Freundschaften

Auf Instagram gab es die Challenge #Eindutzendgefühle #Eindutzendemotionen

Heute habe ich den kompletten Text für euch <3

  1. Aufregung
    Meine Hände sind feucht und mein Herz hat einen Gang höher geschlagen. Allein der Gedanke an ihn wiederzusehen bringt mich zum Lächeln. Doch der Gang ist leer. Mein Blick geht auf meine Uhr. »Vielleicht steht er am Bahnsteig und wartet da«, geht mir durch den Kopf.
    Schnell eile ich den Gang entlang, nehme die Treppen zum Gleis. Wie ausgestorben liegt der Steig vor mir. Mit gerunzelter Stirn greife ich zum Handy. Und da steht es. »Melde mich später, musste zurück.«
    Geknickt gehe ich Richtung Parkplatz. Susanne, meine Freundin, wartet auf mich. »Wo ist David?« Ich setze mich seufzend auf den Beifahrersitz und reiche ihr das Handy.
    »Was für ein Arsch«, mosert sie und startet den Wagen.
    »Was soll ich dazu sagen?«, seufze ich und steck es wieder weg.
    »Lass uns zu Amy fahren, ich habe hunger.«
    Ich nicke, obwohl ich weiß, dass Hunger nicht ihr treibender Gedanke ist zu unserer Stammkneipe mit der hübschen Besitzerin Amy zu fahren.
    Breit grinsend dreht sie das Lenkrad nach links und nicht nach rechts. »Ruf ihn an, frag nach«, meint sie, als wir auf der Schnellstraße bogen.
    »Ich … Nein, er wird sich schon melden, auf David ist eigentlich verlass.«
    »Dann hör auf, ständig zu seufzen.«
    »Tue ich doch gar nicht.«
    »Klar«, sagt sie in einem Ton, der mich wissen lässt, dass sie mir nicht glaubt.
  2. Erschöpfung

Schon als wir die Kneipe betreten will ich umdrehen, allein wenn ich seh, wer alles den Raum steht, fühle ich mich, als wenn man mir meine Lebensgeister entzogen haben.
»Wie geht es dir?«, fragt mich Adam, der sich zu uns stellt.
»Du wusstest es, oder?«
»Ich hab nur den Anruf bekommen, dass er zurück muss und er sich meldet.«
Davids bester Freund, mit mir, sehe ich nicht allzu oft, er ist sehr beschäftigt, womit, habe ich keine Ahnung. Er lächelt mich aufmunternd an.
»Ich habe nur das hier bekommen«, sage ich und zeige ihm die Nachricht.
»Übel. Aber du lässt dich halt auch nicht so leicht abspeisen.«
»Hey!«
»Ist so, du hättest so lang gebohrt bis du eine Antwort bekommen hättest, oder er aufgelegt und dann würdest du weinend in deiner Wohnung sitzen.« Er beugt sich zu mir. »Du weißt, er redet eh ungern über seine Gefühle und in aller Öffentlichkeit noch weniger. Er wird sich melden.«
»Danke.«
Kurz drückt er meine Schulter und geht wieder zu seinen Freunden. Mein Blick geht zu Susann. »Was ist?«
»Du siehst erschöpft aus.«
»Ich will jetzt etwas trinken.« Ich drehe mich zu Amy. »Also, wie immer, plus Frust.«
Sie nickt uns lachend zu. Susanne legt die Autoschlüssel unter den Tresen. Ein Zeichen, dass sie heute definitiv nicht fahren wird. Wir bekommen unsere Getränke. »Flammenkuchen, brauch noch etwas.«
Ich nicke Amy zu und nehme einen kräftigen Schluck meines Wodkas.

