DarkAngel Hader

Dark Angel 1

Mein Dark Angel entstand, weil ich im November Zeit haben wollte und bei #Wortfacetten mitmache

Bis hierhin und nicht weiter, bis hier geht das Land von dem Mann, den ich einst heiraten musste. Seit ich hier bin, hat er mich gewarnt, dass ich niemals diese Grenze überschreiten solle. Doch nun bin ich hier und will sie überschreiten weg von ihm, weg von all dem, was dort in diesem Haus vor sich geht. Und doch stehe ich hier und zögere, ich habe sogar Angst, was mich dort erwartet.
„ISABELLA“, brüllt er schon hinter mir. Ich schließe meine Lider und wage den Schritt ins Unbekannte. Ich falle und falle, schreie dabei. Die Lider fest aufeinander gedrückt, ich will nicht wissen, wenn ich sterben sollte.
Plötzlich greift etwas um meine Hüfte und ein Ruck geht durch meinen Körper. Vorsichtig öffne ich einen Spalt und erblicke die Erde unter mir, wieder schreie ich.
„Ich habe dir gesagt, du sollst nicht weiter gehen“, höre ich über mir. Über die Schulter erblicke ich meinen Ehemann, große schwarze Flügel auf seinem Rücken.
„Was geht hier vor?“ Meine Stimme ist am Zittern, fast klinge ich hysterisch.
Er landet mit mir auf seinem Grundstück. „Du hast einen Engel geheiratet“, sagt er, als wenn es das natürlichste auf der Welt wäre.
Mein erster Reflex, wegrennen. Doch sofort steht er mit ausgebreiteten Flügeln vor mir. „Lass mich in Ruhe! Du Monster.“
Sein Griff geht zu meinem Handgelenk und zwingt mich wieder Richtung Haus. Schreien und zappeln hilft nichts, seine Finger sind wie eine Handschelle. Inzwischen ist es nur der blanke Rücken, der zu sehen ist, nichts lässt den anscheinen erwecken, das dieser Mann vor paar Minuten mit mir durch die Luft geflogen ist. „Du kannst mich nicht ewig festhalten“, brülle ich ihn unter Tränen an. Als wenn ich nichts wäre, hebt er mich auf einmal hoch, trägt mich die letzten Stufen bis ins Wohnzimmer und wirft mich in den Sessel.
„Du hörst mir jetzt zu! Ich sage es dir nur ein einziges Mal. Das war das erste und das letzte Mal, das ich dich gerettet habe, springst du wieder, werde ich dich fallen lassen.“
Trotzig wische ich mir über das Gesicht. „Lieber sterbe ich, als noch länger hier zu sein.“
Sein Blick wird herablassend und er verschränkt die Arme vor seiner Brust. „Ach ja?“
„Ja!“
„Jede andere Würde sich glücklich Schätzen und du trittst es mit Füßen.“
„Keine würde sich glücklich schätzen mit einem Monster in diesem Horrorhaus zu leben!“
Plötzlich ändert sich seine Haltung. „Horrorhaus?“
„Tische, die sich bewegen, Licht was an uns ausgeht …“
Von der einen Sekunde auf der anderen ist er ganz nah vor meinem Gesicht. „Engel sind keine Monster.“
„Du bist ein Monster“, bringe ich fest hinaus.
Kopfschüttelnd erhebt er sich wieder. „Weil ich Flügel habe?“
„Auch.“ Ich ziehe meine Füße an und fange an zu weinen. Er hat es Glück genannt, bei ihm zu sein, doch es fühlte sich immer wie die Hölle an. Nicht nur das, was hier abgeht, auch er selbst. Schon bei meinem ersten Betreten des Hauses, als sein eiskalter Blick mich traf, wollte ich gehen. „Du wurdest ihm versprochen“, sagte der Fremde, der mich hier her verschleppte, weg von dem Ort, wo ich meiner Familie mich noch verbunden fühlen konnte. Jetzt bin ich hier und weiß im Grunde nicht mal, wo hier wirklich ist. Im Himmel irgendwo, anscheinend auf einer Wolke, einer düsteren Wolke. Im Moment empfinde ich es Glück, wenn er mich nicht gerettet hätte, denn so wäre ich wieder bei meiner Familie. Geliebt und glücklich, nicht so wie hier. Ich will nicht fragen, aber es kommt schneller aus meinem Mund, als ich es aufhalten kann. „Warum hast du mich gerettet?“
„Weil du mein bist.“
„Ich bin ein Mensch, ich bin niemandes Eigentum“, bringe ich heraus, so wie die Worte lassen sich die Tränen nicht verhindern.
