Viktoria 62

Als ich wieder etwas richtig wahrnehme, liege ich in heißem Wasser. Die rosa-blauen Fließen sagen mir, dass es das Badezimmer meiner Eltern ist. Schon immer finde ich es einfach fürchterlich.
»Hey«, vernehme ich Liams Stimme. Mein Blick geht zu ihm. Er ist bleich und sieht mich sorgenvoll an. »Wie geht es dir?«
»Besser.«
Er beugt sich vor und gibt mir einen Kuss.
»Was für ein Blut war das?«
»Von allen irgendwie, angereichert mit deinem Eigenen.«
»Es tat weh.«
Er nickt. »Aber du hast es in dir behalten und du siehst besser aus. Nicht mehr, als wenn du gleich stirbst.«
»Sah ich so schrecklich aus?«
»Sei froh, dass du keinen Spiegel da gehabt hast.« Seine Mundwinkel zucken.
»Hey, verarsch mich nicht.«
»Du sahst wirklich nicht gut aus, aber eher wie ein Mensch, der sehr krank ist.«
»Nicht besser«, brumme ich.
»Es ist egal, das Wichtigere ist, dass jetzt und gerade siehst du gesünder und kräftiger aus.« Er zieht mich in seine Arme. »Dafür bin ich dankbar«, flüstert er gegen meine Halsbeuge.
Seufzend erwidere seine Umarmung. Ich kenne meinen Engel und weiß, dass wenn es um mich geht, er sehr schnell nahe den Tränen ist, aber auch, dass ich definitiv näher an der Schwelle des Todes gewesen sein muss, als er mir sagen will. »Ich liebe dich auch«, flüstere ich ihm zu.
Er sieht mir ins Gesicht. »Wir schaffen das.«
»Ja«, hauche ich gegen seine Lippen. Zumindest ist das meine Hoffnung. Gerade will ich auch nicht wirklich daran denken, was in der Zukunft noch passieren kann.

Viktoria treibt hier weiter ihr Unwesen.
Start ihrer Geschichte kannst du hier lesen

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