  1. Vertrauen

»Ich wusste doch, dass er nicht kommt«, höre ich laut von der anderen Seite. Ich verdrehe meine Augen. Dass meine Erzfeindin seit dem Kindergarten wieder mal mir einen reindrücken will, war so sicher wie das Amen in der Kirche. Schon damals hat es ihr nicht gefallen, dass David zu mir gestanden hat und ihr die kalte Schulter gezeigt hat. Damals habe ich ihm blind vertrauen können, aber seit er weggezogen ist, ist mehr Optimismus, dass die Bahn pünktlich einfährt als auf ihn. Sicherlich sind Frau und Zwillingskinder nicht gerade einfach, aber es ist ja auch nicht erst seit einem Jahr so.
»Anja, halt deine Klappe«, dröhnt Adams Stimme nun durch den Raum und plötzlich ist alles still.
»Was den? Ich sage nur die Wahrheit!«
»Du hast kleine Ahnung.«
»Na er ist doch froh seine Klette loszuwerden, warum sonst sollte er gleich an andere Ende des Landes ziehen?«
»Weil man nur Meeresbiologie am Meer studieren kann«, sagt Susanne. »Aber du, hast noch nie ein gutes Haar an ihr gelassen, schon immer hast du sie gehänselt.«
»Lass gut sein«, bitte ich und greife nach ihrem Arm.
»Nein, das sehe ich gar nicht ein, ständig trabt sie nach dir, als wenn du ein dummer Teppich wärst!«

  1. Schuld

»Ist es meine Schuld?«, hinterfragt Anja, »dass er schon wieder abgesagt hat.«
»So ruhe jetzt und raus«, befiehlt Amy und zeigt energisch zu der Tür.
Die Schuld, die ich verspüre, lässt meinen Rücken verkrampfen, ich habe nie gewollt, dass Anja Ärger bekommt.
»Man hör auf«, zischt Susanne mir zu. »Sie hat es sich selbst eingebrockt.«
»Aber …«
»Nichts aber, sie hätte einfach Ruhe geben können, du siehst eh schon traurig aus und sie musste nachtreten.«
»Sie hat recht«, meint Adam.
»Siehst du, er ist der gleichen Meinung und Amy auch, sonst hätte sie Anja nicht hinausgeworfen.«
Ich beiße mir auf die Lippe. Adam hebt mein Kinn an und sieht mir in die Augen. »Es ist nicht dein oder sonst jemandes Schuld. David ist von Fischen und alles, was sich im Meer befindet, fasziniert, seit wir ihn kennen, also lass sie dumm reden?«
»Meinetwegen …«
»Nein«, geht Susanne dazwischen. »Nein, nein und noch mal nein. Anja hätte einfach ihren Mund halten sollen, dann hätte sie auch nicht gehen müssen.« Sie blickt zu Amy, die mir meinen Flammenkuchen hinstellt.

  1. Geborgenheit

Adam klaut mir ein Stück.
Ich verdrehe die Augen und er grinst einfach nur. So war er schon immer. David und mein Essen ist nie vor ihm sicher gewesen, ständig hat er etwas uns geklaut. Dieses Gefühl der Erinnerung lässt mich schmunzeln. In den Zeiten habe ich mich noch wohl und geborgen gefühlt, nichts und niemand nicht, mal Anja, konnte mir da den Tag vermiesen.
Er legt den Arm um mich und ich lasse meinen Kopf auf seine Brust fallen. »Und wenn sie recht hat, dass es meine Schuld ist.«
Sanft fahren seine Hände über meinen Rücken. Diese Geste hat er angefangen, als David weggezogen ist, vorher hat er das nie getan. »Sag so etwas nicht.« Ich spüre seinen warmen Atem an meinem Haaransatz, bevor er dort seine Lippen aufdrückt. »Er ist gegangen, weil es sein Traum ist, den er verfolgt und weil sich Menschen eben auch auseinander leben. Aber ihr telefoniert öfters, wir sind Paten für seine Kinder und Trauzeugen, denkst du wirklich, dass er deinetwegen gegangen ist?«
»Es fühlt sich manchmal so an«, gestehe ich.
»Das ist nonnsins, da könntest du auch mir die Schuld geben, denn ihr beide quatsch definitiv mehr, wie er und ich.«
Ich seufze und drücke ihn. »Danke.«
»Gerne«, meint er und klaut das nächste Stück.
»Die nächste zahlst du!«

