Niki 04

Der Korb in meiner Hand wird schwer. Mein Vater wuselt durch die Gänge der Schreibabteilung im Müller und sucht die Sachen zusammen. »Brauchst du noch etwas?«, fragt er mich. »Stifte, Radiergummi, Füller …«
»Papa, ich schreibe seit der Vierten mit Kulli.« Ich ziehe den Besagten aus meiner Tasche. »Was brauch ich mehr?«
»Mienen?«
Ich verdrehe die Augen.
»Oder einen ganz Neuen, schau da gibt es tolle.« Er greift ins Regal. »Da metallic?«
»Papa, es reicht wirklich. Ich bin immer noch der Meinung, dass wir mal ein paar Jahre an einem Ort bleiben würden. Kannst du … nein, ihr euch mal in meine Lage versetzen?«
»Es ist doch auch ein Abenteuer, irgendwie?«
Ich zeig auf ein paar Mädels, die bei den Büchern stehen. »Das könnten Freunde sein, aber ich werde mir nicht die Mühe machen, ihre Namen mir zu merken und warum?« Ich sehe ihn herausfordernd an.
Er reibt sich das Genick und atmet tief durch. »Niki, ich verstehe dich, wirklich und es tut mir leid, aber wenn ich mich nicht mehr wohlfühle und mich quält, denkst du, dass es für mich so toll ist.«
Ich zucke mit den Schultern. Sicher will ich nicht, dass er etwas tut, was ihm nicht gefällt. Tatsache ist aber, dass mir dieses Umziehen nicht gefällt und es mich immer mehr nervt.
»Na komm. Wir gehen zur Kasse und dann essen wir eine Pizza.«
Ich stimme zu. »Geh vor, ich schau noch etwas.« Er nickt und geht die Treppe hinunter. Ich sehe mir die Kullis an.
»Simon sieht gut aus, aber ist ein Idiot«, höre ich eine der Mädchen.
»Ich geh doch nur deswegen zum Stall«, kichert ein andere.
Seufzend schüttel ich meinen Kopf, manchmal frage ich mich, ob manche Mädchen ihr Gehirn abgeben?

Ich atme tief durch. Der Direktor redet mit meiner Mutter und sie, na ja, lächelt dumm. »Kann ich den Scheiß endlich hinter mich bringen?«, frage ich genervt.
»Ausdrucksweise!«, zischt sie zwischen den Zähnen hindurch.
»Ändert nichts an der Situation«, gebe ich von mir und sehe beiseite.
»Nun Dominique, dann bringe ich dich zu deiner Klasse«, meint der Mann. Er klingt etwas belustigt, was mich mehr als wundert. Wenn er wüsste, wie explosiv wir beide sein können, würde er nicht so friedlich da stehen.
»Da entlang«, sagt er und zeigt auf eine Treppe, die nach oben führt. Als ich hochsehe, bemerke ich zwei der Mädchen, die auch im Müller gewesen sind. Das kann ja heiter werden. Erster Stock, zweiter Stock, dritter und dann einen Flur entlang.
»Hier kannst du deine Jacke ablegen, ich hole Herrn Baumgartner mal heraus« Ich erfülle ihm den Wunsch und spiele mal mit. Gerade als ich es hingegangen habe, kommt er mit einem großen dicken Glatzkopf zu mir. Eine dicke Brille, sagt, dass er auch noch fast blind ist.
»Das ist Dominique«, stellt er mich vor. »Sie ist die Tochter von Frau Astrid Spengler.«
»Oh, willkommen an unserer Schule.«
OH! Ja, dass es treffend. Ich hebe nur die Hand.
»Ich stelle ihnen die Klasse vor und sie können etwas zu sich sagen.«
»Können? Assoziiere ich mit, wenn ich will. Heißt das, ich kann mich nur hinsetzen und sie ignorieren mich einfach?«
Jetzt lacht der Direktor.
Hey, das war mein Ernst.
Selbst der Lehrer lacht.
»Heißt das, Ja?«
»Nein, Sie müssen sich vorstellen!«
Toll! Nicht. »Dann darf ich jetzt kotzen gehen?«
Er schiebt seine Brille richtig. »Ja, sie dürfen dieses immer tolle Ritual durchführen.«
Super jetzt versteht er auch noch, was ich meine.
Er geht vor und sobald er in der Tür ist, setzt er seine Finger an die Lippen und pfeift hindurch. »Leise. Hinsetzen und zuhören. Wir benutzen das Pflaster.« Er zeigt auf mich. »Das ist Dominique, sie ist neu hier und da Simon auch noch nicht so lange da ist, wird er dein Pate sein.« Sein Finger geht jetzt zu einem braunhaarigen Jungen und ich denke mir, mir doch egal.

Wollt ihr den Neustart von Niki wissen? Dann klickt hier.
Wie es weitergeht, erfahrt ihr hier.
Wenn ich Simon lesen wollt, müsst ihr auf Instagram bei Beccy Charlaten vorbeischauen.

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