„Du bist aber mein, meine Frau, meine Liebe.“
Ich schüttele meinen Kopf, ich kann und will das nicht glauben.
Er hält grob mein Gesicht fest. „Was habe ich dir getan, sag es mir?“
„Du tust mir weh und hältst mich hier gefangen, wie …“ Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll.
„Wie was?“ Seine Hänge legen sich auf meine Schultern, drücken mich fest. „Isabella, was willst du mehr, du kannst hier machen, was du willst, nur nicht gehen.“
„Ich will aber weh“, bringe ich heraus. „Ich fühl mich wie eine Gefangene, die etwas Unrechtes getan hat.“
Er schubst mich wieder in den Sessel und verlässt stampfend das Wohnzimmer. Schon als der Fremde mir die Augenbinde abgenommen hat, hatte ich ein ungutes Gefühl. Da hatte ich ihn nicht mal gesehen. Es fühlte sich fremd und komisch an. Anders kann ich dieses Gefühl nicht beschreiben.
Er ist grimmig und grob, ich habe Angst vor ihm. Etwas Düsteres ist um ihn und in diesem Haus. Soll ich besser sagen in diesem Stück Himmel, oder was auch immer das hier ist, wo ich jetzt leben muss? Ist das noch leben? Wir sind die Einzigen hier. Aus Gewohnheit mache ich den Haushalt, doch es langweilt mich. Und da sind auch noch diese merkwürdigen Dinge, die mir Magenschmerzen bereiten. Lichter, die angehen. Türen die plötzlich zu schlagen und manchmal höre ich schritte. Oder bilde ich mir das nur ein?
Gerade als ich mich beruhigt habe, kommt er wieder. Ich blicke auf seine Füße, ich habe keine Ahnung, was ich sonst tun soll. „Da du jetzt weißt, was ich bin, will ich dir erklären, was du siehst.“ Seine Stimme ist ruhig, sie hat an Kälte verloren. Er streckt mir seine Hand entgegen. „Bitte.“
„Ich will nach Hause.“
„Du … Was hast du da?“
„Menschen.“
Er geht in die Knie und sieht mir in die Augen. „Ist es mehr wert, als deine Familie?“
„Sie sind …“ Ich schlucke die Worte hinunter.
„Fragmente, das sind sie, oder Geister nennt ihr sie und sie sind hier.“
„Das … Nein.“
„Doch.“
Wieder kann ich nur den Kopf schütteln, warum sollte ich ihm glauben. Er hat mich von Anfang an angelogen. „Du redest Unsinn. Das geht nicht.“
Seine dunklen Flügel kommen zum Vorschein. „Das gibt es auch nicht in deiner Vorstellung und doch bin ich da.“ Die sanfte Berührung, erschreckt mich. „Oder hast du das nicht gespürt?“ Immer weiter kommt er zu mir.
Ich kann nicht mehr zurückweichen. „Doch“, sage ich schnell und hoffe, dass er mich in Ruhe lässt.
Er schließt die Lider. „Du hast als Kind die Eier aus dem Korb deiner Mutter genommen und den Hühnern wieder untergelegt.“ Langsam nicke ich und starre ihn dabei an. Woher weiß er das?
„Ich kann dir noch hunderte von Geschichten aus deiner Vergangenheit wiedergeben, es ändert sich nichts daran, sie sind hier.“
„Nein!“, schreie ich ihn an. „Du lügst.“
„Du kannst es missachten und verleugnen, es ist wie es ist.“ Er nimmt meine Hand, zerrt an ihr bis ich die Flügel berühren kann. „Sie sind echt, wie diese Federn.“
Mit der freien Hand schlage ich auf seine Brust. Ich will ihm nicht so nah sein. Er hält mich hier gefangen und ich will hier weg. „Lass mich los.“
„Deine Geringschätzung ist schlimmer, wie deine Worte und Taten.“
„Lass mich doch gehen.“
Er lässt mich los. „Du wärst nicht mehr am Leben ohne mich.“
Ich will antworten, dass ich es lieber wäre, und doch steckt ein dicker Kloß in meinem Hals, der mich Nichtsprechen lässt. Meinen Blick wende ich ab. Dies alles wollte ich nie. Als der Fremde mich mitnahm, ging es mir nicht gut und ich weiß auch, dass meine Zeit gekommen war. Er hat mich gepflegt. Aber dies machte, alles andere nicht besser.
