen dummen Beweis zu bekommen?«
Seine Heiterkeit ist verschwunden. »Dann sagen sie mir doch, wenn sie so gut Bescheid wissen, wie soll man diejenigen dann unterscheiden?«
»Warum soll man das?« Ich zeige auf andere. »Mir ist es egal, ob dort ein Werwolf, ein Engel, ein Vampir, Mensch oder sonst etwas sitzt. Wir sind hier, um zu lernen. Statt eine angebliche Gefahr zu verfluchen.«
»Angeblich?«
»Ja, mein Vater ist Arzt und er hat mir nie erzählt, dass er in der Notaufnahme Menschen hatte, die nach Tierangriffen oder aufgerissenen Kehlen aussahen.«
»Mein Vater ist Polizist«, ruft eine andere Kommilitonin dazwischen, »Er hat mir auch nichts erzählt. Also wenn es sie gibt, leben sie friedlich unter uns, warum die hetze?«
Siegessicher verschränkte ich die Arme. Es klingelt und Jes lässt ihren angehaltenen Atem heraus.

Wir packen unsere Sachen zusammen und ich bin angespannt. Irgendwie habe ich im Gefühl, dass gleich etwas passieren würde. Jeden Schritt, den ich mache, schaue ich, dass ich Jes decke.
»Professor«, ruft jemand hinter uns und läuft an uns vorbei. Jes wird schneller und ich muss ganz schön zulegen, um sie einzuholen.
»Hey«, rufe ich hier hinterher, doch sie rennt weiter. Toll will sie, dass ich mal richtig laufe? »Jessica?« Wohin will sie eigentlich? Den Flur entlang Richtung Ausgang. »Mann bleib doch stehen!«
Ruckartig bleibt sie stehen und ich laufe in sie. »Bist du bescheuert?«
»Wie bitte?«
»Frag noch, wolltest du …« Sie sieht. »Sitzenbleiben, das er einen Hass auf uns schiebt?«
»Es hat mich wütend gemacht, dass er uns unterrichten darf und so inkompetent.«
»Bravo«, höre ich hinter mir. Ich wende mich an Nikolas, der klatschend auf uns zukommt. »Spitze, wie du dein Temperament im Zaum halten kannst.«
War er im Hörsaal? Seit wann ist er in unserer Lesung? »Wenn Einer Mist erzählt, kann ich mich halt nicht zurückhalten.«
Er stellt sich vor mich. »Stimmt, es war großer Schrott.« Sein Blick wandert zu Jes. »Na Kleines, stehst du auf Aktion?«
»Mit dir bestimmt nicht«, keift sie über meine Schulter hinweg.
»Sie hat Krallen, ich würde aufpassen«, spotte ich.
»Die hab ich auch.«
»Was willst du?«, giftet sie nun weiter.
»Ihr solltet aufpassen«, meint er, zwinkert mir zu und geht wieder zurück.
»Sind den heute alle durchgeknallt?«, fragt sie.
»Idiot«, gebe ich einfach nur von mir. Mein Blick geht zu meiner Freundin. »Ich kann nicht sagen, es tut mir leid, denn das wäre gelogen und du kennst mich.«
Seufzend nickt sie. »Auch, wenn er ein Arsch ist, hat er recht, wir sollten Aufpassen.«

Aufpassen, das werde ich garantiert. Ohne sie wäre ich nicht die, die ich bin. Ich verdanke ihr mein Leben, daher werde ich doppelt darauf aufpassen. Doch mehr Sorgen, macht mir Nikolas. Mein Gefühl sagt mir, dass er eine Gefahr ist, dazu kitzelt er ständig meine andere Seite mit seiner Art.
Kurz kommt mir der Gedanke, dass er etwas mit meinem Traum zu tun hat, was ich aber beiseiteschiebe. Ich fange schon an Gespenster zu sehen, wie Jes.
Ich hacke mich bei ihr ein. »Lass uns etwas zum Essen holen, wir haben nicht Zeit.«
Sie verdrehte ihre Augen. »Du bist schlimm, weißt du das?«
Breit grinsend nickte ich. »Nur etwas verrückt«, meinte ich zu ihr und wir gingen die Straße zu unserem Lieblingskiosk.
Mein Blick ging immer wieder nach hinten, ich hatte das Gefühl, als wenn da etwas wäre. Zusehen war aber nichts.

