QuinssReise Hader

Quinns Reise 7

Dieser Satz von Levi, verletzt mich. Nicht das Jendrik eine Freundin hat, das freut mich für ihn, wirklich, aber dass er es mir nicht gesagt hat. Was war diese Freundschaft schon wert, wenn er so etwas verheimlicht? „Das ist mir egal.“
„Ach wirklich?“
„Ja, ich dachte nur, wir sind Freunde und … egal.“
„Freunde klar.“
Ich laufe auf ihn zu und pikse meinen Finger in seine Brust. „Du bist ein arroganter Arsch. Freundschaften kann man hier knüpfen, vielleicht ein Flirt, aber wer denkt, nach dieser Reise jemanden fürs Leben gefunden zu haben, ist ein größerer Idiot als du!“ Ich bin gerade so wütend, dass ich am liebsten auf etwas einprügeln will. Immer fester drücke ich zu. Kurz kommt mir der Gedanke, dass ich gerne statt den Finger ein Schwert hätte.
Ruckartig greift er nach meinen Handgelenken, zieht mich zu sich und hält meine Arme hinter meinen Rücken fest. „Beruhig dich“, sagt er. Sein warmer Atem schlägt mir ins Gesicht. Ich habe das Gefühl innerlich vor Wut zu verbrennen.
„Hey, lass sie los!“, schreit jemand.
Genauso schnell wie Levi mich festgehalten hat, genauso zügig lässt er mich wieder los. „Es tut mir leid“, sagt er leise und eilt davon. Hat er sich gerade wirklich entschuldigt.
„Quinn?“ Mein Blick huscht zu Chris. „Geht es dir gut?“
„Ja, was machst du hier?“
„Ich wollte Paragleiten, musste aber noch schnell etwas einkaufen.“ Er hebt eine Tüte hoch. „Hast du einen Badeanzug an?“, fragt er grinsend.
Langsam nicke ich. „Warum?“
Beim Vorbeigehen nimmt er meine Hand und zieht mich zur Decke. „Weil ich dir jetzt den Fallschirm anziehe und wir das zusammen machen.“ Er zieht sein Shirt aus. „Und weil man irgendwann mal im Wasser landet und schwimmen muss, braucht man Badesachen.“
„Lange rede kurzer Sinn, danke aber nein danke. Ich will gerade nur noch in meine Kabine und fernsehen.“


Er mustert mich. „Schade.“ Ich nicke und will mich abdrehen. „Was wollte er von dir?“
„Mir wehtun, wie immer.“
„Ich kann ihn schlagen, wenn du das willst.“
Ich muss lachen. „Das ist echt lieb von dir, aber da hätte ich Angst um dich.“
„Ich bin stärker, als ich aussehe.“ Zum Beweis hebt er seine Arme und will mir seinen Bizeps zeigen.
„Gigantisch“, ziehe ich ihn auf. Er grinst mich an. „Hast du Lust mit mir einen Film anzusehen?“
„Willst du das wirklich?“
„Eigentlich schon. Aber ich muss dir auch sagen, dass mehr als Freundschaft nicht wird.“ Ich atme tief durch.
„Sagtest du schon mal.“ Er geht sich durch seine Haare. „Ich mag dich und ich bin eifersüchtig.“ Auch, wenn es das nicht sollte, ging das runter wie Schokolade. „Ich bin nicht an das Schiff gebunden, daher werde ich sehen, wie es weitergeht.“
„Du solltest nichts versprechen, was du nicht halten kannst.“
„Die Zukunft steht nicht fest.“
„Mein Abend schon, ich gehe jetzt.“
„Ich komme mit.“ Er greift nach seinen Sachen und kommt dann zu mir. Es ist irgendwie süß, aber es bereitet mir auch Bauchschmerzen. „Warum warst du auf ihn sauer?“
„Eigentlich nicht auf Levi, eher auf Jendrik. Er hat mir seine Verlobte verheimlicht.“ Ich sperre die Tür auf und fange an, meine Haare zu flechten. „Ich dachte, wir sind Freunde, oder auf dem Weg, welche zu werden. Es ist ein wichtiger Teil von ihm, dass er es verheimlicht finde ich ehrlich gesagt bescheiden.“
Er setzt sich neben mich. „So viel ich weiß, hat Jendrik Evens keine Freundin.“
Ich zucke mit den Schultern, drücke auf den Anknopf der Fernbedienung und lasse Musik laufen. „Ich weiß es nicht.“
„Soll ich ihn mal unter die Lupe nehmen?“
„Nein, das ist Jendriks Aufgabe, mir die Wahrheit zu sagen“, sage ich und rutsche zum Kopf ende. „Aber danke.“ Er nickt lächelnd und setzt sich zu mir.

