Thes 72

Am Flughafen sehe ich Thomas schon. Er sitzt in der Lobby, sein Blick starr auf das Ticket, irgendetwas vor sich hermurmelnd. Als ich endlich den mutgefasst habe, ihn anzusprechen, wird unser Flug aufgerufen. Warum muss Lisa auch in den Kanaren heiraten.
Neben meinem Platz sitzt Thomas. Toll, das kann ich nicht gebrauchen. Sein Blick geht zu mir und nickt mir dann zu. Ich lasse mich neben ihn gleiten. Eine Stunde, glaube ich, muss ich das aushalten. Seine Atmung ist geräuschvoll. Will er, dass ich ihn darauf hinweise, oder macht er das, um sich zu beruhigen, mich nicht anzubrüllen?
Nach der Landung eile ich zum Ausstieg, aber dann stehe ich da, warte mit einem Koffer auf ein Taxi. Endlich kommt eines. Er packt meine Tasche in den Kofferraum. Ich will gerade einsteigen, da bemerke ich ihn. Ich schließe meine Lider.
»Willst du mitfahren?«, frage ich ihn, bevor ich wieder alles verwerfe.
»Ja, danke.« Wie schon den ganzen Flug über sitze ich neben ihn und reibe meine feuchten Hände an der Jeans ab. »Du siehst gut aus«, meint er.
»Die letzten Tage ging es mir besser.« Ich atmete tief durch. »Bist du krank?«
Er seufzt. »Krank vor Sehnsucht.«
»Oh, ähm …« Scheiße nicht flennen. »Dann ist es verständlich, aber warum hast du sie nicht mit gebracht?«
»Weil sie mich nicht will.«
Kurz muss ich auflachen. »Dann ist sie dumm.« Ich blicke aus dem Fenster. »Du bist der leidenschaftliche, attraktivste, einfühlsamste und Zuvorkommende Mann, den ich je kennengelernt habe.«
»Und doch hast du mich in die Wüste geschickt.«
»Weil wir, keine Zukunft haben. Wir haben nichts gemeinsam.«
»Mh.«
Ich sehe das Hotel immer näher kommen. »Davon abgesehen, hast du dich ja schnell etwas Neues gesucht.«
»Thes ich …«
Das Taxi hält. »Es ist egal, was du sagen willst, nach dieser Hochzeit, werde ich dich nie, nie wieder sehen. Dann kannst du mir nicht mehr weh tun.« Ich springe hinaus. Lisa steht da und sieht zwischen uns hin und her. Ich packe meine Tasche, gehe zu ihr und zerre sie Hotel. »Bring mich bitte sofort in ein Zimmer.«
»Warum fährst du mit Thomas in einem Taxi?«
»Weil ich dumm war, wie immer wenn es um ihn geht.«
»Ihm geht es echt mies.« Sie lehnt sich neben mich. »Er ist …«
»Verliebt ich weiß, er hat es gerade gesagt.«
»Und?«
»Was und?«
»Na was sagst du dazu?«
»Lisa bitte, ich will den Scheiß hinter mir bringen.«
»Dieser Scheiß ist meine Hochzeit.«
»Ich weiß, aber du auch, wie sehr ich Mark hasse.«
»Kannst du nicht für mich endlich diese Schulstreitigkeiten vergessen.«
»Schulstreitigkeiten?«, hinterfrage ich. So hat er es also genannt, mir den Buhmann zuschieben, ist irgendwie klar gewesen. »Ich will mich nicht mit dir streiten.«
»Thes dann sag doch, was los war.«
Ich schüttle den Kopf. »Ich will mich frisch machen.«
»Okay. In einer Stunde hole ich dich zum Probeessen ab.« Ich nicke ihr zu, sie verlässt das Zimmer und ich hole frische Kleidung aus der Tasche, als es klopf.

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