Viktoria 61

Das Blut in seinen Adern fließt unruhig und schnell. So sicher, ist er sich also auch nicht. Ich blicke zu Liam. Er hat seine Lider geschlossen. Er will es nicht sehen, wie ich einen anderen beiße. Freiwillig tue ich das nicht, aber es gibt gerade nicht mehr viele Möglichkeiten. Meine Zähne bohren sich durch die warme zähe Haut. Es ist ganz anders als bei Jes. Vielleicht empfinde ich es auch nur so, weil ich es bei ihr gewöhnt bin. Langsam und dickflüssig fließt sein dickes Blut in meinem Mund. Sobald es meine Zunge berührt, muss ich mich übergeben und schubse ihn weg. Ein Schwall landet auf der Decke. Rot schimmert es vor mir. Schwer lasse ich mich nach hinten fallen. Mein Magen verkrampft sich immer mehr.
»Hier«, höre ich Liam, der mir ein Tuch auf dem Mund drückt. »Holt einen Eimer.«
Zu spät, er ist der Nächste, der das Blut abbekommt.
»Deine Theorie ist für den Arsch gewesen«, höre ich Jes.
»Ich verstehe es nicht«, wiederholt Nikolas immer und immer wieder.
»Raus hier alle«, befiehlt meine Mutter. »Liam, lass die Badewanne ein.« Er lässt mich los und ich halte verkrampft meinen Bauch.
»Alles wird gut mein Schatz«, flüstert mir meine Mutter zu.
»Warum?«, wimmere ich. Die Fragen in meinem Kopf: Warum ich? Wieso bin ich so anders? Warum vertrage ich nichts?
»Schatz hör mir zu, wir haben noch eine Chance, aber das muss schnell gehen.«
Ich sehe zu ihr.
»Trink.«
»Aber …«
»Nicht reden trinken.«
Sie drückt mir die Tasse an den Lippen. Ich kann es nicht definieren und bevor ich nach frage, schüttet sie mir es in den Mund. Mir wird heiß und kalt, einerseits habe ich das Gefühl innerlich zu verbrennen, anderseits zu erfrieren. Geschmacklich kann ich nicht mal etwas sagen. Ich schreie auf und höre nur noch Liam meinen Namen rufen.

Viktoria treibt hier weiter ihr Unwesen.
Start ihrer Geschichte kannst du hier lesen

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