Während der Fernseher mit Musik uns berieselt, rede ich mit Chris über alles Mögliche. Es ist angenehm, aber nicht so wie mit Jendrik in diesem Diner. Liegt vielleicht daran, dass er und ich einiges mehr gemeinsam haben als ich mit Chris. Er liest keine Bücher. Ich treibe keinen schweißtreibenden Sport mit Handlen oder sonst etwas. Auch fasziniert ihn nicht die Vergangenheit, ich könnte Stunden vor einen Prachtbrunnen stehen und mir die Skulpturen ansehen. Er wiederum kann sich über Emojis amüsieren und das wirklich lang.

„Ich habe Hunger“, unterbreche ich ihn, als er wieder lache, wegen so einer Geschichte. Drücke den Knopf an der Fernbedienung und stille.
„Oh, wir haben ja schon neun Uhr. Soll ich uns etwas aus der Küche holen?“
„Nein, ich gehe in den Saal, wie jeder Passagier auch.“
„Ja klar.“ Er springt auf. „Dann komm“, sagt er und hebt mir den Arm hin.
Schmunzelnd nehme ich seine Geste an und wir gehen zusammen dir Gänge entlang. „Was hast du morgen eigentlich vor mit mir?“
„Wirst du sehen, aber ich freue mich darauf, mehr Zeit mit dir zu verbringen.“ Er bleibt stehen. Ich will fragen warum, aber an sehe ich Jendrik an einer Wand gelehnt. Er sieht wütend aus, warum weiß ich nicht.
„Jendrik?“
Sein Blick huscht zu mir. „Quinn, w… w… was machst du hier?“
„Ich habe hunger und was ist mit dir los?“
Er sieht zu Chris. „Was machst du hier mit dem?“
„Hey“, ruft dieser aus.
„Chris lass uns alleine“, befehle ich. Er nickt und geht zum Saal weiter, nicht ohne kurz Jendrik zu grob zu rammen.
„Kinder“, seufze ich leise.

„Ich habe keine Ahnung, was du gerade hier spielst Jendrik, aber dieses Mal bin ich echt sauer. Warum hast du Levi zu unserem Treffen datiert, warum hast du mir nicht gesagt, das du verliebt bist, und was soll das hier?“ Dieses Mal verschränke ich die Arme.
Er aber ebenfalls. „Du hast doch abgesagt und ziehst mit dem da umher.“
„Wie bitte?“
„Und was soll der Scheiß von verliebt?“
„Na deine Verlobte.“
„Ich bin nicht verlobt …“ Er wischt sich über das Gesicht. „Lass mich raten, Levi hat es dir erzählt.“ Ich bejahe es. „Er hat dir einen Bären aufgebunden.“
Ich rümpfe die Nase. „Ach ja?“
„Warum sollte ich dich anlügen?“
„Keine Ahnung, um mich zu demütigen, um mich zu verarschen oder um ihm etwas zu beweisen. Ich kann dir nicht mehr trauen Jendrik. Ich dachte, wir sind Freunde geworden und jetzt weiß ich nicht, was ich denken soll. Welches Ziel sollte Levi verfolgen mit dieser Lüge? Es ergibt keinen Sinn.“
„Du bist doch schlau.“ Ich hebe die Augenbraue. „Wenn wir uns streiten, wirst du dich von uns fernhalten.“
Mein Widerstand bröckelt. „Ich weiß nicht, ob ich dir glauben kann.“
„Ich habe dich nie angelogen, warum sollte ich jetzt damit anfangen. Aber was ist mit dir?“
„Mit mir?“
„Du und dieser …“ Er nickt hinter sich.
„Mit Chris und mir ist nichts. Ich habe dir schon gesagt, das …“
„Ich weiß, trotzdem saht ihr gerade vertraut aus und es ist ja nicht das Erste mal, also wenn …“
Ich breche in schallendes Gelächter aus. „Nein garantiert nicht. Zu viel Surfen, Gewichte heben und blöde Witze. Ich mag ihn, mehr aber nicht. Er hat zwar gesagt, dass er mich mag, aber ich bezweifle, dass er es wirklich ernst meint.“
„Warum?“
Ich blick zum Saal. „Meiner Meinung gehört mehr dazu. Wir beide berühren uns zum Beispiel öfters als er und mich.“
„Ja das ist wirklich komisch.“ Er sieht zum Boden. „Es tut mir leid, ich hätte wissen müssen, das Levi mich anlügt.“
„Ich bin ihm ja auch auf den Leim gegangen.“
„Vertrauen ist der Schlüssel, ich glaube, das müssen wir beide lernen.“
Mein Magen knurrt. „Reden wir bitte beim Essen weiter.“ Er nickt lachend.

