Niki 03

Sie atmet tief durch. »Schrei mich nicht so an!«
»Kommt jetzt wieder, ich bin deine Mutter, du musst Respekt vor mir haben.«
Sie will etwas sagen, doch ich habe es gerade so satt.
»Und ihr als Eltern solltet das Beste für eure Kinder wollen und das ist definitiv nicht dieses ganze Umziehen!« Ich zeige auf sie. »Euretwegen werde ich sozial inkompetent!«
»Wie bitte?«
»Ich bin, seit ich denken kann, noch nie ein komplettes Schuljahr in einer Klasse gewesen. Was zur Folge hat, dass ich mir keine Mühe gebe, andere kennenzulernen. Summa summarum pflege ich keine sozialen Kontakte, auch als Freunde bekannt, weil wir sowieso wieder umziehen werden. Zusätzlich werde ich gemieden, weil du auch noch wie ein Oberaufseher herum wackelst. Ich brauche Freiraum, feste Gewohnheiten und die Chance, auch mal mit jemand anderes zu reden, als mit dir, meinem Vater und meinem Bruder, den ich auch nur noch per Telefon erreichte, weil Ihr Markus gezwungen habt, bei Oma zu wohnen.«
»Moment mal, das war allein seine Entscheidung, wir haben ihn nicht gezwungen!«
»DOCH, weil ihr alle nasenlang umzieht, er aber seinen Ausbildungsplatz nicht ständig wechseln kann!«
»Ich bin in diesem Spiel aber nicht die Böse!«
»Ja klar, schieb jetzt Papa, den Teufel zu. Du könntest auch mal Nein sagen.«
Ihre Hände ballen sich. »Wenn du jemanden liebst, versucht man denjenigen …«
»Hör doch auf, noch einen größeren Bullshit von dir zu geben und dich rechtfertigen, um dein Gewissen zu beruhigen.«
»Du räumst deine Sachen aus«, faucht sie mich jetzt an. Diskussion gewonnen, Krieg verloren, wegen Teenageralter. Wahnsinn.

Die nächsten Tage verbringe ich damit meine Sachen aus den Kartons auszupacken und einzuräumen. Ich sehe meinen Vater kaum, was ich auch schon kenne. Meine Mutter, ja, die geht mir auch mal wieder aus dem Weg, aber bei ihr sage ich ehrlich gerade, besser ist das. Wenn sie essen bestellt hat, klopft sie an die Tür und ich hole es mir nur ab. So wenig Zeit am besten mit ihr verbringen wie nur möglich. Mein Bruder Markus versucht zu vermitteln, aber, dass er auf Granit beißt, ist ihm wohl auch bekannt. Mein Vater versucht es schon gar nicht mehr wirklich, die Wogen zu glätten, weil er weiß, wie sehr gerade ich stur bin, oder kindisch, wie meine Mutter es nennt. Doch mir ist das mehr als egal, wie sie mich benennt. Bin ich halt kindisch und egoistisch, aber was ist sie dann bitte.

Ich hänge die Bilder auf, von den Pferden, die ich geritten habe. Kein Anderes kommt an die Wand. Im Grunde sind es nur drei. Samura, das Shetlandpony, was ich von meinem Opa bekommen hatte. Tia, die schwarze Friesin und Prinz, der Apfelschimmel. Wie ich es vermisse, ihre Wärme, ihr Geruch, einfach alles.

»Hey«, sagt mein Vater beim Öffnen der Tür.

»Was?«, frage ich und hänge Prinz auf.

»Deine Mama hat die Liste für deine Schulsachen bekommen, wenn du willst, können wir sie einkaufen gehen.«

»Du kannst mich auch in die Stadt fahren und ich gehe alleine.«

»Aber so …«

Durchzug. Er bringt jetzt irgendwelche Argumente und im Grunde geht es nur darum, dass sie doch meine Mutter sei und wir eine Familie.

»Also?«, fragt er mich.

Ich seufze. »Okay.«

Wollt ihr den Neustart von Niki wissen? Dann klickt hier.
Wie es weitergeht, erfahrt ihr hier.
Wenn ich Simon lesen wollt, müsst ihr auf Instagram bei Beccy Charlaten vorbeischauen.

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