Egal, was wir machen, dieses beklemmende Gefühl nagte an mir, wie ein Hund an einem Knochen. Doch nie war da jemand oder irgendetwas.
Erst als ich und Jes vor der Schule von meinem Schatz standen, war es weg. Trotzdem frage ich mich, wer oder was das war und warum. Ausführlich musste Jes ihm natürlich von der Uni und dem Professor erzählen. Seufzend zog er mich in die Arme. »Und was ist, wenn er uns wirklich gefährlich sein kann?«, fragte er mich.
»Es hat keine Ahnung, er ist diesem Humbug voll aufgesessen.«
»Das heißt aber nicht, das er es nicht versuchen wird.«
»Ich pass schon auf.«
Kopfschüttelnd stand Jes auf. »Und wenn ich allein bin, mal daran gedacht?«
»Okay, ich habe einen Fehler gemacht, aber ich hasse es, wenn man so einen scheiß, erzählt sich Professor nennt und von null eine Ahnung hat.«
»Wir sollten uns etwas überlegen«, meinte Liam.
»Was willst du den machen?«, fragte Jes und stemmte ihre Fäuste in die Hüfte. Er zuckt mit den Schultern. »Siehst du!«
Er seufzte und rieb sich seine Lider. »Hör zu Jes, das schaffen wir schon, aber wenn wir uns jetzt gegenseitig uns verletzen mit Vorwürfen, bringt es uns nicht weiter. Wir überlegen uns etwas.«
»Zur Not verwandle ich dich«; gab ich von mir.
»Toll«, brummte sie. Auch wenn sie gerade tat, als wenn sie es schrecklich finden würde, wusste ich, dass sie sich wünschte, älter, aber definitiv wollte sie eine wie ich werden. Uns war nur nie klar, was bei ihr durchschlagen würde. Vampire verwandeln, Engel gebären, aber was passierte bei einem Mischwesen.
Liam stand auf. »Ich mach dir das Gästezimmer fertig.« Wir beide seufzten.
»Danke«, sagte sie.
Ich nahm ihre Hand. »Wir sind da für dich, weil wir dich lieb haben.«
»Und mein Blut braucht.« Sie setzte sich grinsend zu mir und ich verdrehte meine Augen.

Schon lang liegt Jes in ihrem Bett und schnarcht, Liam hängt über Schularbeiten seiner Schüler und ich zappe gelangweilt mich durch das Programm. »Wie lange brauchst du noch?«, frage ich ihm, als ich die gefühlten tausend Kanäle und Pay Apps durch habe.
»Heute nichts dabei?«, fragt er amüsiert.
»Nein.« Ich drehe mich auf den Bauch, lege mein Kinn auf meinen Arm und sehe ihn an. »Bist du mir eigentlich böse?«
Sein Blick geht zu mir. »Anders kenne ich dich nicht.« Sein Brustkorb hebt sich stark. »Aber sie hat recht, du hast uns in Gefahr gebracht.« Wäre ich nicht mit dem Gen der Vampire gesegnet, würde ich mich erschrecken, da er plötzlich vor mir steht und hebt mein Kinn. »Wir schaffen das, vertrau auf deine Sinne.« Schwungvoll zieht er mich hoch. »Und jetzt habe ich genug korrigiert und du den Fernseher misshandelt.«
»Hey«, gebe ich entrüstet von mir. Ich schalte das Licht aus, als er mich am Schalter vorbeiträgt.