Langsam gehen wir beide in den Speisesaal. Chris hat schon Kuchen vor sich stehen, wo ich einfach nur den Kopf schütteln kann. „Ich würde sterben, wenn ich so viele Kalorien in mich reinhauen würde“, sage ich leise, als ich mir einen Salat nehme.
„Es gibt auch nicht viele die, so viel vertragen.“
„Na du gewiss“, meine ich zu Jendrik. Sein Grinsen und wie er sich einen Teller mit Windbeutel Vollhaut ist Antwort genug. Wir setzen uns zu Chris, der gar nicht erst sein Kopf hebt, sondern gleich knurrt. Jendrik verdreht die Augen. „Du magst anscheinend Eishockey“, versucht er ihn in ein Gespräch zu verwickeln.
Chris blickt auf sein Shirt. Ich erkenne da nichts von diesem Sport, aber ich bin ja auch eine Niete, was so etwas angeht. „Warum sollte ich mich mit dir unterhalten?“ Jendrik will etwas sagen, aber schon beim ersten Luftholen, redet Chris weiter. „Weißt du was? Es ist mir egal.“ Er steht auf und sieht zu mir. „Wenn du deine rosarote Brille wieder absetzt und der dir das Herz herausgerissen hat, weil er dir wieder einen Korb gegeben hast, brauchst du nicht zu mir zu kommen.“
„Was?“, kann ich gerade nur herausbringen.
„Wir sind Freunde“, sagt Jendrik.
„Du bist auch nur so ein Player, wie jeder andere von euch.“ Damit verlässt er den Tisch.
„Ich sollte hinterher.“
Jendrik hält mich fest. „So hat das gerade keinen Sinn, lass ihn gehen.“