  1. Anspannung

»Und?«, fragt seine Freundin. Ihr Blick ist abfällig. Sie ist so, schon seit ich sie das erste Mal gesehen habe. Wir glauben, dass sie gar nicht anders kann, als einen anderen so anzusehen.
»Alles gut, du musstest nicht herkommen?«, sagt Adam und klingt etwas gereizt. Dies hat sich definitiv geändert. Er sprach immer mit sehr viel liebe zu hier.
Sie runzelt die Stirn. Ihr ist es anscheinend nicht entgangen. Ihre Anspannung ist an ihrer Körperhaltung sehr gut zu sehen. »Und was bitte wird das?«
»Du musst nicht immer hinterherkommen. Es gibt Dinge, die gehen dich einen Dreck an.«
»Adam«, flüstere ich. Mir gefällt es nicht, dass er so mit ihr spricht.
»Was den?«
»Sie fragt doch nur, wie es uns geht.«
»Nein, sie …« Er sieht zu mir. »Mach dir keinen Kopf.« Er wendet sich zu seiner Freundin. »Du solltest nach Hause gehen.«
Wir starren ihn an, aber er setzt sich auf den Hocker hinter mir. »Freunde sind wichtiger, als eine Zicke, die sich überall einmischt«, brummt er nun und nimmt das nächste Stück.
»Verpiss dich doch einfach«, faucht sie und dreht ab.
»Adam, du solltest …«
»Nein, ich gehe nicht hinterher und ich werde auch nicht das mit ihr klären. Ihre Eifersucht geht mir auf die Nerven. Heute wollte ich nur mit den Jungs Fußball schauen und was macht sie, taucht hier auf.« Der Wodka in meinem Glas ist verschwunden. »Auch, wenn nicht geplant war, dass ich David nicht sehe, trifft es mich auch, da wir drei morgen wandern wollten, aber daraus wird ja auch nichts.«
»Wir können ja trotzdem, also wenn du willst.«
Er grinst. »David fehlt trotzdem.«
Das kann ich nur bejahen.

  1. Sorglosigkeit

Oben auf der Klippe zu stehen und der Wind, der von hinten weht, ist, als wenn alle Sorgen weit weggetragen werden.
Gestern haben ich und Adam noch lange über David und die Vergangenheit gesprochen. Er hatte sich nicht gemeldet, aber es ist okay gewesen. Mit Adam die Erinnerungen aufleben zu lassen, ist anders, aber auch sehr interessant gewesen.
Und jetzt stehen wir hier oben und atmen tief durch.
»Das sollten wir öfters machen«, sagt er.
»So oft hast du gar nicht Zeit.«
»Dann nehme ich sie mir.« Er blickt zu mir. »Ich kenne sonst keine, die das hier so sehr mag wie ich.«
Ich habe den ganzen Weg über eine Frage im Kopf gehabt, aber mich nicht getraut sie zu stellen, aber jetzt muss es raus. »Und wie willst du das deiner Freundin erklären?«
Er weicht meinem Blick aus und wendet sich der Tiefe zu. »Was will sie machen?«
»Stress.«
Er lacht auf. »Dann soll sie gehen, es reicht mir langsam.« Er setzt sich hin. »Es ist ja nicht erst seit gestern, dass sie mir auf die Nerven geht. Ich melde mich mal nicht sofort, stresst sie. Ich hab eine andere Meinung, stresst sie. Oder wie gestern, nicht nur, dass sie beim Fernsehen stresst, nein, sie kommt auch und macht Stress, weil ich dich tröste.«
»Das ist sehr viel Stress.«