Im Bett kuschel ich mich bei ihm an. »Liam.«
»MH?«, macht er, während seine Finger über meine Haut gleiten.
»Ich habe Angst.«
»Ich bin da für dich.« Er dreht sich zur Seite, dass meine Nase zwischen seinen Brustmuskeln liegt. Sein Duft von frischer Waldluft lässt mich seufzen. »Versuch etwas auszuruhen.«
Ich muss grinsen, da ich weiß, dass ihm auf der Zunge lag, dass ich etwas schlafen soll. Meinen Arm lege ich auf seine Hüfte und drücke mich an ihn. Meine Lider halte ich geschlossen. Seine Engelswärme und der Duft ist einfach das schönste.

Plötzlich ist aber alles weg. Es stinkt nach Moor und es ist eiskalt. Verwirrt blicke ich mich um. Ich kenne dieses Gebiet nicht und auch vom Geruch her kommt es mir nicht bekannt vor. »Hallo?«, rufe ich aus. Ich schließe meine Lider und lausche, aber auch hier ist nichts zu hören. »Mann, was soll der Scheiß?«
Langsam laufe ich einfach in eine Richtung, ob es die Richtige ist, habe ich keine Ahnung, aber hier stehenzubleiben ist auch keine Option. Immer mehr steigt Muff in meine Nase. Es kommt so vor wie in einem Haus, was ewig schon leer steht oder Lüften ein Fremdwort ist.
Gefühlt tausendmal habe ich »Hallo?« oder »Ist hier jemand?« ausgerufen doch weiterhin ist es still, dunkel und stinkig. Wenn ich ein Mensch wäre, würde es mir auch noch kalt sein und die Kraft langsam ausgehen. Zugegeben geht mir das hier aber auf den Nerv.
Stunden sind vergangen, ich merke, wie die Sonne den Tag begrüßen will. Wie lange dieser Traum wohl noch dauern soll?
Inzwischen fluche ich wie ein Gossenkind und ich weiß, wenn Liam mich so hören würde, wäre seine Stirn gerunzelt und einen tadelnden Blick würde ich abbekommen. Er ist einfach mein Engel. Aber er ist nicht hier und ich habe eben keine Lust mehr auf diesen Mist.
»Hey, du auch hier?«, höre ich jemanden hinter mir, als ich mich aber umdrehen will, liege ich wieder in meinem Bett und blicke in das sorgenvolle Gesicht von meinem Freund und meiner besten Freundin.

»Was ist passiert?«, frage ich. Na ja besser gesagt will ich, es kommt eher ein Krächzen heraus, was sich nicht mal in meinen Ohren nach etwas Gesprochenen anhöre.
»Hier trink was«, bittet mich Liam und hält mir ein Glas mit Blut hin. Es ist nicht das von Jes, das rieche ich sofort.
»Nein«, gebe ich von mir und schiebe es beiseite. Ich habe noch nie in meinem Ganzen da sein von jemand anders getrunken, als von Jes. Und ich werde damit auch nicht anfangen.
»Dein Papa meinte, du brauchst das!« Liams Ton sagt mir, ich dulde keine Widerrede. Mein Blick geht zu meiner besten Freundin. Sie ist blass und sieht traurig aus.
»Trink bitte.« Seufzend nippe ich an dem Glas. Es schmecke widerlich und am liebsten hätte ich es ausgespuckt. Beide sehen sich an.
»Was?«, will ich wissen.
»Deine Mutter …«
»Jes«, knurrt Liam.
»Sie hat ein Recht es zu erfahren.« Sie lässt sich nicht abbringen. »Deine Mutter meint, dass die Engel eine Aufgabe haben und dadurch deine Vampirseite unterdrückt wird.«
»Was redest du da?«
»Das, was du da gerade getrunken hast, war von mir.«
Ich schüttele den Kopf. Liam räuspert sich. »Doch.«

Viktoria treibt hier weiter ihr Unwesen.

Start ihrer Geschichte kannst du hier lesen.

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