Ich kann nur verstimmt mich wieder setzen. „Denkst du wirklich, dass es besser ist.“
„Glaub mir einfach.“ Er seufz und zieht die Tasse Tee von Chris zu sich, tunkt den Windbeutel hinein. „Schau nicht so, das wird schon werden.“
„Es könnte mir ja egal sein, ist es aber nicht, ich mag ihn. Verstehst du das?“
Er legt seine Hände auf seine Brust. „Ich bin getroffen.“
„Oh Gott, ich sehe das Blaulicht schon, halte durch.“
Wir strecken uns die Zunge heraus und lachen. „Wir sind ehrlich zueinander?“
„Freunde sollten das sein, auch wenn es gerade wie bei uns am Anfang ist.“
Schweigend stocher ich in meinem Obstsalat. Kann sich so schnell eine Freundschaft bilden? Warum nicht, es gibt auch liebe auf den ersten Blick. Sicher habe ich das noch nie erlebt, aber es gibt ja bekanntlich immer ein erstes Mal. Ich halte ihn ein Stück Traube hin. „Auf die Freundschaft.“
Er nimmt sich ein Apfelstück und hält es mir entgegen. Nur, weil er seine Windbeutel leer hat, lasse ich es zu. „Auf die Ehrlichkeit.“ Kurz stoßen wir an mit dem Obst und brechen wieder in schallendes Gelächter aus.
Plötzlich ist er ganz still und presst sein Kiefer aufeinander.
„Jendrik?“
„Lass uns gehen.“
Ich folge seiner Blickrichtung, da sitzt eine Frau mit einem viel zu knappen Bikini auf ihrem aufgespritzten Körper. „Kennst du sie?“
„Du nicht?“
„Sonst würde ich nicht fragen.“
„Sie ist eine …“
„Eine?“
„Sch … Sch …“
Er fängt wieder an zu stottern, er muss wirklich wütend sein. „Hey ist Okay, atme tief durch und lass uns gehen.“ Kurz zucken seine Mundwinkel nach oben und nickt dabei.

Wir verlassen den Speisesaal. Er ist schweigsam und wirkt nachdenklich. Sein Kiefer spannt sich immer wieder, ich habe irgendwie Angst, warum kann ich nicht sagen. „Jendrik?“, frage ich, als wir an einer Sporthalle ankommen und er sich einen Basketball nimmt.
„Jetzt nicht bitte.“ Ich komme mir vor wie ein Elefant im Porzellanladen, weil ich keine Ahnung habe, was mit ihm los ist. Während er losläuft und den Ball immer wieder auf den Boden haut, setze ich mich an den Rand. Immer wieder hat er den Ball in den Korb, als wenn sein Ziel es ist diesen abzubrechen.
„Was ist in ihm gefahren“, höre ich über mir und blicke nach oben.
„Levi“, knurre ich.
Doch er lacht und springt zu mir herunter. „Kian, immer noch.“
„Schneid dir mal deine Haare anders“, grummle ich.
„Vielleicht, aber was ist mit ihm los?“
„Keine Ahnung, er ist irgendwie angepisst, weil da eine auf dem Schiff ist, die er nicht sehen will anscheinend.“
„Bianca“, seufzt er. Ich zucke mit den Schultern. Er holt sein Handy heraus und wendet es nach ein paar Finger Bewegungen, dreht er es zu mir und zeigt mir ein Foto. „Diese?“
„Ja, und wer ist das?“
Er lässt sich auf den Boden nieder und fängt an, leise zu sprechen: „Er ist auch ein Zwilling.“ Er zeigt auf Jendrik. „Keine Ahnung, wie sie auf Mago traf, aber sie hat es geschafft innerhalb von kurzer Zeit, war er total verfallen. Wir haben immer gescherzt, dass sie ihn verzaubert hat.“ Sein Blick ist auf das Holz gerichtet und er klang nicht mehr so heiter wie zuvor. „Es gab viel streit, ihretwegen. Mago zog zu ihr, knapp drei Monate, nach dem Mama ihn den Geldhahn zu gedreht hat. Nahm er sich das Leben, um Biancas Luxus weiter zu finanzieren.“
Ich bin geschockt. Das Dumme, jetzt kann ich Levi wirklich verstehen, warum er so ist.
Plötzlich schreit Jendrik auf. Schnell laufe ich zu ihm und sehe schon, wie das Blut auf den Boden aufkommt. Er flucht und weint. „Hey“, gebe ich leise von mir und nehme ihn in den Arm. „Alles wird gut.“ Ich blicke auf seine Hand. „Ich habe eine Aloe vera creme in meine Zimmer.“ Er nickt nur schniefend.