„Ich habe dir nie etwas getan, dass sie dir angst machen, dafür kann ich nichts.“
„Ich bin nicht freiwillig hier“, gebe ich von mir.
„Wärst du aus freien Stücken mitgegangen?“ Ich schüttele meinen Kopf. Nie wäre ich mit einem Fremden mitgegangen, dies gehörte sich nicht für eine junge Frau. Es spielt auch keine Rolle, dass ich deswegen fast gestorben wäre.
„Er wollte, dass ich dich rette und dafür hat er dich mir versprochen.“
„Wer er?“, will ich wissen und starre ihn an.
„Dein Vater.“
Fast fing ich an zu lachen, aber sein ernstes Gesicht, lässt es mich herunterschlucken. „Ich war meinen Vater egal.“ Ihm bin ich ein Dorn im Auge gewesen, weil ich kein Mann geworden bin. Ich bringe ihn nur Probleme, hat er immer zu mir gesagt. Warum sollte er auf einmal darauf bedacht sein, dass es mir gut ging oder weiter lebe? Mal davon abgesehen, dass es mir ja nicht wirklich hier gut ging.
„Manche Menschen sind nicht in der Lage, ihre Liebe zu zeigen.“
„Solche, die so eiskalt sind wie du?“ Dieser Gedanke sprachlich aus, obwohl ich es nicht wollte.
Er mustert mein Gesicht. „Ich habe dir deine Freiheit gelassen, zu tun, und lassen, was du willst, auf diesem Grundstück, dass du Gefühle entwickelst und mich lieben.“
„Du hast mich angeschrien“, sage ich leise. „Es ist wie ein Kerker für mich.“
„Was hätte ich tun sollen?“
„Mich sterben lassen“, kommt dieses Mal aus meinem Mund.
„Isabella, du keine Ahnung, was du da von mir verlangst.“
„Ich wüsste nicht, was dir das bringen sollte.“
Er atmet schwer, geht sich durch seine Haare und fängt an hin und herzulaufen. „Du willst es nicht verstehen, oder?“
„Du willst mich nicht verstehen!“, brülle ich ihm entgegen und stehe auf.
Wie zwei wütende Stiere stehen wir uns gegenüber. Dieses Mal will ich nicht nachgeben, ich kann mich behaupten.
„Isabella“, vernehme ich eine leise Stimme. Langsam wende ich mich ihr entgegen. Schimmernd und durchsichtig steht dort meine Mutter.
„Nein“, er aus. „Geh zurück.“ Wild Umherwinken geht er auf sie zu.
„Wir lieben dich“, höre ich sie noch sagen, bevor er sie erreicht.
„Mama.“
Er geht auf die Knie und fängt an zu weinen. Noch nie in der Zeit, in der ich hier lebe, habe ich ihn so gesehen. „Nein“, wimmert er.
„Was ist passiert?“, frage ich leise.
„Sie ist weg für immer, ihre Seele …“ Weiter spricht er nicht. Seine Flügel breiten sich aus und umschlingen ihn.
Langsam und vorsichtig mache ich einen Schritt auf ihn zu. „Was ist mit ihrer Seele?“
„Weg, für immer, keine Wiedergeburt.“
„Meinetwegen“, schluchze ich und lasse mich niedersinken. Er nimmt mich in den Arm. Auch etwas, was er nie zuvor getan hat.
Innerlich verkrampfte ich und wollte weg, anderseits konnte ich ihn auch nicht so traurig zurücklassen. Der ganze Stress ist im Grunde ja zwischen uns gewesen, weil keiner von uns mit dem anderen geredet hat. Mir geht durch den Kopf, was bin ich für ihn? Leibeigene? Bedienstete? Ein Ding?
Er hat mir das Leben gerettet, warum? Damit er mich in der Hand hat? Oder ist da doch etwas?
Was weiß ich schon, wie ein Engel denkt oder fühlt?
Ich zumindest bin total durcheinander und das wiederum ist ein weiterer Punkt, den ich nicht an mir mag. Da ich weiß, dass mit weniger guten Argumenten meine Meinung ändern kann. Habe ich sie vielleicht schon geändert.
»Sch«, mache ich zu dem Engel. Was wird jetzt aus uns? Kann ich mich an ein Monster gewöhnen? Oder an das, was hier sonst noch verweilt?

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