Thes 57

Beim ersten Kunden gehe ich uns etwas zu essen holen. Danach fahre ich dann zum Altersheim. Ich bin viel zu früh, aber so kann ich schneller wieder gehen.
»Hallo Röschen«, begrüßt mich meine erste Oma. Sie ist die Mama meiner Mutter. Ich hasse diesen Spitzname. »Kommst du, um mich singen zu hören?«
»Ja Oma, ich will keine deiner Shows verpassen.« Ich gebe einen Kuss auf ihre Stirn. Sie sang, als sie jünger war in einer Band, aber das ist eben schon einiges her. Hier hat sie ein paar Auftritte ablegen dürfen, was auch Jahre schon her ist.
»Du siehst gruselig aus«, meint meine zweite Oma väterlicherseits. Das Problem das Einzige womit man die beiden unterscheiden kann, ist ihre Körperfülle. Beide heißen mit Vornamen Odette, die haben beide weiße Lockenpracht und graue Augen. Noch ein Unterschied ist das Gedächtnis, während die schlanke Sängerin noch in einer Zeit lebt, wo noch vieles schöner gewesen ist, lebt meine vollschlanke Oma, von der ich mein Gen anscheinend habe, im hier und jetzt.
»Röschen Odi hat recht, was ist los?«
»Ich war die Woche im Krankenhaus, Blinddarm, aber mir geht es gut.« Sie nickt verständnisvoll und sieht dann wieder zum Essen.
»Du kannst dies ihr erzählen«, flüstert mir die andere zu, »aber ich kenne dich. Da steckt ein Mann dahinter.« Genau, das hat Jack gemeint. Sie hat ein Auge dafür. Nicht das ich oft Probleme damit habe, aber Thomas, ist ja auch anders. »Na komm erzähl?«
»Du weißt doch, das ich Probleme mit zwei Jungs in der Schule hatte.«
Ihr Blick wird finster. »Ja?«
Ich beschließe, ihr nichts von Thomas zu erzählen. »Na ja auch das Lisa mit einem davon zusammen ist.« Sie nickt. »Sie wollen heiraten.«
»Das ist aber nicht alles.«
Wie ich das hasse. »Na ja es gibt einen, der im Krankenhaus war, und ich habe mich in ihn verliebt.«
»Ich höre.«
»Er ist eigentlich toll, so zärtlich und so wie er, ist noch nie ein Mann auf mich eingegangen.«
»Und dieser Mann, ist der zweite.« Dieses Mal bejahe ich es stumm. »Und was ist vorgefallen?«
»Wir haben die letzten Tage zusammen verbracht. Es wahr irgendwie, wie ein wahnsinniger Traum und dann kam das Gespräch heute Morgen auf euch.«
»Wie soll ich das verstehen?«
»Na ich finde, euch geht ihm nichts an. Ich will ihn einfach nicht so gesehen allen vorstellen, obwohl ich nicht weiß, wie es weiter geht. Er wurde sauer und na ja, dann sah ich ihn …« Ich schniefte. »Es tut alles so weh.«
»Rede mit ihm«, kommt von der Mama meiner Mutter. Ich runzelte die Stirn.
»Auch, wenn ich es nicht gut finde, das es gerade einer der beiden ist, gebe ich deiner Neti recht.« Sie lächelt mir zu. »Vermutlich denkt er, dass es etwas anderes ist, das du ihn nicht ernst nimmst.«
»Es ist egal, weil er nicht mal vier Stunden danach seine Zunge in eine andere gesteckt hat.«
»Röschen!«
»Oma musst du dich nicht vorbeireiten?«
»Oh ja, mein Auftritt.«
»Es hat noch Zeit Neti, bleib sitzen.«
»Aber Röschen ist doch dafür gekommen.«
»Kann ich helfen?« Der hat mir gerade noch gefehlt.
»Hallo Oliver.« Ja genau der Oliver, mein Ex-Sex-Date.
»Könnten wir uns kurz unterhalten?«
Ich verdrehe meine Augen und folge ihm dann. »Nur weil du hier Pfleger bist, heißt das nicht, dass du mir auflauern sollst.«
»Wenn du mich das nächste Mal anrufst, sag mir bitte Bescheid, das dein Freund kommen könnte.«
»Ich habe keinen Freund.« Spinnt der jetzt?
»Lass die Finger von meiner Theresa, klingt für mich schon danach. Oder wolltest du mir dadurch sagen, dass es unsere Absprache nicht mehr gibt?«
»Braune schulterlange Haare und muskulös?«
»Ich frag mich zwar, was so einer an dir findet, aber ja, so sah er aus.«
Verwirrt sah ich zum Fenster. »Warum sollte er das sagen?«
»Mir egal, willst du noch oder nicht?«
»Was?«
»Ficken, Mann stell dich nicht so dumm an!«
»Ähm klar, also wenn ich Zeit habe.«
Er sieht zu meinen Omas. »Hast du in einer Stunde Zeit?«
»Ähm, entschuldige, aber mein bester Freund erwartet mich dann gleich zum Spieleabend.« Mit der Wahrheit gelogen, das soll man erst mal hinbekommen. »Aber ich kann mich melden, wenn ich nach Hause fahre.«
»Ich hab aber jetzt druck und nicht erst heute Abend.«
»Dann hol dir einen runter, denn ich gehe jetzt zu meinen Omas zurück.«
»Thes, komm schon.«
»Nein«, sagte ich und gehe zurück.
»Keine erfreulichen Nachrichten?«, fragt die Mutter meines Vaters. Da kommt mir eine Idee, ich will aufspringen, aber sie hält mich fest. »Tu es nicht.«
»Was meinst du?«
»Rache ist nicht die Lösung für dein Problem und du wirst dich schlechter danach fühlen, weil du es getan hast.«
»Oma …«
»Glaube mir, Rede mit ihm, aber tue euch damit nicht noch mehr weh.«
Manchmal glaube ich, sie kann hellsehen.

Kurz danach breche ich auf und fahre zu Jack. »Monopoly ist schon aufgestellt.«
»Nimm mir das nicht übel, aber ich habe keine Lust darauf.«
»Willst du mir das nicht endlich erzählen?«, hinterfragt er und reicht mir einen Cocktail.
»Nein, einfach saufen und nicht denken.« Na ja so ist mein Plan gewesen. Mitten in einem Film, den wir angesehen haben, fange ich an zu weinen.

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