Jendrik sitzt auf meinem Bett. Kian steht an der Wand gelehnt und schaut mir zu, wie ich die Wunde reinige, eincreme und dann den Verband anlege. „Du solltest morgen mal einen Arzt drüber sehen lassen.“ Er nickt nur. Ich packe die Sachen in meinen Koffer und auf die Uhr.
„Danke dir“, meint Kian.
„Kein Problem, die Rechnung schick ich euch.“
„Bar oder in Karte“, scherzt er und sein Bruder schnaubt.
Wie ein nasser Sack lasse ich mich neben Jendrick fallen. „Und was jetzt?“
„Wie? Was jetzt?“, fragen die Brüder wie aus einem Mund.
„Na ihr seid sauer, verständlicher Weiße, aber wollt ihr euch jetzt verkriechen, ihretwegen?“ Ich wende mich zu Jendrik. „Willst du jetzt jedes Mal dich verletzen, wenn du sie erblickst?“
Er holt Luft, aber es kommt nur immer das H heraus.
„Du solltest dich beruhigen“, meint Kian und kniet sich vor uns. „Sie ist es nicht wert.“
Aber er beruhigt sich nicht und ich habe Angst, dass er jetzt auch noch hyperventiliert. „Jendrik, schau mich an.“ Er schüttelt den Kopf, doch ich halte ihn fest. „Doch und jetzt erzählst du mir mal bitte, welcher Vogel du magst?“
Er hebt die Augenbraue, schweigt und bricht in schallendes Gelächter aus. „Du hast höchstens nen Vogel.“
Ich grinse ihn an. „Dann sag mir ne Blume.“
„Du bist total verrückt“, seufzt er und nimmt mich in den Arm.
„Aber es hilft anscheinend“, stimmt lächelnd Kian mit ein und setzt sich jetzt neben seinen kleinen Bruder. Ich will ihm sagen, dass es mir leidtut, aber ich habe Angst, dass es ihm wieder zurückwirft. Ich hingegen nehme den Boden. Langsam wird es dunkel und ich knipse das Licht an. Kian greift meine dummen Fragen auf und wir beginnen, über alles Mögliche zu reden.

Als Karoline wieder ins Zimmer kommt, liegen wir alle im Bett, Musik läuft im Hintergrund und mein Bauch schmerzt schon, vor lauter lachen.
„Was ist den hier los?“
„Party!“, ruft Kian mit seiner piepsigen Stimme aus, wo ich wieder anfange zu kichern und mich nicht mehr halten kann. „Aber wir sollten jetzt auch gehen.“
Ich nicke. „Danke für den Abend.“
Jendrik umarmt mich. „Ich danke dir.“
Wir drei stehen auf und ich bringe sie zur Tür. Kian wendet sich an mich und reicht mir eine weise Karte. „Melde dich wegen morgen.“
„Nein, ich habe gesagt, ich habe es Chris versprochen und dabei bleibt es.“ Es fühlt sich nicht richtig an, den Landgang mit ihm zu machen. Ich weiß zwar jetzt schon, dass er mir mehr oder weniger auf den Nerv gehen wird, aber das ist eine andere Sache. Die beiden Männer drücken mich noch mal und gehen den Flur entlang.
Ich stelle mein Handywecker, damit ich nicht verschlafe.
Karoline setzt sich mit ihren Bonbons mir entgegen. „Gar nicht so dumm.“
„Was meinst du?“, frage ich und ziehe mein Shirt, auf dem ein Kuchen mit einem Gesicht ist.
„Na du schleimst dich bei der Familie ein. Wer war es eigentlich Levi oder Kian?“
Ich setze mich hin. „Karo du bist meine beste Freundin, aber lass sie in Ruhe. Levi wird nicht zu lassen, das …“
„Das?“
„Der Zug ist einfach abgefahren, vertrau mir einfach.“
„Du willst nur nicht, dass ich mal eine Chance bekomme.“
„Nicht so lang du mir beweisen kannst, dass du es ernst meint.“ Damit erhebe ich mich und gehe ins Bad. Ich weiß, dass sie jetzt wieder sauer ist, aber das ist mir egal. Ich will Jendrik und den Rest seiner Familie das nicht noch mal antun, nicht so lang ich eben weiß, dass Karoline wirkliche Gefühle hat.
Mein Blick geht zu dem Spiegel. Mir wird eines klar, ich mag sie jetzt schon mehr, als dass es gut für mich ist. Wir sind Freunde geworden, auch, wenn es recht schnell ging, fühlt es sich für mich einfach so an.

