Thes 60

So stehen wir am Samstag in unsere Stammdisco. Ein Arbeitskollege von Aaron will auch kommen. Erst habe ich denn mich geweigert. Da meinte er: »Keine Panik, er wurde verarscht, er hat genauso wenig Lust, jemanden kennenzulernen, wie du.« Darauf hin habe ich mich umgezogen und wir sind da hingefahren.
Erst stehen wir nur dumm da, ich bin schon fast am Sagen: Lass uns gehen. Aber dann zieht mich Jack auf die Tanzfläche und schiebt meine Mundwinkel nach oben. Erfolglos, ist doch klar. Je mehr aber der Alkohol und die Musik wirken, umso lockerer werde ich. Meine Kehle ist trocken und wir gehen zu Aaron. Er sieht mich finster an.
»Was ist?«, fragen Jack und ich wie aus einem Mund.
»Mein Arbeitskollege ist gegangen.«
»Kann ich ihm nicht verübeln, ich hatte ja auch nicht so viel Lust hier drauf«, sage ich.
»Hier ist es mir zu laut, gehen wir rüber in die Bar?« Wir nicken und wühlen uns durch die Menge. Am Eingang lassen wir uns einen Stempel auf die Hand geben und verlassen die Disco.
Ich blicke zur Seite. Da ist ein Mann, der aussieht, wie Thomas. Mein Herz schlägt schneller, es ist er! Ich will zu ihm, doch dann sehe ich wider, warum es nichts bringt. Er steuert auf eine Frau zu. »Können wir heim?«
»Ist das?«, will Jack wissen und ich nicke kurz. »Komm schon, lass es dir nicht vermiesen.«
»Also, wenn du mich fragst, sieht es nicht so aus, als wenn das seine Neue ist«, sagt Aaron, »eher wie seine Schwester.«
»Es ist egal«, sage ich leise.
Jack schiebt mich in die Bar und zwingt mich zum Sitzen. »Zwei Wodka und eine Cola«, bestellt Aaron. Als der Kellner geht, sagt er dann. »Warum ist es egal?«
»Weil er …«
»Aaron, ich hab es dir erzählt, er hat sie verarscht.«
»Oder vielleicht sie ihn.«
Ich starre ihn an. »Wie bitte?«
»Na mein Arbeitskollege, wurde das Herz gebrochen, er hat alles für sie getan, ihn hat es echt heftig erwischt und dann sagt sie ihm, dass sie zu einem Date fährt.«
Ich seufze. »Thomas hat sich auch über einen Termin aufgeregt, aber ich habe ihm gesagt, dass es nicht so einer ist, also ihr wisst schon.«
»Du hast es ihm gesagt?«
Ich nicke. »Ich wollte ihm nur nicht sagen, zu wem ich fahre. Schau Aaron, unsere Vorgeschichte ist megascheiße, ich konnte und will ihm nicht in die Familie zeigen, nicht bevor … aber anscheinend hatte ich recht.«
»Sie meint den Kuss, mit der anderen«, erklärt Jack, »und er wollte ihr wehtun mit dem Kino.«
Aaron geht sich über das Haar. »Warum redest du nicht mit ihm?«
»Was bringt das? Er hat sie schon verletzt, wenn er es ernst meinen würde, würde er kämpfen.«
»Aber sie sagt doch, dass es keinen Sinn ergibt.«
Ich reibe meine Lider.
»Herr Gott Aaron. Ich habe auch gezweifelt und gesagt, ich sehe keine Zukunft, trotzdem bist du bei mir …«
Ich schlage auf den Tisch. »Es ist egal.«
»Liebst du ihn?«
»Ja«, gestehe ich. »Können wir bitte es lassen, du hast gesehen, dass es ihm nicht juckt, er sich an die Nächste hängt.«
»Und wenn ich recht habe, dass es seine Schwester ist?«
»Dann würde er kämpfen«, sagt Jack, »und das Thema ist beendet, ich will sie aufmuntern und nicht niedermachen.«
»Ich wollte es nur wissen.« Aaron nimmt meine Hand. »Gerade durch meinen Arbeitskollegen, weiß ich jetzt, wie schnell jemand etwas in den falschen Hals bekommen kann. Du hättest auch einfach sagen können, statt das geht dich nichts an, eher so, das erzähle ich dir später.« Er blickt zu Jack. »Er dachte bestimmt, ihr seid zusammen und so etwas kann Trotz hervorrufen, wenn er vermutete, dass du gleich mit dem nächsten ins Bett gehst.«
»Ich habe ihm gesagt, dass es nicht so etwas ist, und nach dem Kino habe ihm auch entgegengeschrien, dass ich bei meinen Omas war. Er … ach scheiß darauf. War ja klar, dass du zu einem Kerl hältst.« Damit stehe ich auf, laufe den Kellner fast um.
»Thes, bitte«, höre ich Jack.
Aber ich will nichts hören. Etwas weiter von der Disco entfernt, ist ein Taxistand. In das Erste steige ich ein und lasse mich nach Hause bringen.

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