Thes 35

Ihre Familie kommt zu Besuch. Einerseits will ich flüchten, es ist laut und turbulent mit ihren Kindern, anderseits find ich das voll süß. Ich bin Einzelkind und habe nie über so etwas wie Familie wirklich nachgedacht. Wie auch, wenn man dauernd verarscht wird. Da schiebt man das einfach nur ganz weit nach hinten.
Meine Freundinnen sehen nur kurz herein, sobald ihnen anscheinend klar wird, dass er heute nicht mehr da ist, verabschieden sie sich zügig.
Kurz nach dem Abendessen kommt dann Thomas wieder.
»Willst du mitschauen?«, fragt er meine Zimmernachbarin, während er aufbaut.
»Nein, aber danke fürs Fragen.« Sie setzt sich Kopfhörer ins Ohr und nimmt ihr Buch zur Hand.
»Dann rutsch mal«, meint er zu mir. Ich mache ihm Platz. Er zieht seine Schuhe aus und legt sich zu mir. »Ach ja!«, meint er auf einmal, zieht seinen Rucksack her. »Ich weiß nicht, welches du lieber hast. Daher mit Rosinen, mit Cranberry, Exotik …« Sofort kralle ich mir, die Tüte mit Ananas, Kokosraspel und anderen Nüssen. Er lacht und legt den Rest auf den Stuhl. »Lass mir etwas übrig.«
»Nur wenn du Glück hast.« Schmunzelnd hebt er den Arm, dass ich mich wieder zu ihm lege, auf seinem Bauch lagere ich die Verpackung. Das Deo ist heute mehr. Wenn die bösen Gedanken nicht wären, würde es mir um einiges besser gehen damit.
»Hast du was?«, fragt er mich.
»Nein.«
»Ich kann auch ein anderes Duschgel nehmen.«
»Es ist okay, wirklich. Was hast du denn gemacht heute, also im Studio?«
»Das Laufband war heute als Einziges frei. Normal gehe ich noch Gewichte stemmen, aber die wurden erst fertig, als ich loswollte. Aber nicht schlimm, ich mach es dann halt morgen mehr.«
»Was denkst du, wie lang ich hier noch sein muss?«
»Wir schauen morgen mal deine Wunden an, vielleicht kann ich was arrangieren, das du heim kannst.«
»Das wäre toll.« Sein Duft und seine kreisende Bewegung auf meinem Oberarm, machen es mir schwer es nicht gerade als fast perfekt zu bezeichnen und mich sehnsüchtig daran erinnert, wie sehr ich diese Geborgenheit gerne hätte. Ich vergesse sogar die Nüsse, wenn er mich nicht füttern würde zwischendurch.
»Schon wieder!«, hören wir von der älteren Schwester.
»Nur der Film bitte«, fleht er. Sie sieht zu der Nachbarin.
»Alles gut, stört mich nicht«, antwortet sie, ohne gefragt zu werden.
»In Ordnung, aber danach gehst du!«
Er nickt. Leider ist der Film viel zu schnell zu Ende. Er packt seine Sachen wieder ein. »Bis morgen dann.«
»Ich bring dich noch zur Tür«, sage ich schnell.
»Gerne«, meint er, als er seinen Rucksack schultert.

Was weiter bei Thes passiert lest ihr hier.

Wie alles begann, könnt ihr hier lesen.

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