Als ich am nächsten Morgen auf Chris zulaufe, steht er schon an der Rehling. „Guten Morgen“, sage ich zu ihm.
Erst huscht sein Blick hinter mich und lächelt mich an. „Dir auch.“ Er streckt mir die Hand entgegen. „Können wir?“
Ich nicke und gehe zu der Planke, die uns auf festen Boden bringt. Wir gehen vom Hafen von Porto vom Schiff. Stolz erzählt er mir was er weiß über diese Stadt. Frühstücken tun wir in einem kleinen Café, was eine Krone am Eingang hat. Immer wieder sieht er die kleine Gasse entlang.
„Erwartest du jemanden?“
„Was?“
„Du schaust auf die Straße.“
Er kratzt sich am Genick. „Immer taucht einer von ihnen auf, ich will einfach sicher sein, dass wir mal wirklich allein sind.“
„Wir haben in meinem Zimmer einen Film angesehen.“
„Ja und dann gehen wir raus und da steht schon einer. Ich weiß, dass du sie magst, aber es ist nervig.“
Ich runzel die Stirn, will etwas sagen, da stellt die Kellnerin uns das Frühstück an den Tisch. „Danke.“
„Probier die Ananasmarmalade“, sagt er und hält sie mir schon hin.
Ich mag es nicht gefüttert zu werden, darum nehme ich sie ihm ab. „Mh, ja wirklich lecker.“ Ich bestelle mir gleich ein Glas zum Mitnehmen. Ein Clown läuft an uns vorbei, als wir weiter wandern, der mir eine Luftballongblume bastelt. Wir schlendern durch die Innenstadt, es ist, als wenn er ein bestimmtes Ziel hat.
„Ach Mist“, ruft er aus. Ich runzel die Stirn. „Es ist geschlossen.“
Mein Blick geht durch das Schaufenster, der Raum dahinter ist leer. „Was wolltest du da?“ In der Spiegelung sehe ich einen Spielplatz, wo freudig ein Kind auf diese Pferdewippe zu rennt.
„Hier gibt es meine Lieblingsbonbons.“
„Tut mir leid.“ Er zuckt mit den Schultern und seufzt, wir gehen weiter.

Chris schleppt mich zu einem Schloss. Auf dem Weg zum Bezahlen ist mit Kürbissen geschmückt und er erzählt mir Geistergeschichten, die sich hier angeblich abgespielt haben. Endlich sind wir dran und ich will den Geldbeutel ziehen, als ein tätowierter Arm zum Vorschein kommt und Geld hinlegt.
„Na toll“, knurrt Chris.
Ich blicke in den blauen Augen von Jendrik. „Stalker.“
„Wenn dann wir alle“, grinst er und nickt hinter sich. Da stehen Levi, Kian und Elias, jemand, der Elias ähnlich sieht und noch mal Zwillinge mit der Mutter von Jendrik und eine weitere Frau.
„Wir sind hier zusammen unterwegs.“ Chris klingt gereizt.
Ich hasse es, mich entscheiden zu müssen. „Chris …“
„Reg dich ab kleiner Mann“, spottet einer von den Zwillingen, die ich noch nicht kenne. Kann mir eigentlich jemand verraten, warum die immer in Paaren auftreten müssen?
„Was?“
„Kauf dir einen Weihnachtsstern und wünsch es dir“, gibt der andere von sich. Kian oder Levi, Herr Gott ich hasse es sie nicht unterscheiden zu können, kommt zu mir und hackt sich ein. Okay eindeutig Kian, Levi würde eher sterben, als so freundlich zu mir zu sein.
„Hey“, faucht jetzt Chris.
„Komm halt mit“, sagt die Mutter von ihnen und läuft zu uns.
Bevor er irgendetwas antworten kann, setze ich einen flehenden Blick auf und bettel. „Okay“, seufzt er.
„Pantoffelheld“, grummelt eindeutig Levi.
„Sie trägt aber Sommerschuhe“, zieht ihn Elias auf und stellt sich auf meine andere Seite. Sie ziehen mich durch das Tor.
„Es ist egal“, ruft er hinterher, „Selbst wenn sie diese Riemenschuhe anhätte, oder Badeschlappen, er ist ein Pantoffelheld.“
Statt den vorgeschriebenen Weg ziehen sie mich eine andere Richtung. Der Staubsauger dröhnt aus einem Zimmer. Überall hängen Hexen und Mais steht in Eimern am Rand. „Wo führt ihr mich hin?“, will ich wissen.
„So neugierig“, grinst Kian.
„Äh ja.“ Wir kommen in einen Saal an, der an der Decke lauter Sterne hängen hat, irgendwie erinnert mich das an diese Zauberschule. „Was machen wir hier?“
Die beiden Grinsen einfach nur, auch die anderen sind hier eingetroffen. Die Zwillinge, die ich noch nicht kenne, stellen sich mir als Adam und Erik vor. Sie haben sehr viel Ähnlichkeiten mit Levi und Kian, nur ihr Haar ist anders geschnitten, so gesehen würde ich sie, als ihre Brüder einordnen, sie sind nur Cousins, reicht aber auch schon. Der Klon von Elias stellt sich als Luca her, wenigstens kann man die beiden nicht verwechseln, er ist schlanker als Elias.
Jendrik steht lächelnd da. „Ich bin Monika“, sagt seine Mutter zu mir, „Und das ist meine Schwester Theresa.“
„Mein Kopf platzt bald“, gestehe ich.
„Ich weiß, am Anfang fühlt man sich wie von einem Auto überfahren.“
Mein Blick geht zur Tür, Chris ist anscheinend nicht mit.