  1. Enttäuschung

Ich streiche ihm die dunklen Haare hinters Ohr. »Du liebst sie doch.«
»Manchmal bin ich mir dessen nicht sicher, gerade bin ich einfach nur enttäuscht über diese Beziehung.« Er nimmt meine Hand und hält sie fest. »Mich wundert es ehrlich, dass sie heute nicht einfach mit wandern gegangen ist.«
Ich lehne mich bei ihm an. »Ehrlich gesagt, wundert mich das auch.« Ich seufze. »Aber kenne deine Freundin nicht anders. Sie ist schon immer so gewesen, egal gegen wer in deiner Nähe ist, sie giftet ihn an.«
»War ja ne Zeitlang auch recht süß, aber es nervt mich halt immer mehr.«
»Ihr müsst reden und Kompromisse finden.«
Er atmet tief durch. »Hat David sich gemeldet?«
»Nein.« Ich richte mich auf. »Danke dir übrigens für gestern.«
»Das klang nicht überzeugt.«
Ich lache auf. »Doch. Es war wie damals und das Komische daran, David fehlte nicht einmal. Sicherlich bin ich immer noch traurig darüber, aber so ist es nun mal.«
»Ja, es war auf das erste Mal, dass wir vollkommen allein waren.«
Ich nicke. Es ist merkwürdig, wir haben so viel Zeit in der Schule zusammen verbracht, dass wir uns so gut kennen, aber ohne David geteilt worden sind.
»Wir sollten das wiederholen«, meint er.
»Was genau?«
»Na ja, Zeit zu zweit.«
»Da wird dein Schatz jedoch nicht erfreut sein.«
»Muss sie durch.«
»Adam?«
»Mh?« Er sieht zu mir.
»Versprich mir, dass du dir Mühe gibst.«

  1. Verbundenheit

Er mustert mich. »Uns verbindet kaum etwas«, gesteht er auf einmal.
»Aber ihr seid so lange schon zusammen.«
»Es ist eine starke sexuelle Anziehung, aber das ist doch nicht alles, oder?«
Seufzend schüttle ich den Kopf. Diese Situation kenne ich zur Genüge. Ständig bin ich mit meinem Ex im Bett gewesen, darüber hinaus haben wir uns nur gestritten und uns dadurch kaputt gemacht. Aber was nun raten? Ich kenne die Situation zwischen den beiden zu wenig, als dass ich mich einmischen kann. »Liebst du sie?«
Er zuckt mit den Schultern. »Ich verbinde mit dir mehr, als mit ihr.«
Ich starre ihn an.
»Und wir sehen uns kaum.«
Da muss ich ihm leider recht geben, es ist eine Verbundenheit zwischen uns, die man nicht beschreiben kann, nicht sexuell, aber freundschaftlich. »Wir sind halt schon sehr lang befreundet.«
»Definitiv«, seufzt er. »Das sollte keine Anmache sein.«
»Kam kurz so rüber«, gestehe ich.
»Du bist wie eine kleine Schwester.« Er beginnt zu lachen.
»Was ist daran so witzig?«
»Na, weil ich weiß, dass mein Bruder auf dich steht und er des Öfteren schon gefragt hat, ob zwischen uns etwas läuft.«
»Wie bitte?«
»Verrückt oder?«
»Definitiv.« Ich mein, wir kennen uns jetzt seit über zwanzig Jahren und da gab es nie einen Kuss oder den Gedanken bei mir, dass ich mehr wollen würde. Zugegeben fing sein ganzes Verhalten mir gegenüber auch erst an, als David wegzog. »Vielleicht solltest du nicht ständig mich beschützen wollen.«
»Sehe ich gar nicht ein, davon mal ab, dass ich es David versprochen habe ein Auge auf dich zu haben.«
Ich winke ab.

