Niki 02

Irgendwie bin ich in einem Wald gelandet. Mittendrin bleibe ich stehen und schreie meine Wut hinaus. Wieso kann ich keine normalen Eltern haben? Wieso so Nomaden? Meine Großeltern sind beide anders, leben seit ich denken kann, in einem Ort, nur ich habe schon so viele Schulen gesehen, dass ich sie bereits gar nicht mehr zählen kann. Eine sogar nur Sage und Schreibe für zwei Wochen. Beim weiter Laufen reibe ich mein Genick und Schulterblätter, es soll mich beruhigen, hat mein Vater mal gesagt, einen scheiß tut es. Ich komme an einer Bank vorbei, auf der ich mich niederlasse und zwischen den Zweigen über mir suche ich die Sonne. Doch der Himmel wird immer finsterer, dunkle Wolken haben mir den Blick verwehrt. »Toll«, brumme ich, »jetzt werde ich auch noch nass.«
Genervt laufe ich zurück. Die Wege sehen hier alle gleich aus, bin ich von links gekommen oder von rechts. »Mann«, fauche ich. Ich habe mich verlaufen. Noch ein Punkt, der gegen dieses ständige Umziehen spricht, ich müsste mich nicht ständig neu orientieren.
Ich entscheide mich, nach links zu gehen. Statt hinaus komme ich immer tiefer. Jetzt fluche ich wie ein Rohrspatz, zu meinem übel trifft meine Prophezeiung ein. Es regnet.
»Kann dieser Tag noch schlechter werden?«
Ich hole mein Handy hervor und rufe meinen Vater an. »Niki?«
»Ne der Heilige Geist«, gebe ich mürrisch von mir. »Ich habe mich verlaufen, ich brauch die verfickte Adresse.«
»Sei froh, dass deine Mutter das nicht gehört hat.«
»Mir gerade Scheiß egal. Ich stehe mitten in einem beschissenen Wald, es seucht aus Eimern und meine Laune ist gerade beim Teufel eingezogen!«

Ich höre meinen Vater tief durchatmen. Selbst für ihn sind das jetzt zu viele ›nicht nette Worte‹ gewesen. »Okay, hör zu, ich schicke dir die Adresse, du gibst mir deinen Standort und ich hole dich am Rand ab.«
»Ja«, brumme ich und sende das Gewünschte. Kurz darauf, bekomme ich eine Adresse und lasse mir die Route dahin anzeigen. Als ich mir es ansehe, erblicke ich einen Namen und sofort habe ich besser Laune. »Ranch.« Doch sofort weiß ich auch wieder, dass es umsonst ist. Wie lange ich mir schon ein Pferd wünsche, weiß ich bereits gar nicht mehr.
»Ein Pferd ist Arbeit«, hat meine Mutter gesagt. Als, wenn ich das nicht wüsste.
»Das können wir keinem Tier antun«, hat mein Vater gemeint.
»Aber mir«, habe ich ihm damals entgegengebrüllt. Geändert hat sich nichts. Wieder mal bin ich an dem Punkt, dass ich mein Leben hasse.
Ich laufe, wie die Stimme es mir befiehlt. Als ich hinaustrete, sehe ich den Trampelpfad schon unser Auto entgegenkommen. Mein Vater bremst und ich steige ein.
»Immer noch sauer.«
Es ist keine Frage, aber trotzdem nicke ich.
»Niki.«
»Lass es stecken.« Ich wende mich an ihn. »Kein Bock auf deine Ausflüchte.«
»Wir lieben dich«, seufzt er und setzt zum Rückwärtsgang an. Mein Blick geht zum Waldrand, wo gerade ein Araber geritten wird. Es ist schön, zu sehen, lässt mich aber traurig zur Seite wenden.
»Wie lange bleiben wir dieses Mal?«, frage ich verbittert.
Er sagt nichts, warum, weil er keine Versprechen gibt, die er weiß, dass er sie niemals einhalten kann.
»Geh dich warm abduschen«, meint er, als er den Wagen anhält.
»Ja ja.« Ich reise die Tür auf und gehe in das Zimmer, dass Pferdeschild mit meinem Namen hängt. Der Tag ist für mich gelaufen. Gute Nacht.

In einem neuen Zimmer zu schlafen ist die Hölle, schlimmer als neue Bettwäsche. Ich schlaf immer vollkommen unruhig die erste Nacht. Deswegen bin ich auch wortkarg, als ich in die Küche komme. Meine Mutter räumt gerade aus den Kartons das Geschirr, dass wir essen und trinken können. Vom Bäcker hat sie Brötchen und mehrere Kaffee-to-Go mitgebracht. Die Maschine ist wohl irgendwo tief vergraben.

»Guten Morgen«, sagt sie in ihrem wirklich ätzenden Happyton.

Ich brumme einfach nur. Rieche an den Pappbecher. Keine heiße Schokolade. Seufzend nehme ich mir die Wasserflasche und ein Brötchen. Mann! Ich will wieder zurück nach Bayern, ich will meine Brezeln.

»Dein Papa kommt erst gegen Mittag, er musste ins Krankenhaus.«

Na toll, jetzt lässt er mich mit ihr auch noch allein. Es ist ja nicht, sodass ich meine Mutter nicht mag, aber sie geht mir gewaltig auf die Nerven. Sagen wir so, wir sind wie Hund und Katz.

»Kannst du auch mal was sagen?«

»Nein«, knurre ich und gehe wieder Richtung des Zimmers.

»Niki.«

»Was willst du sagen, was diese beschissene Situation besser macht?«

»Deine Aussprache!«

»Ich bin nicht dein Püppchen!«

»Warum hasst du mich so?«

Na Bravo, sie hat mir wieder ein schlechtes Gewissen eingeredet mit einer simplen Frage. »Ich hasse alles, ihr geht mir gerade einfach auf die Nerven. Habt ihr bei allem mal an mich gedacht. Ja, ich habe gute Noten, aber es wäre echt mal klasse Freunde zu haben.«

»Es ist doch nicht meine Schuld.«

»Nein, deine ist es, dass du es mir auch noch schwerer machst, indem du dich an der Schule unterrichtest, WO ICH HINGEHE!«, schreie ich ihr entgegen.

Wollt ihr den Neustart von Niki wissen? Dann klickt hier.
Wie es weitergeht, erfahrt ihr hier.
Wenn ich Simon lesen wollt, müsst ihr auf Instagram bei Beccy Charlaten vorbeischauen.

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