Eine Filmvorführung erwartet mich mit den anderen, aber an mir nagt das schlechte Gewissen, dass ich darauf nicht achten kann. „Hey“, flüstert mir Jendrik zu. „Was ist los?“
„Das mit Chris, es war nicht fair von mir.“
„Du wirst ihn schon nicht das Herz brechen“, gibt Luca von sich, der hinter mir sitzt.
„Sie ist doch eh wie jede andere“, kommt von Levi. „Aua.“
Anscheinend muss seine Mutter ihm eine auf den Hinterkopf gegeben haben, den die anderen Grinsen und sie sagt: „Sei still habe ich dir gesagt, lass sie in Ruhe.“
Auf der anderen Seite von mir beugt sich Kian zu mir. „Gib dir nichts darauf, er ist ein Stinkstiefel.“
Als das Licht wieder angeht, wird eine Tür geöffnet. Ein herrlicher Duft lässt meinen Magen knurren. „Das Essen ist serviert, der Herr erwartet sie.“
„Ich sollte gehen“, sage ich.
Doch Monika drückt meine Schulter. „Nein, natürlich kommst du mit, er weiß schon Bescheid.“
„Mir ist das unangenehm.“
„Alles gut, glaube es mir.“ Sie gehen nacheinander zur Tür.
Uneins bleibe ich sitzen, ein Stern landet auf meinem Schoß. Ich blicke zu der Decke. „Man sagt, fällt einem einen Stern in den Schoß, wird dir Glück beschert, was nicht mit einem Sack Diamanten aufzuwiegen ist.“ Verwundert sehe ich zu Levi. Seine Mundwinkel sind für einen Augenblick hochgezogen. „Jetzt komm.“
Ich starre ihn aber immer noch an. Kann er wirklich auch freundlich sein? Mir fällt ein, dass seine Mutter ihn dazu ermahnt hat und er es nicht freiwillig ist. „Danke“, sage ich. Er geht zur Tür und wartet dort auf mich.
Als Erstes gibt es Suppe, die ich schnell löffle. Das Rezept hätte ich gerne, aber auch von der Nachspeise. Die Hauptspeise ist hingegen eine Pampe, die ich nicht runterbekomme. Jendrik sitzt neben mir und rede mit Elias. Auf der anderen Seite sitzt Levi. Er ist es auch, der mich nach dem Essen in einen Garten begleitet, der nur zu erreichen ist, wenn man über eine Brücke geht.
„Ich habe mit bekommen, was du gestern gemacht hast.“
„Du meinst, nachdem du mich mal wieder verletzt hast?“ Ich habe nicht vorgehabt so ruppig zu klingen, es kam einfach über mich.
„Ich wollte mich bedanken.“ Ich klappe den Mund auf, hat er das gerade wirklich gesagt? „Ich weiß, ich bin ein Arsch und das du mich hasst, aber da sie dich mögen und ja auch anders bist, als ich dachte, werden wir wohl des Öfteren zusammen sein.“
„Worauf willst du raus?“
„Wir müssen nicht die besten Freunde sein, aber …“ Er geht ein paar Schritte weg.
„Aber?“
„Das wir wenigstens vernünftig reden können.“
Oh Gott! Wurde er von Aliens entführt, muss ich den Notarzt rufen? „Wie bitte?“
„Friedensangebot!“
„Welches Haus ist da eingestürzt?“
Er schnaubt. „Ich will gerade das Eisbrechen und du kommst mit so einen Mist.“
„Levi, seit ich dich kenne, versuchst du, mir weh zu tun, mich zu beleidigen und niederzumachen. Ist es nicht verständlich, dass ich eher glaube, dass ein Flugzeug abstürzt, oder ein Zug entgleist, als dass du vor mir steht und Frieden willst?“
„Ich sag ja, ich bin ein Arsch.“
„Oh ja“, gebe ich von mir und fange an zu lachen.
Levi schmunzelt nur. „Geh mir einfach nicht so auf den Sack.“
„Das wird schwer.“
Er nickt und streckt mir die Hand hin. „Für die Familie.“
„Und Freunde“, ergänze ich und nehme seine Geste an.

