Thes 56

Kurz nach neun betrete ich das Krankenhaus und fahre auf die Station. »Geht es ihnen nicht gut?«, fragt die Schwester gleich.
»Doch, ich wollte zu Thomas.«
»Oh, ähm.« Sie sieht nicht gerade begeistert aus und ich habe das Bedürfnis zu heulen. »Er hat Pause.«
Ich presse meine Lippen aufeinander. Wie konnte ich nur im Geringsten denken, dass ich auf ihn zu gehen muss? »Danke.«
»Warte.«
»Was den noch?«
»Er ist verletzt.«
»Egal, er ist mir keine Rechenschaft schuldig, genauso wenig wie ich.« Auch, wenn ich ganz kurz dieses Bedürfnis habe.
»Ich kann …«
»Nein, er ist halt nicht ihr toller Junge, wie sie gerne es hätten. Ich wusste, dass es wieder so hinauslaufen wird, ein Scherz und weitere verarsche. Doch dieses Mal bin ich stärker!« Damit geh ich zum Aufzug. Wische mir über das Gesicht. Nicht weinen, befehle ich mir. Schnell gehe ich aus dem Gebäude zu den Parkplätzen. Dort sehe ich ihn mit einer meiner Bekannten, die da war, wo ich hier lag. Sein Blick geht zu mir. Ich darf ihm nicht zeigen, dass es mich verletzt. Er küsst sie mit Zunge. Da er sich nicht abwendet, nicke ich ihm lächelnd zu und gehe zu meinem Auto. Alles ein Beweis, für das, was ich mir schon gedacht habe. Trotzdem tut es mir so schrecklich weh. Ich habe keine Lust auf zu Hause und fahre zu Jack. Na ja besser zu einer Immobilie, die er verkaufen will. Die ist gerade am Renovieren. Ich weiß, dass er meist Montag und Mittwoch Nachmittag dort ist. Im Auto warte ich auf ihn, bis er endlich erscheint.
»Hey Zuckermaus«, begrüßt er mich. Seine Raster hat er heute zu einer Palme zusammen gebunden. Damals hatte er kurze Haare, nachdem er seinen Freund Aaron auf einer Karibik-Party kennengelernt hat, wurden sie immer länger und dann zu dieser Frisur. Ich finde sie immer noch abscheulich. Er drückt mich. »Was ist los, du siehst nicht gerade gut aus.«
»Egal. Kann ich etwas bei dir bleiben, bis ich zu OO fahren kann?«
»Klar, wenn es dir nichts ausmacht, dass Kunden immer wieder auftauchen?« Ich schüttle den Kopf. »Ich kann auch mit zu deinen Omas, wenn du willst.«
»Sehe ich so schlimm aus?«
»Na ja, ich kenn dich halt schon länger und sie dich noch besser.« Er sperrt die Wohnung auf und lässt mich eintreten.
»Nächsten Monat Okay, heute will ich einfach nur sie sehen und schnell verziehen.«
Er nickt. »Da du nicht nach Hause willst, also Aaron ist nie nächsten Tage nicht da.«
»Das Angebot ist …« Bin ich bescheuert, es ablehnen zu wollen? »Danke, ja, das würde helfen.«
»Du kannst mit mir reden, das weißt du, oder?«
»Ja, aber gerade will ich nicht darüber reden.«
Er nickt. »Willst du dich umsehen?«
»Du weißt, dass ich diese Wohnung liebe.«
»Darum ja«, meint er und zwinkert mir zu.

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