  1. Hilflosigkeit

Klar, damals habe ich mich hilflos gefühlt, als wenn man mir die Luft zum Atmen genommen hat. David ist für mich immer schon sehr wichtig gewesen, mein Fels in der Brandung. Wir haben aufeinander aufgepasst und uns gegenseitig unterstützt. Als Adam in unsere Klasse gekommen ist, haben wir uns angesehen und uns beide damit bestätigt, er wird unser Freund. Sicherlich hat es auch Zeiten gegeben, als die Jungs mal alleine etwas machen wollten, aber zu fast neunzig Prozent bin ich dabei gewesen. Und dann kam sein Umzug. Er hat auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass es ein Abschied aus der Stadt für immer gewesen ist.
Da oben ist meine Zukunft, hat er gesagt, aber wir werden immer Freunde bleiben.
»Adam.«
»Ja?«
»Lass uns etwas Dummes anstellen.«
Er runzelt die Stirn. »Und was?«
»Wir fahren zu David.«
»Okaaay?!«, zieht er lang. »Und dann?«
»Na, wenn das Schiff nicht in den Hafen einfährt, dann muss der Hafen eben wandern.«
Er lacht auf. »Du weißt schon, dass dieses Sprichwort anders geht?«
»Mir egal.«
Er steht auf. »Okay, dann machen wir das.«
Ich springe auf und umarme ihn. »Das wird mega.«
»Fragst du Susanne?«
Erst will ich ja sagen, aber ich schüttel den Kopf. Es fühlt sich nicht richtig an. »Fragst du deinen Schatz?«
»Nein, aber Ben.«
»Willst du mich verkuppeln?«
Er grinst und das sagt wohl ja.

  1. Hoffnung

Wir sitzen doch nur zu zweit in seinem Audi und brettern die Autobahn entlang. Auf die Frage hin, warum sein Bruder nicht mitkommt, hat er nur etwas Unverständliches gebrummt. Wir schweigen, es ist nicht unangenehm. Ich lausche der Musik und betrachte die vorbeiziehende Landschaft.
»Wir müssen tanken«, sagt er.
»Eins mit Restaurant?«
Er nickt. »Gute Idee, bekomme langsam hunger.«
Ich drehe die Musik leiser. »Ich hab übrigens für uns Zimmer gebucht.«
»Ich denke, wir können bei David übernachten.«
»Können schon, aber Babys sind laut.«
Er lacht immer noch, als er die Ausfahrt nimmt.

Drei Stunden später kommen wir an Davids Einfahrt an. »Es ist so dunkel«, sage ich leise.
»Das wird schon. David wird sich freuen.«
»Und wenn er nicht zu Hause ist?«
»Ist er schon.«
Er zieht den Schlüssel. »Seh nicht alles so dunkel.«
»Haha.« Wie kann er nur so voller Hoffnung sein oder bin ich einfach nur hoffnungslos und sehe wirklich die Flöhe husten?
Er steigt aus und läuft pfeifend zur Eingangstür. Gerade, als er klingelt, öffne ich die Tür. Die Haustür geht auf.
»Adam?«, höre ich David.
»Wir dachten, wir kommen zu dir.«
Langsam gehe ich zu ihnen. Ich habe Angst vor seiner Reaktion, freut er sich, uns zu sehen?
»Wir?« Ich sehe, wie Adam beiseite tritt.
»Hey«, sage ich und hebe meine Hand.
David kommt auf mich zu. Seine Augen sind gerötet. Ich schlucke. Sein Gesicht lässt gerade nur Schmerz erkennen. Er schlingt die Arme um mich. »Du hattest schon immer die besten spontanen Ideen.«
Erleichtert lasse ich Luft hinaus und drücke ihn an mich.

  1. Überforderung

Wir sitzen in Davids Wohnzimmer. Wir beide haben uns immer noch in unseren Armen. Adam holt tief Luft. »Was ist passiert?«
Ich merke die Anspannung von David. »Du musst nicht darüber reden«, flüstere ich ihm zu.
»Ist schon in Ordnung, früher oder später muss ich es tun.« David drückt mich. »Ich war schon in Stuttgart, als meine Nachbarin anrief, dass Carolin einen Transporter packt.«
»Wieso?«, hinterfragt Adam.
»Sie hat mich verlassen.« Er schluckt schwer. »Sie hat sich in den Vater der Kinder verliebt.«
»Was?«, kommt aus meinem Mund.
»Ja …« Er schließt die Augen. »Letzte Woche kam heraus, dass ich nicht der Vater bin.«
»Und jetzt?«
»Keine Ahnung, das Haus gehört mir.« Ruckartig lässt er mich los und sieht uns beide mit großen Augen an und mein Magen zieht sich zusammen, weil ich weiß, dass David einer seiner Schnapsideen hat. »Das ist es, ihr zieht zu mir.« Er wendet sich an Adam. »Basti hat eine Baufirma und der braucht immer fähige Leute.«
Mit was ich nicht gerechnet habe, dass Adam sofort feuer und flamme ist. »Das ist ne geile Idee, wirklich. Und wir wären wieder das Dreamteam.«
David sieht zu mir. »Und ich weiß, dass sie im Müller jemanden suchen.« Ich versuche zu lächeln.
Adam und David spinnen immer weiter, was wir hier alles machen können. Aber mich überfordert der Gedanke, alles Stehen und Liegen zu lassen, einfach neu anfangen so sehr, dass es mir übel wird. Ich stehe auf, gehe auf die Terrasse und atme tief durch.
»Was ist los?«, fragt David hinter mir.
»David …« Ich habe keine Ahnung, wie ich das aussprechen soll.
Er legt seine Hände auf meine Schultern. »Ich weiß, dass ich dich gerade damit überfahre, weil du nicht bist wie ich. Aber schau, zwei Tage habe ich keinen klaren Gedanken fassen können. Dann standet ihr vor meiner Tür und ich habe wieder Licht gesehen.«

  1. Ende

David dreht mich zu sich. »Schau mir in die Augen und sage, dass du mich nicht vermisst hast.«
»Das wäre gelogen und das weißt du auch.«
Er nickt und legt seine Stirn auf meine. »Du hast immer gesagt, ich bin dein Fels, aber ich sehe das genau umgekehrt, du bist meiner.« Er streicht mit seinen Fingern über meine Wange.
»David, das ist alles so unüberlegt. Von heute auf morgen, das kann ich nicht.«
»Weißt du was, ihr seid ein paar Tage hier, schaue es dir an und dann reden wir noch mal darüber.« Er küsst meine Nase.
Seufzend lege ich meine Arme um ihn und meinen Kopf auf seine Brust. Mir wäre es tausendmal lieber, wenn er wieder zu uns zieht, aber ich weiß auch, dass es nicht geht.
»Ich hab dich lieb«, flüstert er mir zu.
»Ich weiß«, antworte ich genauso leise. Womöglich hat er recht und ich sehe in ein paar Tagen wirklich anders darüber, somit wäre ein Neustart vielleicht das Beste, aber ich weiß nicht, ob ich dazu bereit bin.
Ich blicke in seine blauen Augen. »Und dann?«, will ich wissen.
»Werden wir sehen.«
Ich seufze. Es ist nicht das, was ich hören will, aber ich kann es verstehen.
»Ey, ich will auch kuscheln«, höre ich Adam und schon legt er die Arme um uns.
Ich lache auf. Er drückt seine Lippen erst auf meine Wange und danach auf die von David.
»Das kann ja heiter werden«, sage ich.
David lacht und tut es Adam gleich. »Wir drei gehören einfach zusammen.« Seine Worte in Gottes Ohr. Was die Zukunft bringt, kann keiner sagen, ich weiß nur, dass ich gerade mehr als froh bin diese beiden hier zu haben.

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