Als wir zu den anderen wieder stoßen, ist der Saal, wo die Sterne hängen, geschmückt. Alles sieht nach Halloween und grusel aus. Phiolen mit giftgrüner Flüssigkeit stehen auf einem Tisch, genauso wie Kürbisse mit Fratzen und etwas, das aussieht wie Augen. Äxte sind drapiert und Vogelscheuchen mit Federn. Selbst ein altes Straßenschild quietscht beim Windzug.
Ich gehe zu Jendrik, der meinen Stern hält. Ich frag mich, was ich damit anstellen soll, aber der Schlossherr besteht darauf.
„Und?“
„Friedenspfeife vorerst geraucht.“ Er schmunzelt und sieht zu seinem Bruder. „Ich weiß, das es wegen eurer Mutter ist. Du brauchst es nicht auszusprechen.“
„Ich denke, er mag dich auch.“
Ich zucke mit den Schultern, es kann eben niemand wissen, dass in dem Kopf eines Menschen vor sich geht. „Danke, dass du aufgepasst hast.“
„Zieh nicht so ein Gesicht.“
Seine Mutter kommt zu uns. „Zieht nicht solche Gesichter, heute wird getanzt und Spaß gehabt.“ Sie dreht sie um. „Levi, willst du Quinn nicht zum Tanz auffordern?“
„Mama!“
„Was den? Darf keiner wissen, dass Eisklotz Evens auch eine sanfte Seite hat?“
„So nennt die Presse ihn“, flüstert mir Jendrik zu.
„Das geht zu weit Mama, echt.“
„Dann erweist mir die Ehre“, sagt einer der anderen Zwillinge.
„Adam, Levi soll nicht so ein Stoffel sein.“
„Schon gut Tantchen.“
Bevor ich etwas sagen kann, zieht er mich in die Mitte. Musik erklingt. „Das musst du nicht.“
„Bin ich so schlimm?“
„Nein, aber ich will nicht, dass sich jemand verpflichtet fühlt.“
„Deine Gedanken haben jetzt Sendepause, genieß den Rest des Tages.“
Er hat ja gut reden, Funkstille in meinem Kopf, gibt es nicht.

Der nächste Teil von Quinn gibt es hier

Wollt ihr es von Anfang lesen, dann startet hier


Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: